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Deutschlands Wohl die Einverleibung dieser Länder verlangten; Preußen könne keinen Feind im Rücken und in der Flanke dulden. Die gleiche Antwort erhielt in den leßten Tagen des August in Berlin eine Des putation des hannoverschen Adels, welche den König zu bestimmen suchte, wenigstens keine völlige Einverleibung in's Werk zu seßen. Der König gab der Deputation in einer ausführlichen Rede, worin er die Verhältnisse auseinander seşte, den Bescheid, daß Preußen von der Einverleibung Hannovers nicht abstehen könne. Nur die reiflichste, wegen meiner verwandtschaftlichen Verhältnisse zum Hause Hannover schmerzlichste Prüfung", schloß er seine Rebe, ,, hat mich zu dem Beschlusse der Annerion kommen lassen als einer Pflicht, mein Preußen für die von ihm gebrachten schweren Opfer zu entschädigen und die wahrscheinliche Wiederkehr der durch die unfreundliche Stellung Hannovers auch in Zukunft zu besorgenden Gefahren zu beseitigen. Ich hoffe, daß gegen: seitiges Vertrauen bereinst zur Zufriedenheit führen wird.“

Der König Georg V. hatte in der Rapitulation von Langen: salza (27. Juni 1866) die Bedingung eingehen müssen, sein Heer mit der Weisung, nicht gegen Preußen zu kämpfen, in die Heimath zit entlassen, und sich einen Wohnsitz außerhalb des Königreichs Hannover zu wählen. Er begab sich nun zunächst in das Gebiet seines Schwieger: vaters, des Herzoge von Altenburg; von da traf er mit dem Kronprinzen am 19. Juli 1866 in Wien ein, um dem Orte der Verhandlungen nahe zu sein, und nahm seine Wohnung im benachbarten Hieķing. Gleichwohl war er aber auch in der Residenz des Raisers nicht im Stande, das wiener Kabinet, das zunächst für Desterreich selbst zu sorgen hatte, zu einer ernstlichen Verwendung in seiner Angelegen: heit zu bestimmen; Desterreich überließ in den nikolsburger Friedenspräliminarien Norddeutschland ohne alle Bedingung dem Gutdünken des Königs von Preußen. Die Königin Marie von Hannover war in Hannover zurückgeblieben in der Hoffnung, durch ihre beharrliche Behauptung der Residenz zur Aufrecythaltung der Thronrechte ihres Gemahls beizutragen; allein das preußische Rabinet ließ sich dadurch nicht irre machen. *) Als nun durch die Publication des Einverleibungsgeseķes am 20. Sept. 1866 dem König Georg jede Hoffnung abgeid nitten war, vom preußischen Rabinet Concessionen für seine Rückkehr auf den Thron zu erlangen, richtete er am 23. September einen Protest an alle europäischen Höfe, worin er sagte: „Wir protestiren angesichts der ganzen Welt gegen die Besißergreifung unseres Königreichs und dessen Ein

*) Am 27. September 1866 verließ sie die Residenz in Hannover und ging nach dem Luftschlosse Marienburg. Von hier begab sie sich, auf Andringen der preußischen Regierung, am 23. Juli 1867 zu ihrem Gemahl nach Hieping.

verseibung in Preußen, welche als endgiltig vollzogen den 20. September dieses Jahres angekündigt wurde, sowie gegen alle Folgen dieses Actes, indem wir erklären, daß diese Einverleibung oder Annerion eine un: würdige Usurpation, ein verbrecherischer und verabscheuungswürdiger Raub, eine flagrante Verleßung der europäischen Verträge, aller Grunds fäße des Völkerrechts und der Unverletzlichkeit der Staaten und Kronen ist." Die heftige Sprache dieses Actenstückes brachte jedoch nirgends die erwartete Wirkung hervor; das Publicum blieb kalt, und die la: binete hatten keine Ohren. Es galt die alte Anjchauung nicht mehr, daß die Thronrechte des einzelnen Souveräns unter der Garantie der übrigen Souveräne stünden, und daß sich alle Regenten in Waffenmacht erheben müßten, wenn einer ihrer Collegen in seinen Rechten gestört sei. Die Times sagte in Bezug auf diesen Protest: Reine Rück: sicht auf etwaige Verdienste einzelner Fürsten darf uns die unschäßbaren Wohlthaten übersehen lassen, welche aus einer Bewegung, deren erste Phaje die Annerion Hannovers ist, für Europa erwachsen werden. Als Politiker fragen wir vor allem, ob die Ergebnisse des Rampfes dem Volke, dessen Lage er verändert hat, und uns selbst von Nußen sein werden: und hier gibt es nur eine Antwort. Die Geschichte lehrt, daß politische Einheit für jede Nation eine hohe Wohlthat und zugleich die sicherste Bürgidhaft des Friedens ist. Wir können uns nur freuen, daß Deutsdıland vielleicht noch in unserem Zeitalter der staatlichen Segnungen theilhaftig wird, welche die britischen Inseln in so reichem Maße genießen und die auch Frankreich in der Welt berühmt gemacht haben. Mit Freuden begrüßen wir einen neuen und mächtigen Kämpfer für europäisches Richt, ein Reich, welches die Interessen der Civilisation wahrzunehmen vermag, welches zur Lösung der orientalischen Frage mit: hilft und russijden Angriffen einen starken Damm entgegensett.“ Von den Mächten im Stiche gelassen, suchte der König von Hannover durch Agitationen unter der hannoverschen Bevölkerung der preußijden Re: gierung den Besitz wenigstens zu ersdweren; vielleicht hoffte er auch auf eine gewaltsame Erhebung im Lande Hannover zu seinen Gunsten; aber für eine solche fehlten seiner bisherigen Regierungsweise alle Vor: bedingungen; der König war in seinem Lande nicht beliebt; er erhielt von der Bevölkerung im Algemeinen nur die Theilnahme, die man dem Unglück zollt. Einige Loyalitätsadressen, die man ihm zusandte, waren von keiner Bedeutung; seine Rückehr wurde zwar von seinen persönlichen Anhängern, namentlich von den Einwohnern Hannovers, die durch den Verlust der Residenz pecuniäre Nachtheile erlitten, keineswegs aber von dem Volke im Großen gewünscht. Die Gemeindecollegien von Hannover hatten am 2. August seine Abbankung zu Gunsten des Kron: prinzen verlangt, wozu er sich aber nicht verstand. Das Einzige, was die Hannoveraner an dem neuen preußischen Regiment incommodirte, war die Aussicht auf höhere Steuern und die allgemeine Wehrpflicht. Der König Georg suchte der preußischen Regierung vornehmlich dadurch Schwierigkeiten zu bereiten, baß er die Beamten in Civil und Militär nicht von dem Eid der Treue entband. Allein für die Dauer konnte diese Opposition nicht fortgeseßt werden; es schien auch, daß die Geistlichkeit, die immer Mittel gefunden hat, sich mit der herrschenden Ges walt zu vertragen, hier bald einen Ausweg zur Geltung bringen werde, der den Widerstand des Königs unwirksam machte. Man berief sich nämlich auf die Stelle im Römerbrief 13, 1, wo es heißt: „Jeder: mann sei den Obrigkeiten unterthan, die Gewalt über ihn haben; benn es ist keine Obrigkeit, als von Gott, und die bestehenden Obriga keiten sind von Gott verordnet.“ Diese Stelle erlaubte die Auslegung, daß nach der Bestimmung der heiligen Schrift die Unterthanen zum Gehorsam gegen einen Fürsten nur so lange verbunden seien, als der: selbe die Regierungsgewalt wirklich ausübe, und daß die Verpflichtung zum Gehorsam fich immer an diejenige Persönlichkeit knüpfe, in deren Besitz sich Land und Regierung befinden. In Wirklichkeit hatte die Kirche auch zu allen Zeiten diesen Grundsatz befolgt; sie ist immer Demjenigen unterthan gewesen, der die Gewalt hatte, und hat ihre Tedeums für den neuen Eroberer ebenso laut angestimmt, wie früher für den alten Besißer des Thrones. In den ersten Tagen des Ok: tober 1866 entband der König zunächst die Civilbeamten und das Volk von Hannover des Eides , unter Verwahrung Allerhöchst Ihrer Rechte und unter Vorbehalt eines Wiederauflebens jener Verpflichtungen auf die Zeit, wo S. Majestät der König Georg V. oder einer Ihrer successionsberechtigten Nachfolger zur Ausübung der Regierung im Königreidie wieder gelangen würde.“ An seiner Weigerung, auch das Militär des Eides zu entbinden, hielt der König beharrlich fest. schiedene Bittgejudie und Deputationen waren nöthig, bis er endlich am 27. Dezember 1866 den Commandanten der vormaligen hannoverschen Armee, General v. Arentichild, bevollmächtigte, alle Diejenigen, welche barum nachsuchten, aus dem Hannoverschen Militärdienste (behufs des Uebertrittes in die preußische Armee) zu entlassen. Es gingen hierauf 456 hannoversche Officiere in den preußischen Dienst über. Frühjahr 1867 die luxemburger Frage zur Verhandlung kam und der Ausbruch eines Krieges zwischen Frankreich und Preußen brohte, zeigte sich unter den Anhängern des Königs Georg in Hannover einige Bewegung; man wollte eine Georgs-Legion burd geheime Wer: bungen organisiren, welcher die Stadt Arnheim auf holländischem Ge: biet als Sammelplatz angewiesen war. Allein die Schlichtung des luxemburger Streites durch die londoner Conferenz (11. Mai 1867)

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machte die Hoffnung der Hofpartei, daß aus dem luxemburger Streite ein Krieg, und aus diesem Kriege bie Restauration des Königs hervor: gehen werde, zu Nichte. Die preußische Regierung kam der Conspiration auf die Spur, und es fand die Verhaftung mehrerer angesehener Anhänger des Königs statt.

Was das Herzogthum Nassau anlangt, so hatte auch hier die Bevölkerung mit dem Herzog Adolph jeit vielen Jahren Verfassungskämpfe ; daneben empfand sie audy, an Preußen angrenzend, den Nußen sehr lebhaft, welchen ihr eine nähere Verbindung mit diesem Großstaat bringen müßte, und die preußischen Annerionsbestrebungen fanden daher in diesem Ländchen einen sehr geebneten Boden. Am 12. April 1866 hatte die zweite Kammer des Herzogthums mit allen gegen drei klerikale Stimmen die Außerkraftseßung der 1851 octroyirten Verfassungsedikte und Wiederherstellung der Verfassung vom 28. Dezember 1849 verlangt und war dadurch mit dem Herzog in die entschiedenste Opposition getreten. Während nun die jüddeutschen Kammern im Mai 1866 ohne Anstand die von ihren Regierungen geforderten Gelder für Kriegsrüstungen bewilligen, lehnte die zweite Ständekammer von Nassau die Forderung ab und beschwerte sich über die angeordnete Seriegsbereitidhaft; der Herzog vertagte deßhalb am 17. Mai 1866 den Landtag bis zum 4. Juni. Als er am 26. Juni die Forderung von 670,000 Gulden für Mobilmadiung den Rammern abermals vorlegen ließ, verweigerte die zweite Rammer den Credit nodimals und ebenso zum dritten Mal am 30. Juni, worauf der Herzog die zweite Rammer auflöste. Die Majorität hatte die Erklärung abgegeben, die beiden deutschen Großmächte sollten ihren Streit allein ausfechten; Nassau bedürfe bei seiner geographischen Lage und seiner gewerblichen und commerciellen Beziehungen zu Preußen der Neutralität. Inzwischen hatte der Herzog sein kleines Heer nichtsdestoweniger auf Kriegsstärke gebracht und mit der jüddeutschen Bundesarmee vereinigt, worauf der Fürst Karl von Hohenzollern, Gouverneur der preußischen Rheinprovinz, am 29. Juni 1866 an die Nassauer eine Proclamation erließ, worin er sagte, der König von Preußen hätte Nassau gerne geschont; da aber der Herzog seine Armee mit den süddeutschen Bundestruppen vereinigt habe, die in bent preußischen Kreis Weşlar eingerückt seien, so müsse er jeßt auch Nais au feindlich behandeln. Der König von Preußen habe das Schwert gezogen, um Deutschland vor dem Unglück zu bewahren, aus der Bahn einer glänzenden geistigen und materiellen Entwiklung zurückzufallen unter die entnervende Herrschaft dynastisder Interessen und einseitiger Sonderbestrebungen.“ Ernstlich wurde jedoch von Preußen, das in jener Gegend keine Truppenmacht in Bereitschaft hatte, vorläufig gegen Nassau nicht vorgegangen; die Nassauer konnten gegen einige wenige preußische Landwehrcompagnien, die sich zeigten, ein Paar Wochen hin: durdy ihr Land behaupten. Als sich aber die preußische Mainarinee näherte, zogen sich die nassauischen Truppen am 14. Juli 1866 über den Main zu der Bundesarmee zurück, und der Herzog verließ am 15. Juli Viberich, um in's Hauptquartier nad Würzburg zu gehen. Die Preußen nahmen jeßt vom Herzogthum Besiß. Nach dem Waffenstilstand am 28. Juli gingen die nassauischen Truppen nicht nach Hause, sondern bezogen Kantonirungen an der Donau bei Günzburg, wo sie der Herzog am 8. September 1866 ihres Eides ent: band und in die Heimath entließ; er selbst verfügte sich vorläufig nach bem Babeort Reichenhall im südlichen Bayern; später ging er nach Nassau zurück und trat mit der preußischen Regierung in Verhandlung über die Ausscheidung seines Privatgutes. Schon am 25. Juli 1866 hatte sich eine Deputation industrieller Notabilitäten aus dem Herzogthum nach Berlin begeben, um für die Einverleibung in Preußen zu bitten; eine am 29. Juli in Weßlar abgehaltene Versammlung nassauischer Ständemitglieder stellte die gleiche Bitte. Am 17. August wurde den berliner Kammern das Einverleibungsgeseß vorgelegt, worauf ain 12. September eine Deputation der nassauischen Stände dem König von Preußen den Dank des Landes für die Annerion aussprach. Die Adresse, welche die Deputation überreichte, begann mit den Worten: ,,Wenn wir als Vertreter des Landes Nassau zum ersten Mal Eurer kgl. Majestät Thron nahen, so ist unser erster Gedanke der des Dankes dafür, daß Eure kgl. Majestät uns aus der unseligen Verkommenheit eines Kleinstaates gezogen haben, welcher sich vorzugsweise zur Aufgabe gestellt zu haben schien, die gejammte deutsche, sowie seine eigene Ent: widlung zu hemmen. Nassau ist nunmehr definitiv vereinigt mit einem aufstrebenden großen Staatswesen, welches unter Ew. kgl. Majestät Scepter berufen ist, die höchsten Stufen der nationalen Entwicklung zu erreichen. Unser Land baut darauf die freudige, zuversichtliche Hoffnung, durch in Pflichten und Rechten gleiche Theilnahme an dieser Entwicklung die Schäden ausgeheilt zu sehen, welche ihm aus der seitherigen beharrlichen Verkennung seiner Bedürfnisse ewachsen sind."

Eine ganz andere war nun aber die Stimmung in Frankfurt; hier gab sich die entschiedenste Abneigung gegen eine Einverleibung in Preußen kund. Frankfurt war bisher eine freie Stadt und verzichtete ebenso ungern auf diese Unabhängigkeit, wie seiner Zeit andere deutsche Reichsstädte; wiewohl die Bürgerschaft empfinden mußte, daß sie bei politischen Verwiđelungen nicht minder macht- und Hülf: los dastand, wie Nürnberg, Augsburg und die übrigen Reichsstädte in ben leşten beiden Jahrhunderten, und nur als fetter Beutegegenstand beachtet und demgemäß auch behandelt wurde. Die Stadt war bei

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