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in den meisten Krankheiten, man bringe den noch seltenen Gebrauch der Seife und die grosse Kostbarkeit der Leinwand in Anschlag, so wie nicht minder die grosse Dürftigkeit der niederen Volksklasse, welche die Seuchen fast immer ausbrütet, die äusserst schlechte Beschaffenheit und wahrhaft scythische Unreinheit der englischen Wohnungen *), endlich die Ueberfüllung von London im Jahre 1517 – und man wird, so weit menschliche Forschung reicht, das Entstehen der Schweifssucht in eben diesem Jahre aus längst bewährten Erfahrungen erklärlich finden. Anderes liegt noch im Hintergrunde, davon später.

5. Ansteckung.

Für jetzt erfordert das rasche Fortschreiten des Schweissfiebers über ganz England bis an die schottische Gränze, und hinüber bis nach Calais noch eine besondere Berücksichtigung. Die meisten Fieber, welche durch allgemeine Einflüsse hervorgebracht werden, vorübergehende (epidemische) wie bleibende, dem Lande eigenthümliche (endemische), oder einen Verein von beiden, wie solcher fast immer stattfindet, und hier offenbar vorhanden war, pflanzen sich eine Zeit lang durch sich selbst fort. Die Ausströmungen

exsuperantia consiste bat, quam frequens alimentorum
multum nutrientium et piperatorum usus collegerat.“
Rondelet, a. a. O.
1) „Die Fussböden der Häuser bestehen gewöhnlich nur aus
Lehm, und werden mit Binsen bestreut, die, immer wieder fri-
sche darüber, zuweilen wohl an zwanzig Jahre liegen bleiben,
Fischgräten, Ausgebrochenes und andern Unrath darunter, und
durchdrungen von Hunde- und Menschenharn.“ Erasm. Epist.
L. XXII. ep. 12. col. 1140. – Diese wahrscheinlich übertriebene
Beschreibung gilt wohl nur von den ärmlichsten Hütten, ist aber
gewiss nicht erdichtet und wird von Kaye nicht widerlegt.

Unreinlichkeit.

der Kranken enthalten den Keim der gleichartigen Zersetzung in den Körpern, die sie in sich aufnehmen, sie bewirken in diesen einen gleichartigen Angriff auf das innere Getriebe der Verrichtungen, und so entwickelt eine blosse krankhafte Erscheinung des Lebens, in sich selbst die Grundeigenschaft alles Lebens, auf geeignetem Boden sich fortzupflanzen. Darüber ist kein Zweifel, man hat die Erscheinungen, welche dafür sprechen, seit Menschengedenken in unendlicher Abwechselung der Verhältnisse, jedoch immer mit gleicher Offenbarung des Grundgesetzes beobachtet. Auch haben alle Völker, und seit den ältesten Zeiten, sinnreiche Bezeichnungen für diese Vorgänge erfunden, die jedoch selten das Allgemeine, sondern gewöhnlich nur die eigenthümliche Fortpflanzung einzelner Krankheiten anschaulich machten. Gewiss ist eine der besten und sinnreichsten die in dem deutschen Worte „Ansteckung“ gegebene, das die Erweckung einer Krankheit in dem geeigneten Körper mit der Entflammung des Brennstoffes durch angelegtes Feuer, mit der Entzündung des Pulvers durch einen Funken vergleicht. Aber wie verschieden sind nicht diese Ansteckungen, von der rein geistigen, die durch den blossen Anblick eines unheimlichen Nervenübels, durch einen sinnlichen Reiz, der den Geist erschüttert, und in die Nerven, die Wege seines Willens und seiner Gefühle, sich eindrängt, dieselbe Krankheit in dem Sehenden erregt, bis zu der Mittheilung von Krankheiten, die vornehmlich nur in dem Stoffe wuchern, und von thierischen Vergiftungen wenig oder nicht zu unterscheiden sind! Man erwarte hier nicht die vollständigen Grundzüge einer Lehre, die durch das ganze, unabsehbare Gebiet des Lebens wurzelt; sie treten deutlich aus der gediegenen und wohlbenutzten Erfahrung der Vorzeit hervor, und sind von Männern entworfen worden *), welche noch nicht wie ihre späten Nachkommen verlernt hatten, die Volkskrankheiten auf eine grossartige Weise aufzufassen. Nur an den Unterschied der bleibenden, Jahrhunderte hindurch unveränderlichen, und der zeitlichen und vergänglichen anstecken den Krankheiten mag es erlaubt sein zu erinnern. Die Ansteckungsstoffe jener können füglich die vollkommenen oder unwandelbaren, im Gegensatze der unvollkommenen oder wandelbaren von diesen genannt werden. Jene sind, einmal gebildet, entweder in einzelnen Kranken, oder in todten Körpern (fomites) immer vorhanden, und werden durch ihnen günstige Ursachen allgemeiner Erkrankung (epidemische Constitution) nur in ihrer Wirksamkeit gesteigert, wobei zu bemerken, dass sie unter allen Verhältnissen immer dieselben, unveränderlichen Krankheiten erregen, und einzelne Abzweigungen oder Entartungen und Milderungen abgerechnet, ihr eigentliches Wesen nie verlieren. Beispiele sind die Pocken, die Pest, die Masern, und wenn hier auch von fieberlosen Krankheiten die Rede sein kann, der Aussatz, die Krätze und die Lustseuche. Diese dagegen sind nicht immer vorhanden, sondern sie werden von den Ursachen des allgemeinen Erkrankens, den epidemischen Constitutionen, erst aus dem Nichts hervorgerufen, sie verschwinden wieder nach dem Erlöschen der Volkskrankheiten, von denen sie ausgebrütet worden sind, und diese selbst sind in den einzelnen Volkserkrankungen in Entwickelung und Verlauf sehr verschieden. Beispiele

1) Fracastoro, Fernel, Valleriola, Houlier und die meisten übrigen gelehrten Aerzte des sechzehnten Jahrhunderts.

sind das gelbe Fieber, der Schnupfen, die Nervenund Faulfieber, und unter vielen anderen auch der Friesel, eine Krankheit, die sich erst im siebzehnten Jahrhundert zu Volksseuchen ausbildete, und in der Art und Weise ihrer Ansteckungskraft dem Schweissfieber am nächsten steht. Zu eben diesen letzten gehört nun auch der englische Schweifs, eine durchaus nur zeitliche Krankheit, die nach ihrem Aufhören keinen Ansteckungsstoff zurückliess, und mithin unfähig war, sich auf die Weise der Krankheiten mit vollkommener Ansteckung fortzupflanzen. Die thierischen Stoffe, welche in dem strömenden Schweisse mit fortgerissen, einen so abschreckenden Geruch um die Kranken verbreiteten, unter ihnen wahrscheinlich flüchtiges Laugensalz in verschiedenartiger Verbindung, und Säure in reichlichem Ueberschuss, enthielten das Ferment der Krankheit, das mit dem Athem in die Lungen der Umstehenden eindrang, und waren diese nur irgend so vorbereitet, wie oben angedeutet worden, dasselbe Uebel unaufhaltsam hervorbrachte. Man kann mit Sicherheit annehmen, dass die Berührung der Kranken mit den Händen an und für sich die Ansteckung nicht vermittelte, und dass diese allein entweder durch die verpestete Luft an Krankenbetten, oder durch zurückgehaltene Ausdünstung an unreinen Orten erfolgte, weshalb der Aufenthalt in den gewöhnlichen Herbergen und Gasthäusern für gefährlich gehalten wurde *). Damit soll jedoch nicht behauptet werden, dass

1) – „quod vulgaria divers oria parum tuta sunt a contagios celeratae pestis, quae nuper ab Anglis – in nostras regiones demigravit.“ Es ist von dem englischen Schweiss in Deutschland (1529) die Rede. Erasm. Epist. L. XXVII. ep. 16. col. 1519. e.

während der drei Volkserkrankungen, welche wir bis jetzt kennen gelernt haben, die Verbreitung des Schweissfiebers allein durch Ansteckung erfolgte, denn waren die allgemeinen epidemischen Ursachen mächtig genug, ohne irgend ein vorhandenes Gift die Krankheit zu erregen, wie hätten sie nicht auch im Verlaufe der Seuchen dieselbe Wirkung noch viel selbstständiger hervorbringen mögen, da sie sich höchst wahrscheinlich, wie dies in allen Volkskrankheiten beobachtet wird, fort und fort steigerten? Man kannte in dieser Zeit die Verschlimmerung der Seuche durch grosse Volksversammlungen, und kam dabei ganz natürlich auf den Gedanken von Ansteckung. Doch muss hierbei wohl erwogen werden, dass auch ohne diese, und bloss durch das Zusammensein vieler Menschen, in denen das gleiche Uebel vorbereitet war, und schon Andeutungen seines Herannahens gab, dieses unter den bloss Kränklichen durch gegenseitige Mittheilung schon krankhafter Ausströmungen leicht zu Stande kommen konnte. Denn wie die Geneigtheit zu irgend einem Uebelsein, ein Mittelzustand zwischen diesem und dem frühern Wohlbefinden *), die Eigenschaften der Krankheit schon ganz deutlich offenbart, in die sie überzugehen droht, – so unterschieden sich eben diese Ausströmungen von den in der schon ausgebrochenen Schweisssucht erfolgenden gewiss nur in unwesentlichen Rücksichten, und konnten mithin die blosse Geneigtheit zum Schweissfieber mehr und mehr steigern, bis zum Ausbruch der Krankheit selbst. Doch wirkte zugleich auch eine Anstekkung, welche selbst Mässigen und anscheinend Gesunden, ja sogar den in englischer Luft und von engli

1) Brown's Opportunität.

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