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— 342 "-" danten, Fürsten Reuß geschickt hatte, um sich bei den FML. Graf Brechainville persönlich um die Lage der Dinge zu erkundigen. Fürst Reuß brachte die sehr unangenehme Nachricht, daß die große Übermacht der Türken alle Posten in der Almasch gezwungen habe, sich zurückzuziehen; daß Major Graf Oreilly den Alibeg habe verlassen müssen, und in Folge dessen FML. Brechainville, zu schwach, dem überlegenen Feinde im offenen Felde zu widerstehen, sich von Weißkirchen nach Verschitz zurückgezogen; Gen. Lilien auch seine Posten von Kubin habe an sich ziehen, Pancsova räumen, und sich gegen Oppowa «lernen müssen. So war denn die schöne Ebene zwischen Ujpalanka, Weißlir« chen, Pancsova bis Oppowa offen und der Wuth der laubsüchtigen Feinde preisgegeben.

Diese unangenehme Nachricht entschied zu dem Entschlüsse, das Lager und die Stellung zwischen S adova und Statin« zu verlassen und jene bei Kala nseb es zu beziehen, wozu die Nacht vom 20. auf den 21. September festgesetzt wurde. Man entledig« sich im Voraus in verschiedenen Intervallen aller unnöthigen fahrenden Bagage, um ihr Zeit zu geben, den nüthigen Vorsprung zu gewinnen, damit die Armee auf ihren Marsche nicht gehindert werde. —

(Die Fortsetzung folgt.)

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/er Verfasser kommt nun auf die zweite Kriegsepoche, die den Zeitraum von Vereinigung der russischen Heere beiSniolense bis zur Besetzung von Moskau durch die Franzosen begreift.

Nach seiner Ankunft in Witebsk (28. Juli) verlegt« Napoleon sein Heer nach Surage, Orcha, Liosna, Rud» nia, Polewiki, in so weitläufige Kantonnirungen, daß es kaum in zwei Tagen gesammelt seyn konnte. Die beiden russischen Heerewaren am 2. August bei Smolensk ver» eint. Barclay belchloß, von dem Fehler Napoleons Nor» theil zu ziehen, und den König von Neapel anzugrei» fen; der mit dem 1., 2. und 3. Reiterkorps zu Rudnia, zwischen Witebsk und Smolensk, von jedem dieser Orte zwei Märsche entfernt stand. Schon hatte das eine russische Heer rechts Prikaz« Wydra, das andere links Nadwa erreicht; schon hatte Platow zu Inkowo (8. August> ein« Voltigeur-Kompagnie gefangen» und Sebastianis Korps geworfen, als Barclay plötzlich, aus unzeitiger Vesorgniß, von Surage in seiner rechten Flanke umgangen zu werden, seinen Plan aufgab, und sich rechts gegen die Straße zo«< welche von Poreczie nach Smolensk führt.

Obschon unser Verfasser Barclay deßhalb tadelt, bemüht

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«r sich doch, zu zeigen, daß es dem russischen Feldherrn nicht gelungen wäre, die ganze französische Armee theilweise zu schlagen, und daß er höchstens bis Liosna hätte rücken können, wo Ney mit dem 2- Korps stand. Nach unserer Ansicht lassen sich die Grenzen solcher Erfolge nicht wohl abstecken. Das zerstreute, fast Überfallene, französische Heer würde sich wohl schwerlich in Vabinowiczy (wenn anders Napoleon, wie der Verfasser glaubt, diesen von Rudnia nur einen Marsch entfernten Punkt zuf Vereinigung des Heere« gewählt hätte) haben sammeln können, wenn Barclay mit Kraft und Schnelle vorgerückt wäre, und seine zahlreichen, in solchen Gelegenheiten höchst nützlichen Kosaken gehörig verwendet hätte. Barclay ließ die schönste Gelegenheit, die sich ihm bot entschlüpfen. Er machte auf der Siegesbahn bei Beginn des Sieges Halt. Vielleicht hätte hier Napoleons Siegeslauf seinen Wendepunkt gesunde». Doch nicht das ruffische Schwert, der russische Winter sollte die Franzosen vernichten. Die Angriffsversuche Varclays hatten Napoleon aus seiner Ruhe geweckt. Er ließ sein Heer an den Dnieper marschiren; entschlossen, diesen Fluß bei Rasasna und Khomino zu übersetzen, und in Hoffnung, Smolensk im Rücken des russischen Heeres zu nehmen. Ohne diese Bewegung Napoleons gerade zu tadeln, glaubt unser Verfasser doch, daß es vortyeilhafter gewesen wäre, wenn der französische Feldherr auf dem rechten Ufer vorgerückt wäre; indem die Russen, um nicht ihre Rückzugslinie über Wiasma nach Moskau zu verlieren, ssch ge» nöthigt gesehen hätten, auf dem rechten Ufer zu schlagen, und der Sieg da« erhaltene Smolensk, mit seinen Hilfsmitteln, in Napoleons Hände gegeben hatte. Doch der Kaiser hoffte nicht ohne Grund, Smolensk ohne Kampf zu bekommen. Vielleicht wollte er auch Barclay die Möglich, keit benehmen, sich von Smolensk über Ielnia nach Kaluga zurückzuziehen; eine Nückzugslinie, die Barclay in die fruchtbarsten Provinzen brachte» und den Heeren des Admirals und Tormassows näherte, und wohl vortheilhafter als jene nach Moskau gewesen, wäre. Vielleicht würde Bar»

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«lay auch den Weg nach Kaluga gewählt haben, wenn Moskau, die Alte, die Heilige, nicht Deckung, nicht Schutz ge« fordert hätte. Napoleon fand die beiden ruffischen Heere schon am linken Ufer bei Smolensk. Die beiden Feldherr« wollten zur Rettung der Stadt die Schlacht annehmen. Besorgnisse wegen des weiteren Rückzugs nach Moskau ließen diesen Plan aufgeben. Da sie jedoch bereits am linken Ufer waren, so mußten sie Smolensk als Brückenkopf zur Deckung ihres Rückzuges benützen. Varclay übernahm die Verteidigung von Smolensk. Er besetzte die Stadt auf dem linken Ufer mit 60,000 Mann, und stellte das übrige Heer am rechten Ufer. Das zweit« Heer, unter Vagration, verließ die Gegend von Smolensk, und nahm Stellung bei Kolodnia. Der schnelle Wechsel von Entschlüssen zeigt Mangel an Veurlheilung und Festigkeit. Wären die russischen Heere gleich am rechten Ufer geblieben, so hätte Varclay nicht nöthig gehabt, Smolensk und einen Theil seines Heeres zu opfern, um für sein zahlreiches Geschütz und Gepäck Zeit zum weitern Rückzug zu gewinnen. Er konnte die Stadt nach freier Wahl behaupten oder verlassen, je nachdem ihm Gin oder das Andere vortheilhafter schien. Am 17. August Nachmittags begann der Kampf um Smolensk, das von 100.000 Franzosen angegriffen, von 20,000 Russen uertheidigt wurde. Varclay. besorgt, daß Napoleon oberhalb Smolensk über den Dnie» per gehen, ihn von Bagration trennen, von der Straße nach Moskau abschneiden könne, ließ in der Nacht vom »7. auf den 18. Smolensk räumen. Die Franzofen gewahrten erst am Morgen, daß die Stadt verlassen sey. Napoleon zog in die rauchenden Trümmer, deren Besitz sein Heer um 20,000 Mann geschwächt hatte, wogegen die Russen nur 6000 verloren. — Unser Verfasser zeigt in einer langen Erörterung, daß es Napoleon nicht möglich gewesen seyn würde, oberhalb Smolensk über den Duieper zu gehen, und die ruffischen Heere zu trennen. Gr tadelt deshalb Varclay. daß er Smolensk geräumt, und nicht einen Kampf fortgesetzt, bei dem, wie schon die Erfahrung gelehrt, der Feind einen dreifach stärkeren Verlust leiden mußte. Okuneff scheint jedoch vergesse» zu hoben» daß die Eitadelle von Smolensk nur aus unpallisaoirten Erdwerken bestand; daß die Stadt auf dieser Seite leicht zu erstürmen war, und daß an, 18. geschehen konnte, was am 17. bloß aus Unkenutniß der Beschaffenheit dieses Werkes nicht geschah. Die Erstürmung von Smolensk würde aber höchst wahrscheinlich einen grc», ßen Theil der Vertheioiger in die Gefangenschaft geführt, und das ohnehin viel schwächere Heer Barclans noch bedeutend vermindert haben. Über den Werth von Smolensk» über das, was es hätte leisten können, wenn es eine Festung gewesen wäre, stimmen wir übrigens dem Verfasser ganz bei. Im ganzen innern Rußland ist wohl kein Punkt zur Fe» stung mehr geeignet, als Smolensk; in dem sich so viel« Straßen vereinen, das durch seine Lage an beiden Seiten eines bedeutenden Flusses den großen Vortheil einer ge» sicherten Uferwechslung bietet. Napoleon hatte Unrecht, Smolensk anzugreifen. Durch die Bedrohung eines Überganges oberhalb würde er Barclay vermocht haben, ihm die Stadt unversehrt zu überlassen.

Am 18, August trat die erste Arme« in zwei Kolonnen ihren Rückzug an. Die eine marschirte auf Grudichtchi, die andere auf Bredikino. Man mußte diesen Umweg nehmen, weil die Hauptstraße nach Moskau zu nahe am Dnieper hinzog, und im wirksamen Vereich des Geschützfeuers vom linken Ufer lag. Neys Korps, die Reiterei Murats, folgten dem russischen Heere über Stabn« und Gor» bunowo. Iunot ging bei Gruditchewo über den Dnieper; er sollte den Russen in die Flanke falle», blieb jedoch un> thätiger Zeuge des Gefechtes von Lubiuo, in dem die Russen die Versuche, sie von der Straße von Moskau ab» zuschneiden, vereitelten. Vom 19. bis 29. August waren die Russen in immerwährendem Rückzug; sie räumten Dorogobuge und Wiasma; erst bei Tzarewo«Zai mischtche fand Barclay die Stellung, in der eine Schlacht ge« wagt werden konnte.

Ocuneff sagt, daß von dem Augenblick, wo man Smo

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