Kartographie, Chorographie und Territorialverwaltung um 1600: Die Pfalz-Neuburgische Landesaufnahme (1579/84-1604)

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Kommission für bayerische Landesgeschichte (KBL), 01.01.2020 - 204 Seiten

Seit den 1520er Jahren kam es in Mitteleuropa zur Vermessung, Kartierung und Beschreibung ganzer Territorien oder nennenswerter Teile davon. In diesen sogenannten Landesaufnahmen fand der Prozess der Herausbildung linearer Grenzen einen ersten Abschluss. Voraussetzung dafür war die auch in weiten Teilen des Reichs bis ins frühe 16. Jahrhundert vollzogen Überwindung der mittelalterlichen Herrschaftsvorstellungen gewesen. Denn solange Autorität nicht auf flächenhaft vorliegenden Ansprüchen, sondern auf individuellen Rechtsbeziehungen des Herrschers zu den Beherrschten beruht hatte, war die Herausbildung fest umgrenzter Territorien nicht möglich gewesen.

Am Beginn der Neuzeit existierte neben dem Herzogtum Bayern und der Kurpfalz samt ihren Nebenlinien noch ein drittes wittelsbachisches Fürstentum – Pfalz-Neuburg. Das Gebiet dieser „jungen“ Pfalz war über halb Süddeutschland verteilt: Pfalz-Neuburgische Ämter befanden sich in den heutigen bayerischen Bezirken Schwaben, Oberbayern, Mittelfranken und Oberpfalz. Die 1604 vollendete Pfalz-Neuburgische Landesaufnahme visualisierte erstmals die Gesamtbestandteile dieses so unübersichtlichen Fürstentums.

Die Studie schildert die Landesaufnahme einerseits als eine besondere Verwaltungsmaßnahme und andererseits als regionale Ausprägung eines europäischen Gesamtphänomens. Verfolgt werden u. a. folgende Fragen: Wieso entstand gerade in der zersplitterten und finanziell zerrütteten „Jungen Pfalz“ ein derart bedeutendes Kartenwerk? Wie verlief die Zusammenarbeit mit den Kartographen, und wo fand man diese seltenen Spezialisten? Welchen Zwecken diente die Landesaufnahme? Und welche Rolle spielte der geniale Philipp Apian bei dem Ganzen?

Ein Quellenanhang bietet „O-Töne“ aller an der Landesaufnahme und ihrer Vorgeschichte beteiligten Protagonisten. Vertreten sind u. a. Philipp Apian und auch der berühmte Ulmer Landtafelmaler Philipp Rehle (auch: Rehlin) d. Ä. Aber auch die übrigen Kartographen (Friedrich Seefried, Christoph Vogel, Matthäus Stang) und die als „Projektmanager“ agierenden Neuburger Regierungsmitarbeiter Paulus Rabus Senior und Junior kommen zu Wort.

Mehrere Farbabbildungen erlauben einzigartige Einblicke in die zeitgenössische Kartographie, aber auch in das ländliche Siedlungsbild Bayerns vor den Verheerungen des Dreißigjährigen Kriegs.

 

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