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durdaus treu fand, einen fleißigen Arbeiter in seinem Weinberge, welcher der ganzen Familie Gottes aus seinem Schape Altes und Neues gab, nämlich den heiligen Bernhard von Clairvaur, die kostbarste Perle des religiöjen Lebens, die Leuchte des Ordens und den strahlenden Stern am Himmel der Kirche Gottes.

Es hat viele heilige Männer vom Anfang an im Orden gegeben, die mit mancherlei Gnadengaben ausgestattet waren, und die bis auf unsere Zeiten unter den andern hervorragen. Sie þätten nach ihrer Neigung es vorgezogen, unter dem Scheffel verborgen zu bleiben, aber sie wurden vom Herrn hervorgezogen und auf den Leuchter gestellt. Die einen waren stark in geistlider Beredtsamkeit und durch die Gabe der Erbauung, die andern zeichneten sich durch Wunderkräfte und die Gabe der Heilungen aus, andere noch hatten den Geist der Weisjagung und empfingen göttliche Offenbarungen, andere sprachen durch die Kraft ihrer Enthaltsamkeit und ihres Fastens der menschlichen Natur Hohn, noch andere endlich brachten es in Gebeten, Psalmodien und im Absingen der laudes divinae zu solcher Stärke und zu solcher Innigkeit, daß sie wollten unaufhörlich im Gebet sein*).

Als in Spanien und Südfrankreich die keķerischen Secten überhand nehmen, da weiß man in Ostsachsen ihre teuflische Macht nicht besser darzustellen, als dadurch, daß man sich erzählt, jelbst einige Cistercienserklöster seien in jenen Gegenden dadurch angesteckt worden **). . Aber auch an beißendem Spott fehlte es dem Orden in diejer Zeit nicht. Dem Walter Mapes, einem Domherrn an rerschiedenen Kirchen Englands, sind die Cistercienser die Todfeinde, die er mit unablässigem Hohn verfolgte. „Ja“, sagte er, „zur Zeit des heiligen Bernhard und der Männer seines Sblages bestand der Orden noch in seiner ursprünglichen

) Jacobus Vitr. bei Chron. Cist., p. 243–246. Cist. Bist., p. 831.

**) Manrique, Ann. Cist. I, 238. Annales Reinersbornenses (ed. Wegele), p. 105.

Winter, Ciftercienser.

Reinheit; da war die Genußsucht noch nicht eingedrungen. Aber später erkaltete die liebe; Genußjucht und Selbstsucht iproßten auf und wucherten von Tag zu Tag üppiger. Sie brachten wohl unnüßes Gestrüpp hervor, aber keine Früchte. Die Ehre und der Ruhm des Ordens, einst so hoch gehoben, ist zur Schmach geworden; es gilt das Wort: andre Zeiten, andre Sitten."*)

Er erkennt an, daß die grauen Mönche, im Gegensap zu den schwarzen, nicht blos des Gebets pflegen, sondern arbeiten. ,,Sie treiben mit eignen Händen Ackerbau aller Art, sind außerdem Baumeister, Schäfer, Handelsleute, machen das Land urbar und sind in jedem Werk äußerst thätig. Sie haben Vieh- und Schafhirten nur aus ihrer Mitte, und sie lassen Frauen auch zu den geringsten Diensten, wie zum Melken und ähnlichen nicht zu, sondern lassen diese Dienste durch die Conversen verrichten. Sie sind zu allem alles, darum ist auch die Erde von ihren Besißungen voul. Aber darin sind die grauen und die schwarzen Mönche sich gleich: wie der Sperber die erscrođene Lerche, jo erkennen sie sofort ihre Beute, die sie rupfen wollen: die adligen Herren nämlich, welche ihr Erbe verichwenden oder in Schulden stecken. Die locken sie an sich, versprechen ihnen, ihren Verlegenheiten abzuhelfen, machen sie zu Brüdern im Capitel und lassen sie am Segen ihrer Gebete Theil nehmen. Wenn es sich darum handelt, ihre Lage zu verbessern, sind die Cistercienser niemals blöde: Hochgestellte bitten sie, Nachbarn belästigen sie, Ueberwundene proscribiren sie; was ihnen Nußen schafft, dem wissen sie den Schein der Tugend abzugewinnen. Wer sie aus Mitleid auf seine Bes sigungen beruft, der wird scheinbar ihr Nächster, aber die Nächstenliebe beweisen sie damit, daß sie ihn vertreiben. Sie wissen mancherlei Kniffe, fich zu bereichern, aber ihr Hauptgrundsatz ist: „Wir berauben die Aegypter; wir sind Hebräer“, als ob sie es allein wären, die der Herr aus der Finsterniß

*) Mapes, The latin poems (ed. Wright, London 1841), p. XXXIII 1. XXXV.

führt. Sie machen das Reich Gottes wahrlich sehr eng, wenn außer ihnen alle auf falschem Wege sind. Mit jenem Pharisäer jagen sie: wir danken Dir, Gott, daß wir nicht sind wie andere Menschen, aber sie jeßen wohlweislich nicht hinzu: wir geben den Zehnten von allem, das wir haben. Sie sprechen: die Erde ist des Herrn, wir allein sind Kinder des Höchsten, und außer uns ist Niemand würdig, sie zu besigen; von dem Wort : sind sie fern: Herr, ich bin nicht werth, dein Sohn zu heißen. Unjer Gott ist der Gott Abrahams, ihr Gott ist ein ganz neuer. Unser Gott sagt: wer nicht alles verläßt um meinetwillen, der ist mein nicht werth; ihr Gott: wer nicht alles für sich erwirbt, der ist mein nicht werth. Unser Gott spricht: wer zwei Röcke hat, gebe Dem, der keinen hat; ihr Gott: wenn Du nicht zwei Röcke hast, jo nimm Dem seinen, der einen hat. Unser Gott preist Den jelig, der sich des Dürftigen annimmt, ihr Gott Den, der einen Andern zum Bettler macht. Unser Gott warnt, daß , eure Herzen nicht beschwert werden mit Sorgen der Nahrung und komme diejer Tag schnell über euch“, ihr Gott, ,daß eure Zehrsäcke nicht beschwert werden mit Sorgen der Nahrung und komme die Armuth wie ein Bilger über euch. Unser Gott betheuert: Niemand kann Gott dienen und dem Mammon; ihr Gott: Niemand kann Gott dienen ohne Mammon. Ihre Ordensregel schreibt ihnen vor, einsame Orte zu bewohnen; so kommt es, daß sie jeden Ort, an den sie gerufen werden, in kurzem menschenleer machen. Auf welche Weise sie Besigungen erlangen, das macht ihnen wenig Sorge; sie sorgen nur darum, daß sie dieselben behalten. Weil sie keine Pfarrkirchen übernehmen dürfen, so lassen sie die Dörfer und die Kirchen eingehen, vertreiben die Pfarrgeistlichen, verstören die Altäre, und scheuen sich nidit, den Pflug darüber zu ziehen und zu besäen; sie sorgen dafür, daß die Einwohner nie wiederkehren können. Wenn der schlimmste Räuber ein Dorf in Brand steckt, jo bleiben den Einwohnern doch wenigstens die Felder; wenn dieser Orden ein Dorf überfällt, so läßt er nichts übrig. Sonst werden doch aus bestimmten Gründen nur einzelne ausgewiesen; diese vertreiben alle, selbst

Kranke und Greise. Guter Gott“, ruft Walter Mapes aus, „, wie können das Deine Kinder sein, die solches an Deinen Töchtern und den Kindern des Lichtsthun!"

,,Die Cistercienser“, fährt er weiter fort, ,, vertheidigen das Anjehen der römischen Curie, und jie lassen es sich dort was fosten, um Privil egien für ihre Habsucht zu erlangen. Ich bin jung gewesen und bin alt geworden und habe nie den Armen ein päpstliches Privilegium erlangen, noch seinen Samen eine Bevorzugung gegen das allgemeine Recht erhalten jehen. Denn in Rom gilt der Saz: Bringst Du, Bester, nichts mit, scheere zur Thür Dich hinaus! Den Papst nennen sie den Herrn über alle Kirchen und behaupten, er könne zerstören und bauen; durch seine Autorität seien sie recytmäßige Be sißer des Raubes: sieh diese ratio, wenn anders ratio drin ist!

„Wenn Jemand in ihre Klöster kommt, der große Macht besigt, oder den sie einzufangen hoffen, so nehmen sie ihn mit allem Glanz und aller Zuvorkommenheit auf; ihr Herz ist jo erbarmungsvoll, jo einfältig, daß man meinen sollte, man hätte Engel, nicht Menschen vor sich. Wenn aber Jemand von gewöhnlichen Menschenfindern ihnen zugelaufen kommt, den sie zur Classe der Aegypter rechnen, und der blos um Gotteswillen aufgenommen sein will, so haben sie nichts anderes als schöne Worte. Und wenn gar einer nach der Vesper kommt, wo er der Ruhe und Stärkung besonders bedarf, dem öffnet sich das Hospiz ganz gewiß nicht mehr. Sie reden von ihrer dürftigen Kleidung, die für die Kälte nicht genüge, von der Speije, sie den Hunger nicht stille, von der erdrückenden Arbeit, und damit wollen sie beweisen, daß sie nicht habgierig sind. Aber Wucherer und Geizige können über dasselbe klagen."*)

Wir dürfen bei diesen beißenden Schilderungen nicht außer Acht lassen, daß Walter Mapes ein erklärter Feind der Cistercienser war. Mit großem Wohlbehagen deckt er ihre Schwäcven auf, und was er an Einzelgebrechen entdeckte, verallgemeinerte er. Mit Recht wurde er schon von seinem Gegner Bothewald darauf hingewiesen, daß man die Sünden Einzelner nicht dem Ganzen zur Last legen dürfte. Indeß so einseitig er auch ist, er deckt Gebrechen auf, die wirklich im Orden eristirten. So ist der Verkehr mit dem päpstlichen Hofe ganz gewiß richtig gejšildert. Ebenso ist es völlig richtig, daß die Cistercienser bei ihren Anlagen vielfach ganze Dörfer verschwinden ließen, wie wir in der folgenden Beriode sehen werden, nur nicht in ganz so gewaltsamer Weise, wie Mapes uns glauben machen will. Freilich auch in Norddeutschland schreckte man vor betrügerischer Fälschung von Urkunden nicht zurück. Grade unter Innocenz und Honorius ist das Kloster Leubus eine wahre Werkstätte von Urkundenfälschungen. Unter den 21 Urkunden, welche Leubus nach den ersten fünfzig Jahren seines Bestehend aufwies, sind nicht weniger als elf gefälscht! Zu dem echten Stiftungsbriefe fügten sie noch drei unechte hinzu, jeden mit besonderen Rechten, wie sie das echte Original nicht kannte. Wurde ein Redyt, eine Besigung angefochten, oder befürchtete man eine jolche Anfechtung, oder wollte man sich ein neues Recht verjd;affen, jofort hatte die Klosterkanzlei eine Urkunde mit Zeugen und Siegel, welche untrüglich bewies, daß das Kloster sich in jeinem besten Rechte befand. Mit raffinirter Schlauheit verfuhr man hiebei. Der Name des frühern Bischofs Conrad von Halberstadt, dessen Zuverlässigkeit über allen Zweifel erhaben war, mußte dazu dienen, um einem unechten Diplom den Stempel der Echtheit zu verleihen. Eine andere Urkunde, die man auf den Namen des Herzogs Heinrich I., des jo freigebigen Gönners der Cistercienser, ausstellte, konnte man unmöglich in dieser gefälschten Gestalt bei seinen Lebzeiten präjentiren. Aber man wußte sich zu helfen. Wenn die päpstliche Curie ihren Inhalt bestätigte, so hatte man eine formgerechte echte Urkunde. In der Zeit, wo man die große Kirchenversammlung in Rom vorbereitete, wo die Beschaffung des Geldes für den Kreuzzug an erster Stelle stand und wo für eine anständige Summe viel zu haben war, präsentirte man das Document, und Rom bestätigte es. Nicht lange

*) Gualterii Mapes, De nugis curialium distinctiones quinque (ed. Wright, London 1850), p. 38–57.

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