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„Ich habe den Inhalt der Adresse, welche das Haus der Abgeordneten in Betreff der dänischen Angelegenheit an Mich gerichtet hat, mit der Sorgfalt erwogen, welche Ich bereitwillig den Wünschen und Ansichten des Hauses zuwende.

Wenn an die Spiße der Adresse der Saß gestellt worden ist, daß das Haus der Abgeordneten bereits die Richtung bezeichnet habe, welche einzuhalten Deutschlands Ehre und Jnteressen ge

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bieten, so will ich annehmen, daß damit der Mir nach der Verfassung und den Gefeßen des Landes zustehenden Entscheidung über die Beziehungen der Monarchie zum Auslande nicht hat vorgegriffen werden sollen.

Mit diesem Meinen Recht ist die Königliche Pflicht untrennbar verbunden, die Ehre und die Interessen Preußens dem Auslande gegenüber zu vertreten und zu schüßen, und ich weiß, daß Ich Mich in der Ausübung dieser Pflicht auf die bewährte Hingebung Meines Volkes stüßen kann; Ich weiß aber auch, daß ich die Frage, wann Ich dieses Volk zum Stampfe aufzurufen und Gut und Blut von

Ics die in mo!itein einrütenden Kunde truppen feiner Unterstüßung bebarien, um ihre Ausgabe auszuführen, darüber werden Guere Zuzdicucht mit Mir einperitanden sein. Wenn unvorhergeschene Gontzalita:en eintreten, welche weitergehende Maßregeln nöthig rodin, jo tönnen die deutschen Truppen auf regelmäßigem Bege, Es zu jeder eriorderlifen Höhe in fürzester frit veritarft werden.

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Das Eingreifen in die Ereignijje aber durch einen Truppenförper, detien Eristenz, bis jeßt wenigitens, auf keinem völferrechtlich an erkannten Titel beruhen würde, kann zu Komplifationen führen und Perlegenheiten bereiten, welche Sie in Ihrem eigenen Interesse zu vermeiden wünschen werden.

Wenn Euere Turchlaucht dazu noch die Schwierigkeit erwägen, welche sich ohne Zweifel der Formation eines geordneten und Zhren eigenen militärischen Ueberzeugungen und Anforderungen entsprechenden Truppenkörpers aus den möglicherweise sich darbietenden einzelnen Elementen entgegenstellen würden, so darf Ich hoffen, daß Euere Durchlaucht Meinem wohlmeinenden Rath, von dem Versuch einer solchen Bildung eigener Truppen überhaupt abzustehen, Ihre Berücksichtigung nicht versagen werden.

Empfangen Sie bei diesem Anlaß die Versicherung der freundschaftlichen Gesinnungen, womit verbleibe Euerer Durchlaucht freundwilliger Vetter

Wilhelm.

Virchow als Volitiker.

Du großer Doftor Eisenbart,
Die Kranken heil' nach Deiner Art;
Gesunden gieb nicht Deinen Nath,

Die schnen sich nach Mannesthat. Man sollte glauben, daß der preußische Landtag bei seiner Begeisterung für den Augustenburger der Regierung mit Freuden die Mittel zu einer thatkräftigen Aktion in Schleswig-Holstein bewilligt hätte, aber dies war durchaus nicht der Fall.

Etwas Schuld daran trug allerdings wohl auch Bismarck dadurch, daß er auf die Behauptung des Fortschrittlers Twesten: „Bei seinen inneren Wirren sei Breußen zu einem Kriege gegen Dänemark unfähig“, nicht überhöflich erwidert hatte: „Die Regierung werde, wenn sie einen Krieg für nothwendig erachte, Krieg führen mit oder ohne Gutheißen des Hauses.“

Die Regierung hatte zur Durchführung einer energischen Politik die Bewilligung von 36 Millionen Mark gefordert, und dies führte, nachdem es bereits am 23. November zu scharfen Worten seitens des Striegsministers gekommen war, zu harten Wortgefechten in der Sizung vom 18. Dezember.

Die Verhandlungen an jenem Tage werden ewig denkwürdig bleiben durch den Beweis ,,staatsmännischer Urtheilsfähigkeit“ und „tiefer Menschenkenntniß“, den die Majorität des Hauses dadurch erbrachte, daß sie durch den Mund ihres Berichterstatters Virchow 11. a. feierlich erklärte:

Kriegsminister von Roon.

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Roon's Entwickelungsgang.

Klein Zweifel, Du wirst unsrer Stärke Bau
So fest begründen wie mit Eisenquadern,
Und Stolz wird rinnen durch des Volkes

Adern,
Labt sich sein Herz einmal an dieser Schau.

9. v. Redivis.

R

oon hatte die schweren Kämpfe für die

Wehrhaftmachung der Armee durchzukämpfen. Er war es, wie schon ge

sagt, in erster Linie, der fortwährend den Stönig auf die Person Bismarcks aufmerksam gemacht hatte.

Wer von einem großen Manne, wie Graf von Roon einer war und den der Staiser Wilhelm seinen „Waffenschmied" nannte, sprechen hört, denkt oft, daß solch hoher Offizier in Sammt und Seide auferwachjen sei.

Toch wie sieht man den Irrthum ein, wenn man die Jugendjahre und die schweren Zeiten näher betrachtet, die Männer wie Graf Roon, Goeben, Moltke, Vogel von Falckenstein, die zu den berühmtesten preußischen Heerführern zählen, durchzumachen hatten.

Wir wollen daher einen Blick auf die Jugend des großen Kriegsministers werfen. Koon war der Sohn eines preußischen Offiziers in Frankfurt a. O., der aber schon jung den Abschied nahm und ein kleines Gut Pleushagen bei Kolberg übernahm, das

in den Kriegsjahren 1806 bis 1813 von den Franzosen durch Einquartirung und schwere feindliche Belastungen hart mitgenommen wurde.

Mitten in dieser Sturmperiode, am 30. April 1803, wurde unser Held geboren; nicht in einem Hause, aus dem ihm Glück und Wohlstand entgegen traten, sondern in dem einfachen Obdach kränklicher, von Kummer niedergedrückter Eltern. Er jah schon als Kind die Franzosen (1806) die elterlichen Gründe als Feind betreten, jah neben der Trübjal im Elternhause auch die des Vaterlandes. Als er 8 Jahre alt war, stand er bereits am Grabe seines Vaters und an der Seite seiner nervenkranken Mutter. Er wurde zu Verwandten gebracht, die in der Leidenszeit Preußens selbst kaum das tägliche Brot zu brechen hatten, bis er mit 13 Jahren Unterkunft in der Sadettenanstalt zu Kulm fand. Daß der früh verwaiste, vom Schicksal stets herumgestoßene junge Roon die Kadettenanstalt froh begrüßte, die manchem jungen Herrn als eine öde Stätte gegenüber dem frischen häuslichen Leben erscheint, ist wohl kein Wunder.

Er fühlte sich dort um so glücklicher, als ein Hauptmann von Chappuis sich des jungen, kräftigen, warmherzigen Sinaben, der sich nach dem Anschluß an ein menschliches Herz jehnte, auf das väterlichste annahm. Dieser von hoher Vaterlandsliebe getragene Oifizier wußte die jungen sinaben in jener Zeit der höchsten Erniedrigung Preußens für Ehre und Treue zu begeistern und verstand es, in dem jungen Roon die Eigenschaften zu erwecken, die ihn später jo berühmt machen sollten.

Die durch Sorge und Noth gestärkte Festigkeit seines Willens und der aus dieser Zeit entstandene Ernst seines Wejens verbanden sich bei Roon mit der glühenden Vaterlandsliebe und Königstreue, um aus ihm den großen Schöpfer unserer Armee zu machen.

Mit dem Zeugnisse „Er verspricht unendlich viel" kam Koon im Mai 1818 nach Berlin, um im dortigen Kadettenhause seine Ausbildung fortzuseßen. Hier konnten sich unter der Leitung des damaligen kommandeurs der Anstalt v. Brause, der in seiner Erziehungsmethode mit Recht den Hauptwerth auf Charakterbildung legte, Roon's in Sulm gewonnenen Grundfäße zu jener Charakterfestigkeit vertiefen, die er in seinem späteren Leben oft gemg in so hervorragender Weise bethätigen sollte.

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