Die sanitäts-verhältnisse der russischen verwundeten: während des krimkrieges in den jahren 1854-1856

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A. Hirschwald, 1871 - 190 Seiten
 

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Seite 71 - Schwerverwundeten das menschliche Leiden und den Schmerz in einem Chor von Wehklagen, Seufzern und in Lauten ausdrücken, in welchen sich all das Entsetzen dieser Leiden malen sollte, so irrt man! Meistens liegen sie ruhig und vollkommen gefasst da, und nur von Zeit zu Zeit erpresst ein heftiger Schmerz Diesem oder Jenem einen Seufzer oder einen leisen Schrei, oder es drückt sich ihr tiefes Leiden in leisem, rhythmisch sich wiederholendem Stöhnen aus!
Seite 71 - Pompes zur Erhöhung seiner Andacht bedarf, der hätte hierher eilen sollen, um zu fühlen, wie jeder leise Schrei zu den feinsten Nerven unseres Herzens dringt, und wie es Töne und eine Musik giebt, ohne Schmelz und Melodie, die aber unser Inneres bis in seine tiefsten Furchen aufregt und mit geheimem Schauer durchbebt ! Hierher, dachte ich, sollten die Machthaber der Erde kommen, um sich den versöhnlichen Geist des Friedens zu holen und um an die Verantwortlichkeit...
Seite 70 - Soviel auf den Betten Platz hatten, lagen dort, die Uebrigen, Mann an Mann gereiht, auf dem Fussboden. In einem Winkel des Saales gefangene und verwundete Franzosen, Linien-Soldaten und Zuaven, halb liegend, halb sitzend an der Wand gelehnt. Selbst ein kleiner Theil des Saales, bestimmt zur Wohnung der Aerzte, war mit Verwundeten angefüllt, und die Betten, welche nicht eingenommen waren von ernstlich erkrankten Aerzten, waren von schwer blessirten Militairs besetzt.
Seite 70 - Ergebenheit, ja selbst Zufriedenheit, so dachte ich mir, dass man mit einer solchen Armee die Welt erstürmen könne. Ich kann es nicht beschreiben, mit welchen Empfindungen ich es zusah, wie das mit dem Stiefel abgerissene Bein neben dem Verwundeten lag, und er mit aller Ruhe aus dem Stiefel Taback und seine Pfeife hervorzuholen suchte, oder wie er einen Krankenwärter bat, den FUSS wegzutragen, aber ihm den Stiefel zurückzubringen.
Seite 120 - Verantwortung tragen. Es war, wie öfters schon ausgesprochen, ein stets drückender Mangel an Raum, an Betten und Wäsche. Allerdings waren zur Abstellung dieser Mängel Baracken aus Brettern gebaut. Diese waren aber ohne alle Bequemlichkeit, hatten meistens keine Dielen, wodurch ein beständiger, unerträglicher Staub entstand und schützten die Kranken auch nicht vor Kälte und Regen. Zum Behufe der so notwendigen Reinlichkeit und des Wäschetrocknens war der Bau von Trockenhäusern angeordnet.
Seite 120 - Kranken nur 6000 Esslöffel vorhanden waren und um keinen Preis auch nur das siebente Tausend aufzubringen war. Es erhoben sich täglich Klagen, wohl auch sehr begründete Klagen, welche aber durch die Umstände grösstentheils hervorgerufen waren. Die Klagen häuften sich hier aber an einem...
Seite 71 - Nicht viel, helfen Sie nur zuerst den Anderen, die leiden mehr!" Als ich den ihn bedeckenden Mantel aufhob, um nachzusehen, was ihm fehle, welch ein Anblick!
Seite 72 - Bereiche menschlicher Kräfte lag. Die Geschicke der Menschheit hängen wahrlich nicht von den Stimmungen und Launen Einzelner ab, sondern gewiss waltet über ihnen ein Geist, der die Einzelnen etwa zu ihren Werkzeugen wählt! So mochte ich mich denn auch über das...
Seite 70 - Vorhäusern, oder endlich in irgend einem Theil der Kasernen niederlegten, wo sie gerade Platz fanden. Folgende Zeilen aus meinem Tagebuche geben einen geringen Begriff über den Eindruck, welchen wir auf dem Verbandplatze an diesem Tage empfanden: „Als ich die Ambulance betrat, welcher Anblick bot sich mir dar!
Seite 21 - Frauen kann nur der Augenzeuge sich eine richtige Vorstellung machen. Diese Frauen trugen nicht allein Beschwerden, Mühen und Entbehrungen mit seltener Kraft, sondern auch die sichtbarsten Gefahren. Sie hielten das Bombardement mit einem Heroismus aus, der dem bravsten Soldaten zur Ehre gereicht hätte.

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