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von

M Heinrich Areißle von Hellborn.

Wien.

Druck und Verlag uon Carl Gerold'a 3uhn,
1865.

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Vorwort.

Nahezu sechs und dreißig Zahre — ein Menschenalter — sind vorübergezogen, seit Franz Schubert nach kurzem Erdenwallen aus dieser Welt geschieden ist. Während des Verlauses dieser drei Dcrennien und darüber, nach seinem Tod, ganz hauptsächlich aber in neuester Zeit, war man rühmlichst daraus bedacht, den reichen Schatz seines inneren Lebens, insoweit dieser in der musikalischen Kunst zur Erscheinung gelangte, allgemach aufzudecken und die volle Würdigung seiner erNaunlichen in ihrer Vielseitigkeit noch zu wenig ersaßten künstlerischen Thätigkeit zu ermöglichen.

Die Schilderung seiner stillen anspruchslosen äußeren Existenz dagegen beschränkte sich bis zur Stunde aus ein Paar dürstige Lebensumrisse, die bald nach des Tondichters Ableben in öffentlichen Blättern dem Publikum geboten wurden, und aus die von dem Verfasser dieses Luches vor drei Jahren herausgegebene „Biographische Skizze", welcher von wohlwollenden, den Schwierigkeiten eines ersten derartigen Versnches Rechnung tragenden Personen, das Verdienst zugestanden wurde, eingehender, als es bis dahin der Fall war, aus die Lebensverhältnisse und die musikalische Produktivität Schubert'» hingewiesen zu haben.

Jene Skizze aber, so bescheiden ausgestattet sie war, barg doch den sruchtbringenden Keim neuen Lebens in sich; denn bald nach ihrem Erscheinen öffneten sich da und dort zwar spärlich fließende, aber dennoch höchst willkommene Duellen, deren Existenz mir entweder gar nicht bekannt war, oder die ich sür versiegt gehalten hatte. So sah ich mich denn durch Mittheilungen verschiedener Art, welche theil« Neues, theil» Berichtigungen tatsächlicher Irrthümer enthielten, sowie durch eigene Bemühung nllmälig in dem Besitz eines uerhältnißmäßig reichhaltigen Maleriales, welches zu benützen und aus» neue zu verarbeiten ich mich durch mehr sache Gründe bestimmen ließ. Auch konnte ich mir nicht verhehlen, daß mein innigeres Vertrautwerden mit der Schubertschen Muse und die mir über seine äußeren Verhältnisse mittlerweile gewordenen Ausklärungen aus sa manche in der „Zkizze" ausgesprochene Ansicht modisicirend eingewirkt hatten. Die Schwierigkeiten, mit welchen eine Darstellung von Schubert'» Leben zu kämpsen hat, sind sreilich in Wesenheit dieselben geblieben. Sic gipseln in der Unmöglichkeit, ein Leben, „in welchem es nicht Berg nicht Thal, sondern nur gebahnte Fläche gab, aus der sich unser Tondichter in gleichmäßigem Rhythmus sortbewegte", — als interessant und bedeutend hinzustellen, ohne dem Leser an Stelle der Wahrheit Phantasieftücke zu bieten, die wohl sür den Augenblick Anregung und Erheiterung gewähren mögen, der Sache selbst aber in keiner Weise sörderlich sind*). Eben aus dieser Ursache haben auch Personen, in deren Macht es gestanden, über Schubert'»

*) Derlei poetisch und gemüthlich gefärbte „Phantasien" übe r Schubert sind auch im Druck erschienen. Ihr Inhalt gehört zum bei weiten größten Lheil in dau Reich der Fabel, und ist nur geeignet, den Tondichter in einem ganz anderen Licht erscheinen zu lassen, alu dieß in Wirklichkeit der Fall war.

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