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Die Schleswig-Holstein'sche Verwickelung.

Der Erbprinz von

Nugustenburg.

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Schleswig-Holstein meerumschlungen,
Zittre nicht, mein Vaterland.

en Herzogthümern Schleswig-Holstein

wurde durch König Friedrich VII. von Dänemark am 30. März

1863 eine neue Verfassung aufs gezwungen, durch welche sie ohne stän

dische Bewilligung mit etwa 21/4 Millionen Reichsbankthalern mehr belastet

wurden, und außerdem war von ihm die völlige Einverleibung Schleswigs in Aussicht genommen worden.

Natürlich hätte das kleine Dänemark ein solches Auftreten gar nicht wagen können, wenn ihm nicht einerseits die Uneinigkeit der deutschen Bundesstaaten stets vor Augen gewesen wäre, so daß es scharfe Maßregeln von deutscher Seite nicht befürchtete und wenn ihin nicht andererseits Lord Palmerston, der ebenso so prahlerische als deutschfeindliche englische Premierminister, zu dem Glauben Veranlassung gegeben hätte, daß bei einem etwaigen deutschen Vorgehen Dänemark mit Sicherheit auf Englands Unterstüßung rechnen dürfe.

Nichts beweist den dänischen Troß und die deutsche Langmuth deutlicher, als eine Zusammenfassung der auf die schleswig-Holsteinsche Frage bezüglichen Stellen in den preußischen Thronreden.

In der Eröffnungsrede an den Landtag am 12. Januar 1859 heißt es:

„Im Verein mit den übrigen deutschen Bundesregierungen sind die schon bisher nicht ohne Erfolg gebliebenen Bemühungen Meiner Regierung fortdauernd darauf gerichtet, die unter dem Scepter des Königs von Dänemark stehenden deutschen Herzogthümer endlich in der vollen Uebung derjenigen Rechte zu sehen, auf welche ihnen die Geseße des Bundes und die seiner Zeit zwischen dem deutschen Bunde und dem Kopenhagener Kabinet getroffenen Vereinbarungen einen wohlbegründeten Anspruch verleihen.“

Als im folgenden Jahre der Landtag eröffnet wurde (12. Januar), sagte der Prinzregent:

„Jm Verein mit Meinen deutschen Bundesgenossen bin Ich fortgejeßt bestrebt, dahin zu wirken, daß den unter dänischem Scepter vereinten deutschen Landen eine gesicherte, den bestehenden Vereinbarungen und anerkannten Landesrechten entsprechende Verfassung gewährt werde. Nicht minder werden Meine Bemühungen am deutschen Bunde darauf gerichtet sein, daß der bis zu endgiltiger Regulirung derselben unvermeidliche Zwischenzustand in befriedigender Weise ges ordnet werde.“

Energischer klingen bereits die Worte, die der König an den kurz nach seiner Thronbesteigung zusammentretenden Landtag richtete:

,,Zu Meinem lebhaften Bedauern haben die Schritte, welche Preußen in Uebereinstimmung mit den übrigen deutschen Bundes: itaaten seit Jahren gethan hat, um die unter der Herrschaft des Königs von Dänemark vereinigten deutschen Herzogthümer in den Genuß eines, den bestehenden Vereinbarungen entsprechenden geregelten Verfassungszustandes treten zu sehen, bisher zu keinem Resultate geführt. Mit seinen deutschen Verbündeten erkennt Preußen es als

. eine nationale Pflicht an, nunmehr endlich die gebührende Lösung dieser Frage herbeizuführen.“

In der Kede, mit welcher dieselbe Landtags-Session geschlossen wurde, heißt es:

„Die föniglich dänische Regierung ist den von der deutschen Bundesversammlung gestellten Anforderungen nicht vollständig nach: gekommen. Auch die danach von derselben Regierung gemachten Anerbietungen stellen die gebührende Lösung der am Bunde schwebenden Angelegenheit der unter dem Scepter des Königs von Dänemark vereinigten deutschen Herzogthümer noch immer nicht in sichere Aussicht. Aber der Charakter unserer Beziehungen zu den Großmächten Europas gewährt ausreichende Bürgschaft, daß diejelben durch ernste Maßnahmen nicht getrübt werden würden, welche innerhalb der Grenzen des deutschen Bundesgebiets nothwendig werden können.“

Bei der Landtags-Eröffnung am 14. Januar 1862 konnte König Wilhelm sagen:

„Meine und die kaiserlich österreichische Regierung sind mit der königlich dänischen Regierung auf deren Wunsch in vertrauliche Unterhandlungen eingetreten, um eine vorläufige Grundlage für cine Verständigung zwischen dem Deutschen Bunde und Dänemark über die Frage der Herzogthümer zu gewinnen. Wir halten dabei sowohl an dem Bundesrecht, als an bestimmten internationalen Vereinbarungen fest, und es gereicht Mir zur lebhaften Genugthuung, daß hierin das vollste Einverständniß nicht nur zwischen Mir und dem Kaiser von Oesterreich, sondern auch zwischen Uns und allen Unseren übrigen Deutschen Bundesgenossen besteht.“

Wie wenig es aber dem Dänen-Mönig in der Wirklichkeit um einen Ausgleich zu thun war, ergiebt die schon mitgetheilte, im Frühjahr 1863 den Herzogthümern aufgezwungene Verfassung. Darüber riß selbst dem Deutschen Bunde die Geduld und er faßte am 1. Oktober den Beschluß, gegen Dänemark mit Waffengewalt vorzugehen. Davon erhielt der Landtag bei seinem Zusammentritt am 9. November durch folgende Worte Kenntniß:

„Der Deutsche Bund hat beschlossen, im Wege der Erekution diejenigen bundesrechtlichen Forderungen zur Geltung zu bringen, welchen die Regierung Seiner Majestät des Königs von Dänemark in Betreff der Herzogthümer Holstein und Lauenburg bisher nicht genügt hat, oder bis zum Eintritt der Erekution nicht genügen wird. Im Fall eines den Erekutions-Truppen überlegenen Widerstandes ist die Mitwirkung preußischer und österreichischer Streitkräfte in Aussicht genommen. Sollte diejer Fall eintreten und die Verwendung außerordentlicher Mittel erheijchen, so wird Meine Regierung dem Landtage deshalb die erforderlichen Vorlagen machen.“

Nun starb aber am 15. November plößlich der dänische König und während sein Nachfolger Christian IX. sich zur Uebernahme der Regierung anschickte, erklärte unerwartet der Erbprinz Friedrich von Augustenburg, daß er mit dem Todestage des Königs Friedrich VII. die Regierung Schleswig-Holsteins antrete.

Dadurch hatte die Verwickelung der schleswig-Holsteinschen Angelegenheit natürlich ihren Höhepunkt erreicht. In der Wirklichkeit waren die Ansprüche des Augustenburgers, wenigstens vom juristischen Standpunkte aus, ziemlich zweifelhafte, aber der Uebermuth des verstorbenen Dänenkönigs hatte in Deutschland eine derartige Erbitterung hervorgerufen, daß man fast allgemein für den Kron-Prätendenten Partei ergriff. Verschiedene deutsche Fürsten, namentlich diejenigen, die mit den Augustenburgern verwandt waren, erkannten den Erbprinzen als Herzog von Schleswig-Holstein an und der „Nationalverein“ sowie andere volksvertretende Körperschaften faßten zu seinen Gunsten Resolutionen.

Das preußische Abgeordnetenhaus beschloß auf Antrag der Abgeordneten Stavenhagen und Virchow eine Adresse an den König, dessen wichtigste Säße folgende waren:

„Das Haus der Abgeordneten wendet sich an Ew. Majestät, um die schwere Schuld von sich abzuwenden, daß es nicht Alles versucht habe, um eine Politik zu ändern, welche das Land auf lange Zeit zu schädigen droht. Denn nach dem System des Ministeriums müssen wir fürchten, daß in seinen Händen die Mittel nicht im Interesse der Herzogthümer und Deutschlands, nicht zum Nußen der Strone und des Landes verwendet werden dürften. Darum bitten wir Ew. Majestät ehrfurchtsvoll und dringend, von dem Londoner Vertrag zurückzutreten, den Erbprinzen von SchleswigHolstein-Augustenburg als Herzog von Schleswig-Holstein anerkennen und dahin wirken zu wolleu, daß der deutsche Bund ihm in der Besißergreifung und Befreiung seiner Erblande wirkjamen Beistand leiste."

Die Pläne der preußischen Regierung waren natürlich anderer Art, und da man die Reorganijation des Heeres weit genug vervollständigt hatte, um unbesorgt auftreten zu können, antwortete der Strönig dem Abgeordnetenhause in folgender Weije:

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