... Allerlei für die Nationalbibliothek zu ergattern ...: eine österreichische Institution in der NS-Zeit

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Die Nationalbibliothek in Wien war zum Zeitpunkt des "Anschlusses" Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 nicht die grösste wissenschaftliche Bibliothek im Lande, sondern nunmehr die drittgrösste im Deutschen Reich. Ihre Stellung bzw. Ihr Einfluss als Institution in der Bibliothekslandschaft wurde durch die Person des neuen Generaldirektors Dr. Paul Heigl noch verstärkt. Erwerbungen der Nationalbibliothek in den Jahren 1938 bis 1945 aus unterschiedlicher Provenienz und unter unterschiedlichsten Umständen sind ein Schwerpunkt der vorliegenden Geschichte, durch die sich die Person und die Tätigkeit Heigls wie ein roter Faden zieht. Es ist nämlich nicht schwierig, dessen persönliche Einflussnahme bei Enteignungen, die die Geschichte der Bibliothek in der NS-Zeit prägten, nachzuweisen. Nach ihrem Selbstbild mag die Nationalbibliothek stets "unpolitisch" gewesen sein, doch darf man nicht übersehen bzw. unterschätzen, dass sie im Zeitraum, der hier behandelt wird, drei verschiedenen Staatsformen diente. Da die Wirklichkeit von diesem Selbstbildnis so starkt abweicht, werden die bisherigen Selbstdarstellungen von Seiten der Bibliothek nicht nur Schlusswort stark in Zweifel gezogen, sondern im Laufe der Arbeit kontinuierlich hinterfragt. Die politische Instrumentalisierung der NB zeigt sich spätestens in der Zeit des Ständestaats in den 30er Jahren. Die vorliegende Arbeit räumt mit der Tabuisierung der eigenen Geschichte der Nationalbibliothek bzw. dem Verschweigen der Verstrickung in NS-Verbrechen in offiziellen Publikationen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf und schildert die aktive Rolle, die die Bibliothek bei Erwerbungen spielte. Diese Geschichte will nicht nur auf unrechtmässige Erwerbungen fokussieren, sondern auch den Versuch unternehmen, den Alltag in der Bibliothek in der NS-Zeit einzufangen. Diese Geschichte versteht sich auch als Beitrag zur eher stiefmütterlich behandelten Geschichte des Bibliothekswesens ganz allgemein in Österreich in den Jahren 1938 bis 1945. In einer seiner vielen Funktionen war Paul Heigl nämlich bei der Auflösung von Amts- und Stiftsbibliotheken als Berater tätig, und somit wird das Schicksal dieser Büchereien erstmals ausführlich beleuchtet. Nicht unwesentlich für die Geschichte der NB ist beispielsweise auch noch, dass Paul Heigl - nach dem Überfall auf Belgrad - für die wissenschaftlichen Bibliotheken in Südosteuropa offiziell zuständig wurde. Auch diese Funktion nützte die NB, insofern als sie zu neuen Bücherzuwächsen führte. Im umfangmässig gesehenen Hauptkapitel (Die Sammlungen der NB) wird anhand von Archivunterlagen, die primär aus der Nationalbibliothek selber stammen, in Form von Falldarstellungen auf die einzelnen geraubten Bücherbestände ausführlich eingegangen. Somit sind die Bemühungen der Nationalbibliothek - sowohl in den Nachkriegsjahren als auch in jüngster Zeit - um das Ausfindigmachen von geraubten Büchern in den eigenen Bibliotheksbeständen und die Zuordnung zu Vorbesitzern ebenfalls ein wesenlicher Aspekt dieser Darstellung. Die Arbeit wird durch zwei Register -ein Namen- und ein Sachregister - erschlossen.

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