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ö. auch absichtlich auf die linke Hand, damit er die Büchsflinte fallen ließe. Plötzlich hörte 6,, ganz er« schöpft, mit Schlagen auf; auch der Jäger, welchem das Blut in die Augen floß, mar ganz ermattet. Dabei erinnerte er er sich aber seiner Patronen, griff in die Tasche und versuchte wieder zu laden. Als ö. dies bemerkte, drehte er um und entlief in das Dickicht.

L. Bl. 29v. Der Jäger mar nicht mehr im Stande zu folgen, seine Hand war so taub, daß er nicht einmal die Pa» tronen fassen konnte. Nachdem er sich etwas erholt hatte, ging er, die Kleider mit Blut durchtränkt, Kopf,

Kreisphyfikus Hals, Gesicht und Hände mit Blut bedeckt, nach Haus, Dr. X. wo der herbeigerufene Arzt zahlreiche und sehr gefähr

Bl. 22 u, 23. liche Verletzungen, insbesondere folgende feststellte:

1. In der Mitte des Scheitels verlief eine stark gequetschte, V2 ^ auseinanderklaffende Wunde, von 4 cm Länge; nach hinten zu verlief dieselbe in 3 Schenkeln von je 1 bis IV, om Länge.

Die Wundränder maren stark gezackt, gequetscht. Die Umgebung zeigte sich geschwollen, die Wunde erstreckte sich bis auf den Knochen; dagegen ließ sich nicht feststellen, ob letzterer mit verletzt war.

2. In der linken Schläfe, etwa 5 em oberhalb vom Ohrenmuschelende, verlief eine zweite Wunde von vorn nach hinten, in einer Länge von S em. Dieselbe klaffte V2 bis 1 om auseinander; die Ränder und Wundwinkel waren gleichfalls gezackt und geschmollen. In der Tiefe zeigte sich in IV, em Länge die gespaltene Beinhaut des Knochens, welcher anscheinend mit verletzt mar.

3. Hinter dem linken Ohre fand sich eine Blutbeule von der Größe eines Markstücks, in deren Mitte eine linsengroße Hautabschürfung war.

4. In der linken Schläfe zeigte sich eine oberflächliche Stichmunde von V, Länge und zu beiden Seiten davon je eine Hautrißmunde mit scharfen Rändern und einer Länge von Oben nach Unten von 3 und 4 em.

5. Die linke Hand zeigte auf dem Handrücken eine ganze Anzahl kleiner, gequetschter, blutig unterlaufener Stellen, namentlich in den Gelenkgegenden des Daumens. An der Außenseite des linken Handgelenks fanden sich ebenfalls mehrere Hautquetschmunden von 1 bis 3 cm Länge, die ganze linke Hand war geschwollen. Außerdem zeigten sich an der Beugefläche des Daumens zwei haarscharfe Schnittmunden von 1 em Länge und im Handteller eine 3 em lange Schnittwunde. 6, An der Innenfläche der rechten Hand, in der Gegend des Zeigefingers, fand sich eine 3 «n lange scharf geränderte Schnittwunde. Die Schnittmunden sind inzwischen geheilt, der linke L. Bl. 3. Daumen wird indeß voraussichtlich steif bleiben. Die schwersten Verletzungen sind die auf dem Kopfe Nr. 1 und S; hat der Schädel Risse davongetragen, so tritt Lebensgefahr ein.

Auf Grund der vom Verletzten gemachten Beschreibung gelang es, <Z. — der schon lange im Rufe eines Wilderers stand — als den Thäter zu ermitteln, ihn drei Tage nach dem Vorfall auf einem Speicher versteckt aufzufinden und festzunehmen. Schon bei der ersten Protocoll, Bl. 8v. gerichtlichen Vernehmung gestand er zu, in den Kon.

Wald gegangen zu sein, dort einen Rehbock zu schießen. Protokoll, Bl. 34. Im Lause der gerichtlichen Voruntersuchung hat er diese Angabe noch dahin vervollständigt, daß er aus Mangel an Nahrungsmitteln den Gedanken des Wilderns zum ersten Male gefaßt, Morgens zwischen 3 und 4 Uhr mit Gewehr und 6 Patronen von Hause weggegangen, aber im Walde trotz stundenlangen Umherpürschens nicht zu Schuß gekommen fei. Auch die Thätlichkeiten gegen den Jäger, sowie das Schlagen mit den Läufen und das Zücken des Dolches giebt 6. zu, bestreitet indeß hierbei von der Absicht geleitet gewesen zu sein, dem Jäger das Leben zu nehmen. Diese Absicht läßt sich indeß, nicht blos aus der Hartnäckigkeit des Angriffs, aus der Art des Gebrauchs der Gemehrläufe und des Dolches schließen, sondern ergiebt sich geradezu aus folgenden Thatsachen: 6. ist ein alter und erfahrener Jäger, der schon vor ^V. Bl. 42 v. eigm 10 Jahren ein Gewehr beim Büchsenmacher ^V. in St. W. gekauft hat. Am 26. März 1894 hat er sodann ebendaselbst eine Lütticher Flinte für 54 Mark erstanden und in zwei Raten bezahlt. Noch im vorigen Jahre hatte er eine Jagd bei ^l. mit Leuten aus W. gepachtet. Vom Dezbr. 1893 bis dahin 1394 besaß er auch einen Jagdschein. Der von ihm am 5. Mai getragene, nachR. Bl. 3(1. her aufgefundene Rucksack war innen voll von Rehhaaren, auch mit altem Schmeiß (d. h. Blut) getränkt, als wenn er schon viel gebraucht sei. Der Walddistrict Nr. 104 R. Bl. 43v. enthält ungewöhnlich viel Hasen und Rehe. Allein beim Kaufmann R. in 0. hat ö. in diesem Jahre zweimal Pulver, Schrot und Hülsen gekauft und zwar jedesmal für 20 bis Sö Stück Patronen.

6. steht auch schon lange im Rufe eines Wilderers,

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der sich nur durch seine Geschicklichkeit der Ergreifung bislang entzogen hat. Zur Verhinderung einer Entdeckung kam es ihm, nach seiner eigenen Erklärung, auf einen Mord nicht an. So äußerte er vor 2 Jahren, als der Förster aus 8. ihn bis zur Wohnung verfolgt und der Gcnsdarm P. vergeblich Haussuchung gehalten hatte, nach deren Weggange:

„Wenn noch einmal Einer in mein Haus kommt, so schneide ich ihm den Hals ab!"

Bei einer späteren Gelegenheit sagte er zum Berg» mann R., der ihn und seine Frau wiederholt gewarnt hatte:

„Wenn mir einmal Einer zu nahe kommt, den schieß ich zusammen!"

Hieraus ergiebt sich hinreichend die Denkungsart des «.

Als Beweismittel dienen:

I. Das Protokoll und die Zeichnung über Einnahme des gerichtlichen Augenscheins.

II. Zeugen:

1. der Kön. Hülfsjäger L. zu 3,;

2. der Kaufmann Emil R. zu 0.;

3. der Bergmann Jacob R. zu II,;

4. der Polizeidiener Johann R. daselbst.

III. Sachverständiger und Zeuge:

der Kön. Kreisphysicus, Sanitätsrath Dr. X.
zu N.

IV. Vorlegung des asservirten Rucksackes und des
Dolches.

Zuständig ist das Kön. Schwurgericht Hierselbst.
8,, den zc.

wird angeklagt: am 31. März 1895 zu sein daselbst belegenes Haus, ein Gebäude, welches zur Wohnung von Menschen diente, vorsätzlich in Brand gesetzt zu haben.

Verbrechen nach § 306- RStGB.

In der Scheune, welche 1888 an das Wohnhaus des H. zu angebaut ist, brach am 31. Mörz d. I., Abends gegen 8V2 Uhr Feuer aus. Dasselbe, auf dem Heustalle beginnend, wurde alsbald bemerkt und durch die herbeigerufene Feuerwehr gedämpft; gleichwohl mar das Dach und die innere Einrichtung des Gebäudes zerstört.

Einige Zeit nachher brach im Keller unter dem Wohnhause, woselbst Oel und Petroleum aufbewahrt wurde, ein Brand aus, welcher gleichfalls gelöscht wurde. Die Herbeiführung beider Brände kann nur auf vorsätzliche Thätigkeit, und zwar des Eigenthümers zurückgeführt werden. L. lSugnet dies zwar, indeß sprechen folgende Thatsachen dafür: V^. Bl. 6. I. Abends gegen 7 Uhr hat II. mit seiner Frau das L. Bl. 15 v., 3Sv. Haus verlassen und sich zu dem Tagelöhner W.

begeben. Vor dem Weggange wurden die Fensterläden von Innen verschloffen, ebenso das Scheu» 8, Bl. 10v nenthor, beim Weggang schloß S. auch die Haus

thür ab und steckte den Schlüssel zu sich. 2, Bei Ankunft der Löschmannschaften waren alle Eingänge des Hauses noch verschloffen; in der Scheune befanden sich keinerlei Feueranlagen, auf welche der Ausbruch des Brandes zurückgeführt Protocoll über Ein- werden konnte. Der Schornstein insbesondere benahme d. gerichtlichen fand sich an der Mauer zwischen Laden und Augenscheins, Bl. 34. Wohnzimmer und war von der Scheune noch durch eine starke Mauer getrennt, welche nach dem Brande unverletzt vorgefunden ist, 8. Bl. 41. 3. Nach der örtlichen Lage der einzelnen Räume 8. Bl. 43. konnte das Feuer aus der Scheune in den Keller

oder auf das Lohholz davor nicht von selbst über8. Bl. 44, 8. Bl. 45. tragen werden.

Zn einer Luke des Kellers, unmittelbar vor dem Oel- und Petroleumkeller, wurde bald nach Bl. 52 v., 8. Bl. 9 v., 44. Dämpfung des Feuers eine Schachtel mit Schwefel3. Bl. 43 v. hölzern vorgefunden und noch am Morgen des

I. April gesehen. Später war die Schachtel mit den Schmefelhölzern verschwunden, am Boden ?. Bl. 11. lagen indeß vielfach einzelne Hölzchen, welche zum

Theil aufgelesen und afservirt sind. L. Bl. 16v., 37 v. 4, II. ist vor Ausbruch des Kellerbrandes nach dem Keller gegangen. Er leugnet dies zwar, indeß ist Folgendes beobachtet worden: II. Bl. 3. L,, welcher bei Ausbruch des Feuers von >V.

hergekommen mar, holte vorn aus dem Laden eine kleine Schublade, stellte sich vor das Haus, und sprach dann:

„Hier bleibe ich nicht mehr, was soll ich hier N. Bl. 49. stehen?" 8. Bl, 9, 44. Sodann begab er sich am Giebel des Hauses

8. Bl, 42 v., 43. herab, trotz vielfacher Warnungsrufe, nach dem

Stalle, kehrte nach einiger Zeit zurück und etwa ö Minuten später wurde der Brand im Keller 8. Bl. 47 v. wahrgenommen, welcher unweit des Stalles liegt.

N, Bl. 49. 5. II. ist sogar beobachtet worden, wie er erst im
L, Bl. 50v. Stalle war und nachher aus dem Keller kam.

Registratur, Bl. ISv.

6. II. war mit der Gemeinde wegen eines ZauneK verfallen. Bei seiner Weigerung, denselben wieder herstellen zu lassen, hat die Gemeinde die Herstellung veranlaßt, und sodann die Kosten mit etwa 34 Mark im Wege des Zwangsverfahrens eingezogen.

Das kleine Ladengeschäft, welches II. betrieb, ging unter starker Concurrenz im Orte immer mehr zurück, er dachte daran, den Ort zu verlassen. Schon im Winter 1892/93 hat er dem Kaufmann Louis L. sein Haus mit Scheune für 3000 Mark angeboten, weil er fortziehen wollte. L. ist darauf nicht eingegangen.

II, bestreitet auch dies, indeß kann nach L.'s Zeugniß nicht an der Richtigkeit gezweifelt werden.

7. Unterm 3./7. Juni 1894 reichte S. beim Landraths-
Amte 8t ^V. ein Gesuch um Verleihung der
Schank-Concession ein; wegen mangelnden Be-
dürfnisses und Unzulänglichkeit der Locale wurde
dasselbe am 2. Zuli abschläglich beschieden. Hier-
bei wollte sich II. nicht beruhigen und hat bis zum
October 1894 erneute Eingaben an Landrathsamt,
sowie an den Regierungspräsidenten in ?r. ge-
richtet.

Bl. 30, 31 »et. 8. Seit 29. August 1832 hat II, bei der Gladbacher
Feuerversicherungs - Gesellschaft auf Police Nr.
19409 Haus und Scheune mit 2900 Mark, die
Mobilien mit 266« Mark versichert.

Der baaren Auszahlung dieser Summe, ohne
die Verpflichtung des Wiederaufbaues, durfte er
nach den Statuten sicher entgegensehen.
Aus diesen Thatsachen rechtfertigt sich der Schluß,
daß II. die Scheune in Brand gesteckt hat, um L. zu
verlassen und mit den Versicherungsgeldern an einem
andern Orte sich niederzulassen.

Als Beweismittel dienen
I. Folgende Zeugen:

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Verhandlungen
im Couvert
Bl. 76.

Statuten, Bl. 31 v.

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