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Kants persönliche Entwicklung. — Bruch mit der Leibniz-Wolfscheu Philosophie, — Hinwendung zu Hume. — Der „Versuch, den Begriff der negativen Grössen in die Welt Weisheit einzuführen". — Grundgedanke der Schrift. — Logischer Grund und Realgrund. — Positive und negative Form der Kansalität. — Unterschied zwischen der Humeschen und Kftntischen Beweisführung hiusichtlich des Problems der Kausalität. — Logische Negation und Realentgegensetzung. — Die Folgerungen gegen die Metaphysik Ans dieser Unterscheidung. — „Der einzig mögliche Beweisgrund zu einer Demonstration vom Dasein Gottes." — Metaphysik und Erfahrungsphilosophie. — Kant als Empirist. — „Untersuchung über die Deutlichkeit der natürlichen Theologie und Moral." — Übertragung der Methode der Naturwissenschaften auf die Philosophie. — Die humoristische Vernichtung der Metaphysik. — Träume eines Geistersehers erläutert durch Träume der Metaphysik." — Der Hinweis auf die nene empirisch-kritische Aufgabe der Philosophie. — Erste Grundlegung des kritischen Empirismus in der Schrift: „De mundl sensibilis atijue intelligibilis forma et prineiplis." — Die „Kritik der reinen Vernunft". — Kant als kritischer Empirist. Kants Verhältnis zu den englischen Philosophen. — Litteraturgeschichtliches. — Die drei grossen Kritiken. — Das Verhältnis von Fichte, Schelling uud Hegel zu Kant. — Der Neukantianismus.

Einleitung.

Über die Bedeutung und Aufgabe einer Philosophie der Naturwissenschaft.

Fritz Schult «e, Philosophie der Naturwissenschaft.

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fie Philosophie der Naturwissenschaft soll vermittelst einer Geschichte und Kritik der Hauptprobleme der Philosophie eine philosophische Einleitung in die mathematisch-empirischen Wissenschaften bilden. Aber ihr Zweck ist nicht blos ein theoretischer, sondern vor allem ein praktischer. Wir wollen die Vergangenheit nicht durchforschen um des blos historischen Wissens willen, wir wollen die philosophischen Probleme nicht durchdenken blos aus Freude an der Theorie, sondern um des praktischen Endzwecks willen, einer Orientierung über die Gegenwart und der möglichst idealen Gestaltung unserer Lebensführung in derselben. Diese überlegende Orientierung und diese überlegte Neugestaltung unserer Lebensführung ist um so notwendiger, als unser Zeitalter offenbar alle Merkmale einer grossen ringenden Übergangsperiode an sich trägt, in der die schroffsten Gegensätze hinsichtlich der Auffassung von Welt und Leben sichtbar sind. Alle diese Gegensätze erweisen sich aber bei näherer Betrachtung als die Auslebung eines und desselben Grundprinzipes auf allen scheinbar noch so entgegengesetzten Gebieten: des Materialismus. Der theoretische Materialismus hat in dem Gebiet der gesamten Naturwissenschaften eine einseitige und unkritische Herrschaft erlangt, woher es kommt, dass viele Probleme der Natur von Seiten vieler Naturforscher keine wissenschaftliche Behandlung mehr oder geradezu eine unwissenschaftliche erhalten. Der ethische Materialismus hat die aller geistigen Ziele längst beraubte Lebenspraxis der meisten Individuen zu einem fast verzweiflungsvoll angestrengten Ringen nach Geld gemacht, welcher genusslosen, also entkräftenden und darum unechten Arbeit dann ein Sichstürzen in den schalsten, nur künstlich angestachelten und deshalb entnervenden und also erholungslosen Sinnengenuss folgt, sodass die meisten Individuen in Wahrheit hie zur harmonischen Beruhigung ihres Daseins gelangen. Der soziale Materialismus, ein Erzeugnis des ethischen, der den Zusammenhang der menschlichen Gesellschaft nicht mehr unter irgend einem idealen Gesichtspunkte, sondern nur unter dem des erbarmungslosesten Solls und Habens betrachtet, hat auf der einen Seite die rücksichtsloseste Ausbeutung der Geldschwachen durch die Geldstarken, auf der anderen Seite die furchtbarste Erbitterung der Ausgebeuteten gegen ihre Plünderer und somit den Anfang des grimmigsten Krieges aller gegen alle hervorgerufen. Man wendet sich gegenüber diesem Chaos gern an die Religion, dass sie die Schäden heile. Und es ist wahr, echte, tiefe Religiosität würde die Schäden heilen, denn sie gleicht dem edelsten und höchsten Idealismus. Aber die Religion von heute ist im höchsten Grade vom Materialismus durchdrungen. Dieser religiöse Materialismus zeigt sich noch am unschädlichsten in den Naivetäten roher Idolatrie; er zeigt sich viel verderblicher im Orthodoxismus, der an Stelle des lebendig machenden, in steter Entwicklung begriffenen Geistes den tötenden Buchstaben und das erstarrte Dogma setzt; der statt eines nur im tiefsten Gemütsgrund des Menschen sich völlig individuell gestaltenden religiösen Gefühlsinhaltes die äusserliche Formel des mechanischen Gedächtnisses zur Hauptsache macht; der die tote, äussere Masse eines nicht mehr im Gemüte der heutigen Menschheit wurzelnden, sondern nur noch durch geschichtliche Überlieferung auf dem Papier, also rein materiell existierenden konfessionellen Systeme* dem Geiste statt eines Gegenstandes innerlicher Anbetung aufdrängen will. Dieser religiöse Materialismus zeigt sich in jeder Form des Hierarchismus, der eine politische Weltherrschaft statt einer innerlichen Herzenserfüllung anstrebt; dem die Religion nicht Mittel seelischer Erlösung, sondern Mittel diplomatischer Fesselung geworden ist, auf den das von Hobbes entworfene Zerrbild der Religion wirklich passt. Dieser religiöse Materialismus zeigt sich endlich noch in der jeder wahrhaft geistigen Erfassung des Reli

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