Lewis Hine revisited: Der anthropologische Ansatz von Lewis Hines Work Portraits

Cover
BoD – Books on Demand, 02.07.2019 - 92 Seiten
Lewis Hine (1874-1940) gilt vor allem wegen seiner Reportagen über die Kinderarbeit in den USA als ein bedeutender Dokumentarfotograf. Er selbst schätzte dagegen insbesondere seine seit 1920 entstandenen »Work Portraits«, die eine positive Vorstellung vom arbeitenden Menschen vermitteln. Hines Auffassung vom Menschen wurde offenbar durch die von William James und John Dewey vertretene Philosophie des Pragmatismus geprägt. Hiermit lässt sich auch erklären, dass Hine gegen Ende seines Lebens so gut wie keine Aufträge mehr erhielt. Denn das von ihm fotografisch zum Ausdruck gebrachte Ideal der selbstbestimmten Existenz, in dem sich die liberale Einstellung der Pragmatisten spiegelt, verlor nach der Wirtschaftskrise von 1929 zunehmend an Akzeptanz. Anerkennung erfuhr Hine zuletzt nur noch im Umfeld der Fotografenvereinigung Photo League. Nach seinem Tod setzte eine nennenswerte Rezeption seines Werks erst 1967 mit einer Monografie von Judith Gutman ein. Allerdings etablierte sich damals mit Unterstützung des Kurators John Szarkowski gerade auch eine »neue Generation« von Dokumentarfotografen, wodurch Hines Arbeiten wiederum in der Gefahr standen, unmodern zu wirken. Bei genauerer Betrachtung erweist sich das ihnen zugrunde liegende Konzept aber als eine attraktive Gegenposition zu der betont wertneutralen Darstellungsweise, die von Szarkowski zur Norm erhoben wurde. Denn diese impliziert eine naturalistisch objektivierende Weltsicht, in der das spezifisch Menschliche ausgeblendet ist, während Hines »Work Portraits« den Menschen trotz seiner materiellen Bedingtheit als eine autonome Instanz erscheinen lassen. (Dritte, neu gestaltete und überarbeitete Auflage; erste Auflage 2015)
 

Was andere dazu sagen - Rezension schreiben

Es wurden keine Rezensionen gefunden.

Inhalt

Hines Leben und Werk
23
Strand und Stieglitz
28
Die Rücknahme von Hines Ideal am Beispiel Lee Friedlander
63
Quellenverzeichnis
69
Index
79
Urheberrecht

Andere Ausgaben - Alle anzeigen

Häufige Begriffe und Wortgruppen

Über den Autor (2019)

Dr. phil. Bernhard Sarin, geboren 1965, freischaffender Künstler und Autor Veröffentlichungen: Ein Leben als Artikulation. Die anthropologische Ikonographie der Schriften von Imre Kertész, Universitätsverlag Potsdam, 2010. Lewis Hine revisited. Der anthropologische Ansatz von Lewis Hines Work Portraits, BoD - Books on Demand, Norderstedt, 2015, dritte Auflage 2019. Spanish Village 1983. Fotografien, BoD - Books on Demand, Norderstedt, 2016, zweite Auflage 2018. Eingeschlossen in Fiktionen. Der Lot-Roman von Imre Kertész, BoD - Books on Demand, Norderstedt, 2018. Natur und menschliche Freiheit, BoD - Books on Demand, Norderstedt, 2019.

Bibliografische Informationen