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egenwärtiges Wörterbuch ist vornehmlich der Technologie getdidmet, das ift,

derjenigen Wissenschaft, welche die mannigfaltigen Verarbeitungen der Natu

ralien, oder die Kenntniß der Handwerke lehret. Man finder darinn erstlich einen kurzen allgemeinen Begriff von allen Fabriken, Manufakturen, Handwerken und Kúnsten, und zwar unter ihren verschiedenen Namen; zweytens find alle Materialien, welche von den Künstlern verarbeitet werden, nebst den dazu nothigen Nebenmaterialien, fo wie auch die dabey vorkommenden Abfälle, beschrieben worden; drittens findet man darinn eine kurzgefaßte, doch hinlängliche Erklärung aller Kunstmörter und der Arbeiten, wele she sie andeuten; viertens beschreibt es die Werkzeuge, Instrumente, Maschinen und Ges baude, deren sich die Künstler bedienen, nebst dem Gebrauche derselben; fünftens findet man auch von allen Waaren, welche durch die Verarbeitung der Naturalien entstehen, eins zuverläßige Nachricht.

Man mag über die Wörterbücher, worinn Wissenschaften, in einzelnen nach dem Alphabet geordneten Artikeln abgehandelt sind, urtheilen, was man will, so wird man doch sin technologisches nicht mit Redst tadeln können. Es leistet námlich den Nugen allein, den Bücher dieser Art leisten können, ohne den Nachtheil zu verursachen, welchen man

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von andern, vielleicht nicht ganz ohne Ursache, besorgt. Dieser wird darinn gefekt, daß diejenigen, welche nicht Zeit, nicht Lust, nicht Fähigkeit zur gründlichen systematischen Erleruung haben, leicht aus ihnen einige Kenntnisse aufraffen kønnen, wodurch sie sich und andern gelehrter und brauchbarer scheinen, als sie würklich söid. Allein die wenigen Artikel, welche Lesern dieser Gattung hier verständlich seyn können, werden ihnen zwar soviel Una terricht, daß sie den Gebrauch dieses Werks nicht zu bereuen Ursache haben, gewähren, aber nicht soviel, daß sie damit sich und andern schaden konnten. Nämlich die Erklårungen technologischer Gegenstårde find großtentheils ohne Gebrauch der Kunstwdrter unmöglich, und diese alle einzeln aufzusuchen, das ist keine Sache für diejenigen, welche auf Wissenschaften weniger Mühe, als auf Whise und Billard wenden mögen.

Ohne auf diese Rücksicht zu nehmen, wird man den Nugen dieses Wörterbuchs groß und widytig genug finden. Keine Wissenschaft, nur die Naturkunde ausgenommen, hat mehrere und mannigfaltigere Gegenstände, und eben deswegen eine grdßere Menge Kunstwörter, als die Technologie. Diese entfallen oft auch dem glücklichsten Gedächtnisse des cer, welche sich der Sachen, die durch jene angedeutet werden, sehr wohl erinnern. · 31: dem wird die Zahl dieser meistens sehr willkührlich gemachten Wörter noch durch Synonys men and Provinzialwörter vermehret, die nicht felten dem erfahrensten Kenner unverstand: lich seyn kdnpen. Kein bequemeres Hůlfsmittel kann dawider erdacht werden, als ein Wire terbuc), worinn alle diese Benennungen gesammlet und erklæret sind. Aber auch keine gelehrte Arbeit kann fast schwieriger, mühsamer und langweiliger feryn, als die Ausarbeitung desselben. Wer dieses eiusieht, der wird sich nicht sowohl darüber wundern, daß ein folches bisher noch gefehlet hat, als vielinehr darüber, daß sich ein Mann findet, der diese Ausarbeitung zu übernehmen wagen will, und weit gefehlt, daß er sich über die Mängel eines folchen Werks beklagen sollte, so wird er vielmehr solche zu entschuldigen geneigt feryn müş fen, zumal wenn es der Vollkommenheit so nahe komt, als gegenwärtiges.

Die Anzahl der Handwerke, Fabriken und Manufakturen ist so groß, daß es schon schwer fällt, nur ein vollständiges Verzeichniß derselben zusammen zu bringen; noch großer ist die Mannigfaltigkeit ihrer Arbeiten, Werkzeuge, Materialien und Waaren. Um diese zu verstehen, find viele Hülføtvissenschaften erforderlich, die wiederum von ungeheurer Ausdehnung sind. Dhne Naturkunde, vornehmlich ohne Kenntniß der Mineralogie und Botanik, ohne gute Bekanntschaft mit der Naturlehre, der Chemie, Metallurgie und vielen Theilen der Mathematik und anderer Wissenschaften, wird es in der That unmdglich, jene

Gegen:

Gegenstände so genau kennen zu lernen, daß man sie richtig und verständlich beschreiben. könne. Und wenn man auch vernimt, daß jemand sich diese vorläufigen Kenntnisse erwors ben hat, was für Schwierigkeiten kommen ihn nicht entgegen, wenn er sie zur Erlernung und Erklärung der Technologie anwenden will!

Nur zwo Quellen giebt es, aus denen er schöpfen kann; diese sind die Werfstellen der Handwerker und die Bücher, in welchen die Künste bereits abgehandelt sind. Ich will hier nicht wiederholen, was ich anderswo über die ermúdenden Schwierigkeiten, die man beym Gebrauch der ersten und sichersten Quelle antrifft, gesagt habe "); ich will nicht die Zeit berechnen, die ein solcher Unterricht in der Sáule ungelehrter, oft ungesitteter, argwshnischer und neidischer Lehrmeister verlangt, nicht die Geduld und die Aufmerksamkeit, wels che dazu ndthig ist; sondern ich will nur an die Unmöglichkeit erinnern, alle Handwerke, welches Wort ich in der allgemeinsten oder 'weitläuftigsten Bedeutung nehme, nicht etwa in Einer Stadt, sondern in Einem Lande beysammen anzutreffen. Kann man es erwarten, daß ein Mann diese weite Quelle bereise! und wenn er also oft aus Nebenbachen schöpfen muß, kann jemand so unbillig seyn, ihm Fehler zur Last zu legen, die tein Sterba licher zu vermeiden fåhig ist!

Die andere Quelle scheint 'beym ersten Anblick die bequemste zu seyn, aber sie ist die unsicherste und unergiebigste. Wenn man die Monographien der Handwerke, die von den Verfassern selbst aufgenommen, und nicht aus andern Schriften zusammen getragen sind, aufzählen will, so wird man ihre Anzahl sehr gering und unzulänglich finden; und dennoch fällt es åußerft Idwer, wie ich aus eigener vieljáhriger Erfahrung weiß, felche zusammen zu bringen, um sie nußen zu können. Viele sind einzelne Auffage, welche sich längst verloren haben"); viele stehen in großen und kostbaren Werken zerstreuet und versteckt; manche sind Uebersekungen, die, wenn sie auch in Beschreibung der Arbeiten fehlerfrey sind, doch selten die richtigen deutschen Kunstwörter, um welche es hier zu thun ist, zu haben pflegen. In diesem Stücke haben die beyden Wissenschaften, weldie die Werte der Natur und der Runft kennen lehren, fast einerlen Schicksal. Schriftsteller der Naturkunde finden es gemeiniglich bequemer, sich selbst eine Eintheilung der Naturalien zu entwerfen, und selbst neue Namen zu machen, als das beste vorhandene System verstehen und längst angenommene Benennungen brauchen zu lernen; aus gleicher Ursache werden der Technologie von

Zeit

a) In der Vorrede zur Anleitung zur Technologie.
6) Man sehe meine Beytråge zur Geschichte der Erfindungen. Zweytes Stúd ®. 297.

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Beit zu Zeit neue unnüße Kunstwörter von Schriftstellern und Uebersetzern aufgedrungeni, welche die richtige Terminologie nicht haben erlernen mögen.

Aber wenn auch der fleißigste Lexicograph alle zugängliche Werkstellen ausgefragt, und alle vorhandene Bücher ausgeschrieben hat, wie wird es ihm möglich seyn, die zahllose Menu ge der Provinzialwörter aufzufangen, die noch kein Idioticon gesammlet hat! Wie sehr wird ihm die Arbeit durch die fehlerhafte Aussprache der Künstler, durch die noch von feinem Grammatiker bearbeitete Etymologie und Orthographie derselben vervielfältigt!. Denn die WSrterbücher und Sprachlehren der lebenden Sprachen erstrecken sich nur noch über den kleinsten, allgemeinsten und leichtesten Theil der Sprachen; sie gleichen dem Natursystem der Alten, die darinn nur die bekanntesten, leicht kenntlichen Pflanzen und Thiere aufführs

. ten, von denen man also gewiß nicht sagen kann, daß sie einem Linne'vorgearbeitet haben.

So nůžlich, aber auch so ungeheuer groß ist der Plan des technologischen Wörter: buchs! und nichts desto weniger hat man ihn noch weiter ausgedehnet!

Auch die Terminologie aller Theite der Landwirthschaft, der Gärtnerey, des Forstwesens, der Viehzucht, der Jagd, der Fischerey), ferner der Bergwerkskunde, des Hüttenwesens, der Handlung u. f. w. ist mit hieher gezogen worden, und zwar nicht ohne Ursache. Die Wissenfchaften, so verschieden sie auch den Anfängern zu seyn scheinen, nähern sich doch dergestalt einander, daß die Grången schwer zu erkennen und zu bestimmen sind, so daß der, welcher fie großen Theils überschauen kann, die Säule des Phidias zu sehen glaubt, an welcher feine Fugen bemerklich waren. Man hielt es also für zuträglicher, über die gewdhnlichen Grången der Technologie hinauszugehen, um soviel möglich alles zu fassen, was jemand hier erwarten möchte. Inzwischen ist man auch, sobald man sicher über die Gränzen zu seyn glaubte, nicht weiter gegangen, um sich nicht ins Unendliche zu verirren. Wenn also manche Kunstwdeter der Oekonomie, Metallurgie und der Handlung hier nicht vorkommen, so wird es fein Fehler seyn, zumal da diese schon in besondern Werken reichlich gesamm. Set find.

Wenn man die bisher angeführten überaus großen Schwierigkeiten bey Ausarbeitung eines folchen Wdrterbuchs überdenkt, so wird man neugierig werden, von demjenigen, der daju Renntniß , Zeit, Geduld, Muth und die dazu nothigen Gelegenheiten gehabt hat, einige Nachrichten zu erhalten. Folgende werden deswegen vermuthlich nicht mißfallen. Herr Johann Karl Gottfried Jacobsson ist im Jahre 1725 zu Elbing in Preußen ges bohren. Sein Vater, ein Kaufmann, ließ ihn auf dem dortigen Gymnasium die Anfangs

gründe

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