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oberhalb über die Nidda gingen und nach dem Gebirge vordrangen, trat der ganze französische linke Flügel den Rückzug an. Was von Clerfaits Armee noch nicht über den Main gegangen war, bewirkte dieß jeßt in der größten Eile, und bald sah Jourdan seine linke Flanke durch den concentrirten Feind so ernstlich bedroht, daß er die ganze Stellung aufgeben zu müssen glaubte *).

Zweiter Abschnitt.

Rückzug der Sambre- und Maas-Urmee auf das linke Rheinufer. Clerfait wendet sich gegen Mainz. Die Contravallationslinien vor dieser Festung werden erstürmt. Aufstellung der Republikaner an der Pfriem. Wurmser rückt vor Mannheim. Entsendet eine Abtheilung zur Unterstügung Clerfaits. Gefechte an der Pfriem, bei Frankenthal und bei Lambsheim und Oggersheim. Pichegru's Rückzug in die Linien der Queich.

Das französische Heer trat den Rückzug in drei Colonnen an. Der rechte Flügel, an welchen sich die Division Marceau anschloß, marschirte über Wiesbaden und Mon

*) Wiener Zeit. Beil. zu No. 87. Moniteur p. 21. 22. 38. Gouvion St. Cyr II. 193-200. Jomini VII. 188193. 196. 199–201. Gr. Beust IV. 95-97. uebersicht der beiden merkwürdigen Feldzüge am Rhein i. I. 1795 und 1796 S. 23-31. Correspondance du G. Grenier p.

tabaur nach Neuwied, und ging hier über den Rhein, auf dessen rechtem Ufer ein indeß angelegter Brückenkopf besett blieb, das Centrum überschritt den Fluß bei Bonn, den linken Flügel führte der Obergeneral selbst über ALtenkirchen nach Düsseldorf, und ließ eine starke Arriergarde hinter der Sieg. Auf dem linken Rheinufer dehnten sich die Truppen bis Coblenz aus; 12 Bataillone unter General Poncet wurden zur Verstärkung des Blocadecorps von Mainz entsendet. Verwüstungen und Ercesse aller Art bezeichneten den Weg, welchen das weichende Heer eingeschlagen hatte; die Landesbewohner dadurch aufs Aeußerste gebracht, rotteten sich zusammen, erschlugen eine Menge ihrer Peiniger und lieferten nicht wenige gefangen an die Desterreicher ab *).

Clerfait hatte zur unmittelbaren Verfolgung der Gegner drei Avantgarden unter den Generalen Boros, Kray und Haddik gebildet, denen in geringer Entfernung eine Reserve, in weiterer die Armee folgte. General Boros wendete sich gegen den französischen rechten Flügel, war aber zu schwach um etwas ernstliches unternehmen zu können; nachdem derselbe am 19ten auf das linke Rheinufer zurückgegangen, befehte er die Gegend von Neuwied, und eroberte in der Nacht zum 30ften die stark

*) General Grenier sah sich zu der Anordnung gendthigt, zwei Escadrons zu beiden Seiten seiner Division zu vertheilen, welche alle aus dem Gliede tretende Soldaten niederhauen sollten. Correspondance du G. Grenier p. 41.

verschanzte von 700 Mann besette Insel Nieder- Werth, worauf die Republikaner den Brückenkopf freiwillig råumten. Die beiden andern Avantgarden folgten bis an die Sieg, die Reserve nach Freilingen, die Armee nur bis 4 M. n.d. Neuw. Weilmünster, wo sie einige Tage stehen blieb; überzeugt, 6 M. f. 8. Freil. daß der Feind für den Augenblick zu jedem großen Unternehmen unfähig sei, beschloß Elerfait mit der Hauptmasse seiner Truppen auf das Blocadecorps von Mainz zu fallen, ehe es Unterstützung erhalten könne. Die Avantgarden wurden zur Beobachtung des rechten Rheinufers bis an die Sieg, und die hinter derselben stehenden Republikaner verwendet, die Reserve blieb zu ihrer Unterstüßung zurück, mit der Armee brach der Feldmarschall am 25sten von Weilmünster auf und erreichte am 27sten Wickert. Auch hier wurde eine Abtheilung aufgestellt, rm.s.w. Weilm. der Rest rückte folgenden Tages nach Mainz, ohne daß die Republikaner die mindeste Kunde davon erhalten håtten *).

Die starke Contravallationslinie, an welcher sie seit Jahresfrist arbeiteten, lehnte sich mit dem rechten Flügel an Laubenheim, und lief über Hechtsheim, Marienborn, Gonzenheim nach Mombach. Sie war durch Wolfsgruben und vorgeschobene Fleschen verstärkt, überdem fanden

*) Wiener Zeit. Beil. zu No. 88. Gouvion St. Cyr II. 202–205. 224-226, 497–500. Jomini VII. 201— 203. 250. 251. Uebersicht S. 31-35. Correspondance du G. Grenier p. 87-53.

sich zwischen Gonzenheim und Mombach mehrere Redouten, pallisadirt, mit spanischen Reutern und Wolfsgruben versehen; dagegen hatte man auf dem äußersten rechten Flügel den Raum zwischen Laubenheim und dem Rheine gänzlich vernachlässigt. Die Besahung dieser Werke zählte, in 52 Bataillonen, 23 Escadrons, 30,867 Mann, und war so vertheilt, daß die Division Courtot (9000 Mann) den Raum von Laubenheim biś jenseit Hechtsheim inne hatte, die von Gouvion St. Cyr (6800 Mann) rechts und links von Marienborn stand, die von Mengaud (6700 Mann), links von ihr die Verschanzungen bis Gonzenheim und die Division Reneauld (8200 Mann) den Raum bis Mombach beseht hielt.

Den Desterreichern in der Festung konnten die starken und schwachen Seiten dieser Linien nicht unbekannt geblieben sein, und so wurde beschlossen, den Angriff gegen den rechten Flügel derselben zu richten; er sollte am frühesten Morgen des 29sten in drei Hauptcolonnen erfolgen, welche während der Nacht auf die ihnen angewiesenen Punkte rückten. Die erste (10% Bat. 6 Esc.) versammelte sich bei Weißenau um die Verschanzungen · bei Laubenheim zu stürmen; zu ihrer Unterstüßung stand 14 Bat. auf dem rechten Rheinufer bei Ginsheim, bestimmt, im Rücken der Gegner über den Fluß zu sehen und so die Aufmerksamkeit derselben zu theilen. Die zweite Colonne (8§ Bat. 4 Esc.) sollte von Zahlbach aus die Werke bei Hechtsheim, die dritte (54 Bat. 22 Esc.) die bei Breßenheim erobern, in dessen Nåhe fie

aufgestellt war; 2 Bataillone wurden zu einem falschen Angriffe auf Gonzenheim und Mombach verwendet, 4 blieben auf dem Glacis der Festung in Reserve.

Das Gefecht begann Morgens 54 Uhr durch eine heftige Kanonade gegen Mombach, und die Eroberung dieses Dorfs; die eigentlichen Angriffscolonnen schritten unverweilt und ohne einen Schuß zu thun, ihrer Be stimmung entgegen. Das Detachement bei Ginsheim sette zwischen Nackenheim und Laubenheim über den Rhein, und veranlaßte so, daß letteres Dorf der Avantgarde der ersten Colonne vom Feinde fast ohne Widerstand überlassen wurde; damit hörte eigentlich die Möglichkeit auf die Linien långer zu vertheidigen, welche von hier aus in den Rücken genommen werden konnten, und von den Republikanern in der Nähe von Laubenheim auch nach kurzem Gefecht verlassen wurden. Die zweite Colonne hatte sich gleichzeitig in den Besitz der bis Heiligenkreuk vorgeschobenen Fleschen geseht, und unmittelbar darauf die Werke bei Hechtsheim angegriffen; zweimal zurückgewiesen, erstieg sie selbe beim dritten Anfalle, und folgte den weichenden Feinden bis gegen Essenheim, so wie ihnen auch die leichte Reuterei beider Abtheilungen in der Richtung von Ober-Olm und Oppenheim nachsekte. Die Division Courtot entfloh völlig aufgelöst, großentheils nach Odernheim, und von hier nach kurzem 3M.s.w.Mainz. Aufenthalte bis Kirchheim Poland. St. Cyr wies einen 23 M. f. w. Ob. schwachen Angriff auf Marienborn zurück, sah sich aber

gleich darauf durch die aus Hechtsheim debouchirenden

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