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schirend, die Besatzung dieses Platzes zu verstirten; eine Schwächung, die auf die unmittelbar folgenden Operationen seines eigenen Korps ebenso nachtheilig, als auf die Behauptung von Tournay entscheidend wirkte. — Die Abtbeilungen unter den Gen. Graf Wallmoden und von Gablenz bewegten sich von Alost auf Ouden a r d e.

Der GL. von Thielmann traf am 3i. den Feind bei Sweweghem, und ließ ihn durch seine, aus der ersten Brigade und 4 Kanonen bestehende, Avantgarde unter dem GM. von Brause bis in die Ebene vor Courtray verfolgen, während er die übrigen Truppen seines Korps, unter die Befehle des Prinzen Paul von Wür? temberg gegeben, bei Sweweghem in Schlachtordnung aufstellte. Zur Deckung der linken Flanke aber sollte der Major von Hellwig nach Belleghem rücken. Es zeigte sich jedoch sehr bald, daß nicht bloß die Nachhut, sondern das ganze Korps des Gen. Maison in Courtray noch beisammen war, und sich anschickte, nicht nur durch förmliche Frontangriffe, sonder» auch durch Umgehung beider Flügel das, nach der vorgedachten Entsendung eines Bataillons nach Tournay, höchstens Looo Mann starke Detachemein des GL. von Thielmann von seinem Vorhaben abzuhalten. Da dieser aber, der großen Entfernung wegen, den Angriff bis zur Ankunft des Grafen Lottum oder Wallmoden nicht aushalten zu können glaubte, so gab er den Befehl unverzüglich den Rückzug anzutreten. — Ungünstiger Weise war die rückwärts in Schlachtordnung stehende Infanterie nicht in der ihr angewiesenen Aufstellung geblieben, vielmehr, ungeachtet ihrer Ungeübtheit, zum Theil in vorgehende Plclnklerlinien aufgelöst worden. Durch die« se Auflösung, und über den schnellen Rückzug des Majors von Hellwig von Belleghem im Irrthume, drohte dem linken Flügel große Gefahr, aus der er sich, sie anfänglich nicht anerkennend, nach dem zu wiederholten Malen gegebenen Befehl zum schleunigsten Rückzug, nicht augenblicklich zu ziehen vermöchte. Die Folge hiervon war, daß nicht nur der linke Flügel auf dem durchschnittenen Terrän in ein mörderisches Gefecht zu seinem Nachthell verwickelt wurde, sondern auch, daß die unter den Befehlen des GM. von Brause mit Ordnung zurückgehende und weniger angefochtene Brigade zurRettung des umgangenen Flügels längerStand halten, ihre beiden Linien-Bataillons fast gänzlich in Plänklerlinien auflösen und ins Gefecht bringen mußte; wobei jedoch das erste Landwehr-Regiment besonnener Weise in Bataillonsmassen zusammengehalten wurde, und die wiederholten feindlichen Kavallerieangnffe, im Verein mit den dort befindlichen Husaren-Schwadronen, jedesmal zurückschlug. Nachdem die Brigade des GM. von Brause Sweweghem fechtend wieder erreicht, und ihre Plänklcrlinien gesammelt hatte, zog sie sich, dieses Dorf dem Feinde überlassend, unter dem Schutze der rückwärts in Posizion stehenden Artillerie und der beiden Kürassier-Schwadronen, in guter Ordnung zurück, und brachte das Gefecht bald zum Stehen. Von nun an durch den Feind nur wenig beunruhigt, ließ der GL. von Thielmann den fernern Rückzug nach Avelghem antreten; wo er das von Belleghem zurückgegangene fliegende Korps des Majors von Hellwig fand, und mit diesem in Vereinigung sich auf Oudenaerde zurück» zog, wo indessen die Gen. Graf Wallmoden und von Gablenz eingetroffen waren. — Der Gesammtoerlust des Gen. Thielmann belief sich an Tobten, Verwundeten und Gefangenen auf3o Offiziere und 6no Mann. Auch war die halbe Batterie der französischen Sechs» pfünder gezwungen, ein Geschütz, dessen Bespannung todtgeschossen worden, im Stich zulassen; obgleich die beiden Kürassier-Schwadronen durch ihre wiederholten Angriffe es wieder eroberten, aber aus Mangel an Bespannung nicht fortbringen konnten. Der Oberst von Thümmel und Rittmeister von Beulwitz blieben bei diesem Gefechte.

Der Gen. Ma iso n ließ in Courtray nur ein angemesseni Detachement zurück, und wendete sich mit seiner Hauptmacht gegen Tournay; weil er wahr, scheinlich jetzt den günstigsten Augenblick gefunden zu haben glaubte, sich durch einen Handsireich in dessen Besitz zu bringen. Er traf noch vor Tournay auf den Obersten von Egloffstein, der durch den GL. von Thielmann veranlaßt worden war, den Angriff auf Courtray durch Demonstrationen zu unterstützen, und deßhalb mit dem größten Theil der Garnison den 3i. März früh eine Aufstellung bei Rocq und Marquin nahm. Während der Gen. Maison Tournay selbst rekognoszirte, er» griff der Oberst von Egloffstein schleunigst die nöthigen Vertheidigungsmaßregeln. Die zur Behauptung von Tournay unter sein« Befehle gestellten Truppen bestanden aus: 3 Linien-Bataillons seiner Brigade (2 Bataillons Anhalt-Dessau-Köthen, 1 Bataillon Gotha) 3o sächsischen Husaren, un5 4 neunpfündigen Kanonen der neugebildeten belgischen Artillerie. Die beiden Ba» raillons Anhalt-Dessau besetzten die Wälle, während das Bataillon Gotha anfänglich in Reserve auf den öffentlichen Plätzen der Stadt aufgestellt war.

Die Besatzung harte nun bis zum Einbruch de« Nacht verschiedene heftige Angriffe auszuhalten, die insbesondere gegen die drei Thore Porte de sept Fonlaines, Lille und St. Martin gerichtet, durch die Batterien des Feindes kräftig unterstützt, aber jedes Mal glücklich abgeschlagen wurden. Die unerwartete Ankunft des heute früh vom GL. von Thielmami entsendeten Linien-Bataillons steigerte den Muth der Besatzung zur standhaften Ausdauer, an der jedes fernere Unternehme» des Feindes scheiterte. Nachdem Gen. Maison sich überzeugt hatte, daß' es ihm nun nicht mehr gelingen werde, die Stadt mit stürmender Hand zu nehmen, beschrankte er seine Angriffe auf ihre Beschießung, und fügte ihr dadurch einen namhaften Schaden zu. — Wahrend der Nacht wurde die Garnison durch die Ankunft der Abtheilungen des Oberstlieutenants von Thümen und GM. von Gablenz verstärkt, der Feind aber zog, unter Zurücklassung einer Anzahl von 3 bis Hoo Mann an Todten und Verwundeten, in aller Stille nach Lille ab.

Das Detachement des Grafen von Lottum war zwar sehr früh von Gent über Deynse aufgebrochen, konnte aber erst einige Stunden nach Entscheidung des Gefechts bei Courtray in der Gegend von Ha er lebete eintreffen. Es fand letztern Ort nur noch durch schwache feindliche Posten besetzt, warf sie nach geringem Widerstände heraus, und nach einem kurzen Gefecht, das in der Ebene vor Courtray Statt fand, in diese Stadt zurück. Die Vorposten wurden bis an die Thore derselben vorgeschoben, Courtray aber, so wie es der Feind verließ, noch während der Nacht besetzt, und derFeind auf der Straße nach Lille verfolgt.

Am i. April früh marschirte der GL. von Thielmann mit seinem Korps aus Oudenaerde nach Tour»I a y ab; der Graf Lottum kehrte mit seinem Detachement von Courtray nach Gent zurück, wo er 2 Landwehr-Battaillons der Anhalt-Thüringischen Division, — Gotha und Weimar, — als Besatzung ließ. Der Gen. Graf Wallmoden hingegen nahm mit der bei sich habenden ersten Brigade seine Aufstellung wieder zwi« schen Alost und Oudenaerde. Letzteres wurde durch das Korps des Majors von Hellwig besetzt gehalten, und Courtray durch dasselbe nur patrullirt. *) ,

') GL. von Thielmann belobte in einem besonder» Tagesbefehl das tapfere Benehmen der Besatzung von Tournay, so wie der wenigen Linientruppen, welche bei Courtray gefochten, und durch ihre rühmliche Hingebung das Ganze, wo nicht vom Untergänge, doch von der gänzlichen Auflösung retteten; eine ehrenvolle Anerkennung, die ihnen im vollen Maaße gebührte. Eben so mißfällig sprach er sich über das Verhalten des 5. Landwehr-Regiments und einiger in das Gefecht verwickelt gewesener Bataillons der Vundestruppen aus. Niemand vermochte die Leistungen, die von jener in Sachsen neu gebildeten Truppe zu erwarten standen, richtiger zu würdigen als er; denn sie war unter seiner Leitung entstanden. Wenn auch vielleicht nicht gänzlich fehlerhaft in ihrer Organisazion, so zählte sie doch nur äußerst wenig erfahrene Linienoffiziere in ihren Reihen, war zwar voll des besten Willens, aber im eigentlichen Sinne des Wortes zusammengerafft, bekleidet, bewaffnet und in Marsch geseht worden, kaum mit der Handhabung der Waffen und der nöthigsten taktischen Fertigkeit, mit der Fechtart in zerstreuter Ordnung aber gar nicht vertraut. Dennoch schien manden alten Erfahrungssatz aus dem Gedächtniß verlo

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