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Die

Schlacht von Uiiggrltz

zum

zehnjährigen Gedenktage des Sieges

auf Grund der gesamniteu einschläglichen Literatur

dargestellt

von

Max Jahns,

Hauptmann vom Nebenetat des Grossen Generalstabes. Lehrer an der Königlichen
Kriegs-Aiuderme.

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Vorwort.

Ein Jahrzehnt ist seit der Schlacht bei Königgrätz verflossen. Die gewaltigen Ereignisse des deutsch-französischen Krieges haben die Erinnerung an den böhmischen Feldzug einigermassen in den Hintergrund gedrängt, umsomehr als in dem Verhältnisse Preussens zu Oesterreich bald wieder jene Stimmung verwandtschaftlicher Zuneigung herrschend ward, welche, trotz der von Zeit zu Zeit hervortretenden Gegensätze, beiden Staaten natürlich ist. Gern halten wir Oesterreichs Hand in der unsern; aber das darf uns nicht hindern, den zehnjährigen Gedenktag von Königgrätz in feierlich gehobener Stimmung freudevoll und dankbar zu begehen; denn der zwischen Elbe und Bistritz erfochtene Sieg ist doch der Ausgangspunkt all' des Grossen und Guten, was König Wilhelm, was Preussen seither für Deutschland und Europa erkämpft und festgestellt.

Als einen Beitrag zu solcher Feier möchte ich dies Buch betrachtet wissen, welches den Versuch macht, die gesamrate, nun wol nahezu abgeschlossene Literatur über die Schlacht eingehend zu venverthen und zu einer Gesammtdarstellung zu gestalten. Leider ist mir, der ich i. J. 1866 in's Kriegsministerium kommandirt war, nicht vergönnt gewesen, mitzukämpfen bei Königgrätz; aber eben deshalb hat diese Schlacht von Anfang an einen der vornehmsten Gegenstände meines Studiums gebildet; und wie ich im Sommer 1867 von hoher Stelle beauftragt wurde, der ersten Jahrestage jener grossen Zeit im „Militär-Wochenblatte" zu gedenken, so sei es mir nun gestattet, auch dem zehnten Erinnerungstage meine Arbeit zu widmen.

Ganz neu ist das vorliegende Buch nicht. Eine Reihenfolge von Aufsätzen, welche ich 1868 und 1869 ohne meinen Namen in den „Preussischen Jahrbüchern" veröffentlicht habe, liegen ihm zu Grunde. — Dass die langsame Entwickelung meinem Werke geschadet habe, glaube ich nicht; denn bei der gewählten Behandlungsweise vermochte es nur allmählig zu reifen, jenachdem der Stoff ihm zuwuchs. — Varnhagen von Ense sagt einmal: „In historischen Dingen muss man den Wassertropfen sammeln, um eine Strömung zu gewinnen." Dieser Ausspruch hat mich geleitet. Gestützt auf die drei offiziellen Generalstabswerke habe ich den wesentliehen Inhalt all' der mir zugänglichen Schriften verarbeitet, die irgend welche Beiträge zur Feststellung der Thatsachen oder zur Erklärung der Zustände am Schlachttage von Königgrätz enthalten. Allgemeine historische Darstellungen, Monographien über die Theilnahme der drei Waffen oder grösserer Heerestheile, Truppengeschichten, Biographien und Nekrologe, Schilderungen und Episoden, Erinnerungen einzelner Persönlichkeiten, seien es Offiziere, Soldaten, Aerzte, Geistliche, Krankenpfleger, Künstler oder Zeitungscorrespondenten — Alles ist benutzt, um in dem Gesammtbilde an seiner Stelle zu wirken; und wenn es mir dabei zunächst darauf ankam, eine Darstellung des strategisch-taktischen Verlaufes der Schlacht zu geben, so war ich doch auch nicht minder bestrebt, Zustand, Haltung und Stimmung der handelnden Menschen so wie das sorgsam von mir durchwanderte Schlachtfeld zur Anschauung zu bringen, um so mit der Leistung zugleich das Wesen des Heeres zu schildern, dem sie entsprang, und ein Bild der Oertlichkeit zu geben, auf dem sie sich vollzog. Endlich lässt sich auch die Stimme der Kritik vernehmen, die verständige wie die unverständige, um darzuthun, in welcher Art die Zeitgenossen das Geschehene anschauten und beurtheilten.

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