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fortzuführen war. Durch den am 22sten Juli zu Basel unterzeichneten Frieden erhielt es alle von der französischen Armee in Catalonien und Navarra gemachten Eroberungen zurück, und trat dagegen der Republik seinen Antheil an der Insel S. Domingo ab*).

,England zog alle Nationaltruppen, so wie die Emigrantencorps vom Festlande zurück, und entließ die in Sold genommenen Hannoveraner, Hessencasseler, Hessendarmstädter, Braunschwriger und Badener, so daß auf dem Kriegsschauplatze in Deutschland nur noch die österreichische und Neichsarmee dem Feinde entgegenstanden. Zwar war am 13ten October 1794 die Stellung der fünffachen Reichscontingente beschlossen worden; allein erheb

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liche, der drohenden Gefahr angemessene Resultate konnte dieß um so weniger ergeben, da einige Reichskreise von den Republikanern besetzt, andere durch die Bedingungen der ihnen bewilligten Neutralitat verhindert waren, ihr Contingent zu stellen.

Nach allem diesen dürfte die militarische Lage Frankreichs günstiger erscheinen, als sie es in der Wirklichkeit war. In der Natue der Dinge liegt, daß übertriebene Anstrengungen, wie sie unter der Schreckensregierung gemacht worden, nicht dauern können; so sahen wir die Armeen der Republik im September des Iahres 1794 über eine Million Soldaten stark, wovon 750,000 wirklich unter dem Gewehr, im April des Iahres 1795 nur noch 572,000 Mann bei den Fahnen zählen. Dazu kam, daß ihre Verwendung gegen äußere Feinde bedeutenden Beschränkungen unterlag, indem die kaum unterworfenen westlichen Departements durch eine starke Truppenmasse beaufsichtigt werden mußten, unruhige Bewegungen im ganzen südlichen Frankreich die Aufmerksamkeit der Regierung in Anspruch nahmen, und selbst die Stimmung in der Hauptstadt ernstliche Maasregeln des Convents nothwendig machte. Weit über hunderttausend Mann wurden durch diese Verhältnisse im Innern festgehalten; in Holland blieb wegen der Gefahr einer Landung der Engländer eine starke Truppenmasse stehen, von welcher später ein großer Theil nach der Bretagne gesendet ward.

Mit dem Ende der Schreckensregierung hatten auch die gewaltsamen Mittel aufgehört, wodurch ohne alle Geldausgaben das gesammte Material so, zahlreicher Heere beschafft wurde, und das einzige Tauschmittel, welches die Regierung besaß, dieAssignate, hatten durch ungemessene Vermehrung so sehr den Credit verloren, daß ihre bal« dige gänzliche Entwerthung vorauszusehen war""). Dazu kam, daß der Getreidemangel, welcher in diesem Jahre fast alle Theile Europa's drückte, in Frankreich doppelt empfindlich sein, und der Regierung ernste Besorgnisse einflößen mußte, weil bei der fast ganzlichen Vernichtung der Marine Und dem entschiednen Uebergewichte der englischen Flotten das Beziehen von Vorräthen über See sehr'zweifelhaft blieb. ,. , ..

*) In der Mitte des Juni wurden für einen Louisd'or 1000 Livres kn Assignaten bezahlt, am. Ende des Octobers 4,200, im Anfange des December 5,4oo Livres. ,

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Erster Abschnitt.

Stellung und Sticke der Armeen. Jourdan überschreitet bei Eichelcamp den Rhein. Rückzug der Oesterreicher hinter die Lahn, so wie hinter den Main. Uebergabe von Mannheim an die Rhein- und Mosel-Armee. Treffen bei Handschuhheim. Clerfait überschreitet den Main bel Offenbach. Gefecht an der Nidda.'

<^(ach achtmonatlicher Blocade hatte Luxemburg am 7ten Juni seine Thore geöffnet, ohne daß von den Oesterreichern ein Versuch gemacht worden wäre, den wichtigen Platz zu entsetzen, dessen Uebergabe wegen Mangel an Lebensmitteln mit vieler Bestimmtheit vorauszusehen war. Auch in den nächsten Monaten geschah von beiden Seiten nichts, so daß es hinlänglich ist, Stellungen und Stärke der verschiedenen Heere in der zweiten Hälfte des Monat August zu bezeichnen. Die französische Sambre- und Maas-Armee unter Iourdan, über 85,000 Mann zählend, hielt das linke Rheinufer von Cleve bis Coblenz besetzt; die vereinigte Rhein- und Mosel-Armee, jetzt von Pichegru befehligt und einige tausend Mann stärker als jene, zerfiel in zwei Abtheilungen: sechs Divisionen schlossen Mainz auf dem linken Ufer des Rheins ein, fünf Divisionen befanden sich zwischen Strasburg und Hüningen. Die österreichischen und: Reichstruppen bildeten zwei Heere, von denen das des F. M. Clerfait von Duisburg bis Philippsburg, das "andere unter Graf Wurmser, von da ab bis Mühlheim das rechte Rheinufer besetzte. Um diese etwa sechzig Meilen betragende Linie mit 180,000 Mann zu sichern, hatten die österreichischen Generale ihre Streitkräfte in folgender Weise vertheilt: auf dem äußersten rechten Flügel, wo die Demarcatlonslinie in der Gegend von Duisburg das rechte Vheinufer verließ, standen 11,000 Mann unter dem Grafen Erbach zwischen dem Angerbach und der Wipper; der Prinz von Würtemberg beobachtete mit 9000 Mann den Raum zwischen der Wipper und Sieg; 14,000 Wann, vom Grafen Wartensleben befehligt, befanden sich zwischen der Sieg und Lahn, mit der Hauptmasse bei Neuwied; 6000 Mann in dem Raume von der Lahn bis zum Main; 19,000 zwischen diesem Flusse und dem Neckar; 15,000 links vis letzteren; außerdem betrugen die Besatzungen von Ehrenbreitenstein, Mainz, Mannheim und Phiü'ppsburg etwa 20,000 Mann. Wurmsers Armee war größtentheils in drei Lagern bei Mühlheim, Krozingen und Freiburg concentrirt, und hatte außerdem flußabwärts noch einige starke Detachements*).

') Freimüthige Beurtheilung der Operationen in dem Felbzuge

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