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linien zu benützen. Indessen sey diese Operazionsliuie etwas länger, führe durch waldiges, sumpfiges Land, habe weniger Hilfslinien und Querverbindungen. Zwischen dem Riemen und der Veresina seyen übrigens Minsk und Dokschitzy die wichtigsten Punkte.

Der Verfasser zeichnet nun dem Angreifereinen Öperazionsplan vor, der von der Linie zwischen Kowno und Wrodno ausgeht, und Moskau zum Ziel hat; das er, ob es gleich um i2tz d. M. weiter als Petersburg entfernt ist, mit Recht für das wahre Operazionsobjekt hält.

Aus der Strecke zwischen Kowno und Grodno, dem ersten strategischen Aufnlarsch, soll der Angreifende, nach Überschreitung der Grenze, in die zweite strategische Auf« stellung übergehen, deren linken Flügel die Hauptstadt Li» thauens Wilna, den rechten das Städtchen Nelitzä <»on Wilna auf Velitza 17 M.) am oberen Niemen bildet. Aus dieser zweiten Stellung habe der linke Flügel nach Smor» gony und Mikalitschky (il M.) zu marschiren, der rechte Flügel und die Mitte aber sich über Nowogrodekund Reswige auf Nowa Swergen (14 M.) zu wenden. Aus der dritten strategischen Aufstellung habe der linke Flügel schnell nach Glubokoe und Dokschitzy (.4 M-) zu marschiren, um die Vertheidiger zur Verlassung der Veresina zu zwingen. Smolenßü bliebe dann nur noch durch Nabinowiczy, Orcha undMohilew gedeckt. Orcha,zu beiden Seiten derHauptoperazionslinie, und am Dnieper gestützt, sey schwer zu nehmen. Man werde leichter zum Ziele kommen, wenn man sich gegen Babinowiczy oder Mohilow wende. Das Erste« sey jedoch vorzuziehen, da man nicht durch den Dnieper getrennt werde.

Der linke Flügel müsse übrigen« sein vorzügliches Augenmerk auf Verhinderung aller auf die Düna basirten Gcgenbewegungen richten, und deshalb die Ufer dieses Flusses reinigen. Smolensk sey das strategische Hauptobjekt; auf dessen Erhaltung alle Kräfte der Vertheidiger gerichtet seyn müssen. In der Strecke von 5i M. zwischen Smolensk und Moskau gäbe es wohl taktische, aber keine strategischen Vortheile mehr. Alle«, was man auf das Lager bei Drissa verwendet habe, wäre nutzlos gewesen, da der Punkt kei« nen strategischen Werth besitze. Man hätte daselbst keine Schlacht annehmen können, ohne Gefahr zu laufen, die Ver» bindung mit dem wichtigen Smolensk zu verlieren. Für das wichtige Smolensk, in dem sich acht Straßen vereinen, habe man nichts gethan. Bei dieser, den Dnieper beherl» schenden, Stadt hätte man, mit Hilfe guter Verschanz««» gen. vortheilhaft schlagen, von diesem Centralpunkt auf beiden Ufern vortheilhaft manöveriren können. Smolensk fey der Schlüssel von Moskau, — Moskau das Herz des Reiches. ^

Für die Vertheidiger hat der Verfasser zwischen Kowno und Vrzesc-Litewlki acht Punkte für wichtig, je» doch nicht für geeignet erklärt, des Feindes Vordringen zu hindern. Hat der Feind Wilna besetzt, so soll der rechte Flügel der Vertheidiger hinter der Gavia die erste strategi» sche Aufstellung nehmen, indeß der linke sich bei Belitza «m oberen Niemen zu behaupten sucht. Zum zweiten strategischen Aufmarsch der Vertheidiger bestimmt der Verfasser die Linie zwischen Mikalilschky und Nowogrodek; zum dritten die Linie von Dokschitzy über Pleitschenitzy nach Minsk. Glubokoe müsse hierbei zur Sicherung des rechten Flügel« besetzt werden.

Nachdem der Verfasser die strategischen Prinzipien für den vorliegenden Fall im Allgemeinen aufgestellt, geht er auf die erste Kriegsepoche über; unter welcher Benennung er den Zeitraum von dem Über» gange der Franzosen über den Niemen bis zur Vereinigung der beiden russischen Heere b «greift.

In dem Zeitpunkte, wo das französische Heer den Nie» men überschritt, war das ruffische folgendermassen aufgestellt:

da« i. Armeekorps (Wittgenstein), 22,000 zu Fuß, 3200 zu Pferd, beiKeidany; «ine Abtheilung zur Deckung de« rechten Flügels bei Rossieirp;

das 2. Korps »Baggohufwudt), i5,oo<, zu Fuß» zwischen der Swenta und Willia.

Das 3. (Tuczkow), 18,000 zu Fuß, bei Nowi'Troki; das 4. (Schuwalow)» 1^,000 zu Fuß, bei Olkeniki; das 5. (Großfürst Konstantin), 25,000 zu Fuß, bei

Swentziany;

das l. Kavalleriekorps (Uwarow), 2200 Pferd«, bei

Wilkomir;

das 2. (Korf), 2200 Pferde, bei Smorgony;

Platow mit 700a Kosaken bei Grodno.

Das 6. Infanteriekorps (Doktorow), 16,000 M., stand

bei Lida;

da» 2. Kavalleriekorps (Pahlen), 6400 Pferde, bei

Lebioda.

Alle genannten Korps gehörten zur ersten Armee,

welche unter Befehl des Generals Barclay de Tolly

stand, der sein Hauptquartier zu Wilna hatte. Sie zählte

an regulirten Truppen 109,000 zu Fuß und 16,000 zu Pferd.*) Zur zweiten Armee, unter Befehl des Fürsten B a»

grati 0 n, der sein Hauptquartier in Wolkowiök hatte,

gehörten folgende Truppen!

da« 7. InfanteriekorpS (Raeffskoy), 16,000 Mann,

bei Nowi'Dwor.

das 8. KorpS (Vorosdin), 16,000 Mann, bei Wol

kowisk;

das 4. Kavalleriekorpö <Siever«), 2200 Pferde, zu Zelwo; ^000 Kosaken zwischen Velsk und Vrzesc»Litewski; die 27. Infanterie Division (Neverovskoy), auf dem

Marsche zur zweiten Armee, war in der Gegend von

Minsk.")

. < ,—

*) Diese und die folgenden Zahlen sind aus dem Werte des Mar« auis Vhambra! entnommen, auf das Qluneffverweist, Die Artillerie- und Genie-Truvsen sind mit «inbegriffen. ") Nach Chambrai zählte das zweite Heer an geregelten Truppen: 38,»u<> zu 3ufj, 12,800 zu Pferd, «n unregulirten 2«oo zu Fuß, !>,6oo zu Pferd. Das Infontcriclorps Woronho«, die Kavallerielorps Knorring, Wasiltschitow, die er aufführt,

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Die Moldau-Armee, über So.uoo Strelttare stark, war durch den Frieden mit der Türkei verwendbar. Man wollte Anfangs dieses Heer durch Serbien, Bosnien und Kroatien nach Italien führen. Wie man einen so abenteuerlichen Plan fassen konnte, ist schwer begreiflich; doch scheint es, daß man sich.klugerweise bald eines Nessern besann. —

Aus der angegebenen Ausstellung der russischen Heere ergibt sich nach Ansicht des Verfassers klar, daß man die Absicht hatte, in der nördlichen und südlichen Zone den Krieg zu führen; was er aus folgende» Gründen nicht billigt: das erste und zweite Heer, bestimmt in der nördlichen Kriegs» zone zu wirken, nahmen von Keidany bis Nowi-Dwor einen Raum von <o deutschen Meilen ein. Die erste Armee konnte sich bei einem plötzlichen Einbruch nur bei Wilna, die zweite nur bei Wolkowisk oder Slonim sammeln. Diese Punkte sind 23 deutsche Meilen von einander entfernt, und durch den Niemen getrennt. Der Weg von Grodno auf Minsk blieb, nach dieser Sammlung, nur durch 7000 Ko> saken gedeckt. Sie konnten den König von Westphalen nicht hindern, gegen Minsk vorzurücken, und beide Heere, deren bald« Vereinigung doch das nächste Ziel bei einem Rückzuge seyn mußte, zu trennen. Nach der Ansicht des Verfassers, der wir beistimmen, hatte das zweite Heer vor Grodno, das Hauptquartier zu Kamionka aufgestellt seyn sollen. Neid« Heere sollten zwischen der Willi« und dem Niemen operiren; dann hätte nichts das zweite Heer ge» hindert, Minsk zu erreichen. Die so wichtige Vereinigung beider Heere an der Neresina konnte iedoch nur durch einen Marsch über Minsk erreicht werden.

Die dritte Armee hätte, nach dem Verfasser, bloß ein Korps bei Stari-Konstantinow zur Beobachtung der ga« litzischen Grenze zurücklassen, seine Aufstellung aber bei Wolkowisk erhalten sollen. Der Marsch des Fürsten Schwär» zenberg von Lemberg nach Lublin habe klar gezeigt, daß der Feind nicht in der südlichen Kriegszone zu wirken ge< denke. Zu einem Einfall in das Herzogthum Warschau wäre aber der Zeitpunkt nicht günstig gewesen, d» die an Zahl

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