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lensk zu verlassen sich genöthigt fand, man nur noch hoffen konnte, den Feind dadurch zu verderben, daß man ihn tief in das Innere des Landes zog, und tadelt Napoleon, daß er gegen den Rath seiner erfahrensten Generale dem russischen Heere weiter gegen Moskau gefolgt fey. Dieser Ansicht stimmen auch wir vollkommen bei. Hätte Napoleon bei Smolensk Halt gemacht, hatte er diesen Punkt befestigt, seine Heere wieder geordnet, seine Flügel gekräftigt und ausgedehnt, Dünaburg und Kiew zu erobern gesucht, -^ hätte er dabei die Wiederherstellung von Polen unumwun« den ausgesprochen, so würde ihn der folgende Feldzug nach Moskau, bei völlig gesicherten Verbindungen, geführt, und zum Herrn des russischen Reiches gemacht haben. Es ist eine Thorheit zU glaubend daß man einen weichenden Feind, ohne Berücksichtigung der Umstände, überall hin folgen, sich so von seinen Bewegungen, seinem Willen abhängig ma» chen müße. Napoleon hatte nach der Besitznahme von Smo» lensk bereits ein großes Reich, das alte Polen erobert. Für den ersten Feldzug war dieß genug. Es durfte und konnte nicht mehr geschehen, als den Besitz zu sichern. An den Russen war es nun, da« Verlorene wieder zu gewinnen. Sie wurden bei Vorodino geschlagen. Kann man glauben, daß sie, zum Angriff übergehend, bei Smolensk gesiegt hätten. Napoleon wäre im Winter von >8i2 und iLiZMei» ster von Polen geblieben. Durch ein neues polnisches Heer verstärkt, wäre er im Frühjahre iLiZ nach Moskau gezo> gen. Das Kaiserreich hätte sich über Europa erstreckt. Der verwöhnte Sohn des Glückes wollte über Zeit und Ele» mente gebieten. Seine Kriegszüge sollten nickt bloß, wie die eines Julius Cäsar, fruchten; sie sollten vor Allem, wie die eines Alexanders, glänzen. Nur Napoleon selbst hat Europa von der Herrschaft Napoleons befreit.

Unser Verfasser, dessen Werk, wie wir schon an einer andern Stelle sagten, mehr theoretisch-strategisch als histo» risch ist, erörtert nun in den folgenden Blättern, die wichtige Frage: wann, und unter welchen Umständen man die Operazionslinien ändern könne. Er bemerkt ganz richtig. baß eine Flankenstellung, welche au« der Veränderung der Operazionslinie hervorgehe, kein Universalmitlel sey < dem Feinde das weitere Vorrücken zu wehren; daß man Ope» razionilinien nur in eigenem oder befreundetem Lande verändern könne, und daß eine solche Veränderung große Vorbereitungen in Bezug auf Magazine und Depots erheische. Er bemüht sich, zu zeige«, daß Barclay nicht von Smo« lensk gleich gegen Kaluga in die mittäglichen Provinzen marschiren konnte, da eine solche Bewegung Moskau, auf das die Blicke von ganz Rußland gerichtet waren, preiß gegeben hätte. Erst als die Schlacht von Borodino verlo» ren, die Erhaltung Moskaus unmöglich war, konnte man auf Veränderung der Operazionslinie denken. Auch hätte das russische Herr sich von Mosaisk nicht auf Moskau, sondern auf Borowsk zurückziehen sollen. Wäre Napoleon von Mosaisk, statt gerade nach Moskau, über Wereia nach Podolsk marschirt, so würde er sich der Straßen von Tula und Kaluga bemeistert, die russischen Heere getrennt, und Kutusow genöchigt haben, sich nach Wladimir zurückzuzie» hen. Wir bemerken hierbei nur, daß Barclay, nachdem Napoleon auf dem linken Ufer des Dniepers vor Smo» lensk erschienen war, sich gar nicht mehr über Elnia gegen Kaluga zurückziehen konnte; daß er indes wohl bessergethan hätte, mit Vermeidung der blutigen fruchtlosen Gefechte bei Smolensk, diese Richtung früher einzuschlagen. Daß die Russen von Mosaisk auf Borowsk hätten zurückgehen sollen, unterliegt keinem Zweifel. Ihr fehlerhafter Rückzug nach Moskau würde sie in die übelste Lage gebracht haben, hätte die gleich fehlerhafte Vorrückung Napoleons ihnen nicht die Möglichkeit gelassen, das Versäumte nachzuholen. —

Zu Tzarewo-Zaimischtche übernahm Fürst Kutusow den Oberbefehl über die russischen Heere. Er fand die von Barclay gewählte Stellung nicht stark genug, trat deshalb am 2i. August den weiteren Rückzug an, und erreichte am 2. September Borodino.

Der Verfasser erörtert nun die ewig denkwürdige

Schlacht (7. Siptember), wo die zwei an Zahl fast glei« chen Heere (jedes »Zo.ooo Mann) in einem mörderischen/ unentscheidenden Kampf« fast den dritten Theil ihrer Streit» kräste verloren. Er tadelt den russischen Feldherrn, daß er auf seinem rechten Flügel, zwischen Gorki und der Moskwa, zu viele Truppen, die gar keinen Feind vor sich hatten, aufgestellt, und sich dadurch in die Lage gesetzt habe, wäh» rend der Schlacht eine Bewegung links nach der Mitte zu machen; was zur Folge gehabt hätte, daß die Truppen vereinzelt zun, Gefecht kamen. Der rechte Flügel des ruf« fischen Heeres hatte sich an Gorki, der linke an Utitza siü» tzen sollen; was die Schlachtlinie sehr verkürzt halte. Die Milizen von Moskau, ein Theil von Platows Kosaken, wären hinreichend gewesen, um die unangreifbare, «ine Weg» stunde betragende Strecke zwischen Gorki und der Moskwa zu besetzen. Viel zweckmäßiger habe Napoleon sein« Hauptt Massen auf dem rechten Ufer der Kolocza vereint, und auf dem linken nur Eugens Korps belassen. Statt indes die Schlacht mit versagtem linken und verstärkten rechten Flu, gel zu liefern, und sein Hauptaugenmerk auf Wegnahme von Utitza und Umgehung des russischen linken Flügels zu richten, habe Napoleon sich in ein« parallel« Schlacht verfangen, sich auf Wegnahme von Verschanzungen, die er um» gehen konnte» eingelassen, und sich so, ohne entscheidenden Erfolg, «inen ungeheuren Verlust bereitet. Der Verfasser zeigt nun, daß die Überwältigung und Umgehung de« lin» ken Flügels die Nüssen zwar nicht, wie Einige behaupten, zwischen die Moskwa und Kolocza eingesperrt, aber Na» poleon jedenfalls einen leichtern und gewichtigeren Sieg verschafft haben würde. Utitza sey der strategische und tat» tische Angriffspunkt. Auf der alten Straße von Moskau hätte nicht nur Poniatowsly«. sondern auch Davousts gan» zes Korps vorrücken sollen. Wir stimmen vollkommen Oku» neffs Ansichten bei. Die erste strategische Aufstellung der Russen bei Beginn des Krieges war höchst fehlerhaft; die erste taktische Aufstellung bei Vorodino war es nicht min» der. Hütten die Russen ihre Kräfte mehr gesammelt, ihren >"»» 35n"""

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tirikin Flügel mehr verstärkt, so würden sie nicht, bei gleicher Kraft im Ganzen, auf den entscheidenden Punkten im» mer die Schwächern gewesen seyn, und vermocht habe», auf dem blutgetränkten Schlachtfelde, nicht nur die Nacht, sondern auch den Tag zu erwarten. Kutusow konnte dieses, bei den genommenen Maßregeln, nicht. Er hatte der alten Garde, die noch nicht zum Gefecht gekommen war, keine frische Truppe entgegenzustellen, und verließ am Morgen des 8. den tapfer behaupteten Kampfplatz. Diese Schlacht bezeichnet bei unserem Verfasser das Ende der zweiten Kriegsepocke. Napoleon zog am i<. September in Moskau ein. In der Nacht begann der Vrand, der erst am 2», aufhörte fast die ganze Stadt verzehrte, und Napoleons Aufmerksamkeit von Kutusow abzog. —

Wir kommen nun auf die dritte Kriegsepoche, welche den Zeitraum von der Übergabe Moskaus bis zur gänzlichen Vertreibung der Franzosen über die Grenze des Reiches b e° »reift.

Nach der Schlacht von Vorodino, beginnt unser Verfasser, als die Übergabe von Moskau keinem Zweifel mehr unterlag, hätten die Russen sich ercentrisch von Mosaisk nach Vorowsk, gegen Kaluga zurückziehen sollen. Aber bei, nahe ein noch größerer Fehler ist es, daß Napoleon, bei seiner Vorrückung nach Moskau nicht die Straßen nach Kaluga, Serpukhow und Rezan besetzte; daß er die Russen ganz aus dem Gesicht verlor, und es ihnen möglich machte, um Moskau herum zu ziehen, und die schon verlorene Verbindung mit den mittäglichen Provinzen wieder zu gewinnen. Moskau loderte in Flammen auf. Rostopschin hat die That von sich zurückgewiesen. Nicht der Vrand von Moskau, das Verweilen in Moskau wurde Napoleon verderblich. Das russische Heer hatte schon seinen Flankenmarsch von Kulcikowo nach K ra s n ai-P a k h ra vollendet (»9. September) und seine Verbindung mit dem Süden eröffnet, als Napoleon den König von Neapel gegen Rezan (22. September), Poincttowsky gegen Tula (20. Septemder), dt« Marschall Vessieres gegen Kaluga <2». Sep. tember) sandte, um das russische Heer aufzusuchen. Als man endlich die Spur gefunden, folgten Mural mit Poniatowsky dem russischen Heere, das sich auf der alten Straße nach Kaluga hinter der Nara gesetzt hatte. Die Vorstellungen Murats nicht achtend, ließ Napoleon nicht volle 3o,oc>o Mann dem mehr als noch einmal so starken russischen Heere gegenüber; indeß er mit seiner Hauptmacht, eingewiegt von eiteln Friedensträumen, in Moskau drei Märsche entfernt blieb. Mural hatte die Stellung hinter der l§ z ernischul« genommen. Kutusow überzeugte sich endlich, daß er nur einen Theil des französischen Heeres vor sich habe, ging deshalb bei Tarutino und Spaskoi« über die Nara, und griff in fünf Kolonnen, von denen die äußerste rechte auf Spaßtupli» gerichtet war, und Mural von Moskau abschneiden sollte, die französische Stellung an <»8, Oktober). Unser Verfasser lobt Kutusow« Plan, tadelt jedoch, daß die rechte Flügelkolonne nicht stark genug war, um ihre Aufgabe vollständig zu lösen. Demungeachtet wurde Mural geschlagen, und mit Verlust von 38 Kanonen und 4a Munizionskarren zum Rückzug gegen Moskau gezwungen. Der Schlag von Tarulino schreckt« Napoleon an« seinen Friedensträumen auf. Sich mit seiner vereinten, noch bei loo.ooc, Mann betragenden, Streitmacht eine neue Rückzugslinie über Kaluga zu eröffnen, hätte nun sein Zielseyn sollen. Er würde es erreicht, er würde sein geschwächtes Heer in Ordnung zurückgebracht, und vermocht haben, wo nicht hinter dem Dnieper und der Düna, doch hinter dem Niemen und Nug die Winterquartiere zu beziehen. Doch was entschlossen und schnell ausgeführt werden muß, te, wurde nur schwach und kraftlos versucht, und endlich ohne Noth aufgegeben. So schwer fiel es der Eitelkeit Napoleons, sich unumwunden zum Rückzug zu entschließen, — vor aller Welt zu bekennen, daß er mehr als Abenteuerer, denn als Feldherr nach Moskau gezogen, und was er unklug unternommen, klüglich aufzugeben genöthigt sey. Erst am »9. Oktober verließ Napoleon Moskau, und marschirte üstr. milit. glitsch. ,83..III. P b

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