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guinis) sich in den Lungen vermischt, woraus ihm zugleich erklärlich wird, warum viele Menschen zugleich, und zwar an verschiedenen Orten vom Schweissfieber befallen werden konnten, und warum die Theile des Körpers, in denen nach altgriechischer Ansicht die Luftgeister sich entwickelten, von dieser Krankheit vorwaltend ergriffen wurden ! ). Aus der Verwandtschaft der verpesteten Luft mit den durch Völlerei verderbten Luftgeistern im Körper erscheint es ihm auch erklärlich, warum die Ausländer in England, bei denen diese Verderbniss weniger stattfand, nur in ein zelnen Ausnahmen vom Schweissfieber befallen wurden *); anderes Theoretische nicht zu erwähnen. Ueber Luftverderbniss im Allgemeinen standen ihm, wie er denn ein aufmerksamer Naturforscher war, seine Erfahrungen in Italien und die Kenntnisse der Alten zu Gebote, auch ist seine Würdigung der untergeordneten Ursachen im Ganzen beifallswürdig, in welcher Beziehung er mit dem gleichfalls naturkun

digen Agricola denselben Standpunkt einnimmt. Das

unmässige Biertrinken der Engländer wurde von
vielen für den Hauptgrund der Beschränkung des
Schweissfiebers auf dieses Volk gehalten. Darüber
spricht er sich ermüdend weitläufig aus, mit sichtbarer
englischer Vorliebe für dieses Getränk, das offenbar
zu der krankhaften Vollsaftigkeit des Volkes das Sei-
nige beitrug, und eben diese erkennt er selbst als
eine Hauptursache des Schweissfiebers an. Die von
Erasmus und dem deutschen Arzte Hellwetter *)
angeführte Schädlichkeit der Salzfische hätte er wohl
nicht so geradehin verwerfen dürfen *), denn sie ver-
1) P. 17. seq. – 2) P. 49. – 3) P. 31.
4) S. oben S. 136. – 5) P. 43.

Bierlrinken.

ursachen, anhaltend genossen, übelriechende Schweisse, und konnten mithin zur Vorbereitung des Schweissfiebers mitwirken. Aehnliches gilt von den schmutzigen Binsenfussböden in den englischen Häusern *), und anderen untergeordneten Ursachen der Krankheit, von denen im Verlaufe dieser Untersuchung die Rede gewesen ist. Als eifrigem Lobredner der Mässigkeit hätte man ihm mehr Beifall wünschen mögen. Aber die VWorte guter Aerzte verhallen in die Lüfte, wenn es Laster und sinnliche Angewöhnung gilt; man verlangt ein sicheres Schutzmittel, keine Busspredigt. Seine Vorschriften über Speise und Trank sind umständlich, nach Art der Alten, und er empfiehlt so vielerlei, dass wieder die Auswahl Kunst erfordert, während doch nur entschiedene Einfachheit nützen konnte. Reinigungsfeuer, die man in Pestzeiten aller Orten anzündete, werden auch von ihm sehr gerühmt, wobei wir erfahren, dass die Schmiede und Köche vom Schweissfieber freigeblieben wären *). Räucherungen mit wohlriechenden Stoffen aller Art, selbst den kostbarsten indischen Gewürzen, waren in den Häusern der Reichen überall gebräuchlich, und man ging nicht aus ohne irgend eins von den tausend empfohlenen Riechmitteln aus alten Pestzeiten. Die gerühmten Arzneien sind wieder die gewöhnlichen, unter denen auch der Theriak, der armenische Bolus und die Perlen in mannigfacher Verbindung vorkommen, doch sind die meisten Schutzmittel, welche irgend einen Fehler des Körpers beseitigen sollen, nicht allzu stürmisch. Kay e’s Behandlung des Schweissfiebers ist die milde altenglische, sehr zweckmässig und klar auseinandergesetzt. Von dem Einflusse der Schulen wusste er sich hier im Ganzen frei zu halten, und das einzige Heilmittel, das er im Nothfall billigte, war eine unschädliche und sehr beliebte Bereitung aus Perlen und wohlriechenden Stoffen, die man Manus Christi") oder in Deutschland Perlenzucker nannte. Sie stammte noch aus dem funfzehnten Jahrhundert, von Guainerus *), und es gab dazu sehr verschiedene Vorschriften *). Auch gab er wohl zuweilen Bolus oder Siegelerde zu Anfang *), denn wie hätte wohl ein Arzt des sechzehnten Jahrhunderts an der giftwidrigen Wirkung dieser überschätzten Heilmittel zweifeln können? Ungeduld des Kranken, Schwäche, zu dichte Haut und dickes Blut werden von ihm als die Haupthindernisse des kritischen Schweisses aufgeführt, die zu beseitigen er mit grosser und rühmlicher Vorsicht zu Werke geht, nach Umständen selbst warmen Wein und grössere Wärme verordnend. Zuweilen konnte er auch nicht vom Theriak und Mithridat lassen, doch hat er von diesen Mitteln wenigstens keinen ausgedehnten Gebrauch gemacht. Wassersüchtigen und Rheumatischen, die vom englischen Schweiss befallen wurden, verschrieb er einen Trank aus Guajac, auch empfiehlt er als schweisstreibend die in dieser Zeit sehr gebräuchliche Chinawurzel. Brach dann der Schweiss hervor, so untersagte er entschieden, diesen über die Gebühr zu treiben, es wurden sofort alle Arzneien beseitigt, und er verliess sich zur Abwendung der Schlafsucht allein auf den Riechessig und sanftes Rütteln, ohne grössere Qualen wie Damianus für nothwendig zu halten *).

Feuer.

Räucherun-
Zen.

Behandlung der Schweisssucht.

1) P. 44. S. oben S. 51. Anm. 1. – 2) P. 74.

1) P. 94. – 2) Practica, fol. 43. a., 263. a. 3) Fallop. de compos. medic. Cap. 41. p. 208. 4) P. 102. – 5) P. 106. 7.

Als gelehrter Beförderer der Wissenschaften gehört Kaye zu den ehrenwerthesten Männern seines Vaterlandes. Durch ihn wurde unter Maria’s Regierung Goneville Hall zum Rang eines College erhoben, besser begründet und reicher ausgestattet; bis an sein Ende führte er dann die Oberleitung dieser seiner Lieblingsanstalt, und verlebte in ihr sein Alter“), nicht in mönchischer Beschaulichkeit, wie Linacre, sondern den Studien eifrig ergeben, wie die grosse Zahl seiner Schriften zeigt. Man beschuldigt ihn, seinen Glauben nach Umständen gewechselt zu haben. Diese Fügsamkeit erhielt ihn freilich in der Nähe so ganz verschiedenartiger Throne, ist aber nicht das Merkmal von Seelengrösse, und erklärt sich nur zum Theil aus dem Geist der englischen Reformation. Kaye reformirte durch die That, indem er den Unterricht beförderte, und legte vielleicht auf das äussere Bekenntniss keinen Werth. Seine Vielseitigkeit als Gelehrter ist ausserordentlich, und würde aller Bewunderung werth sein, wenn er überall den Vorwurf der Leichtgläubigkeit vermieden, die Nebendinge nicht zu weit ausgesponnen und den Funken des Geistes besser zu erkennen gegeben hätte. Bald übersetzte und - erläuterte er Galenische Schriften, bald schrieb er über Sprachkunde, oder ärztliche Kunst – freilich wohl ohne freie Beweglichkeit seines Geistes, denn Galen und Montanus waren seine Vorbilder *), aber wo waren in dieser Zeit die Aerzte, die nicht

Goneville College. 1557. 58.

1) Zu einem neuen Gebäude schenkte er dieser Anstalt über 1800 Pfund, eine für diese Zeit sehr beträchtliche Summe.

2) De medendi methodo, ex Cl. Galeni, Pergameni, et Joh. Bapt. Montani, Veronensis, principum medicorum, sententia, Libri duo. Basil. 1544. 8. – Er widmete dieses unerhebliche Buch dem Leibarzt Butts; s, Balaeus, sol. 232. b.

Schweisskrankheiten. 1. Herzkrankheit. 185

nach dem Pergament beobachteten? Versuche über Geschichte und englische Alterthumskunde finden sich einige unter seinen Schriften *), und seine Conrad Gesner gewidmeten Arbeiten über Naturkunde *) gehören zu den besten seines Jahrhunderts, weil er in ihnen, frei von den Banden irgend einer Schule, seine Beobachtungen ganz schlicht und unbefangen mittheilt. Er starb zu Cambridge, den 29. Juli 1573, und verordnete sich die Grabschrift: „Fui Caius.“

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1. Die EI erz krankheit der A 1ten.
(Morbus cardiacus.)

So war nun im Herbst 1551 die Schweisssucht von der Erde verschwunden. Sie ist seitdem, wie sie damals und früher auftrat, nie wieder erschienen, und es ist nicht zu glauben, dass sie jemals wieder als grosse Volkskrankheit in derselben Gestalt, und beschränkt auf einen vierundzwanzigstündigen Verlauf erscheinen wird, denn es ist offenbar, die Lebensweise der damaligen Völker hatte einen grossen Antheil an

1) Vergl. sein eigenes Werk „de libris propriis,“ bei Jebb, welches einem ähnlichen Galenischen nachgeahmt ist, und ungefähr denselben Geist athmet.

2) De canibus Britannicis und de rariorum animalium et stirpium historia, bei Jebb.

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