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und Beförderer der Reformation nennen kann, während er nur auf den Namen eines gerechten Fürsten, welcher dem verfolgten Reformator kein Unrecht anthun lassen wollte, Anspruch hat – verloren. Von Kurfürst Johann und seinem Sohn Johann Friedrich wurden mehrfache Versuche gemacht, der Universität eine der neuen Ordnung der Dinge entsprechende Einrichtung zu geben, ein Streben, das in der Fundation der Universität von 1536 seinen Abschluß fand. Die Hochschule aber war aus einer mit der Kirche eng verbundenen Corporation, eine rein weltliche Staatsanstalt geworden, sie erhielt zwar ihr eigenes Vermögen aus den Einkünften des ehemaligen Stifts, doch der Herr, der dieses Vermögen schenkte, hatte es auch verstanden, die Besitzerin desselben völlig abhängig von sich zu machen. Zwar blieben die alten Statuten, insonderheit die Statuten der Juristenfacultät in Kraft. Aber schon tritt es in der Fundationsurkunde hervor, daß man die Facultät mehr als ein Collegium der angestellten und besoldeten Lehrer – deren vier sein sollten, 3 Doctoren und M Licentiat –, wie als Corporation der recipirten Doctoren dachte. „Professores“ werden in der Fundationsurkunde jene angestellten Lehrer genannt, ein Ausdruck der darauf hindeutet, daß man schon das Lehramt als ein Staatsamt betrachtete und für den Inhaber nach einem Titel suchte. Im Mittelalter war der Name Professor ebenso zur allgemeinen Bezeichnung des Lehrgeschäfts gebraucht worden, wie der Ausdruck Magister. Und wenn in Ingolstadt schon im Jahr 1472 die Titel „in novo iure pontificio professor“, „Institutionum professor ordinarius“, vorkommen, so findet sich doch daneben die damals übliche Bezeichnung Ordinarius in iure civili und die einfache Zusammensetzung Legum Dr. et professor ist ein Beweis, daß professor keine andere Bedeutung hat, als die vorhin angegebene. Zu Ende des 15. und Beginn des 16. Jahrhunderts war es namentlich in Köln und Leipzig Sitte geworden, den Titel professor vorzugsweise den Magistri theologiae actu regentes – d. h. den wirklich lesenden – zu geben. Doch nannten sich auch lesende Mitglieder anderer Facultäten professores, so kommt 1506 in Leipzig vor ein artium et theologiae professor, 1513 ein cychicarum artium professor, 1518 ein mathematicae artis professor, 1523 ein bonarum literarum professor etc. Unsere Wittenberger Facultätsstatuten brauchen den Ausdruck professor ebenfalls in dem alten Sinn, unter den professores werden alle Mitglieder der Facultät, also alle Dres. cooptati verstanden. Erst nach der Reformation wurde es gebräuchlich, das durch öffentliche Anstellung erlangte Lehramt durch den Titel Professor auszuzeichnen. Vielleicht hat dazu Melanthon beigetragen, welcher den dem mittelalterlichen Latein entstammenden Titel Lector – er selbst ist 1517 als Mr. Tubingensis et Graecarum literarum lector primus Wittenbergensis in die Wittenberger Matrikel eingetragen – mit dem in der That besseren Ausdruck professor vertauschen wollte. Mochte sich auch noch so vieles geändert haben: ihre äußere Geltung behielten unsere alten Wittenberger Facultätsstatuten bis 1560. Erst Kurfürst August ertheilte unter dem 1. September jenes Jahres – meines Wissens noch ungedruckte – Statuten. Sofort tritt uns da der schon vorher zur Thatsache gewordene Unterschied zwischen den Professores im neuen Sinn und den andern Doctores der Facultät entgegen. Zwar besteht

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