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Das Feuer dieser zwei Geschüße war es, von dem etwa gegen 11 Uhr unsre aus dem Walde debouchirende Avantgarde (das Regiment Nr. 39) empfangen wurde. Sofort wurde die 4pfünder · Batterie Schmidts, dieselbe, die bei Hünfeld den berühmt gewordenen Granatschuß abgefeuert hatte, vorgezogen, fuhr auf einer Terrainerhöhung rechts neben dem Wege auf und vertrieb nach Abgabe weniger Schüsse die bairischen Geschüße. Oberlicutenant Tauscheck fiel. Die Partikularbedeckung der Geschüße (Ulanen) hatte gleich nach dem ersten Schusse das Weite gesucht.*)

Die Spike unsrer Avantgarde hatte inzwischen die Thulba. Brüde erreicht; das bairische Jäger. Bataillon, sichtlich überrascht, seine Vormittags. ruhe durch einschlagende Granaten gestört zu sehen, machte feinen weitern Versuch, die Brücke zu halten und zog sich theils über den Buchberg, theils die Chaussee entlang auf Hammelburg zurück. Diese legtere Abtheilung schloß sich den später vorgehenden Bataillonen wieder an.

Jn weniger als einer Viertelstunde war die verrammelte Brüde geöffnet, die Passage wieder frei und General v. Schachtmeyer, der die Avantgarde führte, traf nun seine Dispositionen zu weitrem Vorgehn. Er detachirte 2 Compagnieen 39er links über den Kamm des Buchberges, 4 Compagnieen rechts in die Thulba · Niederung; mit den verbleibenden 6 Compagnieen ging er, auf und neben der Chaussee, gegen den vor ihm liegenden Höhenpunkt des Weges vor.

Dieser war rasch erreicht. Hier aber stockte der Vormarsch. In demselben Augenblick, in dem die vordersten Züge die Kuppe erreichten, geriethen sie nicht nur unter das Granatfeuer der 10 Geschüße bei Saaleck, sondern auch unter das Flintenfeuer der aus Hammelburg jegt vorbrechenden Bataillone Sebus und Täuffenbad). Des Flintenfeuers dieser beiden Bataillone, so lange fic auf der Chaussee zu avanciren suchyten, wurden unsre 39 er bald Herr, als die bairischen Bataillone aber, ihre eigene Schwäche rasch erkennend, nach rechts hin abzogen und unter Benutung einer Terrainwelle den Herolds: berg und den erwähnten, am Fuß desselben sich hinziehenden Hohlweg erreichten, war ihnen unsrerseits nid)t mehr beizukommen und ihre weitBatterie Lottersberg, 6 Geschüße

} bei Saaled,
Halb. Batterie La Roche, 4 Geschüße
1. Ulanen. Regiment (Oberst Korb) die feit der Thulba,

3. Cürassier · Regiment (Oberst v. Mayer) jenseit der Thulba. *) Die beiden Geschüße, trojdem sie durch die Flucht der Ulanen in eine üble lage kamen, wurden durch die Umsicht der Bedienungsmannschaften gerettet. Und zwar nur durch diese. Der junge Ulanenoffizier nahm nichts desto weniger Veranlassung, in einem Gefechts. berichte fich und seiner Truppe die Rettung der Geschüße zuzuschreiben. Er wurde dekorirt, später jedoch durch friegågerichtliches Erkenntniß seines Ordens verlustig erklärt und seiner Charge enthoben.

tragenden Podewilsgewehre fingen an, uns in unsrer linken Flanke fast noch lästiger zu werden, als die Saalect. Batterie in der Front.

Aber dieser Batterie war wenigstens beizukommen, sie war erreichbar. Rechts und links neben der Avantgarden. Batterie Schmidts wurden zivei 12 pfünder. Batterieen vorgezogen und eröffneten ihr Feuer geradaus auf die Saaled. Batterie, links hin auf Hammelburg, rechts hin auf die im Thulba. Thale haltenden bairischen Schwadronen. Diese, sehr ähnlich wie bei Hünfeld, standen wieder dicht aufgeschlossen in Escadrons.Colonnen und ähnlich wie am Quedmoor genügten wieder einige wenige Granatschüsse noch dazu derselben 4pfünder • Batterie, diese schönen Regimenter in die Flucht zu jagen. Die diesseits haltenden Schwadronen flohen auf Hammelburg zu, die jenseits der Thulba haltenden jagten in wilder Flucht über die bei Unter. Eschenbach und Dibbach befindlichen Saalbrüden bis Gemünden und noch weiter das Mainthal hinunter. Den Regimentern ist kaum ein Vorwurf zu machen; ein desto größerer denen, die sie an einer Stelle aufstellten, wo sie nichts waren als eine Scheibe.

Inzwischen war das Gros der Division Beyer, die Regimenter 20

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und 32, unter General v. Glümer heran. Die Umgehung der feindlichen Stellung nach links hin wurde angeordnet, die 32 er nahmen die Tête, zwei weitre 12 pfünder - Battericen wurden vorgezogen und eröffneten ihr Feuer, beinah gleichzeitig war aud) die Reserve (Regimenter 30 und 70) heran, deboudhirte über die Thulba - Brücke, nahm Aufstellung und bereitete sid) vor, den jegt in Front und linker Flanke mit aller Energie beginnenden Angriff zu unterstüßen.

Aber es bedurfte dieser Unterstüßung nicht mehr. Das Feuer der Saaleck - Batterie wurde (dwächer, die 39 er rückten im Gefdwindschritt, immer die Chaussee haltend, gegen Hammelburg vor, während die große

Umgehungs. Colonne (32 er und 20 er) sich in die zwischen dem Buch- und Heroldsberg gelegene Schlucht warf und durch Schnellfeuer erst die bairischen Schüßen von dem Ramm und Abhang des Berges, zulegt auch aus dem Hohlwege am Fuß des Berges warf.

Um 2} Uhr war der Feind in vollem Rückzuge; eine Stunde später rüdten die ersten preußischen Abtheilungen in das brennende Hammelburg ein.)

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Die Verluste waren beiderseits nicht erheblich. Die Baiern, die fich aus ihren verschiedenen Positionen zunächst östlich auf Fuchsstadt zogen, verloren 18 Todte (darunter Oberlieutenant Tausched) und einige 50 Ver. wundete; wir unsrerseits hatten 22 Lodte, darunter die Lieutenants v. Bosse, Bollandt, Bollmann, v. Arndt, und einige 60 Verwundete. Das

) Diesen Brand, der bis in die Nad;t hinein dauerte, schildert der Hammelburger Stadtpfarrer wie folgt: Wiederholentlich brach das Feuer aus. Nachts halb 12 Uhr heulten die Sturmglođen zum vierten Mal. Lichterloh stiegen die Feuersäulen auf und massenhafter Qualm erfüllte die Stadt; dabei begannen die einheimischen Kräfte zu erlahmen. Um so rustiger arbeiteten die preußischen Soldaten. Ehren halber müssen wir hier den jungen Fähnrich Arthur Mejer vom Thüringischen Infanterie. Regiment Nr. 32 nennen. Obschon todmüde, verließ er sein Nachtquartier fünfmal, um nach kurzer Ruhe immer wieder auf der Brandstätte thätig zu sein. Auch dessen sei erwähnt, daß, fast unmittelbar nach Eroberung der Stadt, ein blutjunger Soldat von feiner Bildung, mit einem Gesicht wie Milch und Blut, bei mir eintrat, und es flehentlich als einen Liebesdienst von mir erbat, die heilige Messe zu lesen. Er nöthigte mir endlich eine kleine Summe Gelbes auf, zur Verwendung für das schwer heimgesuchte Hamınel. burg. Seinen Namen hab' ich nicht erfahren. Andren Tage8 lagen 56 Häuser in Asdhe; die Brandstätte bot ein trauriges Bild der Zerstörung.“

39. Regiment, das unter das Flanfenfeuer der beiden Bataillone am Heroldsberg gekommen war, war am härtesten betroffen worden (16 Todte, 36 Verwundete). Unter den Verwundeten des Tages befanden sich auch der

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Commandeur der Avantgarde General v. Schachtmeyer (Schuß durch die rechte Hand), ferner die Hauptleute v. Johnston vom 32. und Hübner II. vom 20. Regiment. Unsre Verluste wären muthmaßlich noch geringer gewesen, wenn unsre vordersten Bataillone, in Schüßenschwärme aufgelöst, ohne Weitres gegen Hammelburg vorgegangen wären, anstatt eine Zeit lang der in der Flanke operirenden bairischen Infanterie eine bequeme Schußfläche zu bieten. Der Commandirende indeß (Generalv. Faldenstein, wie wir wissen, war selbst zur Stelle) konnte seine Dispositionen nicht auf die Annahme stüßen, daß Hammelburg nur von wenigen bairischen Bataillonen besegt sein würde; er hatte Ursach, hier die Hauptmacht des Feindes zu vermuthen und wurde in dieser seiner Annahme bestärkt, als die auf dem Höhenpunkt der Chaussee erscheinenden Bataillone von einem wie wir gesehen haben, überaus heftigen Artillerie- und Jnfanteriefeuer begrüßt wurden. In dieser Annahme eines stärkeren Feindes und eines energischeren Widerstandes war es, daß der Angriff in einer Umfassendheit eingeleitet wurde, die bei Kenntniß der wirklichen Sachlage überflüssig gewesen wäre.

Der Rüdzug der Baiern ging von Fuchsstadt über Gau Aschach auf Arnstein; die Unsren folgten nur eine kurze Strecke. Den Anstrengungen der 20er und 32 er, die in Hammelburg einquartiert wurden, gelang es, die Stadt vor einer vollkommenen Brandverwüstung zu retten.

Friedrichshall. Hausen.

Hausen. Waldaschach.

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ANteuffel (linker Flügel) ging auf Friedrichshall, Hausen und Waldaschach, die drei Saale. Uebergänge eine viertel, eine halbe und eine Meile nördlich von Kissingen. Zwed: Flan. firung des Gegners. Glückte

es, an dem einen oder andern Punkt den Fluß zu überschreiten, so war die Rückzugslinie des Feindes, die auf Nüdlingen ging, bedroht und das Aufgeben Kissingens (fals er hier ernstren Widerstand versuchen sollte) indicirt.

Um 10 Uhr brach General v. Manteuffel mit seiner Avantgarde von Geroda auf; Gros und Reserve folgten so dicht wie möglich.

Die Ordre de Bataille seiner Division für den 10. Juli war die folgende:

Avantgarde: Generalmajor v. Freyhold.

4. Posensches Infanterie- Negiment Nr. 59, Oberst v. Keßler. 1 Escadron vom 6. Dragoner. Regiment.

4 pfündige Batterie v. Tempsky.
Gros: Oberst Freiherr v. Hanstein.

Magdeburgisches Füsilier - Regiment Nr. 36, Oberst v. Thile.
Regiment Coburg-Gotha, Oberst v. Fabeck.
2 Escadrons vom 6. Dragoner - Regiment.
6 pfündige (Stader) Batterie, Premierlieutenant Loose.

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