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und Bettag in Preußen ausgeschrieben wurde, wie wenn das Land von einer feindlichen Uebermacht auf die unrechtmäßigste Weise angefallen würde und Preußen in einer völlig gerechten Sache die Hülfe des gerechten Gottes und den Beistand der himmlischen Heerschaaren" anrufen könnte. Auf dem Standpunct des Christenthums, das nicht nur verbietet, dem Nächsten den Rock zu nehmen, sondern sogar befiehlt: ,,Wenn dir Einer den Rock nimmt, dem gib den Mantel dazu“, ließ sich das Vor: gehen Preußens durchaus nicht rechtfertigen; und es mußte daher einen sehr übeln Eindruck machen, daß sich die Geistlichkeit beider Confeffionen in Preußen so bereitwillig zeigte, bas preußische Unternehmen als ein christliches Werk zur Rettung des Vaterlandes darzustellen, dem der göttliche Segen nicht fehlen könne. In einem anderen Lichte freilich erschien das Unternehmen Preußens auf dem deutsch-nationalen Standpuncte. Die höhere Politik hat nie ein höheres Recht anerkannt, als das der Gewalt; der Krieg war überall die höchste Instanz und gab die leşte Entscheidung. So war es, und so wird es auch wahrscheinlich bleiben. Eine veränderte Staatenbildung, wie sie das deutsche Nationalbewußtsein für Deutsland verlangt, ist niemals ohne Anwendung der Waffen zu Stande gekommen; und wenn Preu: Ben, nachdem das deutsche Volt fich seit fünfzig Jahren vergeblich be: müht hatte, eine feiner Größe und Macht entsprechende Verfassung auf friedlichem Wege zu Stande zu bringen, für diesen Zwed zu den Waffen griff, so war dies das einzige Mittel, den nationalen Forderungen endlich Anerkennung zu verschaffen. Vom deutsch nationalen Standpuncte aus konnte man also das Unternehmen Preußens nur billigen, wenn das preußische Kabinet überhaupt deutsch-nationale, und nicht dynastisch - particularistische, auf eine bloße Vergrößerung Preußens ausgehende Zwecke verfolgte, was die Zukunft erst deutlicher zeigen muß. Die preußische Dynastie war in der günstigen Stellung, daß ihre Bestrebungen nach Gebietserweiterung dem deutschen Nationalwunsche nach größerer Einigung des Vaterlandes zu Hülfe kamen und alle benkenden und vorurtheilsfreien Männer Deutschlands Preußen ben Sieg wünschten, weil Desterreich klerikalen Einflüssen unter: Tag und man sich die Frage vorlegen mußte: was würde werden, wenn Desterreich mit seinen Bundesgenossen siegte? In diesem Falle würde in Deutschland die vollständigste klerikale Reaction Plaß greifen! –

Der deutsche Bund hatte erklärt, daß diejenige Macht des Bun: desbrudzes sich schuldig mache, deren Truppen zuerst in feindlicher Absicht die Grenzen der anderen überschritten. Bei den Vorposten, welche beiderseits längs der Grenze standen, war es nun leicht möglich, daß von der einen oder der anderen Seite ohne Absidit dieser Bestimmung zuwider gehandelt wurde. Wirklicy überschritten auch zuerst am 18. Juni 1866 österrei dische Vorposten die preußische Grenze bei Klingebeutel, einem Grenzort an der Straße von Troppau nach Ratibor. Natürlich wurde dieser Umstand keine Veranlassung, daß der Bund jeßt Desterreich als angreifenden Theil behandelt und sich auf die Seite Preußens geschlagen hätte. Am 21. Juni 1866 erfolgte hierauf die preußisdie Kriegserklärung an Desterreich. Sie sagte, Preußen müsse in dem Versprechen Desterreichs, mit seiner gesammten Macht für Sachsen, Hannover und Kurhessen einzutreten, für Länder, mit welchen sich Preußen im Kriege befinde, zugleid, die officielle An: kündigung des Kriegszustandes zwischen Preußen und Desterreich erken: nen, und die preußische Armee habe baher Befehl erhalten, demgemäß zu verfahren. Preußische Parlamentare übergaben diese Erklärung in Weidenau und Oswieczim, an der Grenze von Preußisch- und Desterreichisch-Schlesien, den österreichischen Vorposten. Fast zu gleicher Zeit (am 20. Juni) hatte auch Italien an Desterreich den Krieg erklärt. Die kleinen norddeutschen Staaten, welche sich natürlicher Weise völlig in preußischer Gewalt befanden und daher auch schon in der Bundestagssißung vom 14. Juni 1866 gegen die Mobilmachung des Bundesheeres gestimmt hatten, beeilten sich nun, aus dem Bunde auszutreten und sich an Preußen anzuschließen. Vom 21. bis zum 26. Juni 1866 erklärten ihren Austritt aus dem Bunde: Oldenburg, Braunschweig, Meclenburg-Schwerin und Strelit, RoburgGotha, Altenburg, Schwarzburg-Sondershausen und Rudol: stadt, Reuß jüngere Linie, Lippe-Detmold. Am 29. Juni 1866 notificirten Lübeđ, Bremen und Hamburg, daß sie außer Stande seien, an der bisherigen Thätigkeit des Bundes theilzunehmen. Wei: mar folgte erst nach der Schlacht bei Königgräß am 5. Juli 1866. Dagegen hielten Meiningen und Reuß ältere Linie hartnäckig zum Vunde. Die preußische gegen Desterreich aufgestellte Armee hatte eine Gesammtstärke von 293,145 Mann mit 786 Geldüßen, welcher die Desterreicher in Verbindung mit 29,000 Sachsen, im Ganzen 277,000 Mann mit 702 Geschützen entgegenstellten; gegen Italien hatten die Desterreicher noch außerdem 130,000 Mann gerichtet *). Die Preußen waren auf den Feldzug in unerwarteter Weise vorbe: reitet. Sie besaßen die genaueste Ortskenntniß in Böhmen, hatten eigene Compagnien für die Herstellung von Eisenbahnen und für den Telegraphendienst, und führten in ihren Zündnadelgewehren eine über: legene Waffe. Das Hauptverdienst bezüglich der durchgängig mit gün: stigem Erfolg gekrönten Schlachtpläne wurde ihrem Generalstabschef

*) Preußen stellte außer obiger Mannschaft noch die Mainarmee gegen die Bundestruppen auf in einer Stärke von 69,964 Mann.

B. Moltke (geboren 1800 im Medlenburgischen) zugeschrieben. Das ganze preußische Heer war in drei Armeen getheilt, die von verschie: denen Seiten her in Böhmen einrückten und zu ihrem Erstaunen die Gebirgspässe, welche babin führten, von den Desterreichern ganz unbefeßt fanden. Die erste Armee unter dem- Befehl des Prinzen Friedrich Karl von Preußen, 96,937 Mann stark, überschritt von Schlesien her die Grenze am 22. Juni 1866; an dem nämlichen Tage zog auch die sogenannte Elbarmee von Sachsen her, 71,086 Mann stark, unter General Herwarth von Bittenfeld, in Böhmen ein; die zweite sogenannte schlesische Armee unter dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen, 125,122 Mann stark, folgte am 26. Juni. Ehe es noch zu einem Zusammenstoß hier im Norden kam, waren die Italiener bei Custoza am 24. Juni von den Desterreichern bereits entscheidend geschlagen und mochten jeßt wohl erkennen, daß der Befit Venetiens nur durch einen entscheidenden Sieg ihres nor: dischen Adiirten zu erreichen sei. Der erste ernstliche Zusammenstoß zwischen Preußen und Desterreichern fand am 26. Juni 1866 bei Turnau und Bodol im nördlichen Böhmen statt. Die Avant: garde der Armee des Prinzen Friedrich Karl trieb die Desterreicher aus beiden Orten. Am 27. Juni traf eine Abtheilung der Armee des preußischen Kronprinzen unter General v. Steinmeß mit einem österreichischen Corps unter General Ramming bei Nachod zusammen; auch hier mußten sich die Desterreicher auf das Hauptheer zurückziehen. Am 27. Juni bestand die Avantgarde der preußischen Elbarmee unter General v. Schöler bei dem Dorfe Hünnerwasser ein siegreiches Treffen. Tags darauf (28. Juni) kam es zwischen einer Abtheilung der ersten preußischen Armee unter dem Prinzen August von Würt: temberg und einem österreichischen Corps unter General v. Gablenz zu einem hißigen Treffen bei dem Städtchen Trautenau; an dem nämlichen 28. Juni wurde auch von einer Abtheilung der zweiten preußischen Armee bei dem Städtchen Skalit den Desterreichern ein blutiges Treffen geliefert. Die Folge dieses siegreichen Vordringens der Preu: ßen war, daß sich am 28. Juni bei Müncheng räß die Armee des Prinzen Friedrich Karl mit der Elbarmee vereinigte. Die erstere brang sogleich weiter nach Gitschin vor, um aud mit der dritten, vom Kronprinzen befehligten preußischen Armee die Verbindung herzustellen. Alle drei Armeen wollten sich dann zunächst der Festung Josephsstadt bemächtigen, welche einen Knotenpunct der Eisenbahnen nach Dresden, Breslau, Prag und Wien bildet, und dort festen Fuß fassen. Bei Gitidin entspann sich am 29. Juni ein sehr heißer Rampf; 27,000 Desterreicher und Sachsen suchten die Armee des Prinzen Friedrich Karl aufzuhalten; die Schlacht dauerte bis in die tiefe Nacht; endlich zogen sich die Desterreicher und Sachsen, die gegen 5000 Mann an Todten und Verwundeten hatten, zurück. Durch diese Schlacht war die Verbindung der drei preußischen Armeen hergestellt. Vergeblich hatte man gehofft, daß sie ber österreichische Commandirende v. Benedet vor ihrer Vereinigung einzeln angreifen und schlagen würde. Seine Armee war nicht so zahlreich, wie sie ausgegeben worden war; er wollte sie nicht in brei Corps theilen, um den drei preußischen Armeecorps entgegenzurüden, sondern hielt es für vortheilhafter, den Feind in der Mitte von Böhmen in concentrirter Stellung zu erwarten. Am 30. Juni telegraphirte er nach Wien: „Das Zurüddrängen des ersten öster: reichischen und des fächsischen Armeecorps nöthigt mich, den Rückzug in der Richtung von Königgrätz anzutreten.“

In Berlin und in Preußen überhaupt erregte das siegreiche Vor-, dringen der Preußen große Freude, weniger im übrigen Deutschland, wo sich die Gefühle der Bevölkerung im Großen an die deutschen Bundestruppen anschlossen, die den Preußen feindlich gegenüber standen. Diese Truppen selbst aber wurden durch das beständige Zurücweichen ihres österreichischen Alliirten wenig ermuthigt; das preußische Zünda nadelgewehr, dem man damals allein, freilich mit Unrecht, die preußischen Erfolge zuschrieb, ließ auch ihnen wenig Goffnung auf Sieg. Der König Wilhelm von Preußen verkündigte am Abend des 29. Juni der Bevölkerung Berlins vom Balkon des Sdlosses aus die günstigen Erfolge der preußischen Waffen und reiste am Morgen des 30. Juni selbst zur Armee ab, welder in den nädysten Tagen eine Hauptschlacht bevorstand. Schon jeßt, nach der Schlacht bei Gitidin, schickten der Kaiser Alexander von Rußland und der König Victor Emanuel von Stalien telegraphische Glüdwünsche an den König. Inzwischen waren die deutidhen Bundestruppen am Main nod in gar keine Action getreten. Die bayerisch-österreichische Militärconvention, welche am 14. Juni entworfen worden, wurde erst am 30. Juni in Wien unterzeichnet. Die bayerische Armee, welche in einer Stärke von beiläufig 32,000 Mann mit 136 Kanonen im Rhöngebirge stand (am 1. Juli war das bayerische Hauptquartier in Meiningen) zeigte nach dem mißlungenen Versuch, den Hannoveranern die Hand zu reichen, keine Lust, aus Thüringen nad Preußen vorzurücken; sie suchte viel: mehr jeßt wieder ihre Verbindung mit dem achten Bundesarmeecorps herzustellen, das ziemlid zersplittert in Oberhessen und am unteren Main stand. Nachdem die Hannoveraner am 27. Juni bei Langensalza capitulirt hatten, wurde aus den in Hannover und Rurhessen disponibel geworbenen preußischen Truppen in Verbindung mit neuen Zuzügen ein aus den Divisionen Göben, Beyer und Manteuffer bestehendes Armeecorps unter dem Commando des Generals Vogel von Faldenstein

gebildet, welches den Namen preußische Mainarmee erhielt; bemselben waren auch die beiden koburg-gothaer Batailone und das Bataillon Lippe-Detmold in einer Stärke von 2500 Mann beigegeben; nachdem Vogel von Faldenstein am 19. Juli nach Böhmen abgerufen war und General . Manteuffel das Obercommando übernommen hatte, wurde auch noch die oldenburgische und hanseatische Brigade damit vereinigt, fobaß es eine Stärke von 69,964 Mann mit 90 Geschüßen erhielt. Dem General Vogel von Falckenstein war die Aufgabe gestellt, mit dieser Armee die Verbindung der Bayern mit dem achten Bundesarmeecorps zu verhindern und sids der verschiedenen Gebietstheile auf bem rechten Mainufer vom bayerischen Unterfranken bis an die Main: mündung zu bemächtigen. Das achte deutsche Bundesarmeecorps war ungefähr 47,000 Mann stark mit 134 Geschüßen; eg bestand aus der württembergischen Division (15,000 Mann mit 40 Geschüßen unter General v. Hardegg), der badisden Division (10,000 Mann mit 30 Geschüßen unter dem Prinzen Wilhelm von Baden), der darmstädter Division (6000 Mann mit 24 Geschüßen unter General v. Berglas), und einer aus Desterreichern, Nassauern und Kurhessen bestehenden Division (16,000 Mann mit 40 Geschüßen; von diesen waren 12,000 Desterreicher unter dem Befehl des Generals v. Neipperg). Die gesammte Bundesarmee am Main war also ungefähr 91,000 Mann stark mit 286 Geschüßen *) und hatte ihr gegenüber die preußische Mainarmee in einer Stärke von 70,000 Mann mit 90 Geschüßen. Wenn 68 der leßteren gleichwohl leicht wurde, ihr Ziel, die Eroberung des redyten Mainufers im Laufe dreier Wodyen zu erreichen; so liegt die Hauptursache hievon in der lockeren Verbindung der deutschen, verschiedenen Souveränen angehörigen Bundestruppen, von denen sich jedes Corps selbstständig glaubte, und in der allgemeinen Entmuthigung, welche sich der Truppen bemächtigen mußte, als sie nach der totalen Niederlage des österreichischen Hauptheeres am 3. Juli bei Königgrät einsahen, daß ihr Kampf gegen Preußen von jeßt an, wo er erst eigentlich begann, doch ein ganz erfolgloser sei. Ein Sieg der Bundesarmee am Main hätte nach der Niederlage der Desterreicher an den Verhältnissen Nichts mehr geändert, vielmehr nur preußische Verstärkungen herbeigerufen und die Friedensbedingungen für die Mittelstaaten härter gemacht. Die erste Attake zwischen Preußen und Bayern fand am 2. Juli bei Salzungen statt. Eine kleine Abtheilung Bayern machte hier einen Ueberfall auf die linke Flügel

*) Mit den Verstärkungen, die sie nach und nach erhielt, wurde sie auf 74,000 Mann Injanterie und 8,400 Mann Cavalerie angeschlagen, mit Artil: Teristen und Trainsoldaten im Ganzen auf ungefähr 96,000 Mann.

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