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in bejcheidenem Maße. Habe keiner ein größeres Gefolge als vier Pferde und sechs Personen, und zeigt so durch die That, daß ihr die Wundenmale Christi im Herzen tragt.“ Das ihnen mitgegebene allgemeine Anschreiben an die Christenheit enthielt die näheren Bestimmungen, worauf sie ihr Augenmerk zu richten hatten. Aimonatlich soll eine allgemeine Proceision stattfinden, wo möglich von Männern und Frauen gesondert, dabei Gott um Befreiung des Heiligen Landes angerufen und eine Predigt gehalten werden. Auch sollte die Einsammlung einer Collecte für das heilige Land damit verbunden werden, indem in den Kirchen, nach welchen die Processionen sich bewegten, Opferstöcke aufgestellt würden. „Zur Anordnung diejer Sachen haben wir“, schreibt der Bapst an das Volk, ,, den ehemal igen Bischof von Halberstadt und den frühern Abt von Sicħem abgeordnet, Männer von durchaus erprobtem Ansehen und Zuverlässigkeit. Diese werden unter dem Beirath pon geeigneten Männern, die sie zuziehen, bestimmen, was dann weiter geschehen soll. An diese also haltet euch und seht sie als Botschafter an Christi Statt an.“ Wir finden die beiden Mönche aus Sittichenbach von 1214 bis 1217 predigend, und von der Ostsee an bis in die Thüringer Lande hinein finden sich Spuren, daß ihr Wort Eindruck gemacht hat.

Als 1224 von Neuem ein Kreuzzug unternommen werden sollte, forderte Papst Honorius den Bischof Conrad wiederum auf, das Areuz zu predigen. Allein Conrad war damals schon hodbejahrt und starb bald. Dafür wurde aber ein anderer Cistercienser, der Cardinallegat Conrad von St. Rufin, nach Deutschland geschickt, um für den Kreuzzug zu wirken. Zugleich jollte er die Sitten der Geistlichkeit reformiren. In Köln versammelte er die Fürsten, um ihnen die Pflicht der Eroberung des Heiligen Landes ans Herz zu legen; nach Mainz berief er 1225 die Bischöfe und Prälaten, um mit ihnen über die Besserung kirchlicher Schäden zu verhandeln. Mit dem größten Ernst wurden alle sittlichen Schäden ins Auge gefaßt und strenge Beschlüsse gegen die ungehorsamen Geistlichen gefaßt. Gegen den Mörder des Erzbischofs Engelbert wird feierlich der Bann ausgesprochen *). Andre Beweise seiner unbeugjamen Rechtlichkeit und seines Eifers, das Beste der Kirche zu fördern, fehlten nicht. Als er darum im August 1125 die Gegenden an der Elbe und Saale bereiste, da ging ihm der für Geistliche mit schlechtein Gewissen schreckliche Ruf voraus, er sei ein gerechtigkeitsliebender Mann, und — bei päpstlichen Legaten unerhört – er weise sogar alle Geschenke zurück. Aber freilich dieser Cardinal war auch ein Deutscher, ein geborner Graf von Urach, und ein Cistercienser. Im Kloster Villars hatte er das Ordensgelübde abgelegt, war dort bald Prior und dann Abt geworden. Nachdem er die Abtswürde in Clairvaur und Citeaur bekleidet hatte, wurde er von Honorius III. zum Cardinal ernannt. **) Natürlich mußte ein so bedeutender Mann dem Orden neuen Ruhm und neuen Einfluß geben. Unter seinem und der Cistercienser Betrieb kam besonders die Heiligsprechung des ermordeten Erzbischofs Engelbert zu Stande.

Die Cistercienser hielten ihn daher hoch in Ehren. 1219 hatte er das Verlangen an das Generalcapitel gestellt, daß man nach der Prim den Gesang des Salve regina im Convent einführe. Man willfahrtete ihm gerne. Bei eben diesem Generalcapitel wurde ein französischer Cistercienserabt streng bestraft, weil er dem Cardinal verweigert hatte, einen Möncy ihm zur Begleitung zu geben, und sich unebrerbietig gegen ihn geäußert hatte. Es wurde ihm aufgeben, dem Cardinal fußfällig Abbitte zu thun. ***) fa 1221 beschließt man ein Paternoster und ein Ave Maria für den Papst und für den dominus Portuensis. †) 1221 war der Antrag gestellt worden, daß die Abtei von Pantemont dem Orden incorporirt werde. Nun war zwar auf dem vorigen Generalcapitel besdylossen, fernerhin fein Frauenkloster aufzunehmen, aber da der Cardinal Conrad dies befürwortet hatte, so beseitigte das alle Bedenken. †1) Als sich Conrad 1226 beklagt, daß der Abt von Fossa nova den Bisdof von Tusculum unfreundlich behandelt, wird der Abt jofort abgejekt und man bemüht sich auf alle Weije, den Cardinal zufrieden zu stellen. *)

*) Manrique, Ann. Cist. IV, 283 sqq. **) Chron. montis Ser. ad 1225. Caesarius, Dial. III, 33. ***) Martène et Durand, Thesaurus nov: anecd. IV, 1324. †) Ibid., p. 1330. tt) Ibid., p. 1332.

Im nordöstlichen Deutschland verweilte Conrad in den Jahren 1224 und' 1225. Er zog von Bischofsjit zu Bischofssig, von Kloster zu Kloster, und reformirte, wo zu reformiren war. Ein Cisterciensermönch Namens Gottfried begleitete ihn. Besonders war eine Visitation des Klosters auf dem Petersberge bei Halle nöthig. Und diese hielt der Cisterciensermönch Gottfried ab, „, weil bei den Cisterciensern das Visitiren eine befannte Sache ist“ **). Mehrfad; sind Beweise vorhanden, wie Conrad für die Cistercienserklöster sorgte. Am 27. Angust 1224 bewilligt er von Halberstadt aus, und am 19. Oktober von Goslar aus dem Kloster Walkenried päpstliche Vergünstigungen ***). Am 10. September 1225 sorgt er von Magdeburg aus für Beilegung eines Streites des Klosters Marienthal mit Bauern benachbarter Orte. †) Von Mantua aus gestattet er am 7. Juni 1226 dem Kloster Pforte, daß es auf der frühern Deutschordensstiftung Borsendorf nur einen Priester und einen Gehülfen zu halten brauche. it)

Ohne Zweifel hat er auch mit dem Bischof Conrad in Sittidienbach verkehrt, der ja damals den Auftrag hatte, das Kreuz zu predigen, wenngleich bestimmte Nachrichten darüber nicht auf uns gekommen sind.

Alle diese Personen und Aufträge waren redende Beweise für das Anjehen und den weit reichenden Einfluß des Ordens. Im Volle merkte man jehr bald, weld große Achtung die Cistercienser beim Papste genossen, und man suchte ihre Vermittelung für Verhandlungen mit der päpstlichen Curie. So kam es bald dahin, daß die Mönche in Rom mit ganzen Stößen von schriftlichen Gesuchen weltlicher Leute ankamen. Innocenz sieht sich genöthigt, 1203 beim Generalcapitel Klage über diese Unsitte zu führen, und dies bestimmte: kein Mönch oder Laienbruder soll in Zukunft solche Sachen für andere mitnehmen, außer mit Genehmigung zweier von den fünf Hauptäbten. Im Uebertretungsfalle ward mit Strafversetzung in ein anderes Kloster gedroht. In dieser Zeit regen Verkehrs mit Kom war es wohl, daß das Hospiz auf dem St. Gotthard entstand. Durch das Thal der Reuß und über den St. Gotthard führte eine der Hauptheerstraßen von Deutschland nach Italien. Wenn nun die Cistercienser nach Rom zogen, so hatten sie bei den zahlreichen Ordenisklöstern und ihren Ackerhöfen überall natürliche Ordensstationen. Nur die Alpenkette trennte in weitem Zwischenraum die Besigungen der grauen Mönche in Italien von denen in Deutschland. Aber es fehlte in dieser Gebirgsregion nicht blos an einem Ordenshause, sondern überhaupt an wirthlichen Ansiedelungen. Was lag da näher, als daß die Mönche, welche die unwirthlichen

*) Martène et Durand, Thesaurus nov. anecd. IV, 1345. **) Chron. montis ser. ad 1225. ***) Walfenr. Urt.-Bud I, 103. †) Marienthaler Urkunden im Archiv zu Wolfenbüttel. #t) Wolj, Chronik von Pforte II, 5.

Sümpfe und Wälder wohnbar machten, auch auf dem St. Gott· hard ein Asyl bauten? Kein Theil des Ordens fühlte das

Bedürfniß mehr als der norddeutide. Hier, wo die Entwickelung die großartigste war, hatte man am häufigsten Veranlassung, die päpstliche Curie aufzusuchen. Und so übertrug man die Gründung nicht einem süddeutschen oder italienischen Kloster, sondern der Abtei Georgenthal in Thüringen. *)

Wenn Innocenz sich darüber beschwerte, daß die Cistercienser so viele Sawen Weltlicher vor ihn brächten, so hat er auf der andern Seite das Möglichste geleistet, sie mit Beilegung von Rechtsstreitigkeiten zu behelligen. Es ist in jener Zeit fast keine wichtige Sace, bei welcher nicht Cistercienser kraft päpstlichen Auftrags mit betheiligt sind. Ist ihnen die Sadie nicht ausschließlich übergeben, so erscheint gewiß neben cinem Bischof oder Domherrn auch ein Abt des Cisterciensers

*) Martène et Durand, Nov. thes. anecd. IV, 1396.

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ordens. In der Ehesache des Herzogs von Böhmen und seiner verstoßenen Gemahlin finden wir zwischen 1199 und 1210 neben dem Erzbischof von Magdeburg und dem Bijchof von Havelberg die Aebte von Altcelle, Pforte und Sichem, sowie den Prior von Altcelle betheiligt. Im Jahre 1200 werden die Aebte von Sichem und Georgenthal mit der Einführung Alberts von Kevernburg in die Dompropstei zu Magdeburg beauftragt. *) Abt und Prior zu Altcelle jollen neben dem Erzbischof von Magdeburg 1201 dem Bischof von Meißen zu jeinem Zehnten verhelfen und einige Herren, welche das Bisthum Meißen beunruhigen, zur Ordnung bringen. **) In eben dem Jahre soll der Abt von Marienthal mit dem Dompropst und Domdechanten einen Streit zwischen dem Servatiusstift und dem Wipertikloster in Quedlinburg schlichten. ***) Von den nächsten Jahren fehlen uns die Briefe des Papstes Innocenz, und daher fehlt uns die Kunde von den päpstlichen Aufträgen. 1208 sind unter andern Brälaten die Lebte von Sichem und Michaelstein zu Schiedsrichtern in der Streitsache des Bisthums Hildesheim mit Gandersheim ernannt. †) 1210 und 1211 finden wir die Aebte von Walkenried, Pforte, Celle und Michaelstein mit Halberstädter und Quedlinburger Sachen bejdäftigt. † 1210 soll der Abt von Sichem mit dem Decan von Halberstadt die in der Mark beabsichtigte Stiftung einer Collegiatkirche untersuchen. 1211 und 1212 müssen sich die Aebte von Sichem und Michaelstein mit einer Präbendenjacbe in Magdeburg befassen. 111) Die päpstlichen Commissorien wurden in dieser Zeit auch dem Orden zu viel. Das Generalcapitel erklärte es für eine Belästigung des Ordens, und beidhloß 1211, den Papst zu bitten, wenigstens die Prioren, Supprioren und Kellner damit zu verschonen. 8)

*) Baluze, Epp. Innocentii III. **) Gersdorf, Cod. Saxoniae I, 67. ***) Prov.-Archiv zu Magdeburg. †) leudfeld, Gandersh., S. 82. ++) Prov.-Ardiv zu Magdeburg. #t) Epp. Inn. bei Baluze II, 419. 607. 5) Martène et Durand l. 1. 1310.

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