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Der neuen Ausgabe sind die während der legten fünf Jahre entstandenen Aufsäße hinzugefügt. Meine Absicht war, der Sammlung nunmehr einfach die Bezeichnung „Fünfzehn Jahre deutscher Kämpfe“ zu geben. Da aber der Verleger Bedenken trug, den alten, dem Büchermarkte bekannten Namen zu verändern, so mußte der Titel eine etwas weitläuftige Fassung erhalten.

Berlin, 15. Novbr. 1879.

T.

1

1

15. Dec.

360

5. Februar.

376

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25. Februar.
30. Mai.
10. Dec.

387 423 432

15. März.
20. Juli.
25. October.
10. Dec.

443 458 556 593

10. April. 30. Juli.

606 646

1871.
Oesterreich und das deutsche Reich

1872.
Die Aufgaben des neuen Cultusministers .

1873.
Das Zweifammersystem und das Herrenhaus.
Die lebte Scholle welfischer Erde.
Die Maigesetze und ihre Folgen

1874.
Das Reichs- Militärgesetz
Der Socialismus und seine Gönner
Bund und Reich.
Ein Wort über russische Kirchenpolitif.

1875.
Die gerechte Vertheilung der Güter.
Libera chiesa in libero stato. I. An Herrn A. Vera .

1876.
Libera chiesa in libero stato. II. Italien u. d. souv. Papst .
Libera chiesa in libero stato. III. Schluß-Erwiderung
Die Türkei und die Großmächte . .
Deutschland und die orientalische Frage .

1877.
Das Ergebniß der letzten Wahlen
Noch ein Wort zur Arbeiterfrage.
Die europäische Lage am Jahresschlusse

25. Dec. 75.
25. März.
20. Juni.
15. Dec.

658 668 674 717

.

5. Februar. 30. Mai. 10. Dec.

729 742 753

1878.
Zum Jahreganfang.
Zur Lage. .
Der Socialismus und der Meuchelmord .

1879.
Zur Lage.
Der Reichstag und die Finanzreform .
Unsere Aussichten

10. Januar.
10. März.
10. Juni.

781 790 803

10. März. 15. Juli. 15. Novbr.

814 820 828

R e de zur Erinnerung an die Leipziger Völkerschlacht, gehalten am leßten Tage

des dritten deutschen Turnfestes.

Leipzig, 5. August 1863. Deutsche, geliebte Landsleute! Ueberwältigt stehe ich vor der unmöglichen Aufgabe, diese festlich wogende Menge mit einer Menschenstimme zu beherrschen. Und doch ist eines noch unmöglicher: in wenigen raschen Worten würdig zu reden zur Feier der herrlichen Schlacht“, wie Vater Arndt sie nannte, die unserem Volke die Befreiung brachte. Welch' eine Fülle von Ruhm und Muth und Heldenzorn drängt sich zusammen in jenen großen vier Tagen – von dem Morgen des 16. Oktober an, da die Husaren in Schkeuditz Fanfare bliesen und der eiserne York seinen Offizieren zutrank auf den guten Spruch: „Anfang, Mittel und Ende, Herr Gott, zum Besten wende!" – bis zu der Nacht des 18., als das Schidjal den frommen Wunsch erhörte, und tausend und abertausend Krieger das Danklied sangen, weithin über das blutige, schlachtgewohnte Blachfeld, endlich bis zu dem Tage des Sturmes auf die Stadt, da den alten Blücher auf unserem Markte der jauchzende Hochruf begrüßte! Doch das ist unsere Weise nicht, uns selbstgefällig zu spiegeln an den Thaten vergangener Zeit. Wir werden das Gedächtniß eines Geschlechtes, das leuchtend dastand durch Zucht und fittlichen Ernst, dann am würdiga sten begehen, wenn wir uns redlich fragen: sind wir es werth, die Söhne folcher Väter zu heißen?

Ist dieses reiche halbe Jahrhundert gesegneten Friedens in Wahrheit fruchtlos verronnen für den Ruhm unseres Volkes, wie die Verzweifelnden klagen? O nein! Wenn er heute auferstände, der große Scharnhorst, des deutschen Krieges edelstes Opfer: die klugen Augen würden bligen, und er spräche: ,ich schaue ein anderes Volk, als jenes, unter dem ich wirkte.“ Als Scharnhorst jung war, da verbot ein deutscher König seinen Bauern, den Beamten knieend den Rock zu küssen. Und v Treiti te, Deutsche Kämpfe.

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heute? Erkennt Ihr es wieder, jenes verschüchterte Geschlecht mißhandelter Fröhner in unseren freien Bauern, die stolz und aufrecht hausen auf ihrer befreiten Hofstatt? Und wo find fie hin, die ängstlichen Kleinbürger der alten Zeit, die der wohlineinende Staatsbeamte belehren mußte, der Bürger solle fich selber rühren und Versammlungen halten und Gelder herbeischaffen, um nur eine armselige Landstraße durch den nächsten Kreis zu bauen? Allüberall jubelt uns heute entgegen die keđe Wagelust der modernen Menschen, fie ruft ihr stolzes: „Es giebt keine Entfernungen mehr!" Und wir, denen vormals Herz und Auge gefesselt war an der heimathlichen Scholle, jeßt erst dürfen wir uns froh gestehen: wir kennen wirklich unser Vaterland! Und wo der Staat vordem der Leiter und Lehrer war, da steht er heute nur als bescheidener Mitbewerber neben der selbstthätigen Bürgerkraft. Als diese Schlacht geschlagen ward, da lud der Schmuggler von Helgoland in dunkler Nacht die Waarenballen auf seine Jolle, und war der deutsche Hafen mühselig erreicht, dann galt es noch Mauth auf Mauth ängstlich zu umschleichen. Wie anders heute! Noch nicht fessellos, leider, doch freier denn je zuvor berechnet unser Handel den Bedarf des Marktes in den Fernsten Strichen der Erde, und erst in diesen Friedensjahren ist unser Volk in Wahrheit theilhaftig geworden des Segens der Entdeckung der neuen Welt. Und dann blicket hin, geehrte Festgenossen, auf die reichen Wohnstätten unseres Bürgerthums, auf jenen Kranz von Städten, dessen wir uns rühmen vor allen Völkern: wie eine jede pranget nach ihrer eigenen Weise, froh einer reichen Geschichte; wie eine jede mit der andern ringt im edlen Wettstreite, welche das Meiste schaffe für Handel und Wandel, für Bildung und gute Menschensitte. Ueberall geebnete Wälle, gebrochene Mauern, öde Felder verwandelt in reiche Straßen, alle Schleusen geöffnet für die hochgehenden Wogen des modernen Verkehrs. Wo vor einem Menschenalter noch eine wüste Stätte lag an der Weser, da hebt sich jetzt, gegründet von einem großen Bürger und jählings emporgestiegen wie ein australischer Wohnplat, unseres Reiches jüngste Hafenstadt Bremerhaven. Unser wirthschaftliches Schaffen selber ward ein anderes, ward sittlicher und freudiger, seit wir erkannt haben den Adel der Arbeit, jeglicher Arbeit. Deutsche Kunst und Wissenschaft hat Zeiten höherer Blüthe gesehen, als die Gegenwart; aber noch niemals strebte fie jo menschenfreundlich, auch die ärmsten Schichten des Volkes zu beglüden; und die verkümmerte Gestalt des Stubengelehrten der alten Zeit werden wir bald allein noch aus vergilbten Büchern kennen. In den Gemeinden und den Vereinen, die den Bürger gewöh= nen, selber zu sorgen für das Heil des Ganzen, hat sich auch entfaltet die männliche Gabe der freien Nede, von der Gneisenau noch meinte, sie

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