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und St. Fulgent beseßt. Die Spannung erreichte den höchsten Grad, als Allard, ein aus den früheren Feldzügen bekannter Unterbefehlshaber der Royalisten, überfallen und gefangen nach les Sables d'Olonne abgeführt ward; der dort gegenwärtige Conventsdeputirte Gaudin tieß gleich darauf sogar einen Versuch machen, Charette selbst in seinem Hauptquartiere Belleville aufzuheben, was aber gänzlich_mißlang *).

Waren solche Ereignisse allein schon hinreichend, diesen Anführer zur Erneuerung der Feindseligkeiten zu ver ́anlassen, so "fehlten dazu auch anderweite Ermunterungen nicht. Die gewichtigste erfolgte von dem Grafen Artois, welcher Herrn von Riviere in die Vendée sendete, um Charette, mit dem Versprechen von Unterstüßungen, die Gründe zu entwickeln, aus welchen man die Küste der Bretagne zu der långstentworfenen Expedition gewählt habe, und zugleich den Versuch zu machen, ob das feindselige Verhältniß zwischen ihm und Stofflet durch eine Versöhnung beseitigt werden möge. Es fand auch wirklich zu Beaurepaire eine Zusammenkunft und bei der= selben eine Aussöhnung der beiden Generale statt, die aber schwerlich aufrichtig war **).

*) Guerres des Vendéens V. 118. Bouvier II, 388 390. Beauchamp III. 155. 156. 251. 252.

**) Guerres des Vendéens V. 33. Bouvier II. 387. 388. Beauchamp III. 152. 153.

Nicht unerwähnt darf hier die merkwürdige, unseres

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Unter diesen Verhältnissen erklärte Charette in einem vom 26sten Juni datirten Manifeste der Republik aufs Neue den Krieg, und griff folgenden Tags den von 500 Mann besetzten Posten les Essarts an, welcher nach kurzem Gefecht überwältigt wurde. Ein Theil der Insurgenten, der nicht unmittelbar nach Belleville zurückkehrte, stieß am 28sten bei Beaulieu auf einen von les Sables d'Olonne nach Palluau bestimmten Transport, und nahm die vierhundert Mann starke Bedeckung fast ohne Ausnahme gefangen; in Folge dieses Ereignisses ward die Besatzung von Palluau nach la Mothe Uchard 8 M. f. Pal. gezogen, weil die Republikanerbehörden felbst für les Sables d'Olonne Besorgnisse hegten *).

Wissens niemals widerlegte Behauptung Bouviers bleiben, daß Charette einen Vertrauten nach Paris gesendet, um von dem Wohlfahrtsausschusfe die sofortige Freilassung Ludwigs XVII. zu fordern, welcher den geheimen Bedingungen des Friedens gemäß an ihn ausgeliefert werden sollte; am 4ten Juni sei darauf eine von neun Gliedern des Ausschusses unterzeichnete uebereinkunft geschlossen worden, den Könignebst seiner Schwester nach St. Cloud zu bringen und, dort einer Abtheilung Vendéer zu übergeben. Um 6ten Juni starb bekanntlich Ludwig XVII., und von demselben Tage ist das bereits von uns erwähnte (im 3ten Bande des vorliegenden Werks Seite 448) Schreiben des Wohlfahrtsausschusses datirt, welches die Aufhebung aller Royalistenchefs anordnete. Bou'vier III. 111-114. 178-182. 191. 192.

*) Guerres des Vendéens V. 129-135. 392. 393. Beauchamp III. 254. 255.

Bouvier II.

24 M. n. 8. les

Sab.

Auch einige andere Punkte wurden entblößt, da Canclaur Verstärkungen an die Küstenarmee von Brest senden, und zugleich auf die Vertheidigung der Loire für den Fall Bedacht nehmen mußte, daß die bei Carnac gelandeten Emigranten weiter vordrången; es befremdet daher keineswegs, wenn långere Zeit von den Republikanern nichts geschah, die neu auflodernde Flamme der Empörung durch Waffengewalt zu unterdrücken. Viel unbegreiflicher erscheint dagegen Charette's Unthätigkeit in dieser Periode, wo sich so vieles vereinigte, ihn zur größten Kraftanstrengung aufzufordern. Ob die offenbar sehr verminderte Kriegslust der Einwohner seines Bezirks, ob Stofflets Nichttheilnahme ihn an der Benutzung der Verhältnisse gehindert, oder ob er zuvörderst die ihm zugesagten Unterstüßungen abwarten wollen? Wir können in einem Zeitraume von sechs Wochen nichts von ihm berichten, als daß er auf die Nachricht von den Erecutionen zu Vannes und Auray die neuerlich gemachten Gefangenen ebenfalls erschießen ließ. Endlich erschienen einige Fregatten, von dem Commodore Warren entsendet, an der Küste; der Vendéeanführer, davon im voraus unterrichtet, versammelte seine Armee bei Palluau und ließ *‡ M. w. Paul.eine starke Abtheilung nach der Gegend von St. Jean de Mont abrücken, die Ausschiffung unmittelbar zu decken. 2 M. f. 8. St. Die Besahung von St. Gilles suchte das Unternehmen zu vereiteln, erlag aber in zwei Gefechten am 10ten und 11ten August der Uebermacht; die Royalisten, welche gleich darauf wieder auseinandergingen, erhielten auf diese

Jean.

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Weise, außer beträchtlichen Bekleidungsvorråthen, zwei Feldgeschüße, 6000 Gewehre, 40,000 Pfund Pulver *).

Während dem war, durch den unglücklichen Ausgang der Expedition von Quiberon, ein Theil der Republikanerheere auf dem rechten Ufer der Loire verwendbar und nach dem linken in Marsch gesetzt worden. Der Wohlfahrtsausschuß drang auf schleunige Unterdrückung des Aufstandes in der Vendée, weshalb sich die Generale Hoche, Dubayet und Canclaur àm 21sten und 22sten August zu Nantes vereinigten, um die zu ergreifenden Maasregeln zu berathen; zwar ward der Beginn der Operationen bis zu dem Eintreffen der von den Ostpyrenåen heranrückenden 20,000 Mann verschoben, doch waren bereits genug Truppen vorhanden, um die Küste von Paimboeuf bis St. Gilles mit 10,000 Mann zu besehen, um einer möglichen Landung_zu begegnen **).

Diese wurde von den Gegnern wirklich beabsichtigt, nur ließ die Langsamkeit aller ihrer Unternehmungen auch hier das Ziel verfehlen. Graf Artois hatte sich am 25sten August in Portsmouth eingeschifft und, nebst der dritten Abtheilung der Expedition, mit der Flotte bei der Halbinsel Quiberon vereinigt, wo man eine kostbare Zeit mit

*) Bouvier II. 401-403. Beauchamp III. 258. 259. 261-263. Guerres des Vendéens V. 309-311. 315. Villeneuve Mémoires II. 16.

**) Guerres des Vendéens V, 361. 362. 329-334. Vie de L. Hoche II. 212-214.

den unbedeutenden und erfolglosen Landungsversuchen verlor, deren früher gedacht worden ist; erst am 22sten September segelte die Flotte nach der Küste der Vendée ab, wo, nach vergeblicher Aufforderung der Besahung der Insel Noirmoutier, am 29sten die Truppen auf dem kleinen unfruchtbaren Eilande Isle Dieu ausgeschifft wurden. Langes Verweilen an diesem Orte war sowohl wegen Mangel an Lebensmitteln und Trinkwasser, als wegen der gefährdeten Lage der Flotte nicht möglich, welche bei den bald zu erwartenden Herbststürmen nicht einmal einen sicheren Ankerplaß hatte. Graf Artois forderte deshalb Charette dringend auf, einen zur Landung geeigneten Punkt anzugeben und seine Armee dahin zu führen; allein die Wachsamkeit der beträchtlich verstårkten Republikaner verhinderte jedes Unternehmen dieser Art und machte sogar die Correspondenz fast unmöglich. Die Transportflotte ging daher in der zweiten Hälfte des November mit den Truppen unverrichteter Sache wieder unter Segel; wie wenig selbst der Prinz die Lage der Dinge in den insurgirten Gegenden kannte, ergiebt sich aus der bei der Abfahrt hinterlassenen Instruction: Cha= rette, Stofflet und Scepeaur sollten jeder mit 6000 ausgesuchten Soldaten sich bei Candé vereinigen, Pusaye in der Gegend von Rennes mit der Bretagner Armee zu ihnen stoßen, das Ganze darauf einen Punkt der Küste besehen und so eine neue Landung begünstigen *).

*) Moniteur l'an IV. p. 74. 75. 425. Guerres des Ven

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