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noch nicht selbstständig genug, mit seinem schwächern, 'größtentheils aus junger, unerprobter Mannschaft zusammengesetzten, Korps sich dem Rückzuge des Feindes widersetzen zu können. Er ging deßhalb am 27. März wieder nach Tournay zurück, um in Oudenaerde 4 Bataillons und 1 Schwadron *) aus Sachsen in Brüssel angekommene Verstärkung, zum größten Theil aus Landwehr bestehend, an sich zu ziehen, und dort das Nähere abzuwarten. —

Man war zwar über den eigentlichen Plan des FeindeH noch nicht recht ins Reine; indessen war wohl einzusehen, daß eine Invasion desselben nach Brüssel für die Waffen der Verbündeten nicht den vortheilhaftesten Eindruck auf die bisherige leibliche Stimmung der Bewohner von Belgien hervorbringen werde. Der Herzog mußte daher Alles aufbieten, wenigstens diese zu vereiteln. Auf seine Anregung sammelte der preußische Gouverneur von Brüssel Oberst Graf Lottum daselbst nicht nur 4 sächsische Bataillons, **) 3 Kompagnien Jäger und 1 Schwadron preußischer Dragoner, mit denen er am 27. März Alost besetzte; sondern er

*) Es waren i Bataillon des 1. Linieninfanterie. Regiments, 3 Bataillons des 5. Landwehr-Regiment«, und die 4. Schwadron des Husaren-Regiments. 3 Bataillons des 4. Laüdwehr-Regiüients, die 2. Zwölfpfün» der-Batterie und der große Par? der Artillerie waren noch bei Brüssel zurück. Die 4, Schwadron des Uhlanen. Regiments aber schloß sich an die Abtheilung des GM. von Gablenz. ") 2 Bataillons des 4. Landwehr. Regiments; — und 1 Landwehr.Bataillon Gotha, 1 Landwehr-Bataillon Weimar, beide bisher als Garnison in Brüssel.

vermochte auch den mit dem Kronprinzen von Schweden bei Lüttich in Kantonirung gestandenen kaiserlich russischen GL. Grafen von Wallmoden, mit seiner Division dem bedrohten Brüssel zu Hilfe zu eilen. Dieser setzte sich wirklich von Löwen in Bewegung, so daß die aus 4 Bataillons, 4 Schwadronen und 2 Batterien bestehende erste Brigade seiner Division am 5o. März in Alost, die zweite Brigade aber vorAntwerpen eintraf, und den GM. von Gablenz ablöste, der durch i Bataillon des 4> Landwehr-Regiments und die 2. Zwö'lfofünder-Batterie verstärkt, mit 4 Bataillons, 3 Schwadronen und i^Artilleriesbücken den 3o. März ebenfalls in Alost ankam. Der Graf Lottum stand bereits seit dem 27. März hier, hielt den Posten von Termonde besetzt, und wurde am 2g. März durch den Feind von Gent her retognoszirt, wies ihn jedoch nach unbedeutenden Patrullengefechten wieder dahin zurück. Auch der Herzog begab sich am 5o. selbst nach Alost, wo nunmehr ein Korps von i2 Bataillons, 3 Komvagnien Jäger, 6 Schwadronen und 3» Artilleriestücken, zusammen gegen gooo Mann und 1000 Pferde, lonzentrirt war.

Der GL. von Thielmann stand in Oudena erde, und hatte in Tournuy eine Besatzung von 2ono Mann unter dem Oberst von Egloffstein zurückgelassen; zu dessen Unterstützung der preußische Oberstlieutenant von Thümen mit seinem Detachement von St. Ghislain nach Leuze, die übrigen Posten der Chaine gegen Cond6 und Valenciennes aber etwas rechts rücken Müßten. Die Stärke der verfügbaren Kräfte des GL. von Thielmann betrug demzufolge noch , 1 Bataillons oder Looo Mann, 5 Schwadronen oder 7<><> Pferd«., und »5 Artilleriestücke, *) »ebst dem stiegenden Korps des Majors von Hellwig; welches letztere er, durch i Bataillon und 2 Kanonen verstärkt, die Posten von Courtray, Haerlebeke und Deynse halten ließ. Der Mqjo? Graf Pückler benutzte die Gelegenheit, sich mit seinem Detaschement und dem ungefähr Ho« Mann starken Stamm eines Regiments der belgischen Bewaffnung von Brügges weg, und im Rücken des Maisonschen Korps aufCouitray und Tour« nay zurückzuziehen. < .

Die Absicht des Feindes war nicht, wie man anfangs zu fürchten allerdings Ursache gehabt, auf Brüssel , sondern auf die Vereinigung mit einem Theil der überflüssig starken Garnison von Antwerpen gerichtet, die schon am 27. März wirklich bewerkstelligt wurde, und die Stärke des Maisonschen Korps dadurch auf 12 bis i5,ooo Mann Infanterie, 1.00 Pferde und 26 Artilleriestücke brachte. Da indessen, auch nach dem bereits erreichten Zweck, der Feind hartnackig in Gent verweilte, so beschloß der Herzog, ihn am 3i. auf dem fechten Scheide-Ufer förmlich anzugreifen. Doch der Graf Lottum, der die Vorhut des Korps bei Alost bil» dete, so wie auch die Vorposten des GL. von Thiel

') Die Eintheilung dieser Truppen war folgende: Erst« Brigade, GM. von Brause; Z Bataillons des 1. Linien»

, Infanterie-Regiments,3'Bataillons des i,Landwehr.Regiments. Zweite Brigade, GN. Prinz Paul von Wür» temberg; 3 Bataillons des 3. Landwehr-Regiments, 2 Bataillons der Anhalt.Thiiringischen Division, nämlich l Anhalt-Bernburg und 1 Schwarzbucg. Der ersten Brigade waren die Husaren, der zweiten aber die Küras. ssere zugetheilt.

mann überzeugten sich, baß de« Feind bereits am 3o. früh drei Uhr Gent verlassen, die Posten von Deynse und Sweweghem gesprengt, und den Rückzug auf Courtray angetreten habe. Zugleich suchte er, die» sen durch eine starke Rekognoszirung vor Tournay zu unterstützen; indem er unter Begünstigung eines Nebels die Vorposten gegen Lille übersiel, und bis unter die Kanonen von Tournay zurückdrängte, der herbei» eilenden Verstärkung aber augenblicklich wich. Der Graf Lottum besetzte Gent sogleich, ließ den Feind durch die Kosaken des Oberst Bychalow verfolgen, und Gefangene machen. GL. von Thielmann aber, nachdem er die detaschirten Posten an sich gezogen, brach von Oudenaerde nach Avelghem auf, um am andern Morgen, den 3i., bei derHand zu seyn, und wenigstens die feindliche Arriergarde angreifen zu können. *) Die

') Herr von Hüttel, in seiner biographischen Skizze des Gen. Freiherrn von Thielmann, sagt daselbst Seite 56 und 57: „Kaum hatte der Gen. Thielmann ,,»m Zo. zu Oudenaerde Nachrichten von obigen Ne> »gebenheiten erhalten, als er, ohne sich durch die gelinge Stärke seines Korps abschrecken zu lassen, so»fort nach Avelghem (an der Scheide, etwa 2 Lieues »von Courtray) aufbrach, um am 2i. früh bei Cour»tray » parte zu seyn, mindestens die feindliche Arrier» »garde anzugreifen; — denn über das Resultat der „Maisoxschen Unternehmung im Irrthum, glaubte er, »nur «inen Theil von dessen Korps bei Courtray zu »finden, — und beabsichtigte, denselben dort so lan» „ge festzuhalten, bis die Generale Graf Wallmoden „und von Gablenz, einer Verabredung gemäß, von Alost «über Oudenaerde zu dessen völliger Vernichtung her» »an seyn konnten.« Und in der dazu gehörigen Anmer» Wichtigkeit der Behauptung Tournays fühlend, ent« sendete er jedoch noch das i. Bataillon seines Linien^ Regiments, um, auf dem rechten Ufer der Scheide markung: »Es war die Meldung eingegangen: daß „Gen. Maison in zwei Kolonnen über Vrigge (Brügges) im Marsch,« begriffen sey.« — Ob diese, das gewagte Spiel des GL. von Thielmann allerdings entschuldigende, Angabe wirklich die Stimme seiner in» nern, reinen Überzeugung war, möge die Zusammen» stellung nachstehender geschichtlicher Thatsachen erweil sen. Denn: ,) hatte er vom Herzog nicht nur keinen Befehl anzugreifen, vielmehr die Weisung empfangen, bei der doppelten Schwäche an Zahl und Unerprobt» heit seiner Infanterie mit Vorsicht jeder ernstlichen Verwickelung mit dem Feinde sich zu enthalten. 2) war es nicht denkbar, daß der kriegserfahrene Gen. Mai» son seine von allen Seiten bedrohte Macht in Kolon» nen zersplittern, und dadurch der Gefahr preisgeben würde, einzeln aufgerieben zu werden. Sollte endlich 3) GL. von Thielmaim, nach den aus dem Hauptquartier des Herzogs ihm zugegangenen Nachrichten von . der Räumung von Gent, über die Resultate der Maisonschen Unternehmung noch im Irrlyum gewesen seyn, so durfte ihm wohl die loyale Erklärung die Augen geöffnet haben, die Gen. Maison dem am 3o. März vom Gen. Thilmann an ihn abgeschickten Parlamentär mündlich gab, nämlich: „er sey nicht mehr so schwach, als man es vielleicht unserer Scits glaube; er würde dem Gen. Thielmann die Beweise geben, wenn er im off» nen Feld« mit ihm zusammentreffen sollte." — Su^ chen wir daher die Triebfeder zu den, gewagte» Schritt in etwasAnderm. Er wollte mit »»getheiltem Ruhme dem Feinde seine Nähe fühlen lassen, »och bevor das Korps unter dem Grafen Wallmoden sich mit ihn, «reinigte.

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