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leiden möge... Die Erecution muß in den langen Tagen um 6 Uhr, in de« kurzen Tagen aber um 7 Uhr vorgenommen werden. §§ 540, 541 Crnn.Ordg.

Zur Vorbereitung der Hinrichtung gehört insbesondere die ganz secrete Ladung der 2 Gerichtsmitglieder, des Gerichtsschreibers und eines Gefängnihbeamten, welche mit der StAschaft anwesend fein müssen, außerdem die Aufforderung der 12 Gemeindemitglieder, sowie Benachrichtigung des Geistlichen und Vertheidigers, endlich auch das Abkommen mit der Druckerei.

2. Für die Publication an den Verurtheilten diene folgendes Beispiel:

Verhandelt am zc. zu 8.
im Königl. Arresthause, Nachmittags 6 Uhr.

Der unterzeichnete Kön. Erste Staatsanwalt hatte sich heute in Assistenz des mitunterzeichneten Staatsanmaltschafts-Secretärs 8. in das hiesige Arresthaus begeben, um dem zum Tode verurtheilten Tagelöhner und früheren Bergmann Joses 6. aus ?. den Eingang des Allerhöchsten Erlasses vom 31. Januar 18S4 und den Termin zur Vollstreckung des Urtheils bekannt zu machen.

6. wurde in das Directorialzimmer ungefefselt vorgeführt und durch den Gefangenen-Ober-Aufseher O. noch besonders recognoscirt.

Hierauf wurde dem 0. durch den unterzeichneten Ersten Staatsanwalt die Urtheilsformel und der Allerhöchste Erlaß vom zc., durch welchen Se. Majestät der Kaiser und König erklärt haben, von dem Begnadigungsrechte keinen Gebrauch machen, vielmehr der Gerechtigkeit freien Lauf lassen zu wollen, vorgelesen unter der gleichzeitigen Eröffnung, daß das Urtheil Morgen, Dienstag, den zc., Vormittags 7 Uhr an ihm vollstreckt werden solle.

Der Allerhöchste Erlaß ist sodann dem S. zum Durchlesen übergeben morden, er hat sich denselben auch angesehen und erklärte auf Befragen, daß er nur den . einen Wunsch habe, an seine Mutter zu schreiben und diese zu bitten, daß sie bei den Eltern des Ermordeten Verzeihung für ihn nachsuche, indem er willig und reumüthig in den verdienten Tod gehe.

Auf Befragen: Irgendwelche Erklärungen oder Einwendungen in Bezug auf das vorliegende nunmehr vollkommen zugestandene Verbrechen habe ich nicht mehr abzugeben; ebensowenig bin ich im Stande, irgendwelche für den Staat vortheilhafte Entdeckungen zu machen.

Dem mitanwesenden Arresthausvorsteher 8eK, wurde aufgegeben, von jetzt ab bis zur Exekution für strengste Bewachung des verurtheilten 6. zu sorgen.

Geschlossen.

gez. N. X. gez. X. X.

Erster Staatsanwalt. Staatsanwaltschafts-Secretiir,

3. Die Allerh. CabOrdres vom 15. October 1810 und 31. Januar 1836, welche unter gemissen Umständen Aussetzung der Hinrichtung bestimmen oder gar Begnadigung in Aussicht stellen, sind im Protokoll berücksichtigt. Vgl. 1,1 des § 114.

4. Ueber etwaige Einwendungen, welche der Verurtheilte gegen die bevorstehende Hinrichtung erhebt, entscheidet sofort nach § 490 Abs. 1 StrPrOrdg. das Gericht, d. h. die Strafkammer.

5. Die Hinrichtung selbst erfolgt in einem umschlossenen Räume, regelmäßig in dem Hofe des Gefängnisses. Der dieselbe leitende Beamte der StAschaft kann anderen Personen den Zutritt gestatten.

Das Protokoll über den Hergang bei der Hinrichtung muß die Namen und die Stellung desjenigen Beamten enthalten, welche bei derselben als . . Beamte zugegen gewesen sind, auch die Beobachtung der sämmtlichen vorgeschriebenen Förmlichkeiten darthun, ebenso das Verhalten des Verurtheilten. Nr. Sl Allgem, verfüg, des Dderstaatssnmalts «IN Kommers, vom I. Bciober I83Z, I. SZIS.

6. Beispiel:

Verhandelt zu S., im Hof des Justiz-Arresthauses,
Dienstag den zc., Vormittags 7 Uhr.

In der Strafsache
wider

5>en Joseph v. aus ?.
wegen Raubmordes

hatte der mitunterzeichnete Erste Staatsanwalt die Vollstreckung des durch rechtskräftiges Erkenntnis; des hiesigen Schwurgerichts vom :c. gegen den Joseph 6. gefällten Todesurtheils, nachdem die Allerhöchste Cabinets-Ordre vom 31. Januar «r. am zc. eingegangen und die Ankunft des mit der Exekution beauftragten Scharfrichters R. aus AI. gestern Nachmittag erfolgt mar, auf heute Vormittag 7 Uhr in dem umschlossenen Räume des hiesigen Justiz-Arresthauses festgesetzt. Es hatten sich zur Stunde eingefunden-,

1. Der mitunterzeichnete Erste Staatsanwalt, in Assistenz des Staatsanwalts N.z

2. die von dem Präsidenten des hiesigen Landgerichts abgeordneten beiden Mitglieder desselben, Landgerichts-Räthe ^. und 2.;

Z. Erster Gerichtsschreiber R.;

4. die von dem Bürgermeister Hierselbst designirten 12 Solennitätszeugen;

5. der Vorsteher des Justizarresthauses;

6. einige Beamte des Landgerichts und der Staatsanwaltschaft und mehrere Aerzte mit Erlaubnifz des Ersten Staatsanwalts.

Der von der stattfindenden Hinrichtung benachrichtigte Vertheidiger Rechtsanwalt Justizrath S. mar nicht erschienen.

Die Guillotine mar gestern hier eingetroffen und in Gegenwart des begleitenden Arresthaus-Aufsehers, welcher mit dem Mechanismus vertraut ist, mit Hülfe von Strafgefangenen und den Gehülfen des Scharfrichters R. aufgeschlagen, sowie von dem mitunterzeichneten Ersten Staatsanwalt vorher eingehend besichtigt und probiert worden.

Dieselbe funktionirte tadellos.

Mit dem Glockenschlage 7 wurde auf Geheiß des Ersten Staatsanwalts der <5. vorgeführt, während zugleich die Arresthausglocke ertönte.

<Z., welcher vorher gebeichtet und kommunizirt hatte, betrat vollständig gebrochen, unterstützt von dem Oberaufseher v. und Aufseher L., sowie begleitet von seinem Seelsorger Kaplan ^V. den Richtplatz.

Auf die Frage des Ersten Staatsanwalts, ob er der zum Tode verurtheilte <Z. sei, preßte Letzterer, nachdem die Frage zum zweiten Mal gestellt wurde, ein „Ja" heraus.

Es wurde dem 6. hierauf Seitens des Ersten Staatsanwalts die Urtheilsformel des rechtskräftig gewordenen Schwurgerichts-Erkenntnisses vom sowie die Allerhöchste Cabinets-Ordre vom sc. laut und deutlich vorgelesen, letztere auch demselben nochmals, sowie demnächst dem Scharfrichter R. zur Kenntnißnahme vorgelegt.

Nunmehr wurde 6. dem Nachrichter mit dem Befehle übergeben, zu thun, was seines Amtes sei.

Auf einen Wink des Scharfrichters ergriffen zwei Gehilfen den 6. und führten ihn die Stufen des Schaffots hinauf. Hier wurde 6. auf das Schiebebrett der Guillotine festgeschnallt und unter das Fallbeil geschoben; dasselbe fiel auf einen Druck des Scharfrichters und damit der Kopf des,Enthaupteten in den vorgelegten Sack.

Von der Vorführung des ü. bis zu seiner Enthauptung waren 2 Minuten 11 Sekunden vergangen.

Kopf und Rumpf des <Z. sind hierauf in einen bereit stehenden Sarg gelegt worden und ertheilte der Erste Staatsanwalt den Beerdigungsschein.

Worüber dieses Protokoll,
gez.: X. X. X.

Erster Staatsanwalt. Secretär.

7. Die Behandlung des Leichnams.

s.) Galvanische Versuche mit dem Kopfe des Enthaupteten sind verboten; der Leichnam ist sogleich in einen einfachen Sarg zu legen.

Res«, vom s. Mörz !804, Rabe 8 s. IS.

b) § 486 Abs. ö: Der Leichnam des Hingerichteten ist den Angehörigen desselben auf ihr Verlangen zur einfachen, ohne Feierlichkeiten vorzunehmenden Beerdigung zu verabfolgen.

«) Die Angehörigen sind von dem Tode sofort in Kenntniß zu setzen und aufzufordern, binnen kurzer Frist ihre Wünsche wegen der Beerdigung zu äußern; geht keine Erklärung ein, so ist die Leiche der Ortspolizeibehörde zur Beerdigung zu überweisen. Aus Verlangen der Angehörigen ist sie aber auszuhändigen.

Rescr. vom 4. Juli ISSS, I, 2048.

8. Maßnahmen nach der Hinrichtung.

Von dem Strafvollzug ist dem Herrn Zustizminifter und dem Oberstaatsanwalt durch den die Strafvollstreckung leitenden Staatsanwalt sofort mittelst Telegramms Nachricht zu geben, und alsbald dem Erster« Abschrift des Protokolls über den Hergang mit Begleitbericht unter der Adresse des Oberstaatsanwalts zu überreichen.

Dem Berichte sind einige Exemplare der Warnungsanzeige beizufügen,

Nr. SZ der Allgem. verfiig. «es Vberstaateanmatts beim KammerG. vom l. Dctob«

I, SZ4«.

Nach vollzogener Strafe soll durch Cinrückung in die öffentlichen Blätter und Anschlagung an schicklichen Orten eine Warnungs anzeige bekannt gemacht werden, welche den Namen und Stand des Hingerichteten, eine kurze actenmäszige Erzählung der Missethat und einen Auszug des Urtheils enthält.

§ S49 ?rimVrog.

9. Beispiel des Berichts.

L., den :c.

Bericht III, 1506.

des Ersten Staatsanwalts, betreffend Hinrichtung des Raubmörders Joseph 6.

Auftrag: 7. Febr. 189 .. Euer Hochmohlgeboren

I, 1063. beehre ich mich in Erledigung der nebenstehend bezeich,

neten hohen Verfügung, sowie im Anschluß an das heute Morgen abgesandte Telegramm hierdurch gehorsamst anzuzeigen, daß die Hinrichtung des Joseph S. aus ?. heute früh 7 Uhr ohne jeden Zwischenfall stattgefunden hat.

Die Acten mit der Allerhöchsten Ordre und Euer Hochmohlgeboren Verfügung gingen am Freitage den zc. hier ein i der Inhalt derselben ist nur dem früheren Dezernenten, Staatsanwalt X. sowie dem Seeretär Sek. bekannt geworden, welcher die sämmtlichen Schreiben nach meiner Anweisung zu Haus angefertigt hat. Durch diese Einrichtung ist es ermöglicht morden, daß die bevorstehende Hinrichtung bis zum gestrigen Tage vollständiges Geheimniß geblieben ist.

Gestern Vormittag habe ich dem Herrn LandgerichtsPräsidenten von dem bevorstehenden Acte vertraulich, Nachmittags durch briefliche secrete Zuschrift Kenntniß gegeben, um die nöthigen Anordnungen bezüglich des Zusammentritts der Straffammer und der zwei anwesenden Richter treffen zu können,

Nachmittags 3'/, Uhr meldete sich der Beamte, Peter von der dortigen Strafanstalt; der Wagen mit der Guillotine traf gegen 4 Uhr beim JustizArresthause ein. Mit der Aufstellung der Guillotine ist erst gegen S Uhr auf meine Anordnung begonnen morden, weil der Scharfrichter R. mit seinen Gehülfen nicht früher eintraf. Erst nachdem dieser sich gemeldet hatte, wurden die einzelnen Schreiben an die Polizei-Verwaltung wegen der polizeilichen Sicherungsmaßregeln und wegen der Beerdigung, sowie an den Landrath wegen Abkommandirung der nöthigen Gensdarmen durch den Boten zugestellt, auch begab ich mich mit dem Staatsanwalt und dem Secretär 8ed. zum Justiz-Arresthause, um dem Verurth eilten die Allerhöchste CabinetsOrdre mit dem Hinzufügen bekannt zu machen, daß die Vollstreckung des Todesurtheils am nächsten Morgen 7 Uhr stattfinden werde. Der Verurtheilte zeigte sich gefaßter als ich erwartet hatte; als einzigen Wunsch sprach er auf Befragen die Bitte aus, noch einen Brief «robitzsch. 19

an seine Mutter schreiben zu dürfen. Die Erlaubnisz ist gewährt und der Brief nach Durchsicht abgegangen. In demselben benachrichtigt der Verurtheilte seine Mutter, daß „das Gnadengesuch abgelehnt fei und er nun mit dem Tode seine Frevelthat sühnen solle." Zugleich spricht er Reue darüber aus, und bittet seine Mutter, nunmehr auch die Mutter des Ermordeten 3. um Verzeihung für ihn anzuflehen.

Nach der Publikation wurde das im Hofe aufgestellte Schaffst geprüft.

Die Zeit von der Publikation ab bis zum andern Morgen hat der Verurtheilte ohne Schlaf und im Beisein zweier Aufseher in der Zelle verbracht. Der Kaplan hat Abends lange mit ihm gebetet und ihm geistlichen Zuspruch gewährt, so daß er in christlicher Ergebung dem Tode entgegensah. Am späten Abend hat er auf seinen Wunsch eine Cigarre, später auch ein Glas Bier erhalten.

Am heutigen Morgen hatte sich der Kaplan zeitig bei dem Verurtheilte« eingefunden und betete mit ihm bis 7 Uhr. Inzwischen fanden sich als Abgeordnete der Stadt 12 Herren, darunter 5 Aerzte ein, ferner einige Beamte des Gerichts und der Staatsanwaltschaft, welchen die Erlaubniß besonders gegeben war. Der benachrichtigte Vertheidiger des Verurtheilten mar nicht erschienen. Mit dem Glockenschlage 7 Uhr begab sich der die Vollstreckung leitende Unterzeichnete mit dem Staatsanwalt X. und dem Gerichtsschreiber, gefolgt von den beiden Richtern, dem Arresthaus-Vorsteher, sowie den sonst zugelassenen Personen nach dem Hofe, wo der Scharfrichter mit seinen Gehülfen am Schaffst zur Vollstreckung bereit stand. Die kleine Glocke des Arresthauses wurde langsam geläutet. Auf Veranlassung des Unterzeichneten wurde der Verurtheilte, welcher vorher gebeichtet und communicirt hatte, auf jeder Seite von einem Aufseher und durch den vor ihm gehenden Kaplan auf dem letzten Gange begleitet, vorgeführt und sodann dem Scharfrichter zur Erfüllung seiner Pflicht übergeben, nachdem zunächst im Hofe seine Identität festgestellt und ihm sodann die Urtheilsformel und Allerhöchste Cabinets-Ordre vorgelesen, letztere auch dem Scharfrichter vorgezeigt war. Unter dem fortmährenden Rufe: „Gott sei mir Sünder gnädig" und „Jesus meine Zuversicht" stieg der Verurtheilte die Stufen hinan, ließ sich auf das Brett legen, fesseln und vorschieben, einen Moment später zog der Scharfrichter am Bindfaden, der Block mit dem Beile rollte herab und der glatt abgeschnittene Kopf in den vorgehängten Sack, während ein Blutstrom hörbar nachrauschte.

Der ganze Vorgang, vom Vorführen aus der Zelle bis zu diesem Momente, hatte mehr als 2 Minuten in Anspruch genommen. Hierbei ist indeß zu berücksichtigen, daß mährend der Hinrichtung ziemlich reichlich Schnee fiel und dadurch eine Glätte auf den Stufen des Schaffots eingetreten mar, welche sehr langsames und vorsichtiges Aufsteigen nothmendig erscheinen ließ. Bei der einfachen Enthauptung mittelst des Fallbeiles fällt dieser Aufstieg weg; sie scheint mir deshalb den Vorzug zu verdienen, weil sie kürzere Zeit in Anspruch nimmt und überdies viel billiger ist. Ferner war im vorliegenden Falle von Bedeutung, daß der Verurtheilte, wenn er auch mit anscheinender Ruhe und Neue noch am Morgen diesem Ende entgegensah, doch bei der Vorführung vollständig gebrochen und fast bewegungslos mar: mit verglasten Augen und schlotternden Knieen betrat er den Hof und ist nachher mehr getragen als gegangen!

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