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Er war nach dem Rückzug des Generalissimus hinter die Donau vorerst in der Karthause von Prüll verblieben, um Näheres über dessen Marschbewegung abzuwarton, denn er besorgte, wie gesagt, einen Offensivversuch desselben gegen Straubing oder Passau, zwei Punkte, deren Erhaltung ihm hochwichtig blieb, weil selbe zwei Glieder jener grossen Kette bildeten, durch welche er sich der Pulsader Österreichs versicherté. Da erreichte ihn unvermuthet die Meldung von den Vorgängen bei Neumarkt am 24., und sogleich traf er seine Anstalten. Um 3 Uhr Morgens am 25. erhielt Lannes den Befehl, mit dem Grenadiercorps, der Infanteriedivision Saint Hilaire und der leichten Cavalleriebrigade Colbert (zusammen etwa 25.000 Manó) zeitlich Früh von Landshut nach Mühldorf zu marschiren, wohin an jenem Tag auch die Division Wrede abrücken sollte, dem Lefébure mit den bayerischen Divisionen Kronprinz und Deroi zu folgen bestimmt war. Marschall Ladnes, dem auch die Cavallerie des Marschalls Bessières unterstellt wurde, sollte den FML. Hiller unverzüglich angreifen, Lefèbvre aber Salzburg nehmen und sodann Kufstein entsetzelo um weiter im Innthal auf Innsbruck vorzudringen. Die Division Demont blieb als Reserve bei Landshut zurück. Der Marschall Massena (am 25. bei Osterhofen) sollte nach der Besetzung von Passau in Hiller's recbte Flanke wirken und sich mit Lannes in das Einver-. nehmen setzen.

Die Hauptoperations- und directe Marschlinie an den Rhein schien durch das wohlverschanzte Augsburg, so wie durch die auf Regensburg beorderten 10.000 Mann der Division Dupas, nebst der Division Rouyer, beide unter Davoust gestellt, zureichend gesichert. Einen möglichen Einfall aus Böhmen in die Oberpfalz und Franken binderten zumeist die befestigten Punkte: Regensburg, Würzburg, Forchheim, Amberg und Cronach. Die zu Straubing stehende Division Boudet vermittelte die Verbindung zwischen Bernadotte, Davoust und Massena; GL. Vandamme gab für selbe vorläufig eine allgemeine Reserve ab 1). Die Weisungen zum alsbaldigen Einfall nach Böhmen wurden dem Marschall Bernadotte wiederholt, aber schon nacb wenigen Tagen zurückgenommen. Alle Verfügungen wurden in der Art getroffen, dass der französische Kaiser zwischen Isar und Inn drei starke Armeecorps zur Offensive gegen Hiller bereit hielt:).

Napoleon kam gegen Abend ann 26. in Landshut an, von wo Lannes am Morgen an die Vils abgerückt war. Die Division Wrede als Vorhut war wieder bie Rohrbach vorgegangen, hatte die Isarbrücke hergestellt und erwartete den Befehl

1) Das württembergische Leib - Chevaulogers-Regiment befand sich seit 24, April boi dor

Infanteriedivision Boudet des IV. Corps, hielt am 1. Mai die Vorwache Massena's und focbt bei Riedau, dann bei Ebelsberg, Aspern und Esslingen mit vieler Auszeichoung. Geschichte des württembergischen Kriegswesens, vom königl. württemb. GM. von Stadlinger. Stutt

gart, 1856. *) Aus Burghausen unterm 29. April organisirte Napoleon unter dem Marschall Kellermann

aus den Divisionen Rivaud und Beaumont eine Reservearmee (3 Tufanteriebrigaden und 3 provisorische Dragonerregimenter) von 14.000 Mann mit 12 Geschützen. Später erhielt Junot das Commando dieser Armeo, und selbe nahm hierauf die Benennung „Observationscorps der Elbe" an, mit dem Hauptquartier in Hanau. Kellermann stellte in Mainz und Strassburg die aus dem Innern von Frankreich koinmenden Ergänzungen in provisorische Marschbataillone zusammen und sandte sie über Augsburg zur Armee. Couri, militar. Leitschrif. 1898. I. (3. Bul.)

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zur weiteren Vorrückung gegen das Wasserumflossene Städtcheu Mühldorf. GM. Mesco hatte die Innbrücke bei Neu-Ötting vollends abgebrannt und war am 27. Abends : auf Braunau gegangen. Den FML. Jellačié liess er verständigen, dass der Feind bei Mühldorf überzugeheu trachte, worauf dieser sich beeilte hinter die Alz zurückzugehen. Auch GM. Nordmann ging von Wasserburg auf Burghausen und zerstörte die dortige Salzachbrücke, wodurch er dein FML, Hiller einen wesentlichen Dienst leistete.

Indessen hatten aber die Vorfallenheiten bei Passau über das fernere Schicksal des österreichischen linken Flügels in so weit entschieden, als es sich um eine Behauptung des Inn handeln konnte. Während nämlich Napoleon's rechter Flügel und Mitte die Salzach bei Burghausen überschreiten sollten, war Masse va ain 26. um 8 Uhr Morgens vor Passau eingetroffen. GM. Richter besetzte die Tonstadt, warf die Innbrücke ab und ging um Mittag mit dem Rest seiner Brigade auf das linke Donauufer nach Wegscheid, in der Hoffnung, die schwache Besatzung der lunstadt könne durch ihr lebhaftes Kleingewehrfeuer die Brückenherstellung hindern ').

Unter dem Schutz der Artillerie am linken Innufer setzte ein Bataillon corsi-. scher Schützen mittelst Schiffen über den Fluss, während ein tapferer Sergeant, mit einer Anzahl verwegener Freiwilligen, die stehen gebliebenen Unterlagsbalken der Brücke benützte und auf selben, halbkriechend, das rechte Ufer erreichte. Die 400 bis 500 Mann nicht übersteigenden corsischen Jäger drangen im Rücken der Vertheidiger vor, und letztere fielen unter den französischen Bajonneten oder stuben, auseinander; binnen einigen Stunden befand sich auch die Innstadt von Passay nebst der dortigen Brücke in der Gewalt Massena's, und die Innlinie war gesprengt. Die Division Legrand musste sogleich am linken Ufer hinauf nach Schärding rücken. Der energische Divisionscommand int begehrte gleich nach seinem dortigen Eintreffen vom Magistrat die Herstellung der Brücke und drohle im Weigerungsfalle : mit Einäscherung. Da er eine abschlägige Antwort erhielt, so eröffnete er ein lebhaftes Wurffeuer. FML. Dedovich aber beging den Fehler, seiner lustruction entgegen und nur der Humanität Rechnung tragend, Schärding in aller Eile zu räumen, worauf die Brücke augenblicklich gangbar gemacht wurde. Auf diese Weise überschritt die Division Legrand zu einer Zeit, wo Hiller noch bei Burghausen stand, am 26. um 6 Uhr Abends den Inn. Der Coinmandant des österreichiachen linken Flügels erfuhr solches am 27. während seines Mirsches in die Centralstellung bei Altheim und beeilte sich, die Strasse über Ried durch eine Truppenaufstellung in der Linie Obernberg, Ort und Osternach zu sichern, wozu er, in völliger Unkenntniss über Massena's wahre Stärke, die Brigaden (Reinwald *), Radetzky

1) Dus zur Beschiessung der Veste Oberhaus bestimmte schwere Geschütz war erst ain 26. in der

Nacht angelangt und musste eilends wieder zu Wasser nach Linz abtransportirt werden. Die Brigade Richter hätte zum FML. Dedovich stossen sollen, vermuthlich kam ihr aber der betreffende Befehl nicht mehr rechtzeitig zu. Jedenfalls hatte man sich bei Passau zu lange aufgehalten, denn Massena's Näbe konnte dort unmöglich ein Geheimniss sein. Die Veste

Oberhaus war mit seiner Ankunft so ziemlich entsetzt. 2) Diese Brigade bestand aus drei Bataillons Mittrowsky und zwei eben angelangten Bataillons

Legion Erzherzog Karl.

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und Hohenfeld nebst 1 Bataillon Brooder und 2 Escadronen Kienmaier-Huszaren unter GM. Mesco, zusammen etwa 9 Bataillons, 10 Escadronen und höchstens 12 Geschützen, bestimmte und dem FML. Schustekh mit der Weisung übergab, Schärding wieder zu nehmen oder wenigstens die kürzeste Linie von dort auf Linz zu vertheidigen 1).

Massena berief die Division Boudet aus Straubing ein und rückte am 27. April mit drei Infanterie-, 1 Cavalleriedivision vor Schärding. Davon postirte er 1 Infanteriedivision nebst der badischen Cavallerie bei Suben, 1 Infanteriedivision und 1 Kürassierbrigade am linken Innufer vor der Brücke, 1 Infanteriedivision und 1 Kürassierbrigade in Taufkirchen und Concurrenz. Das Corpsquartier kam nach Sanet Florian. Die Ortschaften Bodenhofen und Dietrichshofen, dann Siegharding an der Strasse pach Baierbach wurden besetzt.

Das kleine Corps des FML. Schustekh kam viel zu spät und erreichte bei den vom Regen grundlosen Strassen erst um 3 Uhr Nachmittags den Punkt Obernberg. Von dort wurde der GM. Radetzky eingeladen, sich zu Sanct Martin behufs einer Besprechung einzufinden, und dieser wollte eben sich dahin begeben, als der thătige Feind von Hacklöd und auf der Braunauer Strasse anrückte, jedoch nichts Ernstliches unternahm, so dass Radetzky sich in der Linie von Zell über Sanct Lambrechtoa und Osternach behaupten konnte. FML. Schustek h aber, der sich überzeugte, dass er es mit einem weit überlegenen Gegner zu thun habe, zog sich mit einem Theil seines Corps näher an Hiller zurück, welcher in der Betrachtung, dass die Entfernung zwischen Schärding und Ried nur drei Meilen betrage, und dass Massena den wiehtigen Strassenknoten Ried noch früher besetzen, dadurch aber den Weg in's Trauntbal verlegen und zum Ausbiegen in das Gebirge auf Stadt Steyer nöthigen möchte, von wo nur eine schlechte Verbindung auf Ainstetten in's Donauthal führte, das 2. Reservecorps (5000 Mann) nur wenige Stunden nach dessen Ankunft bei Altheim auf Ried beordert, wohin auch FML. Dedovich über Sanct Martin gezogen war. FML. Kienmaier erreichte Ried noch an Spätabend des 27.

Unterdessen hatten sich die unter Lannes' Befehlen stehenden Heertheile zwischen Isar und Vils vollständig versammelt, und betrugen nahezu an 56.000 Mann ) Infanterie, 12.000 Reiter, ungerechnet die Garden. Davon standen die Württemberger ini Vilsbiburg, die Kürassiere zu Neumarkt und Landshut, die Garden in Neumarkt, Oudinot in Landshut und die Bayern in der Gegend von Mühldorf. Die Division Wrede war um 8 Uhr Abends allda eingetroffen (um 27.), und mit Beihilfe der Einwobner wurde die Innbrücke noch in derselben Nacht wieder gangbar gemacht, worauf

1) GL. Legrand hatte die Hälfte der Stadt Schärding in Asche gelegt, wozu nicht die ontfern

teste Dringlichkeit vorlag, indem Massena den Übergang bei Passau besass. Der ganze Gewinn, welchen die Franzosen erzielten, war der freie Verkehr auf der Schärdinger Innbrücke, sodann mehrere Flussfahrzeuge, die man gleich bei der Herstellung verwendet hatte, und einige wenige Lebensmittel, indem FML. Dedovich noch vor seinem Abmarsch alle dortigen

nieht unbedeutenden Magazinsvorräthe vernichten liess. 2) Nämlich: Grenadiercorps 15.000, Vandamme 9000, die Bayern 24.000, Division Molitor 8000,

leichte Cavallerie 5000, die Kürassierdivisionen Stanhouty und Espagne 7000 und die eben eingetroffene Kaisergarde ; letztere zählte im Ganzen 12 Bataillons, 18 Escadrons, allein ein Theil derselben stiess erst vor Wien zur Armee.

sogleich einige französische leichte Reiterei auf das rechte Innufer ging. Nach dem Plane Napoleon's sollte der Inn auf mehreren Punkten zugleich übersehritten werden, u. z. durch Massena mit 30.000 Mann bei Passau und Schärding, um über Baierbach und Ellerding auf Linz vorzındringen, durch Vandamme bei Braunau, um über Grieskirchen voraus, und mit dem Corps Oudinot nebst der Cavallerie unter Bessières auf Wels zu gehen; endlich durch Lefèbyre bei Mühldorf und weiter über die Alz und Salzach, om Salzburg wegzunehmen und sodann auf Tirol zu operiren. Dieser Entwurf erlitt einzelne leichte Abänderungen.

Am 28. um 6 Uhr Morgens rückte die Vorhut (Division Wrede) bei Mühldorf über den Inn. Napoleon, der um Mittag Landshut verliess, traf um 4 Ubr Nachmittags bei Mühldorf ein, recognoscirte , von Wrede begleitet, die dortige Flusslinie und befahl sogleich die Vorrückung der Avantgarde über Garcbing auf das rechte Alzufer nach Wald von wo selbe bis Tittmoning gehen, dort oder bei Laufer die Salzach überschreiten und die Aufstellung der Division Jellačić, welche Burghausen noch am 27. geräumt und vier Joche der dortigen Brücke abgebrannt hatte, womöglich im Rücken zu fassen. Marschall Lannes sollte mit einem Nachtmarsebe Barghausen erreichen. Bessières liess am 28. um 6 Uhr Früh den Rest seiner Cavallerie vollends über den Inn gehen, und die Infanterie, geführt von Lannes, erreichte im Laufe des Tages ebenfalls Burghausen. Aber dort stiess man auf Schwierigkeiten erheblicher Art. Das durch Regen und Sehneeschmelze im Hochgebirg entstandene Hochwasser war Ursache, dass, obgleich der Geniechef der Armee GL. Graf Bertrand unter den Augen seines Kaisers mit unausgesetzter Thätigkeit an Her. stellung der Brücke arbeiten liess, man doch den ganzen 29. und 30. April zu dieser Arbeit bedurfte :). Diese zwei Tage aber kamen dem FML. Hiller ungemein zu Stalten.

Wrede hatte am Spätabend des 28. blos Unter-Garching erreicht und kein Mittel gefunden, dort über die Alz zu gelangen, da Jellačić die Brücken rationeller zerstört hatte, als solches GM. Mesco bei Mihldorf gethan. Er entschloss sich mit einem Nachtmarsch auf Trostburg zu gehen, und rückte um 6 Uhr Früh am 29. alldort ein, nachdem die einzige Schwadron Oreilly Chevaulegers, auf welche man bei diesem Übergang stiegs, mit leichter Mühe vertrieben worden war. Die Brücke ward hergestellt, schon um 8 Uhr Morgens die Alz überschritten, und um 1 Uhr Mittags stand die bayerische Division bei Tittmoning.

Ob der FML. Jellačić die Nutzlosigkeit seines Verweilens an der Alz und seiner dortigen cordonsartigen Aufstellung einsah, können wir nicht mit Bestimmtheit versichern und möchten, nach Antecedentien zu schliessen, es fast bezweifeln. Gewiss ist es aber, dass er sich am Morgen des 29. beeilte, seine Kräfte in der ziemlich ausgedehnten und durch die Salzach getrennten Stellung bei Salzburg

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1) Wir finden hierin einen abermaligen Beleg für die Wichtigkeit der Brückenzerstörungen im

Krieg, anderorseits aber auch einen Beweis, dass, wie wir Oben sagten, die Franzosen nicht mit dem hinreichenden Feldbrückenmaterial versehen oder aber ihre Pontoniere wenigt geübt waren. Eine Brücke über die Salzach herzustellen, damit selbe für den Übergang jeder Waf: fengattung brauchbar sei, selbst wenn die abgebrannten Jochstöcke angeschiftet und die Brückbalken erst aus gefällten Baumstämmen erzeugt werden müssten, wäre heutzutage bei einem solchen Überfluss an Arbeitskräftoo sicher in der halben Zeit geschehen.

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