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XII.

Vertrag der Großmächte über die Vereinigung der jonischen Inseln

mit dem Königreich Griechenland,

14. November 1863. Die jonischen Inseln (Korfu, Paro, Sta. Maura, Cephalonia, Zante, Theaki und Cerigo an der Südspiße bes Peloponnes, zusammen ungefähr 50 OMeilen groß) waren das ganze Mittelalter hindurch bis zum Jahr 1797 im Besitz der Venetianer; mit der Eroberung Venedigs kamen sie im Jahre 1797 an Frankreich, 1799 wurden sie von den Kussen und Türken erobert und von dem russischen Kaiser Paul zur jonischen Sieben-Insel-Republik gemacht, 1807 im tilsiter

Frieden von Kaiser Alexander wieder an Frankreich abgetreten, 1811, mit Ausnahme von Corfu, wo sich die Franzosen behaupteten, von den Engländern befeßt. Durch einen Vertrag zwischen Rußland, Dester: reich, Preußen und England vom 5. Nov. 1815 kamen die Inseln unter dem Namen „Vereinigter Staat der jo nischen In: feln“ unter die bleibende Herrschaft der Engländer. Sie sollten nach diesem Vertrage einen freien und unabhängigen Staat bilden unter dem unmittelbaren und ausschließlichen Protectorat der englischen Krone. Nach Artikel 3 dieses Vertrages sollte der Inselstaat seine inneren An: gelegenheiten zwar selbst ordnen, der König von England jedoch der Gefeßgebung und Administration eine besondere Fürsorge widmen und zur Handhabung der Regierung einen Lord-Obercommisjär dort einseßen. Diese Bestimmungen waren sehr allgemein gehalten; sie wiesen den Nechten des Volkes und denen des Protectorats keine bestimmten Grenzen an und überließen daher das Schicksal der Einwohner demjenigen der beiden Cheile, in dessen Besitz sich die reelle Macht befand, dem englischen Ministerium. Lekteres gab am 26. August 1817 dem neuen Staate eine Verfassung, welche den Bürgern fast alle Rechte entzog und ein beinahe absolutistisches Regiment einführte. Damit waren die Ein: wohner sehr unzufrieden und es gab fortan beständige Differenzen zwi: den Voll und Regierung, die zur Zeit des griechischen Aufstandes gegen die Pforte (seit 1821), in welchem die Jonier eine Aufforderung fanden, sich gleichfalls von dem englischen Druđe zu befreien, in offenen Aufruhr übergingen. Nachdem im Jahr 1832 Griechenland unter dem König Otto ein selbständiges Reich geworden war, trat unter den Joniern das Verlangen nur um so lebhafter hervor, dem neuen griechischen Staate anzugehören; ber englische Lord-Obercommissär Howard Douglas bagegen suchte diese nationalen Bestrebungen durch harte Maß regeln zu unterdrüden. Der politijdse Sturm, welcher im Jahr 1848 über Mitteleuropa ging, brachte auch die Jonier in neue Aufregung. Sie verlangten am 27. März 1848 eine Verbesserung ihrer Verfassung, Preßfreiheit und die Bildung eines eigenen jonischen Heeres. Da das englische Ministerium diese Forderungen nicht genehmigte, jo brach am 27. September 1848 ein Aufstand auf der Insel Cephalonia aus; derselbe wurde durch englische Truppen niedergeschlagen, erneuerte sich aber im August 1849 und wurde jeßt mit blutiger Strenge gegen die Wortführer unterdrückt. Die Zufriedenheit der Jonier war natürlich durch solche Maßregeln nicht hergestellt; es gab fortan alljährlich auf jedem Parlament Proteste, die Forderung einer Vereinigung mit Griechens land wurde beständig wiederholt. Endlidy, als dieselbe am 23. Mai 1862 abermals in sehr entschiedener Weise von dem Parlament gestellt worden war, fand sie Gehör. Es hatte sich damals in England die Ansicht Geltung verschafft

, daß man nur den Besitz solcher Colonien aufrecht erhalten müsse, von welchen das englische Volt wirklich Nußen habe, daß dagegen auswärtige Besißungen, wie die jonischen Inseln, welche, ohne wirkliche Vortheile zu gewähren, bem Lande viel Mehr tosteten, als eintrügen, besser aufgegeben würden. Außerdem hatte im Herbst 1862 der Thronwechsel in Griechenland stattgefunden; England wünschte, Rußland gegenüber seinen Einfluß auf die Griechen zu verstärken und sich denselben gefällig zu erweisen; es agitirte, den russischen Bestre: bungen für den Herzog von Leuchtenberg gegenüber, für die Wahl des englischen Prinzen Alfred zum König von Griechenland (Novem: ber 1862). Legterer wurde auch wirklich gewählt, lehnte aber die Wahl ab, und dieselbe fiel jeßt auf den Sohn des Königs von Dänemark, Schwager des englischen Kronprinzen (30. März 1863), der als Georg I. am 30. Oktober 1863 die Regierung antrat. Um diesem jungen Prinzen eine günstige Stimmung unter den Griechen zu bereiten, versprach die englische Regierung, daß er die jonischen Inseln bei seinem Regierungsantritt als ein Geschenk an Griechenland mit: bringen solle. Am 5. Oktober 1863 erschien ber Lord-Obercommisjär im jonischen Parlament und erklärte, die Königin Victoria sei bereit, die jonischen Inseln an Griechenland abzutreten unter der Bedingung, daß die gegenwärtigen Pensionen fortbezahlt, die Kirchhöfe aller Con: fessionen geachtet, die Festungswerke geschleift, und zu der Civiliste des Königs Georg von Griechenland von den Joniern jährlich 10,000 Pfund Sterling gezahlt würden. Die leßten beiden Bedingungen lehnte das Parlament ab. Am 1. Juni 1864 erschienen griechische Truppen in Korfu, zogen die griechische Flagge auf und nahmen von der Insel Besit. Seitdem sind die jonischen Inseln mit dem Königreich Griechenland vereinigt und in vier Monarchien eingetheilt, nämlich Korfu mit Paro, Cephalonia, Lenkadia (Sta. Maura und Ithaka) und Zante mit Cerigo. Die Wirkungen der Vereinigung haben sich für die Jonier nicht so ersprießlich gezeigt, als sie erwarteten. Durch ihre Verbindung mit England und die beständige Anwesenheit einer englischen Besaßung und englischer Kriegsschiffe war viel englisches Geld in das Land gekommen. Diese Einnahmsquelle hörte nun auf; statt dessen waren ste jeßt mit dem armen Griechenland verbunden, das ihre Mittel sehr in Anspruch nahm, und in die beständigen Parteiungen und Streitigkeiten dieses Landes init hineingezogen. Da England das Protectorat über die Inseln mit Genehmigung der Mächte Rußland, Dester: reich und Preußen übernommen hatte, so wollte es dasselbe auch nur wieder mit der Einwilligung der Großmädzte aufgeben. Das Protokoll, wodurch die Zustimmung der Großmächte zur Einverleibung des Insel: staates in das Königreich Griechenland am 14. November 1863 er. theilt wurde, lassen wir hier folgen.

Traité entre la Grande-Bretagne, l'Autriche, la France, la Prusse et la Russie concernant l'Union des États-Unis des Iles Ioniennes

au royaume de Grèce

(d. d. Londres le 14 novembre 1863).

Au nom de la très-sainte et indivisible Trinité.

Sa Majesté la Reine du Royaume-Uni de la Grande-Bretagne et d'Irlande ayant fait connaître à Leurs Majestés l'Empereur d'Autriche, l'Empereur des Français, le Roi de Prusse, et l'Empereur de toutes les Russies, que l'Assemblée Législative des États-Unis des Iles Ioniennes, dûment informée de l'intention de Sa Majesté de consentir à l'union de ces lles au Royaume de Grèce, s'est prononcée unanimement en faveur de cette union; et la condition établie par la dernière clause du Protocole signé par les Plénipotentiaires des Cinq Puissances le 1 août dernier se trouvant ainsi remplie, Leurs dites Majestés, savoir, la Reine du Royaume-Uni de la Grande-Bretagne et d'Irlande, l'Empereur d'Autriche, l'Empereur des Français, le Roi de Prusse, et l'Empereur de toutes les Russies, ont résolu de constater par un Traité solennel l'assentiment qu'elles ont donné à cette union, en stipulant les conditions sous lesquelles elle s'effectuerait.

A cet effet leurs dites Majestés ont nommé pour leurs Plénipotentiaires, savoir: lesquels, après avoir échangé leurs pleins pouvoirs, trouvés en bonne et due forme, ont arrêté et signé les Articles suivants :

Art. I. Sa Majesté la Reine du Royaume-Uni de la Grande-Bretagne et d'Irlande renonce, sous les conditions ci-dessous spécifiées, au Protectorat des Iles de Corfou, Cephalonie, Zante, Sainte Maure, Ithaque, Cerigo, et Paxo, avec leurs Dépendances, que le Traité signé à Paris le 5 novembre 1815, par les Plénipotentiaires de la Grande-Bretagne, d'Autriche, de Prusse, et de Russie, a constitué en un seul État libre et indépendant, sous la dénomination d'États-Unis des Iles Ioniennes, placé sous la protection immédiate et exclusive de Sa Majesté le Roi du Royaume-Uni de la Grande-Bretagne et d'Irlande, ses héritiers et successeurs. Leurs Majestés l'Empereur d'Autriche, l'Empereur des Français, le Roi de Prusse, et l'Empereur de toutes les Russies, acceptent, sous les conditions ci-dessous spécifiées, l'abandon que Sa Majesté la Reine du Royaume-Uni de la Grande-Bretagne et d'Irlande fait du Protectorat des États-Unis des Iles loniennes; et reconnaissent, conjointement avec Sa Majesté, l'union des dits États au Royaume Hellénique.

Art. II. Les lles Ioniennes, après leur union au Royaume de Grèce, jouiront des avantages d'une neutralité perpétuelle: et en conséquence, aucune force armée, navale ou militaire, ne pourra jamais être réunie ou stationnée sur le territoire ou dans les eaux de ces Iles, au delà du nombre strictement nécessaire pour maintenir l'ordre public, et pour assurer la perception des revenus de l'État. Les Hautes Parties contractantes s'engagent à respecter le principe de neutralité stipulé par le présent Article.

Art. III. Comme conséquence nécessaire de la neutralité dont les États-Unis des Iles loniennes sont appelés ainsi à jouir, les fortifications construites dans l'Ile de Corfou et dans ses dépendances immédiates, étant désormais sans objet, devront être démolies, et leur démolition s'effectuera avant la retraite des troupes employées par la Grande-Bretagne å occuper ces Iles en sa qualité de Puissance Protectrice. Cette démolition se fera de la manière que Sa Majesté la Reine du Royaume-Uni de la Grande-Bretagne et d'Irlande jugera suffisante pour remplir les intentions des Hautes Parties contractantes.

Art. IV. La réunion des Iles loniennes au Royaume Hellénique n'apportera aucun changement aux avantages acquis à la navigation et au commerce étrangers en vertu de Traités et de Conventions conclus par les Puissances étrangères avec le Gouvernement de Sa Majesté Britannique, en sa qualité de Protectrice des États-Unis des Iles Ioniennes. Tous les engagements qui résultent des dites transactions, ainsi que des réglements actuellement en vigueur, seront maintenus et strictement observés comme par le passé. En conséquence il est expressément entendu que les bâtiments et le commerce étrangers dans les ports Ioniens, et, réciproquement, les bâtiments et le commerce Ioniens dans les ports étrangers, de même que la navigation entre les ports Ioniens et ceux de la Grèce, continueront à être soumis au même traitement et placés dans les mêmes conditions qu'avant la réunion des lles loniennes à la Grèce.

Art. V. La réunion des États-Unis des Iles loniennes au Royaume de Grèce n'invalidera en rien les principes établis par la législation existante de ces lles, en matière de liberté du culte et de tolérance religieuse; conséquemment, les droits et immunités consacrés en matière de religion

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