Lenore

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Gedrucht bey S. Gosnell, 1796 - 14 Seiten
 

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Beliebte Passagen

Seite 8 - Was klang dort für Gesang und Klang? Was flatterten die Raben? Horch, Glockenklang! horch, Totensang: »Laßt uns den Leib begraben!« Und näher zog ein Leichenzug, Der Sarg und Totenbahre trug. Das Lied war zu vergleichen Dem Unkenruf in Teichen. »Nach Mitternacht begrabt den Leib Mit Klang und Sang und Klage!
Seite 2 - Willkommen!' manche frohe Braut. Ach! aber für Lenoren War Gruß und Kuß verloren. Sie frug den Zug wohl auf und ab Und frug nach allen Namen; Doch keiner war, der Kundschaft gab, Von allen, so da kamen. Als nun das Heer vorüber war, Zerraufte sie ihr Rabenhaar Und warf sich hin zur Erde Mit wütiger Gebärde. Die Mutter lief wohl hin zu ihr: 'Ach, daß sich Gott erbarme! Du trautes Kind, was ist mit dir?
Seite 2 - Der König und die Kaiserin, Des langen Haders müde, Erweichten ihren harten Sinn Und machten endlich Friede; Und jedes Heer, mit Sing und Sang, Mit Paukenschlag und Kling und Klang, Geschmückt mit grünen Reisern, Zog heim zu seinen Häusern. Und überall all überall, Auf Wegen und auf Stegen, Zog alt und jung dem Jubelschall Der Kommenden entgegen. Gottlob! rief Kind und Gattin laut, Willkommen!
Seite 3 - Hilf Gott, hilf! Wer den Vater kennt, Der weiß, er hilft den Kindern. Das hochgelobte Sakrament Wird deinen Jammer lindern.« »O Mutter, Mutter! was mich brennt, Das lindert mir kein Sakrament! Kein Sakrament mag Leben Den Toten wiedergeben.
Seite 9 - Roß und Reiter schnoben und Kies und Funken stoben. Wie flogen rechts, wie flogen links Gebirge, Bäum und Hecken!
Seite 7 - Sag an, wo ist dein Kämmerlein? wo? wie dein Hochzeitbettchen?« »Weit, weit von hier!... still, kühl und klein!... sechs Bretter und zwei Brettchen!« »Hat's Raum für mich?« - »Für dich und mich! Komm, schürze, spring und schwinge dich! Die Hochzeitgäste hoffen; die Kammer steht uns offen.
Seite 10 - Wie flog, was rund der Mond beschien, Wie flog es in die Ferne! Wie flogen oben über hin Der Himmel und die Sterne! — »Graut Liebchen auch? — Der Mond scheint hell! Hurra! die Toten reiten schnell! Graut Liebchen auch vor Toten?« — »O weh! Laß ruhn die Toten!« »Rapp'! Rapp'! Mich dünkt, der Hahn schon ruft. Bald wird der Sand verrinnen — Rapp'! Rapp'!
Seite 8 - Nach Mitternacht begrabt den Leib Mit Klang und Sang und Klage! Jetzt führ' ich heim mein junges Weib; Mit, mit zum Brautgelage! Komm, Küster, hier! komm mit dem Chor Und gurgle mir das Brautlied vor! Komm, Pfaff', und sprich den Segen, Eh' wir zu Bett uns legen ! " Still Klang und Sang . . Die Bahre schwand . . Gehorsam seinem Rufen Kam's hurre hurre ! nachgerannt Hart hinter's Rappen Hufen.
Seite 5 - Und klirrend stieg ein Reiter ab An des Geländers Stufen. Und horch! und horch! den Pfortenring, Ganz lose, leise, klinglingling! Dann kamen durch die Pforte Vernehmlich diese Worte: "Holla, holla! Tu auf, mein Kind! Schläfst, Liebchen, oder wachst du? Wie bist noch gegen mich gesinnt? Und weinest oder lachst du?
Seite 10 - Rapp'! Rapp'! mich dünkt, der Hahn schon ruft . . . Bald wird der Sand verrinnen . . . Rapp'! Rapp'! ich wittre Morgenluft . . . Rapp'! tummle dich von hinnen! Vollbracht, vollbracht ist unser Lauf! Das Hochzeitbette tut sich auf! Die Toten reiten schnelle! Wir sind, wir sind zur Stelle.

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