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An die militärische Eskorte und an das Trauergefolge schlossen sich als dritter Theil des Trauerzuges die Repräsentanten des Zivildienstes, der Münste und Wissenschaften. Hier überwog der schwarze Frad, den der geöffnete Ueberrock erkennen ließ. Nur als die Deputirten der Universitäten kamen – es waren sämmtliche Rektoren und Prorektoren im Zuge kam ein klein wenig bunte Abwechslung in das Bild.

Die Reichs-, Staats- und Provinzialämter, die Parlamente

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und städtische Vertretungen die fremden hatten sich dem Magistrat von Berlin angeschlossen wurden von der Menge besonders bemerkt.

Eine Abtheilung Militär machte den offiziellen Schluß des Zuges, dem sich jedoch noch eine nach Tausenden zählende Schaar von Offizieren der regulären Armee und von Rejerveoffizieren anschlossen.

Der Sarg des Kaisers zog langsam dahin, und unmittelbar hinter demselben schritt das fürstliche Trauergefolge.

Dicht hinter dem Stronprinzen schritt in Marineuniform Prinz Heinrich, unmittelbar neben ihm der König der Belgier, leicht auf einen Stock gestüßt, dann der König von Rumänien, der König von Sachsen mit den Prinzen Albrecht, Georg und Alerander.

Nun kamen die fast zahllosen Vertreter der fürstlichen Geschlechter. Der Großherzog von Baden und der Kronprinz von Schweden waren in unmittelbarster Nähe des Prinzen Heinrich. Viel bemerkt wurden der Kronprinz Rudolf von Desterreich, die Kronprinzen von Jtalien und von Griechenland.

Nach den geschlossenen Fenstern des Kaiserlichen Balais waren zunächst heute aller Blicke gerichtet. Nur an einem einzigen Fenster hatte man ein klein wenig den Vorhang in die Höhe gezogen, cs lag im ersten Stockwerk über dem historischen Eckzimmer.

Das Fenster schaute nach dem Opernplaß hinaus. Dort wurden gegen 12 Uhr die Scheiben gepußt, ein breiter, nur einen ganz schmalen Zwischenraum lassender Schirm wurde vorgeschoben, und hinter diesen Schirm hervor jah die Kaijerin-Wittwe, in tiefste Trauer gehüllt, dem Begräbniß ihres heimgegangenen Gatten zu.

Um 1 Uhr 15 Minuten passirte der Sarg das historische Edfenster am Palais, von wo aus der Kaiser so oft auf seine Truppen und sein ihm zujubelndes Volk heruntergeblickt hatte.

Als sich die Kaijerleiche den Magistratstribünen näherte, hatte sich alles ehrfurchtsvoll erhoben. Sein Kopf blieb bedeckt, und vom Sarge des Entichlafenen wandten sich die Blicke dem Stronprinzen Wilhelm zu, welcher in Vertretung seines Vaters die Reihe der fürstlichen Leidtragenden eröffnete.

Punkt 1 Uhr 50 Minuten erreichte der Leichenwagen die Saiserdurchfahrt des Brandenburger Thores, durch welche der hohe Herr in guten wie schlimmen Tagen so oft von seinen Berlinern begrüßt, gefahren war. Drei Minuten nach 2 Uhr hatte das Ende des Zuges das Brandenburger Thor crreicht.

Als der Trauerkondukt in die Siegesallee cintrat, bestiegen die allerhöchsten und höchsten Herrschaften die vom Dom dorthin bestellten Wagen und folgten dem Leichenzuge nicht weiter, sondern begaben sich, so weit dieselben der Feierlichkeit im Mausoleum bei wohnen wollten, auf anderem Wege dorthin. Gardetruppen bildeten auf dem Wege nach und in Charlottenburg Spalier.

Jm Mausoleum zu Charlottenburg.

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Am Luijenplaß in Charlottenburg angekommen, bog der Trauerzug rechts ab und kam an das kleine, prunkloje Gartenthor, das hinter dem Schloß in den Hark führt. Hier waren die Wege mit frischem Kies bestreut. Das Regiment Garde-du-Storps hatte vorher abgeschwenkt, nur ein Zug war bis zum Parkthor gefolgt und nahm hier außerhalb des Parkes Aufstellung.

Am Parkthor verringerte sich das Trauergefolge abermals, nur die Hofchargen gingen dem Sarge voraus, die Flügeladjutanten und einige Fürstlichkeiten folgten hinter dem Sarge.

Einen überaus wehmüthigen Eindruck machte dieser kleine, einfache Zug, den man von der anderen Seite der den Schloßpark bespülenden Spree ausgezeichnet beobachten konnte. Dicht an der Hinterfront des Stadtschlosses ging es an den Fenstern vorbei, hinter denen Kaiser Friedrich weinenden Auges dem Zuge nachjah. Ein Theil der fürstlichen Herrschaften ging mit nach dem Maus soleum, der andere größere Theil begab sich zum Kaiserpaar hinauf ins Schloß. Es war dies auch zugleich der Empfang der hohen fürstlichen Gäste von Seite des Kaiserpaares, am Mausoleum.

In einem Wagen begab sich Staiserin Viktoria mit der Großherzogin von Baden nach dem Mausoleum. Dort waren wieder sämmtliche leidtragende Fürstlichkeiten versammelt.

Als der Sarg in der Vorhalle niedergesegt war, wurde, wie

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Das Mausoleum in Charlottenburg mit den Sarkophagen Kaiser Wilhelms

und der Kaiserin Augusta.

Kaiser Wilhelm dies testamentarisch gewünscht hatte, ein schlichter Segen, wie ihn die protestantische Liturgie vorschreibt, verbunden mit kurzem Gebet, gesprochen.

Als diese, nur etwa 12 Minuten dauernde, rührend einfache Feier geendet, wurden 101 Salutschüsse abgegeben.

Kaiser Wilhelms Beiseßung war beendet.

Nachdem sich alle Gäste entfernt hatten, kehrten Kaiserin Viktoria und die Großherzogin von Baden ins Mausoleum zurück, knieten neben dem Sarg in stillem Gebete nieder und nahmen Abschied von Raiser Wilhelms sterblichen Resten.

Schluß. Schauen wir zum Schlusse, wie von einer erreichten Höhe hinab anf den Lebensgang des wunderbaren, gesegneten Königsmannes, so erblicken wir im Großen die Laufbahn eines Sterblichen, der durch die Nacht zum Licht emporgestiegen ist.

Eine Kindheit im lieblichen Neste einer glücklichen Ehe sehen wir ihn in sonniger Schöne verleben, als plößlich ein harter Schlag aus heitrem Himmel das Land und den Palast zertrümmert, der die Sirone dem edlen Vater fast vom Haupte schlägt und die Freude der Stindheit in das bittere Weh thränenreicher Jahre und des Erils verwandelt. Auf diesem dunklen aber fruchtbaren Boden erwächst die Neugeburt Preußens, sein Idealismus, sein Gottesglaube, seine Kräftigung war nun heraus.

Große Thaten der Opferwilligkeit, der Selbstlosigkeit, des Heldenmuthes, der unbesiegbaren Tapferkeit sehen wir in den Befreiungsfriegen geschehen, bis der schreckliche Tiyrann, die Geißel Europas, bezwungen und unschädlich gemacht zu Boden liegt.

Preußen bleibt klein, man läßt es nicht aufkommen; aber es wächst unscheinbar aus dem Innern heraus und verspricht ein stetiges Aufblühen, als plößlich wieder ein wüster kalter Sturm, eine Zeit der Schmach, Alles zu vernichten droht.

Die schlechten Leidenschaften des Volkes erhalten die Oberhand und machen sich zu Herrschern der Hauptstadt; selbst die Krone scheint zu wanken! Der Prinz von Preußen muß der Bosheit und Schwäche weichen und zum zweiten Male muß er in England das bittre Brot der Ausweisung kosten. Jeßt lernt er die Säulen erkennen, auf denen die Sicherheit und Größe Preußens ruht. Unermüdlich thätig, mit den Erfahrungen wuchernd, die er in der Pfalz und in Baden gemacht hat, sinnt er und arbeitet unermüdlich, bis er das Räthsel gelöst hat, Preußens Armee so stark, so kampfbereit wie möglich zu machen. Er erhält aus der Hand des geisteskranken und sterbenden Bruders als angehender Greis das Scepter. Nun versucht er die deutschen Verhältnisse zu ordnen; aus diesen Bestrebungen entstand der Krieg 1864, der siegreich durchgeführt, ein Prüfstein für die Güte der Reorganisation der Armee war. Er führte zum Zwiespalt mit Desterreich und gegen Süddeutschland.

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