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Vermischung und die Verwandtschaft des Fleckfiebers mit der Drüsenpest hinterlassen haben.

2. TTO u SS e = galant in Frankreich. 1528 und die folgenden Jahre.

So schmerzlich die Franzosen den Verlust eines so unersetzlichen Kriegsheeres empfanden, so waren ihnen doch noch viel grössere Leiden in ihrem Vaterlande beschieden. Die finstere Macht, welche ganz Europa bedrohete, achtete keiner Entfernungen, keiner Gränzen; sie ergriff auch das französische Volk in seinem innersten Leben, während seine kriegerische Jugend vor Neapel verschmachtete. Die Kälte des Frühjahrs und die Nässe des Sommers von 1528 verdarben die Saaten *), und so brach über ganz Frankreich eine Hungersnoth herein, durch ihre Dauer wohl noch empfindlicher, als die Zeiten des Mangels unter Ludwig XI. *). Denn der Misswachs wiederholte sich fünf Jahre hindurch, während welcher keine Ordnung der Jahreszeiten mehr zu bestehen schien. Eine feuchte Sommerwärme herrschte im Herbst und Winter, nur dann und wann kam ein eintägiger Frost zu Stande; die Sommer dagegen waren trübe, feucht und unfreundlich: Man unterschied die Monate fast nur noch an der Tageslänge. Wie das Leben der Pflanzenwelt dadurch gestört wurde, ist aus einzelnen Nachrichten noch ganz deutlich zu erkennen. Kaum hatten die Fruchtbäume im Herbst ihre Blätter fallen lassen, so begannen sie wieder von neuem auszuschlagen und vergebliche Blüthen zu treiben, kein Segen belohnte die Mühe, und die ersehnte Erntezeit täuschte immer wieder und wieder die Hoffnungen des Volkes.

1) Schwelin, S. 143. – 2) S. oben S. 13.

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Hungersnoth. 1528.

Neue Krankheit.

So wurde nun schon im ersten dieser Unglücksjahre
das Elend allgemein, und der Verarmung war durch
menschliche Hülfe nicht mehr zu steuern. Schaaren
von Bettlern durchirrten das Land in kläglichem Auf-
zuge, die bürgerliche Ordnung löste sich mehr und
mehr auf, und bald fürchtete man nicht bloss Raub
und Plünderung von diesen Unglücklichen, sondern
die Ansteckung von einer Seuche, die sie, eine Aus-
geburt ihrer Noth, mit sich umhertrugen.
Diese Krankheit war ein neues Erzeugniss des
französischen Bodens, und wurde bei allgemeiner Ver-
breitung dadurch für das Land empfindlich, dass sie
vorzugsweise die jungen rüstigen Männer wegraffte,
weshalb man ihr den ganz sinnigen Namen „Trousse-
galant“ beilegte *). Sie bestand in einem sehr hitzi-
gen Fieber, das die Befallenen in ganz kurzer Zeit,
selbst innerhalb weniger Stunden tödtete, oder kamen
sie mit dem Leben davon, sie der Haare und Nägel
beraubte, und bei fortdauerndem Widerwillen gegen
alle Fleischnahrung, langdauernde Schwäche und Folge-
krankheiten zurückliess, welche die Genesung der ohne-

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Fieber mit grosser Entmischung der Säfte und tiefem Erkranken der Unterleibsverrichtungen verbunden, also faulig-gastrischer Natur gewesen sei, ergiebt sich schon hieraus, wollen wir auch weniger die unausbleiblichen Wirkungen des Hungers in Anschlag bringen, die nach den Erinnerungen der Zeitgenossen mit grellen Farben geschildert werden. Schon im ersten Jahre waren die Vorräthe so weit aufgezehrt, dass man aus Eicheln Brot bereitete, und allerlei unschädliche Wur

1) Trousser in veralteter Bedeutung: faire mourir promptement.

zeln, nur um den Hunger zu stillen, begierig aufsuchte.
Obdachlos und Leichen ähnlicher als lebenden Men-
schen irrten die Elenden umher, um endlich, verlas-
sen von menschlichem Mitleid, auf Düngerhaufen oder
in Ställen zu verschmachten. Grössere Städte ver-
schlossen ihnen die Thore – wie hätten auch ihre
Anstalten christlicher Milde in dieser furchtbaren Noth
ausreichen mögen! Nur Wenigen wurde es zu Theil,
von den sanften Händen der barmherzigen Schwestern
gepflegt zu werden. Bei den Meisten verrieth das
schmutziggelbe gedunsene Gesicht und die wassersüch-
tige Geschwulst der Glieder den siechen Zustand, in
dem sie sich umherschleppten. Man floh diese ver-
pesteten Gestalten, denn sie waren von dem Gifte der
tödtlichen Krankheit durchdrungen, und ohne Zweifel
machte man tausendfältig die Bemerkung, dass sie die-
selbe auf Gesunde übertragen konnten, ohne selbst
davon ergriffen zu sein, wie denn zuweilen Mangel
und Siechthum einen traurigen Schutz gegen Krank-
heiten dieser Art gewähren *).
Zu einem vollständigen Bilde der Trousse-galant
von 1528 fehlen die genaueren Angaben, denn die
Aerzte gingen an dieser Volkskrankheit gleichgültig
und mit derselben Kälte vorüber, deren sie leider
auch bei anderen grossen Erscheinungen anzuklagen
sind. Doch kehrte sie noch einmal in den Jahren
1545 und 46 in Savoyen und einem grossen Theile
von Frankreich wieder, und aus dieser Zeit besitzen
wir von Paré *) und Sander, einem niederländi-

1) Mezeray, T. II. p. 965, wo die Hauptangaben. 2) Er spricht von der Stadt Puy in der Auvergne, wo er die Krankheit wahrscheinlich selbst gesehen hat. Livr. XXII. chap. 5. p. 823.

Trousse-galant, 1545. 46.

schen Arzte"), wenn auch immer noch mangelhafte, doch schon genügendere Beschreibungen ihrer Zufälle. Ihr Verlauf war auch damals sehr rasch, so dass sie in zwei bis drei Tagen tödtete; sie befiel wiederum mehr die Starken als die Schwachen, als wollte sie ihren alten Namen rechtfertigen, auch blieben die Genesenen lange Zeit an dem Verlust der Haare und ihrem elenden Aussehen kenntlich. Zu Anfang fühlten die Kranken eine unerträgliche Schwere im Körper, mit äusserst heftigem Kopfschmerz, der sie bald des Bewusstseins beraubte, und in gänzliche Stumpfheit überging, so dass selbst die Schliessmuskeln ihre Dienste versagten, oder nach anhaltender Schlaflosigkeit eine so heftige Fieberwuth zur Folge hatte, dass man zu Zwangsmitteln greifen musste, wie denn diese entgegengesetzten Zustände bei allen typhösen Fiebern gewöhnlich sind. Sander erwähnt ausdrücklich, dass sich bei den meisten Kranken Ausschläge gezeigt hätten, ohne diese jedoch näher zu beschreiben, oder den Verlauf und die Entscheidung der Krankheit näher zu bezeichnen, als dass sie gegen den vierten oder elften Tag zu Ende gegangen sei. Eben jene Ausschläge (wahrscheinlich Petechien und vielleicht auch rother Friesel) kamen zu ganz unbestimmter Zeit, entweder zu Anfang, mit schlimmer Vorbedeutung, oder später mit den Zeichen guter Entscheidung. Spulwürmer in grosser Menge vermehrten gewöhnlich die Leiden der Kranken, und wurden unter grosser Qual lebendig ausgebrochen. Die Krankheit war nicht viel weniger ansteckend, als die Pest, und was ihre Behandlung betrifft, so wurde sie entschieden glücklich

1) Forest. L. VI. obs. 7. p. 156. Sander berichtet von seinen zahlreichen Beobachtungen in und um Chamberay.

mit starken Aderlässen, selbst bis zur Ohnmacht bekämpft, woraus auf Vollblütigkeit und entzündliche Wallungen, vielleicht auch wohl Hirnentzündung zu schliessen ist, wenn wir die beschriebenen Kopfzufälle

berücksichtigen *). Es darf unserer Aufmerksamkeit

nicht entgehen, dass schon während der Seuche von 1546 die Drüsenpest sich hier und da, namentlich in

den Niederlanden zeigte *), im folgenden Jahre aber

in Frankreich in grösserer Ausbreitung vorkam *), woraus hervorzugehen scheint, dass in Bezug auf dieses Uebel ihre Bedeutung gleich der des Fleckfiebers gewesen sein mag, da dieses den Pesterkrankungen vorauszugehen pflegt *).

Die Angabe der Geschichtschreiber, Frankreich habe 1528 und die folgenden Jahre den vierten Theil seiner Bewohner durch Hunger und Seuchen verloren, erscheint nach unserer Darstellung durchaus nicht zu hoch. Auch waren die Folgen für die Zukunft dieses Landes sehr wichtig. Denn Franz I. sah ein, dass von seinem so hart geprüften Volke keine neuen Opfer zu verlangen waren, er entsagte seinen Entwürfen von Grösse und auswärtiger Macht, und willigte in den unglücklichen Frieden von Cambray, den 5. August 1529.

1) Sauvages, T. I. p. 487. nennt die Trousse-galant geradehin Cephalitis verminosa, wiewohl weder Hirnentzündung noch Würmer bei allen Kranken vorhanden waren, und giebt ihre Beschreibung nach Sander, die wieder Ozanam von ihm abgeschrieben hat. T. III. p. 27.

2) Forest. p. 157. Schol.
3) Paré, a. a. O.

4) Bekanntlich erscheinen auch die Pocken und Masern als Vorläufer der Pest.

Menschenverlust.

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