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Vormarsch der Armeeabtheilung des Großherzogs von Medlenburg auf Tours zu sichern. Die Division marschirte am 10. nach Süden ab und erreichte am 11. über Chartres die Gegend von Nogent sur Eure.) Die Armeeabtheilung des Großherzogs stand in der Linie Marchénoira) — Beaugency 3) starfen feindlichen Massen gegenüber. Zur Verbindung hiermit wurde die Brigade d. Bredow mit der Batterie Bode in jüdwestlicher Richtung auf Illiers vorgeschoben, wo sie am 12. eintraf. Auf die Nachricht, daß sich bei Châteaudun stärkere feindliche Truppen gezeigt hätten, ordnete die Division für den 13. eine Erkundung gegen diese Stadt an.

Bei starkem Nebel marscirte General v. Bredow mit den 16. Ulanen und der 1. reitenden Batterie über Bonneval, wo sich die 13. Dragoner und eine Bayerische Infanterieabtheilung an: schlossen, gegen Châteaudun vor. Die vorgesandten Patrouillen Starmige bei

Chateaudun. erhielten vor der Stadt starkes Feuer, überall lag der Feind in 13. Dezember. Barrikaden und Erdaufwürfen. Die Batterie marschirte auf und vertrieb auch hier durch ihr Feuer den Feind, der jedoch hinter dem Eisenbahndamm energischen Widerstand leistete. General v. Bredow stand bei der augenblicklichen großen Ueberlegenheit des Feindes von weiterem Angriff ab, verbot auch, die Stadt zu beschießen, da er erfahren hatte, daß in derselben eine große Zahl Verwundeter unter: gebracht war. Es wurde daher nach Bonneval zurückmarschirt.

Am 15. Dezember ließ General v. Rheinbaben die 12. Ra. vallerie-Brigade nochmals gegen Châteaudun vorgehen, um den im Küdzug auf diesen Ort gemeldeten linken Flügel der Französischen 2. Loire-Armee zu beunruhigen. Der Ort wurde jedoch vom Feinde verlassen gefunden. Die Stadt machte einen überaus traurigen Eindruck, die Hälfte der Häuser war bei den vorgegangenen Kämpfen mit den Freischaaren in Flammen aufgegangen oder eingeschossen worden, alle Einwohner zeigten einen unheimlich verbitterten Haß. Um den Verbleib des Feindes festzustellen, wurden die 12. und 11. Kavallerie-Brigade am 16. auf Clones entsendet.

Gefecht bei Clones.

16. Dezember. Diesen Ort hatte auch der Feind besetzt, verließ ihn aber, als ihn Lieutenant lepper mit seinem Zuge unter Feuer nahm; eine Abtheilung mit dem Zuge des Lieutenants Lindemann wurde nach Courtalin entsendet. Während des ganzen Tages vernahm man

1) Südwestlich Chartres. 2) Zwischen Loir und Loire. 8) An der Loire.

einen starken Kanonendonner aus der Richtung von Vendôme, wo der Großherzog im Gefecht stand. Am folgenden Tage wurde eine Abtheilung von einem Garde-Landwehr-Bataiấon, 5 Schwadronen

und dem Zuge des Lieutenants Bauerhorst gegen Mondoubleau in Gefecht bei Droné. Marsch gesetzt. Sie überraschten bei Droué mit Abfochen be 17. Dezember. íhäftigte Französische Truppen und drangen in das mit Wagen und

Schlachtvieh angefüüte Städtchen ein, mußten es aber bald dem zum Angriff schreitenden, weit überlegenen Feinde überlassen. Die Division marschirte am 18. weiter auf Montmirail — Mondoubleau. Die 1. reitende Batterie passirte Droué, wo es vom gestrigen Kampfe noch wild aussah. Todte Mannschaften und Pferde, zerbrochene Proßen, Fahrzeuge, Waffen und Ausrüstungsstücke der Franzosen lagen auf den Straßen umher, Alles deutete auf einen 'eiligen Rüdzug nach Le Mans. Am 19. erreichte die Division die Linie Montmirail - Mondoubleau. Hier ging am 20. von der Arineeabtheilung die Nachricht ein, daß sie am 21. nach Châteaudun rüden werde. General v. Rheinbaben beschloß daher, sich bei Nogent le Rotrou aufzustellen, um von dort gegen Le Mans zu beobachten. Am 22. erhielt er die Weisung, die Gegend westlich poudan zu beseßen, die am 27. ohne besonderen Zwischenfall erreicht wurde. Der rechte Flügel der Division dehnte sich bis Pacy und Vernon aus, während

der linke, die 12. Brigade, bei Dreur Stellung nahin. Die Batterie 27. Dezember. Bode blieb vom 27. Dezember bis 15. Januar in Dreur, unters

warf die gesammte Ausrüstung der sorgfältigsten Untersuchung und setzte sie möglichst in Stand.

Die ganze Zeit der fortwährenden Märsche und Unternehmungen war eine für Mannschaften und Pferde außerordentlich anstrengende gewesen. Der Zustand der letteren hatte arg gelitten. Leider brach auch in den legten Tagen des Jahres in heftigem Maße die Influenza aus. Die Batterie nahm zwar noch an einzelnen kleineren Unternehmungen Theil (am 30. Dezember der 2. Zug, Lieutenant lepper, gegen Damville, am 2. Januar der 3. Zug, Lieutenant Bauerhorst, gegen Evreur). Als aber am 5. Januar dic 5. Kavallerie - Division in Richtung auf Le Mans abmarschirte, um den rechten Flügel der Zweiten Armee des Prinzen Friedrich Karl gegen die Französische 2. Loire - Armee zu decken, mußte die 1. reitende Batterie in Dreur zurückbleiben. Das Divijionsfommando beantragte beim Generalfommando des IV. Armeeforps Erjat für die gefallenen und franken Pferde der Batterie. Da diese aber nicht verfügbar waren, wurde die Ablösung der 1. reitenden Batterie durch die 2. befohlen. Mit schwerem Herzen trennten sich Offiziere und Mannschaften von der Stavallerie-Division, in deren Verbande sie eine theilweise schwere und anstrengende, aber stets auch ruhmreiche und ehrenvolle Zeit verlebt hatten. In einem Tages: befehle sprach der General v. Rheinbaben der Batterie seine volle Anerkennung für ihre Leistungen und sein Bedauern über den Befehl ihrer Ablösung aus. Am 16. Januar marschirte die Batterie von Dreur ab, um in den Verband der Korpsartillerie einzutreten, wo sie am 19. Januar eintraf, an demselben Tage, an welchem der legte große Ausfall der Franzosen am Mont Valérien zurückgewiesen wurde. Vom frühen Morgen an vernahm die 1. reitende Batterie den furchtbaren Kanonendonner, und als jie in Sannois eintraf, erreichte soeben die Korpšartillerie der Befehl, sofort nach St. Germain abzumarschiren; die Batterie Bode marschirte nach Le Plessis Bouchard, wo sie bis auf Weiteres verblieb.

Kapitulation von Baris. Am 21. Januar eröffneten die im Bereich des Garde- und IV. Armeekorps liegenden Belagerungs- Batterieen ihr Feuer gegen St. Denis und dessen Forts, das bald von sichtbarem Erfolge begleitet war. Schon am nächsten Tage antworteten die französischen Festungsgeschüße nur noch mit schwachem Feuer.

Schon bei Beginn des Bombardements waren die Vorposten vorgeschoben worden. Die 4. schwere Batterie Laube hatte auf Befehl der 15. Infanterie - Brigade am 19. bei Ormesson ihren sechsten Batteriestand vor Paris bauen müssen, um aus näherer Ent: fernung gegen Epinai wirfen zu fönnen. Es erschien jedoch wünschengwerth, in Epinai selbst Feldgeschüge in Stellung zu bringen. Um 25. Januar befahl der Brigadefommandeur, Generalmajor v. Schers bening, den Hauptmann Laube zur Begleitung in die Vorpostenstellung, die unter heftigem feindlichen Geschütfcuer besichtigt wurde. Hauptmann Paube hatte schon am Tage vorher Stellungen für seine Batterie in Epinai ausgesucht und erhielt nunmehr den Befehl, in der Nacht zwei Geschützstände zu bauen, einen für vier Geschüße hart an der Seine im Parke des Ministers Cremieux, den anderen für zwei Geschüße am Südausgang von Epinai, um sowohl die SeineInsel als die Straße von Epinai nach St. Denis zu beherrschen. Die Arbeit machte große Schwierigkeiten. Das Schanzzeug war unzureichend, die Baumwurzeln im Barfe erschwerten das Eingraben, und die unmittelbare Nähe des Feindes, der durch einzelne, unsichere Gewehrschüsse jeine Anwesenheit verrieth, erforderte große Vorsicht. Um die Geschüte gedegt einbringen zu fönnen, mußten mehrere Mauern durchbrochen werden. Schließlich mußte noch das Schußfeld durch Niederlegen von theilweise hohen Bäumen freigemacht werden. Mit Aufbietung aller Kräfte wurden aber alle diese Arbeiten in einer Nacht vollendet. Der Batterie war es aber nicht vergönnt, zur Feuerthätigkeit in dieser vordersten Linie zu fommen.

In der Nacht zum 27. schwieg auf beiden Seiten das Geschüßfeuer, und es trat eine tiefe Stille ein, die nach dem vorangegangenen betäubenden Lärm fast unheimlich wirfte. Aller bemächtigte sich das Gefühl, daß etwas Neues, lang Ersehntes, aber faum schon sicher Erhofftes sich vorbereite; was bedeutete das unheimliche Schweigen der ehernen Schlünde? Der folgende Tag sollte die Gewißheit bringen, die Gewißheit, daß ein neues großes Ziel erreicht sei.

Am 28. kapitulirte Paris mit seiner Besayung unter folgenden Hauptbedingungen:

1. Sofortige Auslieferung aller Forts an die Deutsche Armee

und Abrüstung der Stadtumwallung. 2. Kriegsgefangenschaft der Bejatzung ausschließlich 12000 Mann,

die die Ordnung im Innern der Stadt aufrecht erhalten sollten, uneingeschränkte Verproviantirung, im Uebrigen jedoch

Aufrechterhaltung der Einschließung. 3. Zahlung einer Kriegskontribution von 200 Millionen France,

Abschluß eines dreiwöchentlichen Waffenstilstandes für ganz

Franfreich mit Ausnahme des jüdöstlichen Kriegsschauplages.

Vom IV. Armeeforps beseşte am 29. Januar die 14. Infanterie-Brigade St. Denis, am 30. die 16. Brigade die Halbinsel Gennevilliers, die 13. Infanterie-Brigade blieb in Enghien, die 15. in St. Gratien. Die Batterieen verblieben in ihren Quartieren, nur die 3. schwere wurde nach Courbevoie zur Besegung der dortigen Werke verlegt. Damit war

war das Ziel viereinhalbmonatlicher Anstrengung glüdlich erreicht. Die feindliche Þauptstadt beugte sidh dem Willen Des Siegers, und damit war das ganze Land unterworfen. Denn auch sämmtliche feindliche Feld-Armeeen waren geschlagen oder vernichtet. Im Norden hatte General v. Goeben die Nord-Armee des General Faidherbe am 19. bei St. Quentin entscheidend geichlagen, im Westen war die 2. Soire-Arntee unter General Chanzy vom Prinzen Friedrich Karl in zahlreichen Gefechten bis nach Le Mans gedrängt worden und hatte von dort nach dreitägiger heißer Schlacht am 10., 11. und 12. Januar bis hinter die Mayenne zurüdweichen müssen. Die 1. Loire-Armee unter General Bourbafi war durch General v. Werder an ihrem beabsichtigten Durchbruch nach dem Elsaß verhindert und nach den siegreichen Kämpfen an der Lisaine am 15. bis 17. Januar zum Rüdzuge genöthigt worden. Die neu gebildete Süd- Arinee ward am 1. Februar zum Uebertritt auf Schweizerisches Gebiet gezwungen. Damit war die legte Hoffnung Frankreichs geschwunden.

12. Waffenstillstand. In der nun eintretenden Waffenruhe wurden zunächst die Eisenbahnen, Straßen und Wege nach Paris wieder hergestellt, um die Verproviantirung der Hauptstadt zu erleichtern und den Ausbruch einer Hungersnoth zu verhindern. In den Kantonnements wurde, lediglich um die Leute zu beschäftigen, täglich ererzirt, geritten und Appell abgehalten. Im Uebrigen wurden die Ausrüstungsstücke für Mann und Pferd gründlich in Stand gesett, der eintreffende Ersat an Leuten und Pferden eingestellt und geübt.

Großes Interesse erregte der Besuch von St. Denis und der Festungswerfe des Mont Valérien, des ganzen Geländes der Halbinsel von Gennevilliers, der Batterie von Courbevoie ac. Man gewann ein unvergebliches Bild von der schaffenden Thätigkeit des Feindes und der Wirkung unserer Geschosse.

Bei der Zweiten Armee um Chartres und Nogent le Rotrou,

10. Februar bis 4. März. Da man nicht mit voller Sicherheit übersehen konnte, ob der Waffenstillstand auch wirklich zum Frieden führen würde, so wurden Deutscherseits alle Vorbereitungen getroffen, um die Feindseligkeiten mit vollem Nachdruck wieder aufnehinen zu können. Hierzu gehörte vor Avem die Verstärkung der Zweiten Armee, da in der Bretagne und hinter der Mayenne sich noch eine große Zahl fampffähiger Französischer Truppen sammelte. Daher erhielten von der Einschließungs-Armee vor Paris das V. Korps den Befehl, nach der Loire, das IV. auf Chartres sich in Marsch zu setzen. Letzteres

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