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den von Ungern bei zunehmender Hitze gewöhnlichen Wechselsieber sich jetzt schon häufig in der Hauptarm« einstellten; indem der Abschluß des Monats Mai schon einen Krankenstand von 55 Offizieren und 53c>6Mann vom Feldwebel abwärts zeigte. Der Kaiser forderte daher von der feldärztlichen Direlzion ein Gutachten, und Verhaltungsregeln für die Mannschaft zur Erhaltung der Gesundheit. Diese wurden der Armee bekannt gemacht, und alle Vorgesetzte zur strengsten Handhabung derselben unter persönlicher Verantwortung angewiesen.— DieDetaschirung ins Banat, dann die Zunahme der Kranken hatte den Stand der Hauptarme« schon bedeutend herabgesetzt; die 5g Grenadier-Kompagnien, 3g Bataillons und 70 Eskadrons, aus welchen sie bestand, wiesen mit Ende Monats Mai einen «ffectiven Stand nur von 66,i25 Mannend 11,607 Pferden aus.

So war nun der Monat Mai, jener Monat, von dem man sich das meiste Gute für den Feldzug zu versprechen Ursache hatte, weil die Witterung der Kriegführung günstig, die Armee noch ungeschwächt von Krankheiten war, und vorzüglich anfangs des Monats noch leine Feinde der Hauptarmee entgegenstanden, unbenutzt vorübergegangen. Auch den ganzen Monat Juni hindurch stand die Hauptarmee ganz ruhig in ihren Lagern bei Semlin und Banovcze. Nur von Zeit zu Zeit ward diese Ruhe durch kleine Vorfälle, von denen wir die bemerkeuswerthesten hier anführen wollen, gestört.

Die Vermehrung der Garnison von Belgrad, und die zugewachsenen Vorräthe an Schlachtvieh machten der Garnison Fourragirungen nöthig, tie von den Tüllen auf verschiedene Art ausgeführt wurden. Anfangs schickten sie ihre Pferde, Kameele und das Schlachtvieh auf die Weide an der Save aufwärts bis zum De» dina-Berge. Dergleichen Fourragirungen deckten sie mit Tschaiken/ die bis Ostruschniza auf der Save hinauffuhren. Daß sie dieß öfters ungehindert wiederholen durften, machte die Tschaiken kühner. Sie machten daher den Versuch, eine Landung auf unserem Ufer zu bewerkstelligen. Es war am 14. Juni, »ls sechs dieser Fahrzeuge bis gegen Iacova heraufsteuerten, dort zwar am rechten Ufer hinter einer kleinen Insel vor Anker gingen, allein etwas anders als die Deckung der Fourragirung im Sinne zu haben schienen, weil sie nicht wie gewöhnlich vor Abends zurückkehrten. Sie hielten sich die Nacht, und sogar den ganzen Tag des »5. Juni ruhig. Allein um neun Uhr Abends lichteten sie die Anker, und wandten sich gegen das rechte Ufer, wo sie höchstens einige Vedetten zu verjagen meinten. Nun aber hatte der FML. Prinz von Hohenlohe, der das Reservekorps lommandirte, welches diese Strecke besetzt hielt, das Benehmen der Türken durch Kombinazion errathen, und dort, wo die Türken wahrscheinlich gelandet hatten, ihnen einen Hinterhalt von 5 Kanonen des Regiments Neugebauer dergestalt gelegt, daß diese Kanonen, auf den Nachtschuß gerichtet, die Oberfläche des Stroms bestrichen. Die Türken, welche bei ihrer Annäherung unvermuthet Truppen am Ufer gewahrten, ein Piket der 2 Kompagnien des Regiments Neugebauer, welche zur Bedeckung des Geschützes dienten, feuerten aus ihren Kanonen auf selbe. Der erste Schuß der Feinde war das Signal für unsere Batterie, welche das feindliche Feuer so kräftig beantwortete, daß eine der türkischen Tschaiken auf der Stelle in Grund geschossen, und noch zwei andere so zugerichtet waren, daß kaum die Mannschaft sich noch zu retten vermochte. Das Erste der Schiffe sank, und die beiden andern, welche gegen das dießseitige Ufer antrieben, wurden von uns genommen. Die übrigen nahmen hier» auf die Flucht, und zogen sich hinter eine Insel der Save. Unser Verlust bestand in 4 Todten und 6 Blessirten vom Regiment« Neugebauer. Jener des Feindes laßt sich nicht bestimmen, war aber, nach den Leichen zu schließen, die man auf der Save gesehen, viel bedeutender. Die Türken waren dadurch gewitzigt, und nahmen, anstatt der Tschaiken, Kanonen mit zu ihren Fourragirungen, welche sie auf dem Dedina-Berge auffuhr^ ten, und damit den Beschanier Damm beschossen, jedoch ohne viel zu schaden. Trotz all ihrer Vorsicht konnten sie dennoch nicht verhindern, daß bei ihren Four» ragirungen ihnen eine Menge Pferde, Kameele und Schlachtvieh von Parteien des serbischen Freikorps abgenommen wurden.

Auch auf der andern Seite des Dammes, an dem Sauspitz, und vorwärts an der Dunawacz gegen die Verschanzungen von Semlin, ereigneten sich mehrere kleinere, oft unbedeutende Scharmützel; eines der merkwürdigem derselben war das am iti. Juni. — Vorwärts der Verschanzungen von Semlin gegen die Donau stand ein altes Kavallerie-Wachthaus, und bei diesem gewöhnlich ein Offizier mit 20 Pferden auf Feldwache. Ungefähr auf tausend Schritte rechts seitwärts, aber mehr vorwärts, stand eine zweite Feldwache ebenfalls von 1 Offizier und 2o Pferden. Die Vedetlen dieser beiden Feldwachen standen in genauer Verbindung miteinander gegen die Dunawacz zu, deren Nette zwar ausgetrocknet, aber dicht mit Rohr bewachsen war. Am iL. Juni waren beide Posten von dem Kürassier«Regiment Zeschwitz besetzt; den ersten Posten befehligte » der Oberlieutenant Baron Ritterstein, den zweiten der Unterlieutenant Minutillo. Gegen Mittag schifften sich zwischen go und 10» Türken auf der Sauspitze aus, marschirten gegen die Dunawacz, bis an die Krümmung hinauf, die diese gegen Belgrad macht, und feuerten, versteckt hinter dem Schilfrohr, mit ihren gezogenen Röhren auf die Vedetten der genannten beiden Feldwachen, so daß diese sich genöthigt sahen, sich auf ihre Haupttruppe zurückzuziehen. Die beiden Kommandanten der Feldwachen, Zeugen der Bewegung des Feindes, nahmen Abrede miteinander, die Feinde gegen die erste Feldwache durch das Zurückziehen derselben zu locken, während die Zweite sich unbemerkt durch das Rohr der Dunawacz ziehen, und suchen sollte, die Feinde im Rücken zu nehmen. Die Türken, ermuthigt durch das Zurückreiten der Vedetten, und das Weichen des Unterstützungspostens, den sie zuerst ins Auge genommen hatten, rückten nun kühn über das Rohr hinaus, gegen die erste Feldwache. Diese zog sich so lange zögernd zurück, bis sie den Feind umgangen zu seyn hoffte; dann aber attakirte der Oberlieutenant Baron Ritterstein die Türken mit unerschrockener Heftigkeit in der Fronte, und der Lieutenant Minutillo siel ihnen zu gleicher Zeit mit solcher Kraft in den Rücken, daß in einigen Minuten bei 3« Türken todt auf dem Platze lagen, die übrigen theils verwundet, theils mit Wegwerfung ihrer Waffen, ihr Heil in der Flucht, und das Rohr zu gewinnen suchten, über welches hinaus die Kavallerie ihnen nicht folgen durfte, indem iener

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Terran von dem Geschütze der Tschaiken und jenem dec Festung bestrichen wurde. —

Wir haben im ersten Abschnitte von den Verschanzungen gesprochen, die zur Vertheidigung der Stellung von Semlin angelegt wurden. Diese waren mit dem 20. Juni vollkommen beendet. Es wurden nun die Geschütze, — bei 3oo Stück, eingeführt, unter denen sehr viele des schwersten Kalibers sowohl vom Feld- als Posizionsgeschütze sich befanden. Vier Bataillons rückten zur,Bewachung in das Retranchement; drei andere Bataillons des Lagers waren zu deren Unterstützung bestimmt. Über alle 7 Bataillons fühlte der FML. Graf Clerfayt den Oberbefehl.

In den Schanzen des Beschaniaer Dammes stand ein Bataillon, welches alle vierundzwanzig Stunden aus dem Lager abgelöst wurde; zwei andere Bataillons des Lagers hatten immer die Bereitschaft zur Unterstützung des ersten. Semlin und das Retranchement an der Donau waren von 7 Grenadier-Bataillons besetzt. Nach allen diesen Bestimmungen blieben noch i2 Ba° taillons unter dem Befehle des FZM. Baron Gemmingen im Lager von Semlin, welche überall hin verwendet werden konnten, wo>es die Noth oder der Vortheil erfordert haben würde. Von der Kavallerie des Semliner Lagers standen immer zwei ganze Eskadronen auf Feldwache: eine bei Semlin; die andere bei dem Ober-Brunnen,^unterhalb den Verschanzungen; zwei Eskadrons des Lagers waren, für den Fall eines entstehenden Allarms, zu deren Unterstützung angetragen. Der Rest der Kavallerie sollte unter dem GM. Fürst Waldeck nach Umständen verwendet werden. Um dem Mangel an Wasser bei Semlin abzuhelfen, der in

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