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der vor dem niederländischen Verfahren warnte "), und ein Ungenannter – die Namen der Besten bleiben in Zeiten der Verwirrung oft unbekannt – der in kräftiger Volkssprache von dem Gebrauche der Federbetten dringend abmahnte *). Bald ging auch

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2) Hier ist das ganze, nur fünf Seiten füllende Schriftchen: Das Remedium, Radt, Hulff vnd trost, fur die Erschrecklichen, vnd beuor, bey vns deutschen, vnerhorten schnellen tödtlichen kranckheit, die Engelischenn Schweissucht genandt, daruor vns Gott der Almechtige genediglich bewahren wölle. Wehn dye kranckheit vnd schweissucht an kumbt, so last fragenn, was die glock geschlagenn habe, das mercke. Soymandt mit der Seuch befelt, dovns Gott vor beware, den kümbt sie an mit hitze, oder mit kelde, vnd wirt mechtig schwitzen, vnndyhm wirtszowee, vber alle seynen gantzen leib. Etliche kümbt die sucht an, mit heschen auffsteyung vnnd groltzen, vnnd schwitzen nicht, Vnd die nicht schwitzen, den geb man ein Muscaten blumenn mit warmen bier, so schwitzen sie. So aber ymandt die sucht vnnd kranckheit, dovns Got vor beware, ynn der nacht kriegt, ym pethe, vnnd do er vnter leydt, das mus man yhm vber lassen, hat ehr ein feder odder dünne peth vber, szo schneidt mans auff, vnnd neme die feddern daraus, das ehr alleynn die ziechen oder büren vber behalt, ist sie zu dünn, szo lege darzu eynn erkeldt decken, vnd lass yhn darunter ligen, bis zum hals zu bedeckt, vnnd hütte sich, das yhm die lufft nicht auff die brust, vnnd unter die arme, vnnd ballen der füess nicht rüre noch stoss, vnd werff sich nicht viel vmb. Item, man sol zweenn man bey dem krancken lassen, den zuuorwarenn, das ehr sich nicht auff decke, vnnd auch nicht schlaffe. Item, die selbigen zwen Menner, müssen acht auf den krancken haben, vnd für schlaffen bewaren. So sie das versehen, vnd nicht bewaren, vnd das der kranck schlieffe, szo kömpt ehr von seinenm symnen, vnnd wirdt toll ym heubt. Domit man yhn aber vor dem schlaffe enthalten vnd verwaren künne, Sonym einn wenig Rosen wassers, vnd streich yhm das mit einem schwam oder reynen tüchleyn yn die dünning schwüschen augen vnd ohren, vnd scharffen wein odder bir essigk, die Rede von Mund zu Mund: „Die Schweisssucht will keine Arznei haben“*).

streych yhm mit dem schwam odder tüchleyn ynn die nasen, vnd rede stetigs mit yhm, das ehr nicht schlaffe. Will ehr trinckenn, so gibyhm dünne trincken, vnd das soll eyn wenig warm seyn, vnnd man soll yhm auff eyn mal nicht mehr geben, denn zween löffell foll. Item auff das heupt sol man den krancken setzen, eynne Leynene schlaeff hawbenn, vnnd eynne wüllene mütz darüber. Item man soll auch nehmen eyn warm tuch, vnd wüsche ym den schweis domit ab von dem antlitz. Item, Der die schweyssucht des tages krieget. Der lege sich nyder, ists eyn Man, ynn hossen vnd wammes zu peth, ists ein weibs bild in yhren kleydern, vnd las sich vber deckenn, nicht meher als zwue dünne decken, vnd vor allen dingen keyn feder peth, vnd gehe dem also nach, wie vorgeschriebenn ist. Item den meysten lewten kümbt die kranckheit von grosser erschreckung, vnd von verfernuss, do sol sich ein mensch mit grossem fleys vorwahren. Eyns für alles, man mus dem krancken nicht seinen willen lassen, Was ehryhm wil gethan haben, das mus man yhm nicht thun. Item die es des nachtes kriegen, vnd nackent ligen. Wollen sie nicht still ligen, szonehe man sie ynn die leilach, vnd die leylach mit an das petthe, das do keyne lufft vnder kan komen, bewar yhn mit decken wie vor. Summa, der es also kan xxiiij stunde ausligen, vnd dem Gott gnad gibt, der genehest der sucht, vnd wirt gesundt. So ein mensch die xxiiij. stund auszgelegen hatt, so nehme man yhn auff mit eynem warmen leylachenn, vnd heng yhm was vmb, das ehr nicht kalt werde vnd zeuch yhm was vber die fuesse, vnd bring yhm bey das fewr, vnd vor allen dingen, las yhn yn vier tagenn nicht yn die lufft gehn, vnd bewahr sich vor vielem vnnd kaltem trincken. Wil ehr auch schlaffen, so xxiiij. stund vmbseinn, So las man yhnn frey schlaffen, das yhn Got bewahr. Der Herr ist vnser aller mechtigk. Amen. (Der Druckort fehlt; wahrscheinlich Leipzig oder Wittenberg.) 1) Magnus Hundt, fol. 27. a. – „Nullis vero aliis medicamentis utuntur adversus ipsam, quam exspectatione sudoris, nam quibus advenit, omnes fere evadunt, quibus autem retinetur, maxima pars perit.“ Forest. a. a. O. p. 159. a. Schol.

Es ist kein Grund anzunehmen, dass der Einfluss des ärztlichen Standes in dem Mutterlande der Schweisssucht erheblich besser gewesen sei als in Deutschland, denn die Zahl der gelehrten Aerzte war dort noch viel geringer, und der Unterricht in der Heilkunde bei weitem nicht auf der Stufe wie in Italien, Deutschland und Frankreich Der gelehrte Linacre war bereits im Jahre 1524 gestorben; Leibärzte des Königs um die Zeit der vierten Schweissfieberseuche waren John Chambre ), Edward Wotton *), George Owen *) und wahrscheinlich auch William Butts *), dem Shakespeare *) ein schönes Denkmal gesetzt hat – gewiss sehr ausgezeichnete und würdige Männer °), doch hat die Nachwelt nichts von ihnen über den englischen Schweiss erfahren. Alle diese Aerzte waren gelehrte und eifrige, ohne Zweifel auch vorsichtige Nachahmer der altgriechischen Heilkunst, ihre Verdienste kamen aber nicht dem Volke zu Statten, das, wenn es nicht mit seinem eigenen Verstande zu Rathe ging, und sich mit hergebrachten Hausmitteln behalf, einer Schaar von Wundärzten anheim fiel, so roh und so unwissend diese nur bei dem damaligen Zustande der Gesellschaft sein konnten ”).

1) Geb. um 1483, + 1549.

2) Geb. 1492, + 1555. – 3) + 1558.

4) + 1545. „Wir gravis; eximia litterarum cognitione, singulari judicio, summa experientia, et prudenti consilio Doctor.“ Aikin, p. 47.

5) In Heinrich VIII.

6) lhre Lebensbeschreibungen siehe bei Aikin.

7) Thomas Gale's Beschreibung dieser Klasse ärztlicher Handlanger in den englischen Kriegsheeren giebt hierüber den besten Ausschluss: „Ich erinnere mich, dass in dem Feldzuge des weltberühmten Königs Heinrichs VIII., bei Montreuil (1544), ein zusammengelaufenes Gesindel sich für Chirurgen ausgab. Es

England. 11. Flugschriften.

So unerklärlich auf den ersten Anblick das Stillschweigen der gelehrten englischen Aerzte über das Schweissfieber ist – wozu nützt überhaupt alle Gelehrsamkeit, wenn sie nicht einmal die stürmischen Er

waren Schweinschneider, Pferdeschneider, Schuster und Kesselflicker, bunt durcheinander. Diese trefflichen Leute (man nannte sie dog-leaches, Hundeärzte) machten so grosse Kuren, dass ihre Verwundeten mit zwei Verbänden für immer abgefunden waren, so dass sie nie wieder über Schmerz, Frost oder Hitze klagten. Als nun der Herzog von Norfolk, der damals Heerführer war, seine Soldaten an leichten Wunden hinsterben sah, so befahl er mir und einigen anderen Feldärzten die Sache zu untersuchen. Wir wanderten daher durch das ganze Lager, und fanden viele jener Leute, die sich für Chirurgen ausgaben, und sich als solche bezahlen liessen. Fragten wir sie, bei wem sie gelernt hätten, so nannten sie ganz frech irgend einen geschickten Mann, der aber schon längst todt war. Dann zogen sie aus einer Tasche einen Topf voll Schmiere hervor, wie man sie gedrückten Pferden auflegt, oder waren es Schuster oder Kesselflicker, so heilten sie alles mit Schusterpech und altem Pfannenrost, woraus sie, wie sie sagten, eine schöne Heilsalbe machten. Endlich wurden aber diese Menschen festgenommen, und man drohte ihnen für ihre Schandthaten mit dem Galgen, wenn sie nicht sagen wollten was sie wären, worauf sie denn ihre Geständnisse ablegten.“ An einer andern Stelle sagt Gale: „Ich habe zur Zeit König Heinrichs VIII. in einem Jahre 72 Chirurgen für die Flotte und das Kriegsheer in London anwerben helfen, die ganz gute Arbeiter (workmen) und alle Engländer waren. Jetzt giebt es deren aber kaum 34, und da die meisten von ihnen in Diensten reicher Edelleute sind, so wüsste ich im Fall der Noth kaum zwölf ganz brauchbare Leute aufzufinden. Was sage ich, ganz brauchbare? Wären doch in ganz England nur zehn Leute, die den Namen Wundärzte verdienten.“ Man mache sich hiernach eine Vorstellung von der Hülflosigkeit der Kranken in dem französischen Pestlager vor Neapel im Jahre 1528. – Gale (geb. 1507, lebte noch um 1586) war ein zu seiner Zeit sehr wackerer und verdienter Feldarzt. Aikin, p. 93.

scheinungen des Lebens beleuchten soll – so findet es doch vielleicht seinen Grund in einem ganz einfachen äusserlichen Umstande. Noch hatte in England die Reformation nicht begonnen, die katholische Kirche stand noch auf ihren Grundpfeilern, und ein geistiger Verkehr der Gelehrten mit dem Volke gehörte noch keinesweges zu den anerkannten Bedürfnissen. Die Aerzte hätten daher die neue Krankheit nur in weitschichtigen lateinischen Büchern bearbeiten können, denn in ihrer Muttersprache schrieben sie ungern, dazu konnte ihnen aber der Gegenstand nicht geeignet erscheinen, denn sie fanden ihn bei ihren hochverehrten Meistern, den Griechen, unbeachtet und unerörtert. Dass ein Schweissfieber im Alterthum vorgekommen war, das ihnen hätte Anregung zum eigenen Forschen geben können, wussten sie nicht, denn Aurelian, der es mit lebendigen Zügen beschreibt, war ihnen entweder unbekannt, oder er wurde von ihnen – ein damals vollgültiger Grund – wegen seiner schlechten Sprache verachtet. In Deutschland dagegen hatten sich die geistigen Deutschland.

Bedürfnisse des Volkes und der Gebildeten schon ganz anders entwickelt. Schon zwölf Jahre früher war hier das Zeitalter der Flugschriften angegangen; die Gedanken Luthers und seiner Gehülfen, und so auch ihrer Gegner, wurden durch eilenden Druck beflügelt, und das Volk nahm leidenschaftlichen Antheil an dem Streite der Gelehrten für seine Ueberzeugung, die durch diese ganz neue und durchgreifende Weise des Unterrichts allmählich gebildet und geleitet wurde. Daher ist es nicht zu verwundern, dass man auch andere wichtige Gegenstände in Flugschriften zu erörtern anfing, und so sehen wir denn diesen wichtigen Zweig des geistigen Verkehrs, mit allen seinen Vor

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