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Responsio afflicti filii ad moestissimam matrem,

"O mater sanctissima,

mater dilectissima,

audi, quare vulnera

mihi sint et clavi:

hoc fero supplicium,
crucis improperium
pro amore hominum,

quos tantum amavi.

Erat homo Perditus
in peccatis venditus,
inimico subditus,

sedens in tormentis:
non erat qui surgeret

et ipsum eriperet

et vires constringeret
antiqui serpentis.

1 Handschrift morieris.

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Aus einer St. Blasischen Handschrift zu Karlsruhe, ohne Nummer, Blatt 67 vom Jahr 1440. Die legte Strophe enthält die Ermahnung an die Christenheit, sich durch die Betrachtung des Leidens zu bessern. Dieser Schluß gehört eigentlich nicht zu dem Gedichte, wohl aber kommen ähnliche Ermahnungen in den folgenden Schauspielen vor, gewöhnlich in den Vor- und Schlußreden, welche den Kirchenvätern und Propheten in den Mund gelegt sind.

D. Zusammenhang mit dem französischen

Schauspiel.

Die strophische Abfassung dieser teutschen so wie der lateis nischen Marienklagen und Osterfeiern weist auf das altfranzösische Schauspiel zurück, welches schon im elften Jahrhundert in derselben Art behandelt wurde. Die vierzeiligen lateinischen Strophen von vier- und fünffüßigen Jamben, hat auch das älteste Spiel bei Monmerqué (théatre français 4. 5. 7. 8.); sie haben meistens nur einen Reim (monorymes) wie in obigen Stücken. Diese gleichreimigen Strophen sind auch im Altfranzösischen nachgebildet, wie dort ebenfalls Beispiele vorkommen. Doch habe ich bei den Franzosen noch nicht dieselben lateinischen Strophen gefunden, die in den teutschen Stücken gleichsam ein dramatisches Gemeingut sind, was eine große Verbreitung beweist, so daß sich wohl auch französische Beispiele finden werden.

Trochäische Strophen mit überschlagenden oder verschränkten Reimen haben die Franzosen in derselben Art, wie die Teutschen, nur noch zahlreicher, künstlicher und älter. In diesen Strophen ist die dreitheilige Anlage Regel, sie bestehen wie in No. 2 und 5 entweder aus drei achtfüßigen oder sechs vierfüßigen Trochäen, die in den teutschen Beispielen selten reimen, während in den französischen die gleichen Verse regelmäßig gereimt sind. Monmerqué p. 3.

adest sponsus, qui est Christus,

vigilate virgines!

pro adventu ejus gaudent

et gaudebunt homines.

Diese Strophen haben bei den Franzosen nur vier kurze Verse oder zwei lange. Der erste kurze Vers kann durch

In dem théatre français von Monmerqué ist die Eintheilung der Strophen nicht gehörig beobachtet, auch nicht S. 9 die Herameter, welche dazwischen stehen.

Mittelreime getheilt werden in zweifüßige Trochäen, wodurch die Strophe sechs Verse erhält. Monmerqué p. 6.

o Judaei

verbum dei

qui negatis, hominem

vestrae legis

teste regis

audite per ordinem.

1

In ähnlicher Weise sind die Strophen in dem Stücke No. 1 gebaut. Das bretonische Spiel, Leben der h. Nonna, ist durch seine strophische Abfassung ausgezeichnet. 1 Wenn eine lyrische Marienklage, wie die obige, in Strophen geschrieben ist, so fällt es nicht auf, wohl aber wenn das Gespräch eines ganzen Schauspiels in Strophen besteht. In dem bretonischen Stücke sind es gewöhnlich Strophen von sechs Versen und drei Reimen, die Verse haben drei, vier und fünf Füße, es reimen Vers 1 mit 2, 3 mit 6, 4 mit 5 also wie obiges lateinische Beispiel. Ist die Rede einer Person länger als sechs Verse, so wird die folgende Strophe dadurch an die vorige angeschlossen, daß ihr erster Vers auf den legten der vorhergehenden Strophe reimt, wodurch auf dem Uebergang von einer Strophe zur andern drei Gleichreime entstehen. 3. B. Buhez p. 108.

(Legter Vers der vorausgehenden Strophe:)

guir auantaig a couraig duet.
(Anfang der folgenden Strophe:)

A Devy te so benniguet,

me so dre da dour recovret.

1 Buhez santez Nonn, mystère publié par Sionnet, traduit par Legonidec. Paris 1837. 8. Auch in dieser Ausgabe ist auf das Strophenmaß keine Sorgfalt verwendet und die eingefügten Wörter, welche das Versmaß stören, nicht als Einschiebsel bezeichnet. So ist S. 16 das französische adieu zweimal eingeschoben, wo es den Vers verdirbt.

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