Abbildungen der Seite
PDF
EPUB

verannahen der neugebildeten Deutschen Süd-Armee (II. und

( VII. Korps) des Generals v. Manteuffel bewogen den General Bourbaki zum Entschluß, den Ridfzug anzutreten.

Verfolgung der Armee des Generals Bourbaki. 18. Januar. Am 18. morgens standen die Deutschen in den tags zuvor be

haupteten Stellungen unter den Waffen, die Franzosen noch in voller Stärfe vor der ganzen Front. Es kam im Laufe des Tages nur zu Kanonaden und kleinen Sdhüşengefechten. Auf dem rechten Deutschen Flügel wurde Chenebier wieder besetzt, in der Mitte Couthenans in Besitz genommen und der Feind durch Geschütfeuer aus Byans vertrieben. An legterem betheiligte sich die 1. schwere Batterie Glagaut mit 48, ein Zug der 1. leichten unter Lieutenant Spier: ling mit 3 Granaten. Bei ersterer Batterie wurde Obergefreiter Voigt leicht verwundet.

Der Feind begann auf der ganzen Linie den Rückzug anzutreteni.

Inzwischen war durch Befehl vom 16. Januar aus sämmtlichen in Südosten Frankreichs verfügbaren Deutschen Truppen — II., VII., XIV. Armeeforpe, 1. und 4. Reserve- Division eine neue Armee, Süd-Armee, gebildet und dem Oberbefehl des Generals der Ravallerie v. Manteuffel unterstellt worden. Deren Aufgabe war es, gegen die Armee Bourbafis mit allen Kräften vorzugehen. Das II, und VII. Armcekorps rüdten in Eilmärschen von der oberen Seine heran, um der Französischen Armee die Verbindung nach Süden und Westen abzuschneiden, das Korps v. Werder hatte dem an der Lisaine zurückgeschlagenen Feind ungesäumt zu folgen und sein Ausweichen nach Norden zu verhindern.

Am 19. Januar trat mit dem XIV. Korps die 4. Reserve: Division die Verfolgung an. Die beiden leichten Reserve Batterieen

Regiments Nr. 4 befanden sid) in der Avantgarde, die schwere im Gefedt bei Onnus. Gros. Fast täglich kam es zu kleinen Gefechten, so am 20. bei 20. 3annar.

Faimbe und Onans (westlich Arcey); am 21. ging der Marsch bis

Arcolaur, woselbst am 22. den Truppen ein sehr nöthiger Ruhetag Orfecht bei gegönnt wurde. Am 23. entspann sich bei Clerval ein leichtes 23. Januar. Gefechyt, mit dem der Feind seinen Uebergang über den Doubs zu

schützen suchte, die Brücke sprengte er hinter sich. Am 24. erreichte die Avantgarde Beaume les Dames und am folgenden Tage wurde hier der Doubs auf einer Pontonbrücke überschritten und der Marsch

Clerval.

les Moulins.

auf Besançon fortgesetzt. . Hier kam es bei Pont les Moulins, Gerecht bei pont Adam les Passavant und St. Juan d’Adam zu Gefechten; bei

25. Januar. ersterem griffen die beiden leichten Batterieen mit je einem Zuge ein. Das II. und VII. Korps war bereits südwestlich Besançon angelangt, das XIV. längs des Dgnon bis nördlich Besançon vorgegangen. Bourbaki hatte seine Armee bei dieser Festung zusammengezogen, um dort Widerstand zu leisten. Jetzt war er auf drei Seiten

, eingeschlossen und versuchte nun nach Süden auf dem allein noch offenen Wege über Pontarlier zu entweichen.

Am 26. Januar gelangte die 4. Reserve-Division mit dem 26. Januar. Gros bis St. Juan, mit Avantgarden bis Aissen und Passavant. Trotzdem sich stärkere feindliche Massen zeigten, fam es zu keinem größeren Gefecht, der Feind zog sich eiligst zurück.

Am 28. ers hielt die Division Befehl, sofort fich ostwärts zu wenden, da feindliche Kräfte sich wiederum an der Schweizer Grenze sammeln sollten, um über St. Hippolyte gegen Belfort zu marschiren. Die Brücke bei Beaume les Dames wurde abgebrochen und über Pasja: vant, Vellevans nach Sancey marschirt, woselbst die Division am 29. verblieb und gemischte Abtheilungen aller Waffen auf St. Hippolyte und Maiche ausschidte, um den Feind zu erfunden. Da von dem. selben nichts angetroffen wurde, marschirte die Division am 30. Januar 30. Januar. über Pierre Fontaine nach Vercel, um die Straße nach Pontarlier zu gewinnen. Hierhin waren auch die übrigen Korps der Süd: Armee im Marsch. Am 31. erreichte das Gros der Division die Straße nach Pontarlier bei Nods, während eine rechte Seitenabtheilung unter Oberst v. 2003, der die 1. leichte Reserve Batterie Lilly zugetheilt war, Ornans besette. Obgleich viele der zu durchschreitenden Ortschaften vom Feinde besetzt waren, fam es zu feinem größeren Gefecht, da die Französischen Truppen sich sämmtlich auf einen vermeintlichen Waffenstillstand beriefen. Am 1. Februar erhielt die Division Bes fehl, jofort auf Pontarlier abzumarschiren, wo eine Schlacht in Aussicht stand. Sie traf am Abend dort ein, Theile des II. Armee: forps standen im Gefecht, die Division wurde aber nicht mehr vorgezogen. Die Armee Bourbafis trat, um der Kapitulation zu entgehen, auf Schweizer Gebiet über und wurde sofort entwaffnet. Webertritt der General v. Manteuffel hatte unter beständigen fleinen Gefechten, auf weiser

Armee Bourbakis aber seit den Tagen an der Lisaine ohne Sdilacht, die Vernichtung

1. Februar 1871. einer feindlichen Armee durch Märsche bewirkt, Märsche allerdings, wie sie bei Anstrengungen und Entbehrungen aller Art in dieser Geid. d. Feldart. Regts. Prinzreg. Luitpold v. Bayern (Magdeb.) Nr. 4. 26

Gebiet.

Jahreszeit und in solchem Gelände nur von einer vorzüglichen Truppe

unter fühner und geschickter Führung geleistet werden können. Aufstellung Bei dem am 28. Januar zu Versailles abgeschlosjenen Waffenzwismen Besançon

stillstand war der südöstliche Kriegsschauplatz ausgenommen worden. Orenze. Wenn auch gegen die im Ganzen unbedeutenden hier noch vorhan:

denen feindlichen Streitfräfte feine größeren Unternehmungen mehr ausgeführt werden brauchten, so mußte doch der Landjiridh gesichert bleiben. Die 4. Reserve- Division erhielt den Auftrag, gegen die Schweizer Grenze zu sichern und die Ostseite der Festung Besançon zu beobachten. Die 2. leidite Reserve - Batterie Siegert lag in Bouclans und Carians, die 1. schwere Glagau in Ornans, die 1. leichte lilly in Pontarlier. Die Zeit der Nuhe wurde benugt, um alle durch die fortdauernden anstrengenden Märíde start mitgenoms menen Sachen wieder in Stand zu setzen und den eintreffenden Erjat einzustellen. Der Batterie Lilly in Pontarlier fiel die Aufgabe zu, das umherliegende feindliche Material zu sammeln und rückwärts zu schaffen.

Am 10. Februar wurde die Division um Besançon versammelt, und am 14. lief die Nachricht ein, daß auch für den Südosten Frankreichs Waffenstillstand abgeschlossen sei. Damit trat auch hier vollständige Ruhe ein, die nach dem an Mühjalen reichen

Winterfeldzuge den Truppen sehr zu statten fam. tiückkehr in die Nach dem Abschluß des Präliminarfriedens trat die Division tjeimath.

am 8. März den Rücmarsch auf Straßburg an, wo sie am 23. März eintraf. Am folgenden Tage begann ihre Rüdbeförderung in die Heimath. Tie Fahrt ging über Darmstadt, Aschaffenburg, Hof, Leipzig nach Buckau, wo die 1. schwere Reserve-Batterie am 1., die 1. leichte am 2. April eintrafen und dann in Bahrendorf bezw. Groß-Salze demobil machten. Die 2. leichte Reserves Batterie wurde zu ihrer Demobilmachung nach Erfurt befördert.

14. Rückkehr in die Heimath. Am 7. Juni nahm das IV. Korps die Stellung des abmarschirenden Gardeforps auf der Nordseite von Paris ein und am 8. ging der Allerhöchste Befehl ein, daß ersteres vom 12. an in die Heimath überführt werden sollte. Die Batterieen mar chirten nach ihren Verladungsorten an den Bahnen von Paris nach Reims und Nancy ab, Stab der Korpsartillerie, und lII. Fuß-Abtheilung nach Dammartin, II. Fuß-Abtheilung nach Crépy, Reitende und I. Fuß-Abtheilung nach Bantin.

Am 10. Juni erhielt die 4. schwere Batterie Laube in Mont l'Evêque bei Senlis den Befehl des Generalfommandos, daß sie zıır Abgabe an die zu bildende 15. Artillerie-Brigade bestimmt sei und am 12. nach Metz zu marschiren habe.

So war“, schreibt þauptmann Saube'), ,, die Nachricht, die schon gerüchtweise an unser Ohr gedrungen, denn doch wirklich unwiderruflich bestätigt, ein schwerer Augenblick für uns Alle, die wir mit ganzer Seele der Heimath zugethan waren. Bewegter noch war der Moment der vollständigen Trennung, als Major v. Gilja im Kreise der Offiziere uns das Abschiedsgeleite gab, und nachdem ein Abschiedsschreiben des Regimentskommandeurs, Oberst Crusius, verlesen, mit warmen, ehrenden Worten die Batterie aus dem Verbande entließ. Das schönste Loos des Soldaten, die Rückkehr in die Heimath nach einem großen glorreichen Kriege, war uns nicht vergönnt, doch tröstete uns der Gedanke, daß unsere Trennung mit der für ewig ruhmreichsten Epoche der Geschichte unseres Vaterlandes zusammenfiel, daß ein kleines Blättchen in dem Kranze, den unsere Kameraden in der dankbaren Heimath nun entgegennahmen, auch von der 4. schweren Batterie erkämpft war!"

Die Batterie marschirte über Nanteuil, Château-Thierry, Epernay, Châlons, St. Ménehould, Clermont en Argonne, durch Verdun, nach Houdainville, Harville, über die blutgetränkten Schlachtfelder von Meß in ihre neue Garnison Met, wo sie am 28. Juni eintraf und als 3. schwere Batterie der II. Fuß-Abtheilung in das neugebildete Feldartillerie-Regiment Nr. 15 eingereiht wurde.) Schwer wurde es der Batterie, vom alten Kegiinent, in dessen Verband jie jo Hervorragendes bei jeder Gelegenheit geleistet hatte, und von der alten Heimath sich zu trennen. Die treuesten Wünsche und dankbarsten Erinnerungen begleiteten sie, und das ehrenvollste Andenken ist ihr für alle Zeiten gesichert.

Am 14. Juni begannen die Rüdfahrten in die Heimath. Die I. und Reitende Abtheilung wurden von Pantin über Châlons, Nancy, Lunéville, Hagenau, Ludwigshafen, Mainz, Frankfurt a. M., Bebra nach Erfurt, die II und III. Abtheilung von

1) Erlebnisse der 3. schweren Batterie Feldartillerie-Regiments Nr. 15. 2) Ist jetzt 5. Batterie Feldartillerie-Regiments Nr. 15.

Crépy, bezw. Dammartin über Reims, Mézières, Sedan, Diedens hofen, Bingerbrück, Cöln, Minden, Braunsdyweig nach Buckau befördert. Die inehrtägige Fahrt in die Heimath war ein wahrer Triumphzug. Mit lautem Jubel und heller Begeisterung wurde der heimathliche Boden von den Truppen und diese von der Deutschen Bevölkerung begrüßt und auf allen Bahnhöfen herzlich und reichlich bewirthet. In allen Garnisonen fand dann ein feierlicher Einzug statt. Durch glänzende Festlichkeiten wurden die zurückgekehrten Krieger gastfrei gefeiert. In den nächsten Tagen wurden die Re: serven entlassen, die überzähligen Pferde verkauft und die Batterieen auf Friedensstand gesegt.

Wohl darf das Regiment auf diesen Feldzug mit Stolz zurück bliden, von Neuem hatte es mit dem Blute der Seinigen die Treue gegen König und Vaterland besiegelt. Wenn es auch, wie überhaupt das IV. Armeeforps, nur an verhältnismäßig wenigen Schlachten hatte theilnehmen können, so hatte es doch überall im vollsten Maße seine Schuldigkeit gethan und auch große Opfer gebracht.

Mit hohen Ehren wurde es daher auch durch den Kaiserlichen Kriegsherrn ausgezeichnet.

Das Regiment erhielt: 8 Eiserne Freuze 1. Klasse und 285 2. Klasse. Fremdherrliche Fürsten fügten Zeichen der Anerkennung hinzu.?)

Durch Allerhöchste Rabinets-Ordre vom 16. Juni 1871, dem Tage des Siegeseinzuges in Berlin, an welchem auch ein Kommando des Regiments theilnehmen durfte, wurde:

1. Seine Königliche Hoheit Prinz Luitpold von Bayern,

Feldzeugmeister, zum Chef des Regiments ernannt, 2. der Fahne des Regiments das Eiserne Kreuz in der

Spitze verliehen Die Freude über die hohe Auszeichnung, den rangältesten Königlich Bayerischen General (seit 30. März 1876 General-Feldzeugmeister), Inhaber bezw. Chef dreier Feldartillerie-Regimenter, an seiner Spitze zu sehen, wurde dem Regiment durch immer neue Gnadenbeweise seitens des erlaudyten Chefs erhöht. Sein gnädigst verliehenes Bildniß schmidt im Berein mit der Fahnenspiße von 1816, welche nach Anbringung der mit dem Eisernen Kreuz versehenen dem Regiment zum ewigen Gedächtniß überwiesen wurde, die Rajinoräume in der Stabegarnison des Regiments.

1) Siehe Anlage 17.

« ZurückWeiter »