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Zweiter Abschnitt.

Expedition von Quiberon. Seeschlacht am 23sten Juni. Landung der Emigranten bei Carnac. Eroberung des Forts Penthievre. Zusammenziehung der Republikaner bei Vannes. Gefechte mit ihnen. Hoche befeßt das Lager von Ste. Barbe. Abgeschlagne Angriffe auf selbes. Die Republikaner erobern das Fort Penthievre. Niederlage und Capitulation der Emigranten auf der Halbinsel Quiberon. Legte Kämpfe und Unterwerfung der Chouans.

Durch die Beseitigung mehrerer Anführer und den überraschenden Angriff waren die Verhältnisse der Royalisten sehr ungünstig geworden, als der Augenblick erschien, bis zu welchem fie wahrscheinlich den Wiederausbruch der Feindseligkeiten hinauszuschieben gewünscht hatten. Die britische Regierung beschloß das mehrfach gegebene Versprechen von Unterstüßung durch Truppen endlich zu erfüllen, und hatte sich nur noch nicht über den Punkt entschieden, wo sie ausgeschifft werden sollten. Wie wir Charette und seine Krieger kennen, mußte eine Landung an der Küste der Vendée, wovon zuerst die Rede war, große Resultate herbeiführen; indeß Graf Pufaye war in London anwesend, und seiner Gewandheit gelang es bald, den Beschluß herbeizuführen, daß die Expedition nach der Bretagne gesendet werde.

Der Entwurf dazu war großartig, und den Wünschen angemessen, welche früher die Vendéegenerale gegen

die britische Regierung ausgesprochen hatten. Alle Emigrantencorps in deren Solde; von dem Grafen Artois angeführt, und durch eine englische Division unterstüßt, sollten den Kern einer Armee von sechzigtausend Insurgenten bilden, für welche die vollständige Ausrüstung an Waffen, Munitión, Bekleidung und Geschüße eingerichtet ward, und die man in regelmäßige, von ausgewanderten Officieren befehligte Abtheilungen zu formiren gedachte; um desto sicherer" auf den Geist der bigotten Landleute zu wirken, erhielt der Bischof von Dol mit funfzig Priestern die Bestimmung, die Truppen zu begleiten. Allein schon den Beginn der Ausführung bezeichneten Mißgriffe, welche den Erfolg des mit: ungeheurem Aufwande verknüpften Unternehmens zweifelhaft. erscheinën lassen mußten. Die in England, befindlichen Emigrantenregimenter waren so schwach, daß man zu dem bedenklichen Mittel schritt, sie durch Anwerbung von kriegsgefangenen Republikanern zu ergänzen *); 4000 andere Ausgewanderte, welche den vorjährigen Feldzug in den Niederlanden gemacht hatten und an der Expedition Theil nehmen sollten, befanden sich noch im Juni, an der Weser. Als man sie endlich gegen Ende dieses Monats einschiffte, erhielten unbegreiflicherweise, die beiden stärksten Corps

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*) Von den 2662-Mann, welche, Emigrantencorps angehörend, auf der Halbinsel Quiberon lebend in die Gewalt der Republikaner fielen, waren 1632 solche angeworbene Gefangne. Guerres des Vendéens V. 294.9

von ihnen die Bestimmung nach Westindien, so daß nur 1500 Mann verwendbar. blieben..

sa } Lag es vielleicht selbst außer dem Vermögen der englischen Marine, eine solche Masse von Truppen und Ausrüstungsgegenständen mit einemmale überzuschiffen, for muß man doch die Vertheilung in drei, durch beträchtliche Zwischenräume getrennte Transporte, als einen andern, wesentlichen Mißgriff betrachten. Es sollten zuerst die in England, versammelten 5000 Mann landen, darauf die aus Deutschland kommenden 1500, endlich die englische Division mit einiger Emigrantencavalerie folgen, und der Graf von Artois, sich erst mit dieser legten Abtheilung einschiffen.*).

9. Eine Fregatte brachte den uns schon bekannten Chevalier Tinteniac an die Küste der Bretagne, wo er das baldige Erscheinen der Erpedition verkündete; zugleich ließ Lord Bridport, der mit einer, Flotte bei der Insel Quessant kreuzte, einige Schiffe der Republikaner von jener Küste verjagen und eine Menge Gewehre mit der erforderlichen Munition für die Insurgenten landen. Der Befehlshaber der Brester Flotte, Admiral Villaret-Joyeuse, vernahm kaum diese Bewegungen, als er in See ging, und am 23sten Juni in der Höhe von l'Orient auf die Gegner stieß; die Darstellung der hier gelieferten Schlacht

*) Villeneuve- Laroche - Barnaud Mémoires sur l'expedition de Quiberon I. 201-206. 210. 214, 215. 217. Beauchamp III. 183-187.

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liegt außer unserm Bereiche, das Resultat derselben war, daß die französische Flotte außerordentlich beschädigt, und mit dem Verluste dréier Linienschiffe in den Hafen von l'Orient flüchten mußte *).

Die erste Abtheilung der Erpedition war am 16ten Juni, von einigen Kriegsschiffen unter dem Commodore Warren gedeckt, von Portsmouth und Southampton abgesegelt, ging am 26sten in der Bai von Quiberon vor Anker, und sehte folgenden Tags die Truppen bei Carnac ans Land; diese standen unter dem speciellen Befehle des General Hervilly, die obere Leitung war, bis zum Eintreffen des Prinzen, dem Grafen Pusaye anvertraut, und der Commodore angewiesen, die Unternehmungen der Royalisten zu unterstüßen. Ihre erste Aufgabe mußte die Eroberung der Halbinsel Quiberon sein, die sich von Carnac aus etwa zwei Meilen lang in südöstlicher Richtung in das Meer erstreckt. Auf der in steilen Felsenhöhen abfallenden äußersten Spiße befand sich das sehr vernachläffigte, und, wie es scheint, von den Republikanern gar nicht beseßte neue Fort; den Eingang in die 7 M. 5. w. Carn. Halbinsel vom Festlande aus sperrte das Fort Penthievre,

auf felfigen Höhen an einer Stelle erbaut, wo sie wenig über tausend Schritt Breite hatte. In diesem Fort befanden sich 800 Mann, denen aber durch die Stellung

*) Bulletins of the campaign 1795 p. 91-94. Moniteur p. 1153. Villeneuve Mémoires I. 207. 225–229. Beauchamp III. 188-191.

der Emigranten die Zufuhr von Lebensmitteln abgeschnit

ten war.

Während der Landung der Truppen hatten die Insurgenten mehrere republikanische Posten vertrieben, und strömten in solcher Menge herbei, daß am Morgen des 28ften gegen 16,000 Mann versammelt waren. Die noch nicht bewaffneten erhielten Gewehre und Munition, und die ganze Masse ward in drei Divisionen getheilt, von denen die erste unter Einteniac noch an demselben Lage Landevan, die zweite, unter dem Grafen Dubois-Ber-23 M. n. Carn. thelot, Auray eroberte, die dritte, vom Grafen Bauban2 M. f. 8. Land. befehligt, nach Mendon rückte, um jene beiden eintreten-13 M. ».w. Uur. den Falls zu unterstüßen. Es fanden sich bei leßterer noch so viele Royalisten ein, daß sie zu 14,000 Mann anwuchs, zu deren Bewaffnung zehntausend Gewehre nachgesendet werden mußten. Unter folchen Umständen håtte man durch raschen Entschluß vielleicht das Grundübel der ganzen Expedition, die Theilung der Streitkräfte weniger fühlbar machen können, und wirklich baten auch die Colonnenführer, bei der Meldung von den erlangten Vortheilen, um Unterstüßung durch geregelte Truppen und Feldgeschüß, damit sie im Stande seien, schnell tiefer in das Land einzudringen, wo die Republikaner noch nirgend eine bedeutende Streitmasse vereinigt hatten. Dieß schien um so nothwendiger, als die englische Regierung die schleunigste Eroberung eines befestigten Hafens forderte, und gegründete Hoffnung vorhanden war, fich in den Besis von l'Orient zu sehen, wo ein bedeus 2 m. w. Land.

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