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publikanern über, und unterrichteten diese von dem beyorstehenden Angriffe; sie waren deshalb völlig darauf vorbereitet als er erfolgte.

Dreitausend Emigranten und 1600 Chouans mit 16 Geschüßen brachen am 16ten Morgens 1 Uhr in vier Colonnen auf, und erschienen mit Tagesanbruch den Vordertruppen des Feindes gegenüber; diese zogen sich zurück, und da man das Signal, welches Vaubans Landung ankündigte, bemerkte, und ein gleich darauf vernommenes Gewehrfeuer dem Angriffe Tinteniacs beimaß, so begannen die Truppen sich zu entwickeln und gegen die Hauptstellung anzurücken. Hoche hatte befohlen sie bis auf Pistolenschußweite herankommen zu lassen und dann erst mit Kartåtschenlagen und Gewehrfeuer zu überschütten; die Anordnung ward so genau erfüllt, daß die Royalisten, in freudiger Siegeshoffnung vorschreitend, binnen wenig Augenblicken durch das verheerende Feuer in die größte Unordnung geriethen. Unverzüglich brach die feindliche Armee aus ihren Verschanzungen zum Angriffe vor, und leicht hätten die fast aufgelösten Truppen vernichtet, die Werke des Forts Penthievre mit den Flüchtlingen zugleich erreicht werden können, wenn nicht der Mangel an Reuterei, so wie das Feuer der englischen Kanonenböte und der trefflich geführten und bedienten Artillerie der Emigranten, den Republikanern beim Verfolgen hinderlich gewesen wären. Der Verlust ihrer Gegner wird von diesen selbst zu 1400 Todten angegeben, unter ihnen befand sich Graf Hervilly,

der wenig Tage später an den erhaltenen Wunden starb*).

Graf Vauban war bei Tagesanbruch mit 2000 Chouans' und 200 englischen Marinesoldaten in der Bai von Carnac gelandet, von einer dort stehenden republikanischen Abtheilung aber nach kurzem Kampfe genöthigt worden, sich wieder einzuschiffen. Der Angriff der beiden andern Colonnen im Rücken des Feindes fand gar

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nicht statt, wegen Ursachen, welche zu begreifen dem Militair schwer fallen muß. Tinteniac war kaum an das Land gestiegen, als er von dem Chevalier la Vieuville (nach Boishardy's Ermordung Befehlshaber im Depar= tement der Nordküsten) eine Aufforderung erhielt, sich 3 M. n.d.Sarz. nach Elven zu verfügen, wo ihm weitere Befehle zugehen würden; er glaubte dieß thun zu können, da ihn die Bewegung nicht allzu weit von seinem Ziele entfernte, und überdem bei jenem Orte die Vereinigung mit 3000 Chouans zu erwarten stand, welche der Chevalier von Silz, Bruder des getödteten Commandanten des Morbihan, dort gesammelt hatte. Nach einigen Gefechten mit einer Abtheilung der Westarmee, welche Grouchy nach dem Lager von Ste Barbe führte, erfolgte die Vereinigung mit dem Chevalier, und zugleich fanden sich so

*) Moniteur p. 1259. 1268. Guerres des Vendéens V. 275-277. Villeneuve Mémoires II. 51-56. 5869. Beauchamp III. 209-212. Vie de L. Hoche II. 185. 186. 188-191.

2 M. n. Joff.

viele andere Insurgenten ein, daß Tinteniac zwölftausend Mann unter seinem Befehl zählte als er am 12ten in Elven eintraf. Hier ging ihm eine neue Aufforderung Bieuville's zu, durch einen Gewaltmarsch das 6 Meilen nördlich gelegne Schloß Coetlogon zu erreichen, wo er definitive Instructionen erhalten solle; auch dieser Weisung fügte sich der royalistische Anführer, lieferte am 13ten bei Josselin, folgenden Tags bei la Trinité repu- 34 M. n. 8. Elv. blikanischen Abtheilungen Gefechte, und traf bei Coetlogon ein, wo zwei Damen ihm bekannt machten, daß er sich zuvörderst in den Besitz von St. Brieur sehen, und6 M. n. Coet!. demnächst gegen St. Malo rücken solle, welches gleich- 8 M. n.d.S.Brí. zeitig durch eine englische Escadre von der Seefeite angegriffen werden würde. Jezt erst scheint Tinteniac, das. Unangemessene seines bisherigen Benehmens, und: die Unmöglichkeit eingesehen zu haben, diese Aufforderungen mit den Befehlen seines Vorgesezten in Einklang zu bringen. Ehe er indeß noch einen Entschluß gefaßt, ward seine Abtheilung durch eine von Loudeac kommende republikanische Colonne angegriffen, und es gelang zwar den Royalisten, solche mit bedeutendem Verluste, zurückzuweisen, allein ihr Anführer fand den Tod in diesem Gefechte; sein Nachfolger im Commando hielt es für unmöglich bei der Unternehmung am 16ten mitwirken zu können, und deshalb für das Beste, sich mit dem Chevalier la Vieuville zu vereinigen. Die Colonne unter Jean-Jean hatte, als fie in der Gegend von Pontaven ans Land stieg, ebenfalls die Aufforderung erhalten, gegen

St. Brieur zu marschiren; der Anführer fügte sich der= felben, aber nur wenige Soldaten folgten ihm, alle übrigen zerstreuten sich in ihre Heimat *).

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Eine so entschiedene Niederlage unter solchen Umstånden konnte wohl auch einen einsichtigeren General in Verlegenheit sehen; Graf Pusaye scheint dadurch so außer Fassung gekommen zu sein, daß er, jeden Entschlusses unfähig, die Maasregeln des Feindes völlig passiv_abwartete. Leider ging diese Unthätigkeit bis zur groben Vernachlässigung der gewöhnlichsten Vorsichtsmaasregeln, wodurch die Catastrophe nur zu schnell herbeigeführt wurde. Wie wir wissen, hatten Ueberläufer den General Hoche von dem am 16ten bevorstehenden Angriffe benachrichtigthis fie gehörten zum Regiment Hervilly, das die meisten angeworbenen Gefangenen zählte, darunter auch 400 Mann von der Besaßung des Forts Penthievre, welche Dienste genommen. Troß der gemachten Erfahrung vertraute man fortwährend diesem Regimente die Bewachung des Forts an, und ließ die Truppen des Grafen Sombreuil, welche lediglich aus Emigranten bestanden, am südlichen Ende der Halbinsel cantonniren; selbst als in der Nacht zum 19ten mehr als dreißig Mann zum Feinde übergingen, traf der Anführer der Royalisten keine andere Anstalt, als die Posten im Innern des Forts verdoppeln zu lassen.

*) Villeneuve Mémoires II. 51. 54. 92-99. Guerres des Vendéens V. 259. 278. 282-285. 290–292.

Unter den Ueberläufern befanden sich zwei Unterofficiere, gewandte Menschen, welche, auf ihr dringendes Ansuchen bei Hoche vorgelassen, ihm die Möglichkeit zeigten, auf demselben Wege, den sie gekommen, überraschend in das Fort einzudringen; fie fügten hinzu, daß ein großer Theil der Besaßung sich dann sofort auf die Seite der Stürmenden wenden, und jedenfalls am nächsten Tage noch ein Mann übergehen werde, sobald das Losungswort ausgegeben sei. Der republikanische General entschloß sich um so mehr von diesem Winke Gebrauch zu machen, da die Conventsdeputirten Blad und Tallien, (welche auf die Nachricht von der Landung der Ausgéwanderten, mit unbeschränkter Vollmacht, nach der Bretagne gesendet worden waren) ebenfalls darauf eingingen. Die Ausführung mußte dem Entschlusse bald folgen, und ward für die Nacht zum 21sten bestimmt, als am Nachmittage des 20sten alle gewöhnliche Wetteranzeigen die Gewißheit gaben, daß diese stürmisch sein werde; am späten Abende noch traf der Ueberläufer ein, durch welchen man das der Besahung des Forts gegebene Lofungswort erfuhr *).

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Während eines überaus heftigen Gewitters und Sturmes brachen die Republikaner des Nachts 11 Uhr aus ihrem Lager auf. Der Generaladjutant Menage, von den erwähnten Unterofficieren geleitet, führte 300 Gre

*) Villeneuve Mémoires II. 26. 108-110. 113. 114. Moniteur p. 1153,

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