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10. Ottober.

die Stadt einrücken, die Geschüte, die Garde-Rompagnie und die Schwadronen folgten.

Die beiden nördlich vorgehenden Kompagnieen hatten sich den Uebergang über die Gpte in Gragny erst durch Kampf, an dem sich sogar wüthende Weiber betheiligten, erzwingen müssen und judyten noch den Wald nördlich Gijors gründlich ab. Hierbei wurde ein Priester, der als Führer der Bande eifrig schoß, getödtet. Das Gefecht war beendet. Wenn auch der größte Theil der Mobilgarden entfommen war, so hatte man den Franftireurs wenigstens eine gründliche Niederlage bereitet; Gisors und der Epte - Abschnitt war gewonnen. Am Abend bezog das Detachement Quartiere in Gisors, Sérifontaine und Flavacourt; der Zug Steiniger in erstgenanntem Ort. Die Sachsen fehrten nach Beauvais zurück.

Am folgenden Tage wurde noch nach Gournay marschirt, das aber schon vom Feinde verlassen und von Sadjen besetzt war. Die

Truppenabtheilung des Prinzen Albrecht bezog ihre alten Quartiere 11. Oktober. in Sérifontaine und Flavacourt. Am 11. fain der größte Theil

nach Gisors, eine Schwadron der 1. Garde: Ulanen in La Houssoye erhielt die Verbindung mit der Sächlichen Abtheilung in Beauvais, 2/2 Schwadronen der 3. Garde-Ulanen und die 4. Kompagnie Ins fanterie-Regiments Nr. 27 beobachteten von Magny aus die große Straße von Paris nach Rouen und traten in regelmäßige Ver: bindung mit der bei Mantes stehenden 5. Kavallerie-Division. Die rüdwärtige Verbindung sicherten fleinte Abtheilungen in Fresnes und Beaumont.

Aus dieser neuen Aufstellung fand ein regelmäßiger Patrouillengang nach Westen zu statt. Die Truppenabtheilung wurde möglichst zusammengehalten, immer bereit, wo der Feind sich sehen ließ, ibn überraschend anzugreifen. Es war eine anstrengende Zeit, von Ruhe war nicht viel die Rede; es wurde sehr aufmerksam aufgeklärt, und sobald ein Punkt in dem Landstrich bedroht erschien, dorthin marschirt, der Feind verjagt und in gehöriger Furcht gehalten. Wo sich Waffen fanden, wurden sie sojort vernichtet. Für die Verpflegung wurde in bester Weise gesorgt. Der Dienst wurde streng gehandhabt und alle Truppen fleißig im Auftlärungsdienst geübt. Der Gesundheitszustand war vorzüglich. Die Einwohner der belegten Ortschaften nahmen eine friedliche Haltung an; sie sahen wohl ein, daß ihnen selbst ihre Einquartierung einen sicheren Schutz gegen das Raubgesindel ihrer eigenen Landsleute bot. Stellenweise lebten sie jogar im herzlichsten Einvernehmen mit den gchaften , Prusjiens".

19. Oktober.

Am 14. Oktober hatten die Ulanen zwei feindliche Husaren-Züge 14. Oltober. auß Ecouis vertrieben und erkundet, daß am folgenden Tage Gestellung von Militärpflichtigen in Les Andelys angeordnet war. Um dies zu verhindern, marschirte Major v. Rorff1) am 15. Oktober mit 1 Kompagnie, 21/2 Schwadronen und dem Zuge Steiniger über Les Thilliers, Boisemont, Corny nach Les Andelys. Legtgenannter Drt wurde sofort umgangen, der Feind war aber bereits entwichen. Nachdem man sich dort durch ein schnell beigetriebenes Frühstück gestärkt, wurde unter Mitnahme aller gefundenen Waffen, sowie des Unterpräfeften, bei dem sich verdächtige Papiere gefunden hatten, der Rückmarsch nach Gisors und Magny angetreten. Der Feind schien sich hinter die Andelle zurückgezogen zu haben, und es trat jetzt verhältnismäßige Ruhe ein.

Am 19. Oktober fand cin Zusammenstoß mit stärkeren feindlichen Kräften in Etrêpagny, wo Beitreibungen vorgenommen werden sollten, statt. Dieser Zusammenstoß sowie durch aufgefangene Briefe und Zeitungen erhaltene Nachrichten deuteten darauf hin, daß der Feind mit größeren Kräften ein Vorgehen beabsichtige. Man hatte erfahren, daß General Bourbafi die Bildung der sogenannten Nord- Armee eifrig betreibe, und daß General Briand schon mit starken Abtheilungen an der Andelle stehe; 2000 Mann sollten bereits Ajournay beseßt haben. Es war anzunehmen, daß der Feind ver: suchen würde, sich mit Gewalt der Epte-Linie zu bemächtigen, oder sich wenigstens in den naheliegenden Ortschaften festzusetzen. Um dies auf jeden Fall zu verhindern, beschloß Prinz Albrecht für den 20. Oktober den Angriff auf Etrêpagnn.

Die gesammte ihm unterstellte Truppenabtheilung trat am frühen Etrépagny. Morgen von Gisors und Magny den Marsch auf Etrépagny an. 3000 Schritt vor dem Ort wurde zum Angriff aufmarschirt, Lieutenant Steiniger ließ seine Geschüße abprogen. Als dies der Feind bemerfte, wid) er in Gile auf Le Thil und den Wald von La Heronnerie, nordöstlich von Etrépagny, zurück. Nur die Besatzung eines Schlößchens am Dorfe (Pachthof La Broche) hielt Stand und beantwortete die Aufforderung zur Uebergabe init lebhaftem Feuer. Als die 27 er sich anschichten, das Schlößchen in Brand zu stecken, erschienen auf ein gegebenes Nothsignal wieder stärfere Schüßenschwärme am Rande des Waldes. Die beiden Geldhütze eröffneten dorthin ihr Feuer, verjagten durch einige Granaten den Feind sehr

1) Vom 1. Garde-Ulanen-Regiment.

20. Ditober. Oefedt bei

21. Oftober.

bald von dem Waldrande und schossen dann das Schlößchen in Brand, das die Franzosen nunmehr in eiliger Flucht verließen. Etrépagny wurde beseßt, gründlich ausfouragirt, und ihm eine bedeutende Geldsteuer auferlegt. Die Ulanen verfolgten den Feind bis Nojeon le Sec, wo er durch frische Truppen Aufnahme fand. Die Truppenabtheilung des Prinzen Albrecht trat am Nachmittag den Rüdmarsch an und erreichte gegen Abend wieder die alten Quartiere.

Am folgenden Tage theilte der mit der Husaren-Brigade der 5. Ravallerie-Division bei Mantes auf dem linken Seine-Ufer stehende General v. Redern dem Prinzen Albrecht mit, daß er Vernon an

zugreifen beabsichtige und ihm eine Unterstütung sehr wünschenswerth 22. Ottober. wäre. Daraufhin ließ der Prinz am frühen Morgen des 22. eine Oefedyt bei Vernon.

Abtheilung unter Major v. forff, bestehend aus 2 Kompagnieen, 242 Schwadronen und den beiden Geschüßen des Lieutenants Steiniger, in zwei Kolonnen von Gisors und Magny gegen Vernon marschiren. Als man hier anlangte, fand man die dortige Brüde über die Seine gesprengt; vom Anmarsch des Generals v. Redern war nichts zu bemerken, dagegen sah man am jenseitigen Ufer einige Mobilgarden - Kompagnieen eifrig ererziren. Major v. Rorff ließ die beiden Geschütze des Lieutenants Steiniger auffahren und das Feuer gegen den nichts ahnenden Feind eröffnen. Sehr amüsant war es, den Schreck der Mobilgarden zu beobachten, als sie plötlich in ihren harmlosen Uebungen gestört wurden. Es dauerte jedoch nicht lange, so eröffneten Schützenschwärme vom jenseitigen Ufer ein außerordentlich lebhaftes Schnellfeuer auf die Geschüße. Glücklicherweise verstanden die ungeübten Mobilgarden nicht gut mit den Chassepots umzugehen, so daß nur ein Handpferd getödtet wurde. Die 4. Kompagnie 27 er vertrieb durch ihr wohlgezieltes Feuer sehr bald die feindlichen Schützenschwärme vom jenseitigen Ufer. Lieutenant Steiniger richtete darauf das Feuer auf die Stadt selbst; ein Geschüß hatte das Glüc, eine Granate mitten in einen Zug feindlicher Husaren zu schießen, welcher nach allen Seiten auseinanderstob. Die beiden Geschüße derfeuerten an diesem Tage 65 Granaten.

Major v. Korff wartete noch einige Stunden auf die Ankunft des Generals v. Redern, jedoch vergeblich. Derselbe war beim Vorgehen in sehr ungünstigem Gelände auf stärfere feindliche Kräfte gestoßen, welche ihn nach bedeutenden Verlusten zum Aufgeben des IInternehmens gezwungen hatten.

3. reitende

Batterie.

Auf dem Rücmarsche erhielt die Abtheilung des Majors 0. Korff in einem Hohlwege im Walde plötlich von allen Seiten Feuer. Sofort drang die 2. Kompagnie in den Wald ein und vertrieb zwar die eiligst flüchtenden Freischaaren und einzelne Husaren; immerhin waren mehrere Leute verwundet, einer getödtet worden. Gegen 10 Uhr abends langte man wieder in Gisors an. Hier war unterdessen eine wesentliche Unterstüßung eingetroffen. Verstärkung der

Abtheilung des Schon am 19. hatte das Oberkommando der Maas-Armee die Ver

Prinzen Albredt. stärkung der Truppenabtheilung des Prinzen Albrecht angeordnet, und hierzu waren die übrigen Theile des Regiments Nr. 27 und der 2. schweren Batterie Reyher sowie die 3. reitende Batterie Kanz %. suwere and bestimmt worden. Mit Freuden hatten diese Truppentheile die Nachricht begrüßt, daß sie den eintönigen Dienst bei der Einschließungs-Armee vor Baris mit dem, wenn auch viel anstrengenderen, so doch abwechselungsreicheren bei einer selbständigen Truppenabtheilung vertauschen durften, wo es im kleinen Krieg mit den Freischaaren und Mobilgarden Aufregung und Gelegenheit genug gab, sich auszuzeichnen und seine Thatenlust zu befriedigen. Ain 20. Oktober waren das Infanterie-Regiment Nr. 27 ohne I. Bataillon und die 2. schwere Batterie Reyher ohne 1. Zug von Montmorency aufgebrochen und waren über Enghien, St. Gratien, Franconville, nach Pontoise inarschirt. Hier hatte man auf einer schnell her: gestellten Pontonbrücke die Dise überschritten und war am Abend des 21. in Gisors angelangt. Die 3. reitende Batterie blieb am 21. in Fontaine und inarschirte am 22. mit dem Füsilier-Bataillon 27 er nach Magny. Die nunmehr auf 3 Bataillone, 8 Schwadronen, 2 Batterieen verstärkte Truppenabtheilung des Prinzen Albrecht wurde folgendermaßen aufgestellt:

Auf dem rechten Flügel blieb in layouffone 1 Eskadron des 1. Garde:
Ulanen-Regiments zur Verbindung mit den Sachsen in Beauvais;
Gisors:

Stab der 2. Garde-Rav. Brig., Prinz Albrecht,
Stab des Inf. Regts. 27, Oberst v. Presjentin,
I. Bat. Inf. Regts. 27, Maj. Schramm,
1. Garde-Ulan. Regt. ohne 2. Esf., Oberstlt. v. Rochow,

2. ich were Batterie, Reyher. Trie Château:

6. Somp. Inf. Regts. 27, Sef. et. Nummel,
1 Esf. 1. Garde-lllan. Negts.

Magny:
3. Garde-Ulan. Kegt, Oberst Prinz zu Hohenlohe, ohne

1/2 Esf.,
Füs. Bat., ohne 9. und 12. Komp., Oberstlt. Hildebrand,

3. reitende Batt., ohne 1. 1. 2. Zug, þauptm. Ranz. St. Gervais:

12. Romp., Pr. St. v. Westphal. Blamécourt und Hodent:

9. Komp., Hauptm. v. Breen. Blamécourt:

1. u. 2. Zug der 3. reit. Batt., Pr. Lt. Oberg. Chars:

7. Romp., Hauptı. v. Witreben,

1. Esf. 3. Garde-lllan. Negts. Pontoise:

II. Bat., ohne 6. u. 7. Romp., Hauptm. v. Werder,

1/2 Esf. 3. Garde-Ulan. Regts.

Nachdem das Detadjement dergestalt verstärft war, fonnten nunmehr täglich, ohne die Truppen übermäßig anzustrengen, Kommandos abgesandt werden, sei es, um feindliche Abjichten und Maßnahmen zu erkunden, um Lebensmittel und Fourage zu sammeln, oder um das Land zu entwaffnen. Nur Unternehmungen, an denen sich

Abtheilungen unseres Regiments betheiligten, follen genannt werden. 25. Oktober. Am 23. Oftober marschiite eine Abtheilung, bestehend aus der Gefedt bei Gisors.

5. und 6. Rompagnie, 14/2 Schwadronen des 1. Garde: UlanenRegiments und dem Zuge Stecher der 2. schweren Batterie, unter Major v. Korff ab, um in Heudicourt, Longchamp und Mainneville Futtermittel zu holen. Erstere beiden Orte waren vom Feinde besetzt. Sie wurden daher init Granaten beschossen und die Freischaaren durch die 27er vertrieben. Nach gründlicher Ausjouragirung marschirte das Kommando nach Gijors zurück.

Am 28. Oftober fam die Nachricht von der Stapitulation von Metz, auf die man schon so lange sehnlidist gewartet hatte. Die lezte Raijerliche Armee Frankreid)s war vernichtet; die Erste und Zweite Armee waren frei geworden und konnten den im Norden und Süden in Bildung begriffenen neu aufgestellten Französischen Armeen entgegentreten und die Einschließung von Paris schüten. Die schwachen Sicherungsabtheilungen im Norden von Paris blieben aber vorläufig noch auf sich selbst angewiesen.

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