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froienen Biesbosch nach Dortrecht, besetzte am 22. Rotterdam, und vereinigte sich im Haag am 23. Iänner mit dem von Amsterdam dahin gelangten Korps. Auch P i ch e g r u nahm nun sein Hauptquartier im Haag.

— Helvoetsluys wurde am nämlichen Tage den Franzosen übergeben, und die 600 Mann zählende englische Besatzung gefangen gemacht. Sechshundert französische Kriegsfangene wurden dadurch befreiet. Die, östreichischen, zur See nach Holland gesendeten, Proviantvorräthe fielen nun ebenfalls in die Hände der Fran, zosen, da z. B. in dem Süder-See Schiffe mit 16,000 Fässern Mehl eingefroren waren.— Um eben diese Zeit hatte die Sambre- und Maas-Armee, ihren linken Flügel aus Preußisch-Geldern gegen Holland ziehen lassen, um die englische und alliirte Armee zu beobachten, und, wenn dieselbe die Offensive wieder ergreifen wollte, ihr zu begegnen. Auf dem rechten Flügel der Nordarmee rückte auch daher die Brigade Winther mehr links, zwischen Ammersfort und Na erden, und besetzte diesen letzteren Ori am 22. Iänner. Der Leck und die Linien an der Grebbe wurden nunmehr von dem linken Flügel der Sambre- und Maas-Arme«, unter Moreau, und von einem Theile der Divisionen Macdo, nald und Bonneau der Nordarmee besetzt gehalten.

— Indessen fuhren die Franzosen in der Besitznehmung des inneren Hollands thätigst fort. Zu Ende des Iänners waren sie Herren der Provinzen Holland, Seeland, Geldern und Utrecht, nebst Staatsbrabant und Flandern. Damals waren die Provinzen Ober-Vssel, Friesland, und Groningen noch von dem alliirten Heere besetzt. Aber da dasselbe bald darauf seinen Rückzug fortsetzte, so unterwarfen sich auch diese Provinzen der französischen Armee.

Die Verwaltung Hollands wurde nun Männern anvertraut, die der Revoluzion eifrigst anhingen, und eben so warm Frankreichs Interesse, mit welchem sie das künftige Wohl des eigenen Landes genau verbunden wähnten, beförderten. Die noch nicht gefallenen Festinigen Berge» op Zoom, Breda, Willemstadt, Gorcum, u. s. w, wurden, auf Befehl der neuen Machthaber, den Franzosen übergeben. Die hol, läntischen Truppen mußten einen Eid schwören, nicht mehr gegen Frankreich zu dienen. Den Offizieren und Ausländern blieb es jedoch freigestellt, wenn sie diesen Eid nicht ablegen wollten, das Land zu verlassen. Di« Schweizeriruppen wurden aufgelöser, und nach Haus« geschickt. Aus dem Überreste des holländischen Heeres wurden Halbbrigaden nach französischem Fuße eingerichtet. — Die französische Armee, die an allen Bedürfnissen den größten Mangel leidend in Holland eingerückt war, wurde nun auf Kosten des eroberten La», des neu gelleidet, gerüstet, bezahlt und genährt. Unermeßliche Quantitäten an militärischen Kleidungsstücken, an Getreide, Fourrage, Vieh und Geld wurden requirirt. Nur die erste, allgemeine Requisizionsforderung allein winde auf einen Werth von fünfzehn Millionen Gulden angeschlagen. Diese Requisitionen wurden dann in den nachsten Monaten theils allgemein, theils für einzelne Provinzen, Bezirke oder Städte besonders, mehrmals wiederholt. Überdies! mußten die Truppen in ihren Quartieren unentgeltlich ge' nährt werden. Eine Linderung dieser schweren Lasten fanden die Holländer in der großen Ordnung, mit der die Besitznahme ihres Landes von den Franzosen vollzogen worden; und in der strengen Mannszucht, i,< welcher Pichegru seine Truppen erhielt. — (Di « Fortsetzung f«lgt,)

II.

Ueber dieVerwendung der großen Geschützreserve in den Schlachten.

Ein Fragment aus einem ungedruckten Artilleriewerke.

Aeine Waffengattung stellt sich in ihrer ganzen Stärke in die Schlachtlinie; sondern jede halt einen Theil ihrer Kräfte zurück. Hieraus bildet sich die, aus allen Waffengattungen zusammengesetzte, allgemeine ArmeeReserve, als Haupthebel oder auch nicht selten das letzte Mitrelzum Siege, sowohl in der Angriffs- alsVertheidigungs-Schlacht,

Man hat zwar auch in den früheren Zeiten fast immer eine Reserve am Tage der Schlacht aufgestellt; aber ihre Bildung als ein selbstständiges Korps, ihre plan, mäßige Aufstellung und Verwendung für einen bestimmt ausgesprochenen Zweck ist das Ergebniß der jüngsten Zeit. Wie vortrefflich man die Reserven zu verwenden wußte, welche großartige Resultate man ihnen verdankt, hiervon gibt die neueste Kriegsgeschichte die vollgültigsten Belege. —

Ein triftiger Beweggrund für jeden denkenden, nach höherer Ausbildung strebenden, Militär, das Studium der Kriegsgeschichte mit allem Eifer zu betreiben.

Die Armeereserve besteht aus Infanterie- und Kavallerie-Tivisionen, welchen eine bestimmte Geschützmasse beigegeben wird, die dann den Namen der g r o. ßen Gefchützreserv e erhält, und von deren Aufstellung und Verwendung hier Einiges erwahnt werden soll,

Die Geschützreserve ist an keinen bestimmten Truppentheil gebunden; nichts darf ihr Fesseln anlegen; sie muß sich frei bewegen können. Ihre Verwendung im Großen im Momente des entscheidenden Augenblickes erwartet sie vom Chef der Armee.

Die Geschützreserve ist zusammengesetzt aus Batterien von allen Kalibern. Diese Zusammensetzung wird um so nothwendiger, da sich weder die Zeit, wann die Reserve wirken soll, noch der Boden, auf welchem sie sich bewegen wird, noch die Truppengattung, gegen welche sie zu feuern bestimmt ist, im voraus ermitteln läßt, und die Reserve jeden Augenblick bereit seyn muß, den verschiedenartigsten Anforderungen zu genügen. Doch da das Vermogen, auf alle Punkte des ausgedehnten Schlachtfeldes mit Schnelligkeit hineilen zu können, immer das leitende Prinzip für eine Geschützreserve seyn muß, so folgt hieraus, daß die überwiegende Mehrzahl der Batterien aus sechspfündigen, zum Aufsitzen der Mannschaft eingerichteten, Fuß- und vorzüglich aus Kavallerie-Batterien bestehen müsse. Erlauben es die Imstande, diesen Geschützen noch einige Kavallerie-Haubitzdatterien beizugesellen, so soll man es niemals un, terlassen. Einzelne in den Batterien vertheilte Haubitzen tonnen wohl in manchen Fällen von großem Nutzen seyn; aber Großes und Entscheidendes läßt sich von dieser Geschützgattung nur in ihrer Vereinigung in Massen erwarten, und dieses ist ja die Hauptbestimmung der großen Geschützreserve.

Wie auch immer dieZusammensetzung der Oeschützreferve beschaffen seyn mag, so wird sie nur dann das «»,», 16n ««»

erwartete Großartige leisten können, wenn sie taktisch abgetheilt, und mit einer hinreichenden Anzahl höherer Führer versehen ist. Iede Batteriegattung muß daher für sich ein Ganzes bilden, befehligt von einem hähern Stabsoffizier. Drei, höchstens vier gleichartige Batterien vereinigen sich wieder zu einer Abtheilung, ebenfalls von einem Stabsoffizier geführt. Die ganze Geschützreseroe steht unter der unmittelbaren Führung des ArtillerieEhefs, welcher, vertraut mit den Planen des kommandirenden Generals seine Befehle nur von diesem empfängt. Stellt man sich die Masse vor, welche 60 bis 100 zubewegende Geschütze bilden, und bedenkt, daß die Leitung so komplizirter Maschinen zu den schwierigsten Aufgaben der höheren Artillerie-Tqklikgehört; wird ferner erwogen, daß solche Geschützmassen nur dann den Erwartungen glänzend entsprechen, wenn sie genial geführt ,und zweckmäßig aufgestellt werden, hierzu aber höhere, mit der Absicht des Ganzen bekannte, Führer gehören, so wird man die Zahl der hier angetragenen Stabsoffiziere wohl nicht übertrieben finden.

Der zweckmäßige Gebrauch der großen Geschützre,serve wird zuerst durch ihre entsprechende Aufstellung am Tage der Schlacht bedingt. Im Beginne des Gefechtes kann ihr kein bleibender Platz angewiesen werden. Sie steht gewöhnlich, in großen Massen formirt, hinter der allgemeinen ?lrmeereserve. So wie aber im Weitern Verlaufe der Schlacht die Absichten des Feindes klarer werden, oder unsere eigenen Entwürfe immer mehr der Ausführung sich nähern, so wird auch die Aufstellung der Geschützreserve bestimmter. Ihr Emplacemenc richtet sich dann hauptsächlich nach jenem der Armeereserve, nicht zu weit 00» jenen tattischen Punkten

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