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Schwankungen war, daß man die Vereinigung mit dem VIII. Corps und zivar irgendwo im Fuldathale, vielleicht in Fulda selbst, glaubte festhalten zu müssen.

Am 25. Juni wurde im Einklang mit diesem Operationsplan (Ver. einigung im Fuldathale) das Hauptquartier von Bamberg nach Schwein. furt verlegt. Wenige Minuten vor Abgang des Zuges, mit welchem der Prinz von Bamberg abfuhr, erschien am Bahnhofe der bekannte hannőversche Historiograph Onno Klopp, um im Auftrage seines Königs die bairische Hülfe nachzusuchen. Die Person zu dieser delikaten Mission war nicht glücklich gewählt; er wußte sich kaum zu legitimiren, sicherlich (zum Ueberfluß) repräsentirte er schlecht. Ein Offizier aus dem Stabe schreibt: »Ein unansehnliches Männchen erschien, Herr Onno Klopp, der vorgab, bestimmte Nachrichten vom Hannoverschen Corps zu bringen. Er wußte sich jedoch nicht geltend zu machen und auf ihn allein fält der Vorwurf zurück, daß Prinz Karl seinen wichtigen Mittheilungen nicht die gehörige Aufmerk. samkeit geschenkt habe.«

Dies war am 25. Am 26. fand in Schweinfurt eine Zusammen. kunft zwischen dem Höchstcommandirenden, Prinz Karl, und dem Commandirenden des VIII. Corp8, Prinz Alexander von Hessen, statt. Der schon gefaßte Operationsplan erhielt noch einmal seine Bestätigung; es blieb bei der Vereinigung im Fuldathale.

Der nächste Tag schon (der 27.) stieß diesen Plan wieder um. Die Mel. dungen, die Onno Klopp überbracht hatte, waren nicht als verläßlich angesehen worden, jeßt aber trafen beglaubigte Nachrichten ein, »daß die Hannoveraner bei Langensalza stünden und sich noch 8 Tage zu halten gedächten.«

So war es denn freilich Pflicht, zu ihrer Hülfe aufzubrechen. Ungern wurde der am Tage vorher festgestellte Operationsplan aufgegeben, aber die Verhältnisse gestatteten keine Wahl. Der Prinz beschloß andren Tags zum Entsaß gegen Norden, statt zur Vereinigung gegen Westen aufzubrechen.

Die Tage vom 28. bis 30. Juni gehören dem Versuche an, die Hannoveraner zu befrein. Man meinte és ehrlich und ließ fich's drei Lage lang sauer werden. Als man am dritten Tage in Erfahrung brachte, daß das Opfer vergeblich gebracht sei, war man's im Herzen wohl eigentlich zufrieden (die Haltung der Hannoveraner hatte wenig Sympathieen geweckt) und nahm den alten, durch die Diversion nach Norden hin nur vertagten Dperationsplan wieder auf.

Wir haben aber, eh wir zur Darstellung der nun folgenden Ereignisse übergehn, zuvor noch den Marsch zu schildern, der die Vereinigung mit den Hannoveranern bezweckte. Man hat diese Diversion auch die » bairische Bierreise nach Thüringen genannt. Und das war sie in der That.

Am 28. rückte die Armee, von Schweinfurt aus, norbwärts. Am 29. war das Hauptquartier in Neustadt an der Saale, am 30. in Mei. ningen. Die Gruppen hatten starke Anstrengungen gehabt; man war ermüdet, strapazirt und was das übelste war, es hatte an Ueberblic, Negelung, Disposition gefehlt. Jn Mellrichstadt, einem kleinen Ort zwisdien Neustadt und Meiningen, stodte alles; alles war von Truppen und Fuhr. werken vollgepfropft. Verpflegungscolonnen mußten sechs Stunden seitwärts der Chaussee warten, eh ste den Weg fortsegen konnten. Weil für Canto: nirungen nicht vorgesehen war, drängte sich alles in den der Straße zunädyst liegenden Dörfern zusammen, wo es zu den größten Verwirrungen fam. Der Gedanke konnte angesichts dieses selbstverschuldeten Chaos kaum aus. bleiben, daß diese Schwerfälligkeit unfähig sei zum Siege zu führen.

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Am 30. stand man zu beiden Seiten der Werrabahn, in Wasungen, Hildburghausen, Sdileusingen, Suhl. Das Hauptquartier war in Meiningen. Hier (im Uebrigen von dem alten Herzog aufs gastlichste empfangen) empfing man auch die Nadıricht von der Capitulation der Hannoveraner. Der ganze Zug nordwärts war also umsonst gewesen; indessen der Baier wollte doch aus diesen Gegenden nicht scheiden, ohne sie, soweit fie preußisch waren,

wenigstens angezapft zu haben. In Schleusingen und Sihl lag die 1. Division. Man begann mit einem Bierkrawall, trank in dritthalb Lagen 1500 Eimer Bier, sang im Chorus

ach, wenn das die Preußen wüßten,

daß sie morgen sterben müßten und rücte am 1. Juli westwärts, um jenseits der Werra, auf dem Hügel. plateau zwischen Kaltensundheim. Geisa und Meiningen. Wasungen Stellung zu nehmen. Avantgarde bis Salzungen.

Kunde war nämlich gekommen, daß General Vogel v. Faldenstein von Eisenach her anrüde. Man hätte sich ihm entziehn, hätte, eh er heran war, nach Südwest hin ausweichen, unter Wiederaufnahme des alten Operationsplanes, die Vereinigung mit dem VIII. Corp8 im Fuldathale, ohne Hemmnisse herstellen können. Aber man leistete darauf Verzicht. Die Stimmung in Baiern war derart, daß man es für unerläßlich hielt, unter Drangebung ersichtlicher Vortheile, coute qu'il coute, sich zu schlagen.

Dies führte zu den Gefechten bei Dermbach, Wiesenthal und Neidharts. hausen. Vorher schon zu dem Rencontre bei Jmmelborn.

Die Main - Armee bricht auf.

Feldzugsplan. General v. Goeben. Gefecht bei Jmmelborn.

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EBERbliden wir, bevor wir dic
Main. Armee auf ihrem Vormarsch
begleiten, noch einmal die Gesammt-
Situation, wie sie fid), auf dem west-
lichen Kriegsschauplaße, bei Freund

und Feind am 1. Juli darstellte.
Die Baiern standen im Werrathale, die Avantgarde bis Wasungen.
Die Reichs - Armee stand im Lahnthal, die Avantgarde bis Gießen.
Die preußische Main - Armee stand bei Eisenach.

Der Plan unsrer Gegner ging nothwendig dahin sid) zu vereinigen; unser Plan mußte ebenso nothwendig der sein, diese Vereinigung zu hindern.

Es gab zu diesem Behufe zwei Wege.

Zwei Corps standen uns gegenüber. Wir konnten gegen das eine oder andre Corps vorrüden und uns schlagen; - das war der eine Weg. Wir fonnten zwischen beide Corps rüden, das war der andre.

Beide Wege verdienten Erwägung. Die Baiern standen nahe, kaum cinen guten Tagemarsch entfernt; glüdte es dem General v. Faldenstein, fie im Werrathale zu fassen, zu umstellen, zu vernichten, so war die Aufgabe: »die Vereinigung der feindlichen Corps zu hindern« einfach und auf das gründlichste dadurch gelöst, daß von den zwei Corps eben nur noch eins cgistirte. Dies war das radikalere Mittel; man konnte allenfalls dazu schreiten.

Die Baiern standen nicht in dem Ruf, brillante Manövrirer zu sein; wußte man überall einen Niegel vorzuschieben, so konnte sich die »Capitulation von Langensalza« wenigstens partiell wiederholen.)

Wie aber wenn die Baiern der Umklammerung auswichen? Dann geschah just das, was auf jede Weise vermieden werden sollte und wir drängten sie der Vereinigung mit dem VIII. Corp8 entgegen.

Dies durfte nicht sein. So galt es denn den zweiten Weg cinzu. schlagen, der wenn nicht der Gegner eine Raschheit und Energie ent. wickelte, die zwar möglich, aber nicht wahrscheinlich war wenigstens das zunächst zu erstrebende Ziel: die Trennung der beiden feindlichen Corps, mit einiger Sicherheit in Aussicht stellte. Ob es hinterher auch glücken würde sie zu schlagen, mußte abgewartet werden.

So hieß denn also die Losung: erst zwischen den Feind, dann gegen ihn. Es galt die sogenannte vinnere Linie« zu gewinnen.

Im Einklang hiermit beschloß General Bogel v. Falckenstein von Eisenach auf Hünfeld-Fulda vorzugehn, mithin auf eben die Linie, beziehungsweise den Punkt, der, nach den Abmachungen der beiden feindlichen Corps. führer, von ihnen als Rendezvous ausersehen worden war. Man darf also sagen, der Beginn der Campagne begann sich um die Frage zu drehn, wer das eben genannte Nendezvous (Fulda) zuerst erreichen würde.

Trafen die Spißen des VII. und VIII. Corps und zwar in aus. reichender Stärke (Cavallerie erwies sich später als unausreichend) vor den Preußen hier ein, so war die Vereinigung geglückt; waren umgekehrt die Unsrigen eher zur Stelle, so war die Vereinigung im Fuldathal gesd)citert und mußte weiter südlich versucht werden.

Am 2. Juli früh brachen unsre Divisionen auf.

Die Division Beyer hatte die Avantgarde. Sie ging auf Vacha und inarschirte, ohne auf Widerstand zu stoßen, an der linken Flanke der Baiern vorbei.

Die weiteren Schicksale dieser Division auf ihrem Vormarsch,

*) General v. Willisen, in seiner Kritik des Feldzuge8 von 1866, spricht unum. wunden aus, daß diese Art des Vorgehens (also ein sofortiger Hauptschlag gegen die Baiern) das richtigere gewesen wäre. Er sagt wörtlich: „Es war angedeutet, sich so schnell es sein konnte, mit ganzer Kraft auf die Baiern zu werfen. Insofern dies hätte am 4. geschehen können und nicht geschehen ist, da die Division Goeben allein angegriffen, insofern ist hier ein Fehler gegen das System begangen worden.“ So Willisen. Wir lassen den Streit auf sich beruhn. Nur so viel : auch dieser Weg, wie schon im Test hervorgehoben, war einzuschlagen; aber Faldenstein (dem das Nachstliegende doch auch als ein solches sich dar. stellen mußte) vermied ihn absichtlid). Vielleicht gerade deshalb, weil das „System" es forderte. Der, der es versteht, in genialer Weise sich ohne das System oder gar gegen dasselbe geltend zu madhen, wird immer den Erfolg für sid, haben. Das nicht thun, wa8 blog correct ist, ist unter Umständen (man muß eben seinen Gegner kennen) (don der halbe Sieg.

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