Abbildungen der Seite
PDF

1750. 1752. 1754.

1756.

1757.

1758.

1759.

1760. 1763.

Beauvais. (Oise.)
Fernaise. (Seine u. Oise.)
Valepuiseux. (Seine und
Oise.)

Cusset. (Allier)
Boulogne. (Pas de Ca-
lais.)
Montaigu les Combrailles.
(Puy de Döme.)
Amiens, Umgegend.
(Somme.)

Paris. (Seine.)
Guise. (Aisne)
Caudebec.(Nieder-Seine.)
Alençon. (Orne.)
Vire. (Calvados.)

– 64. Bayeux. (Calvados.)

1765.

1766. 1767.

1768.

1770. 1771. 1772. 1773. 1776. 1777. 1782.

1783. 1791. 1810. 1812.

Balleroy, Basoques. (Cal-
vados.)
Saint-George, Saint-Quen-
tin. (Calvados.)
Campagny. (Calvados.)
Thinchebray, Truttemer.
(Orne)
69. Saint-Quentin.
(Aisne.)
Louviers. (Eure.)
Montargis. (Loiret.)
Hardivilliers, Umgegend.
Hardivilliers. (Oise.)
Laigle. (Orne)
Jouy. (Seine u. Oise)
Castelnaudary. (Aude.)
Boissy Saint-Léger.
(Seine u. Oise.)
Beaumont. (Seine u. Oise.)
Méru. (Oise.)
Nourare, Villotran. (Oise.)
Rosheim, und viele andere

Orte. (Nieder-Rhein.)

1821. La Chapelle St. Pierre, und 60 Orte in der Umgegend. (Oise. Seine und Oise.) Chambéry, Annecy, St. Jean-de-Maurienne. (Savoyen.)

Basel.

Zürich.

Schaffhausen.

Bern.

Genf.

Turin.

Turin.

Vercelli.

Acqui.

Carmagnola.

Vercelli.

Ivrea.

Biella.

Pignerol.

Fossano.

Nizza.

Rivoli.

Fossano.

Asti.

Lanti.

Acqui.

Acqui.

Lanti.

Trino.

Lanti.

Susa.

Crescentino.

Tartana.

Ceva.

Turin.

Sorillano.

Alba.

[ocr errors]

1728.

1733. 1746. 1750.

1715. 1724.

1726. 1728.

1730. 1731. 1732. 1733.

1734.

1735.

1738. 1741. 1742.

[ocr errors]

1742. Cherasco. 1741. Alexandria.
– Fossano. 1747. Modena.
1743. Willafranca. 1755. Novara.
1744. Acqui. 1747. Lodi.
1751. Willafranca. – Mantua.
1753. Susa. – Piacenza.

1741. Valencia.

3. Das Röttinger Schweifsfieber.

Wir kommen jetzt zu einer Erscheinung, die ungeachtet ihrer kurzen Dauer und ihrer engen räumlichen Gränzen zu den denkwürdigsten dieses Jahrhunderts gehört. Sie ist bis jetzt, weil die Nebel stolzer Unwissenheit den Ueberblick über die Gestaltung der Krankheiten in grossen Zeiträumen hinderten, in ihrer wahren Bedeutung noch nicht erkannt worden, und schon nach einem Menschenalter bis auf den Meeresgrund der Vergessenheit versunken, von dem wir sie jetzt an das Tageslicht ziehen wollen.

Auf einen heissen und sehr trockenen Sommer folgte im November 1802 anhaltender Regen. Dicke Nebel überzogen die Landschaften, und umlagerten in Mitteldeutschland die dem Luftzuge unzugänglichen Orte. Unter ihnen auch das von Bergen rings umschlossene fränkische Städtchen Röttingen an der Tauber *). So waren kaum einige Wochen vergangen, als unvermuthet gegen den 25. November dort eine äusserst mörderische Krankheit entstand, ohne Beispiel in der Erinnerung der Einwohner, und den Aerzten des Landes durchaus unbekannt.

Junge, vollkräftige Männer wurden plötzlich von unsäglicher Bangigkeit ergriffen, das Herz

1) Damals von ungefähr 250 Ackerbürgern bewohnt. Sinner, S. 7.

[ocr errors]

wallte und klopfte ihnen laut an die Rippen, und sogleich brach über den ganzen Körper ein strömen der saurer Schweifs vom übelsten Geruche hervor, während sie einen reissenden Schmerz im Nacken empfanden, als wollte hier ein heftiges Flussfieber die sehnigen Gewebe in Anspruch nehmen. Dieser Schmerz verlor sich zuweilen sehr schnell, und zog er sich dann gegen die Brust, so erneute sich das angstvolle Herzklopfen, es folgte krampfhaftes Zittern im ganzen Körper, die Kranken wurden ohnmächtig, und während die Glieder erstarrten, gaben sie ihren Geist auf. Bei den meisten geschah dies alles in vierundzwanzig Stunden, doch unterlagen nicht alle dem ersten Angriffe, sondern nachdem der beschleunigte Puls bis zur äussersten Kleinheit und Schwäche herabgesunken war, und man ein gleiches Verhältniss in den Athemzügen bemerkt hatte, so kehrte bei einigen der reissende Schmerz wieder in die äusseren Theile zurück, sie fühlten dann einen dumpfen Druck und Steifheit im Nacken, Puls und Athem wurden wieder wie bei Gesunden, doch rieselte der Schweiss unablässig die Haut herunter.

Diese Sicherheit war indessen äusserst trüglich, denn unvermuthet entstand wieder neues Herzklopfen mit kleinem Pulse, und nun war oft der Tod unvermeidlich. Auffallend war es, dass die Kranken, wiewohl sie in Schweiss zerflossen, doch nur sehr wenig dursteten, und die Zunge nicht trocken, auch nicht einmal unrein wurde, sondern ihre natürliche Feuchtigkeit behielt. Bei den meisten aber floss weniger Harn, da die Haut unter zunehmender Entkräftung zu viele Flüssigkeit ausströmen liess. Verlief die Krankheit ohne erhitzen des Schweisstreiben, so kam gewöhnlich kein Ausschlag

[merged small][ocr errors]

zum Vorschein. Sie währte dann bis zum sech-
sten Tage, doch entwickelte sie nur am ersten Tage
ihre bösartigen Zufälle, denn schon am zweiten min-
derte sich der Schweiss, und verlor jede übele Be-
schaffenheit, so dass nur noch vermehrte Hautausdün-
stung ohne alle bedenkliche Erscheinungen übrig blieb,
und die Kranken mit dem sechsten vollkommen ge-
13SGI).
Wäre also gleich anfangs ein geschichtskun-
diger Arzt in Röttingen zur Hand gewesen, der das
altenglische Verfahren in der Schweisssucht in An-
wendung gebracht hätte, so würde sich dieses neue

[ocr errors]

zeigt, und gewiss nur wenige Einwohner des friedlichen Städtchens weggerafft haben. So erneuten sich aber die Auftritte von Lübeck und Zwickau, als wären die unzählbaren Schlachtopfer der heissen Behandlung und von Kegeler’s mörderischem Arzneibuch vergebens ins Grab gestiegen – die Kranken wurden wie im sechzehnten Jahrhundert zu Tode geschmort! Denn kaum glaubte man zu erkennen, wo die Natur hinaus wollte, so wurden die Federbetten über die Schwitzenden hoch aufgethürmt, so dass nur Mund und Nase noch unbedeckt blieben; man verschloss Thüren und Fenster, und der Ofen verbreitete glühende Hitze, während ein unerträglicher Schweissgeruch aus den hohen und breiten Himmelbetten hervorströmte. Dazu lagen oft zwei und mehr Kranke in demselben Zimmer, ja unter demselben Federberg zusammengeschichtet, und damit es nicht an innerer Hitze fehlen möchte, so wurden die Theriakbüchsen fleissig geleert, und den Kranken unablässig Hollunderlatwerge eingegeben. So trieb man die unreinen Säfte mit dem Schweisse heraus, und die Kran

ken mochten nun ersticken, oder diese Misshandlung
der Natur wie durch ein Wunder überwinden, genug
man war überzeugt, das Heilsamste ergriffen zu haben,
und als nun erst bunte Ausschläge hervorbrachen, so
war es sicher, das Gift wurde in ihnen abgeschieden.
Die Bürger von Röttingen waren also in denselben
Wahn verfallen, der von ärztlichen Schulen aufrecht
erhalten, die hitzigen Krankheiten, vornehmlich die
exanthematischen, von jeher zur Bösartigkeit gestei-
gert hat.
Die erwähnten Ausschläge waren von verschie-
dener Art: Friesel in allen Formen und Farben, mit
scharfer Flüssigkeit gefüllt, wirklicher Blasenausschlag
(Pemphigus) und selbst Petechien, wobei zu bemer-
ken ist, dass die Kranken in den ersten Tagen des
Schweissfiebers niemals das eigenthümliche Prickeln
über den ganzen Körper empfanden, das dem Friesel-

Ausschläge

ausbruche vorausgeht, sondern nur, und vielleicht nicht

einmal immer, über ein örtliches Jucken an den Stel-
len klagten, wo der Ausschlag hervorbrach. Eben so
wenig wurde eine regelmässige Abschuppung über den
ganzen Körper beobachtet. Es ist also anzunehmen,
dass die Ausschläge nur symptomatisch, und
keinesweges nothwendig mit der Krankheit verbunden
waren, wie in den ausgebildeten Frieselfiebern.
Die Krankheit erregte gleich anfangs die grösste
Bestürzung, und als man sie schon in den ersten Ta-
gen mit der schweisstreibenden Behandlung verschlim-
merte, so häuften sich die Leichen, das unaufhörliche
Läuten der Sterbeglocken erfüllte die Kranken und
Gesunden, wie einst in Shrewsbury, mit Todesangst,
und das bedrängte Städtchen wurde von den Einwoh-
nern benachbarter Ortschaften wie eine Pesthöhle ge-
mieden. An ärztlicher Hülfe fehlte es in den ersten

« ZurückWeiter »