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bestand, fielen in Feindes Hände, und hätte nicht la Roche Saquelein an der Spike von fünfhundert Deutschen und Schweizern die Zugänge der Smagnebrücke bei Bessay 'mit unüberwindlicher Standhaftigkeit so lange vertheidigt, bis der Übergang von den umgeworfenen Fahrs zeugen, die ihn sperrten, befreit, und die ganze Masse der fliehenden Bauern, welche sich fast alle dahin zurückstürzten, darüber entkommen war, so würde bei weitem der größte Theil der Armee aufgerieben worden sein.

Charette, welcher vom Anfange an das heftigste Ges fecht und zulegt den schwierigsten Rückzug bestehen mußte, hatte auch bei weitem das Meiste verloren; da die Ums stånde der Niederlage des zweiten, und besonders des dritten Echellons dem Verdacht, als habe man die westlichen Insurgenten vorsåklich erponiren und dann im Stiche lassen wollen, manche scheinbare Gründe leihen konnten, so ermangelten Charette und seine Offiziere nicht, ihre Niederlage daraus herzuleiten, und es gehört unstreitig zu den unseligsten Folgen der Schlacht bei Luçon, daß sie mehr denn irgend eine andere Begebenheit zu Ver: mehrung des Mißtrauens und der Unzufriedenheit zwischen den beiden Hauptabtheilungen der Vendée beitrug.

Charette ging unverweilt nach legé in seinen Bezirk 74 M. n.w. Lug. zurück, die östlichen Insurgenten vereinzelten sich voll Furcht und Bestürzung in die Heimath, und der siegreiche General, gestüßt auf sein Verdienst in dieser Schlacht und den Schuß der ihn begleitenden Représentanten, rückte gegen den ausdrücklichen Befehl des Oberfeldherrn: unter

keiner Bedingung vereinzelt in das feindliche Gebiet ein

zudringen, bald nach dem Treffen mit sechstausend Mann 4 M. n. Luçon. bis Chantonnay vor *).

Ein Schreiben der Repräsentanten Bourdon und beider Goupilleau's aus Chantonnay vom 19ten August forberte ihre Collegen Bourbotte, Choudieu und Richard zu Saumur auf, durch eine Diversion gegen Chollet den Angriff auf Mortagne, welchen sie mit der Division von Luçon beabsichtigten, zu unterstüßen. Statt der Genehmigung traf der Obergeneral selbst, begleitet von dem Re: pråsentanten Bourbotte, zu Chantonnay ein, und verlangte, daß die Division in Gemäßheit des allgemeinen Operationsplans auf der Stelle nach Luçon zurückkehren sollte. Bourbotte fagt in dem Bericht, welchen er am 28sten August persönlich im Convent über die Conferenz zu Chantonnay abstattete: kaum hatte ich die ersten Zeilen des von dem Wohlfahrtsausschuß beståtigten Entwurfs für den Feldzug verlesen, To erklärte Bourdon, unser Plan fei der Inbegriff aller Albernheiten, nur ein Dummkopf kónne ihn erdacht haben, und der Wohlfahrtsausschuß verstehe felbft nichts, von der Sache. Diesem Zusfall folgte die Bekanntmachung eines Decrets der drei Con: ventsdeputirten bei der Division von Luçon, welches den Obergeneral Rossignol einstweilen seiner Stelle entsekte, und demgemåß dem General Tung gebot, keine Befehle mehr von ihm anzunehmen. Bourbotte erhielt die Weisung, schleunigst Chantonnay zu verlassen, wenn er nicht als Gefangener nach dem Schlosse zu la Rochelle abgeführt werden wolle.

*) Moniteur 1794. p. 574. 575. Madame la Roche

Ja q. I. p. 206 — 209. Guerres des Vendéens II. p. 34 – 39. Bouvier I. p. 131 — 141. Beauchamp I. p. 280-287. Philippeaux Réponse p. 56. Choudieu und Richard II. p. 250. Man kann es wohl nur den 'besondern Verhältnissen des General Iung zu der Regie: rung beimessen, daß über diesen großen Sieg der Republikaner nie ein officieller Bericht offentlich erschienen ift.

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So sonderbar, so einseitig, so unregelmåßig diefe Procedur erschien, so unterstand fich Rossignol dennoch nicht, einem Decrete, von Volksrepräsentantenerlassen, Gehorsam zu verweigern; er verließ die Armee auf der Stelle und ging mit Bourbotte nach Paris, um sich zu rechtfertigen. Auf den früher dahin gelangten Bericht der Deputirten in Luçon hatte der Convent die einftweilige Entsegung des Oberfeldherrn beståtigt und zugleich Tung zur Belohnung für die gewonnene Schlacht zum wirklichen Divisionsgeneral ernannt; gegen diese Entscheidung trat Bourbotte gleich nach seiner Ankunft auf und der heftigste Streit entzündete sich zwischen den Anhängern beider Parteien in dem Convent, wie bei den Jacobinern. Die Einen behaupteten, Rossignol sei ein Trunkenbold und habe allerwärts geraubt und, geplündert; die andere Partei bewies, Tung hätte we-. gen vieler Verbrechen Bordeaur, wo er vor der Revolution Gerichtsdiener war, verlassen müssen, und sei noch in andern Städten wegen Betrügereien gerichtlich

verfolgt und bestraft worden. Beide. Theile, gestanden auch die Unregelmäßigkeiten ihrer Schüßlinge zu, allein sie meinten dabei, gerade solche Verirrungen, verbunden mit einer niedrigen Geburt, seien die sichersten Bürgen für Sanscülottismus und Bürgersinn, und im Geist die ser Tendenz war der kräftigste Grund, welcher endlich die Mehrheit gegen Tung bestimmte, daß man zu Chantonnay Unzufriedenheit mit den Vernichtungsdecreten gea gen die Rebellen gezeigt und zu viel Schonung und Menschlichkeit bei Vollstreckung derselben bewiesen habe. Um 29sten August decretirte der Convent die Wiedereinseßung des Oberfeldherrn, suspendirte dagegen Tung und berjef die Volksrepräsentanten þei seiner Truppenabtheilung nach Paris zurück. Dieses Decret traf die Division am 3ten September noch in Chantonnay, wo sie aus Mangel an Unterstüßung, hatte stehen bleiben müssen; Lung reiste auf der Stelle ab, und Le Comte, derselbe, welcher sich in dem ersten Treffen bei Luçon ausgezeichnet, erhielt als Brigadegeneral das Commando an seiner Stelle *).

So hart der Schlag bei Luçon die Insurgenten traf,, so hatte doch der lange Stilstand des siegreichen Feindes zu Chantonnay ihnen Zeit vergönnt, fich zu erholen, und da zugleich diese vorgerůckte Stellung der Republikaner im Innern des Bocage, welche Tung durch

*) Moniteur p. 1020. 1026. 1029. 1098. 1101, l'an II. p. 575.

Beauchamp. I. p. 288 — 291. 307. Choudieu u. Richard II. p. 258. Guerres des Vendéens II. p. 54-69.

Feldschanzen noch zu beständiger Behauptung einzurichten suchte, dem Herzen des insurgirten Landes für immer die nächste und dringendste Gefahr drohte," so' vereinigten fich in den ersten Tagen des Septembers fast alle Divis fionen der großen Armee aufs neue mit der Armee des Centrums, um den wichtigen Poffen um jeden Preisk: wieder zu erobern. Um 5ten September Nachmittags vier Uhr, noch ehe le Comté irgend etwas in feiner Lage is, hatte åndern könnten, erfolgte der Angriff.

"Royrand rů&te auf der großen Straße von Nantes gegen die Front der Verschanzungen an, die Division Bonchamps, in Abwesenheit ihres verwundeten Generals von Uutichamp befehligt, follte die rechte Seite der Feind lichen Stellung umgehen und sie im Rüden angreifen, eine dritte Colonne beabsichtigte durch die Eroberung von Pont Charon den Gegnern jeden Rückzug über den gro: Ben Lay abzuschneiden. Tapfer begegneten die Republikaner auf allen Punkten diesen Angriffen; allein auch die Insurgenten fochten in dem durchschnittenen Terrain der Heimath und nach gewohnter Taktik mit vielem Muthe, und in dem Maaße, wie der Krieg fie mehr übte und an die Gefahr gewohnte, mit zunehmender Ausdauer. Erst bei Einbruch der Nacht erstieg Autichamp die gegen ihn liegenden Verfchanzungen, und da zugleich eine Wunde den tapfern Führer der Republikaner außer Gefecht fekte, und mit dem Verluste von Pont Charon jede Möglich: keit, in geordnetem Rückzuge auf der großen Straße zu entkommen, für sie verschwand, løfte fich in der Dunkel

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