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Das Gefecht bei Nüdlingen.

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EGEN Nüslingen hatten sich die Baiern zurück. gezogen. Thre

Stellung war von den Höhen aus, die die Unsrigen inne hatten, überall da, wo nicht Wald die Aussicht hinderte, sehr wohl einzusehn. Ihre Aufstellung war etwa die folgende:

Im ersten Treffen: 12 Geschüße; rechts daneben Chevauflegers und

einige Compagnieen Infanterie. Im zweiten Treffen: 8 Bataillone Infanterie. Im dritten Treffen: (auf den Bergen hinter Nüdlingen postirt)

ein Jäger -Bataillon. Diese Jäger, mit ihren weittragenden Gewehren, unterhielten über das Dorf hinweg ein beständiges Feuer gegen die diesseitigen, von den 19 ern und 55ern besegten Höhen. Unsere 19 er, inzwischen dem Generalmajor v. Wrangel unterstellt, hatten Vorposten ausgesegt. Es schien, dem sichtlich

ermatteten und von schweren Verlusten betroffenen Feinde gegenüber, nicht
nöthig, weitere Bataillone (vom 13. und 53. Regiment) aus Kissingen
heranzuzichen.
Acht preußische Bataillone,

das 19. Regiment,
das 55. Regiment,
das 1. Bataillon vom 15.,

das Bataillon Lippe hielten den Sinnberg und die Nüdlinger Höhen beseft. Dies schien aus. reichend.

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Die Situation blieb aber nicht wie sie war; die Baiern erhielten Succurs; zwischen 5 und 6 Uhr, vielleicht noch später, traf die Division Stephan von Münnerstadt her in Nüdlingen ein, formirte sich und ging sofort mit großer Energie zum Angriff auf unsere vordersten Bataillone über.

Eh wir diesem Angriff folgen, kehren wir zu den Unsrigen und zu der Aufstellung zurück, die dieselben nach Wegnahme des Sinnberges ein. genommen hatten.

Fünf Compagnieen 19er – wegen weiterer Details verweisen wir auf das Tableau der folgenden Seite waren bis in die Nähe von Nüdlingen vorgeschoben worden.

Fünf weitre Compagnieen desselben Regiments standen, als Gros, etwas zurück, zur rechten Seite der Chaussee; hinter ihnen das Bataillou Lippe und das füsilier - Bataillon vom 55.

Links daneben, an der andern Seite der Chaussee, die beiden noch restirenden Compagnieen (5. und 8.) des 19. Regiments. Hier hielt auch, hart an der Chaussee, eine Schwadron vom 8. Husaren - Regiment.

Eine 12 pfündige Batterie war in Front, oder neben dem Bataillon Lippe aufgefahren. Ziemlich an eben derselben Stelle, die einen Ueberblick gestattete, hielten Generalmajor v. Wrangel, Oberst Stoly vom 55. und Oberstlieutenant v. Henning vom 19. Regiment.

Diese Stelle, selber frei gelegen, gestattete einen Ueberblick, nur nicht nach Norden zu. Hier traten, nur dann und wann durch lichtere Stellen unterbrochen, dichtbewaldete Höhen hart an die Chaussee heran und machten einen Ueberblick nach dieser Seite hin fast unmöglich.

Diesen Umstand wußten die Baiern vorzüglich auszunußen. Jn fünf Bataillonen, von Artillerie unterstüßt, gingen sie, etwa um 6 Uhr Nach. mittags, zum Angriff vor, warfen sich mit einigen Bataillonen auf unsere nur 5 Compagnieen starke Vorhut und machten gleichzeitig mit ihrer Haupt. macht eine Linkeschwenkung, die sie in die Flanfe und fast schon in den Rücken unserer Aufstellung führte.

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Dieses Vorgehn war einestheils so wenig erwartet und wurde andererseits mit so vieler Präcision und geschickter Terrainbenuşung aus. geführt, daß der Angriff einer vollständigen Ueberraschung, einem Ueberfall gleichkam.

Das Herantreten des Bergwaldes an die Chaussee, eines anderen wichtigen Umstandes (auf den wir zurückkommen) zu geschweigen, hatte dies ermöglicht. Um 6 Uhr meldete der in der Nähe des General v. Wrangel

haltende Batteriechef, daß er Feuer in seiner linken Flange erhalte. Oberst. lieutenant v. Henning, der die Compagnieen seines Gros durch die gegen Nüdlingen hin vorgeschobene Vorhut, namentlich durch die am äußersten linken Flügel haltende 10. Compagnie für völlig gesichert ansah und ansehen durfte, hielt die Meldung für falsch. Er erwiederte scharf: »Das Feuer, unter dem man sei, sei cin Feuer auf 1200 Schritt, und wenn eine Batterie ein solches Feuer nicht aushalten könne, so würd’ es überhaupt unmöglich sein, mit ihr eine Position zu behaupten. Die Batterie blieb. Aber die Meldung, die der Batteriechef gemacht hatte, sollte sich innerhalb weniger Minuten nur als allzurichtig erweisen. Die jenseits der Chaussee haltende Husaren Eskadron erhielt jeßt ebenfalls Infanteriefeuer von links her und zwar in nächster Nähe; die überraschten Mannschaften wurden unruhig, drängten seitwärts und ritten die rechts neben ihnen haltenden Musketiere der 8. und 5. Compagnie theilweis nieder. Noch war die Ordnung nicht wiederhergestellt, als nunmehr auch Meldungen von den fünf vorgeschobenen Compagnieen eintrafen, daß sie nach dem, unseren rechten Flügel bildenden Schlegels berge hin abgedrängt seien. Sie hatten den ersten Stoß auszuhalten gehabt und waren ihm, bei der dreifachen Uebermacht des Gegners, gewichen. Hauptmann v. Zwehl (7. Compagnie), Premierlieutenant v. Uthmann

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(Führer der 6. Compagnie) waren gefallen, Hauptmann v. leszc ynski (11. Compagnie) war schwer verwundet. Er erlag seiner Wunde. Die Verluste an Mannschaften standen im Verhältniß.

So in der Front hart angefaßt, in der Flanke beschossen, im Rüden bedroht, glaubte Oberstlieutenant v. Henning sein Regiment zurückführen und zu neuem Angriff ralliiren zu müssen. Die 12 pfündige Batterie, die bis dahin in äußerster Gefahr geschwebt, aber ihren Posten nicht verlassen hatte,

folgte. In die entstehende Lüde rüdte jet das Füsilier · Bataillon vom 55. ein (Oberstlieutenant v. Rer).

Das Bataillon ging bis an die Stelle vor, wo eben die Batterie und die Compagnieen des Gros gehalten hatten und bestand hier ein heftiges Feuergefecht mit dem in den Waldstücken, sowohl nach Osten, wie namentlich nach Norden hin postirten Feinde. Dieser hatte den großen Vortheil, daß seine Schüßen in dem dichten Holze gedeckt standen, während die Unsrigen, auf 150 Schritt dem Feinde gegenüber, keinen anderen Schuß hatten, als den, den ihnen der Chausseedamm gewährte.

Zum Ueberfluß kam das Bataillon auch noch in die Schußlinie unserer eigenen Artillerie. Eine diesseitige Batterie fuhr nordöstlich von Winkels (links ber Chaussee) auf und begann zu feuern. Die erste, zu kurz gehende Granate schlug leider in das Bataillon ein und tödtete auf dem rechten Flügel der 9. Compagnie den Lieutenant v. Reg, den Feldwebel und neun Mann; ein Mann wurde leicht verwundet. Die in der Nähe befindlichen Leute wollten zurüdweidhen, hielten aber sofort auf den Zuruf der Offiziere Stand. Es wurde der Batterie mit Helmen und Tüchern zugewinkt, was indessen wohl wegen der großen Entfernung nicht bemerkt wurde.

Der anwesende Regiments - Adjutant ritt im Carriere zur Batterie. Die 2., 3. und 4. Granate schlugen in einer Entfernung von 20 bis 30 Schritt über das Bataillon weg, vor demselben ein, ohne ihm jedoch weiteren Ver. luft zuzufügen; die 5. Granate erreichte die vom Feinde besegte Waldlisière.

Dieser Gefahr enthoben, wuchs doch die Gefahr in der Flanke. Das feindliche Infanteriefeuer wurde immer heftiger; wenn man aufhören wollte, ihm in beinahe ungedeckter Stellung eine Zielscheibe zu sein, so mußte ein Angriff gegen ihn versucht werden. Die 11. Compagnie drang über die Chaussee in den Wald ein, etwa an derselben Stelle, von wo aus die Hu. faren · Escadron ihr erstes Feuer erhalten hatte. Der Feind war aber übermächtig und warf der Compagnie sehr überlegene Abtheilungen entgegen. Der mit großer Bravour vordringende Lieutenant Brzosowski wurde durch zwei Kugeln getödtet, ein anderer Offizier schwer verwundet. Die 11. Compagnie mußte auf Winkels zu zurück, bald auch der Rest des Bataillons. Der Sinnberg und die Nüdlinger Höhen schienen im Besiß des Feindes bleiben zu sollen.

Aber während die 55 er Füsiliere an dieser Stelle mit so vieler Bravour in die Bresche traten und unter so großen Verlusten (das Bataillon hatte 5 Offiziere und 71 Mann todt und verwundet) den Stoß von drei, vielleidyt ron fünf feindlichen Bataillonen parirten, hatte Generalmajor v. Wrangel alles, was er von seiner Brigade zur Hand hatte, sowohl die zurückgegan. genen, als die noch in Reserve gestandenen Compagnieen und Halb-Bataillone zusammengefaßt und führte sie nun in drei Colonnen gegen den Feind.

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