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es z. B. gar nichts Ungewöhnliches, bei einer und der« selben Richtung einmal eine Granate auf guoSchric» te, das andere Mal auf i5oo Schritte aufschlagen zu sehen.

Im Allgemeinen hat man die Seitenrichtung weit mehr als die Höhenrichtung in der Gewalt/ und es müßte ein sehr ungeübter Artillerist seyn, der bei einer bataillonlangen Front noch vorbei schösse. Es wäre mithin sehr wenig gewonnen, wenn eine Truppe sich dadurch den einschlagenden Kugeln entziehen wollte, indem sie sich aus ihrer gehabten Aufstellung mehr rechts u>der links zöge; denn schon nach einigen Schüssen würde der Artillerist wieder die Seitenrichlung gefunden haben. Viel zweckmäßiger geschieht dieses durch eine Vor- oder Rückwärtsbewegung, welche den feindlichen Artilleristen zwingt, die gehabte Höhenrichtung zu ändern; eine Sache, die eben nicht leicht ist, da sich die Weite des Vor- oder Rückmarsches immer nur sehr schwer beurtheilen läßt. Aber nicht selten unterbleibt die Verbesserung der Höhenrichtung ganz und gar, wenn Staub und Rauch die Beobachtung der Truppenbewegung verhindern.

Manchmal ist die Artillerie selbst an den Fehlschüssen Schuld; indem sie die Entfernung des Feindes übel beurtheilt, und dadurch eine ganz fehlerhafte Höhenlichtung wählt. Eine Artillerie, die es in der Beurthei» lung der Distanzen zur gewünschten Vollkommenheit gebracht hat, behauptet einen überwiegenden Vorzug vor jeder andern, welcher diese Eigenschaft mangelt, wenn letztere auch in ihren übrigen Einrichtungen etwas voraus hätte; denn das gute Schießen bleibt doch immer das Endresultat der gesommten Artillerie>Taktif.

Aus dieser Bemerkung stießt eine für die Truppen höchst wichtige Regel, nämlich sich so aufzustellen/ daß die feindliche Artillerie die Entfernung nur schwer zu beurtheilen vermag. Aufstellungen lhinter Gebüschen, hinter einer Reihe Baume, hinter Anhöhen, bewirken in der Abschätzung der Distanzen recht arge Fehler. Gewöhnlich wird in diesen Fallen die Entfernung zu groß angenommen, und die meisten Kugeln gehen ohne Schaden über die Truppen hinweg. Eine üble Beschaffenheit des Geschützes und der Munizion ist freilich auch eine mitwirkende Ursache der Fehlschüsse, der auch zu Zeiten viel aufgebürdet wird; doch glaube man keineswegs, daß die Geschütze, besonders die Kanonen, gar so empfindliche und launenhafte Instrumente sey/n, die heute so, und morgen wieder anders wirken. Man sorge nur für ein hinreichend festes, mithin dauerhaftes Pulver, und lasse bei der Übernahme der Munizion keine unzeitige Nachsicht eintreten, so wird man vielen Ubelstanden vorgebeugt haben. —

Nach Erwägung der Fehlschüsse läßt sich nun fragen, wie groß ist die Wahrscheinlichkeit des Treffens im Allgemeinen; was läßt sich mit Berücksichtigung der obwaltenden Umstände billiger Weise erwarten, und wie groß ist endlich die höchste, wie groß die niedrigste. Leistung der Feldgeschütze im Gefechte? — Die Beobachtung der Geschützwirkung in Schlachten und Gefechten, wo es immer der Erperimentato» ren viele gibt, könnten über diese Fragevunkce allein die sicherste Auskunftgeben. Aber wer hat Lust und Muße die Zahl der feindlichen Schüsse und ihre Treffer zu zählen? Man hat ähnliche Erfahrungen hie und da aufgezeichnet; aber sie sind simmtlich so schwankend und unsicher/ daß man durch sell« unmöglich zu einer rich» ligen Ansicht über die Geschützwirkung kommen kann. So hat man auch versucht, aus der Menge der verwendeten Munizion und aus der Angabe der Geblie» benen und Verwundeten einen allgemeinen Maßstab für Geschützwirkung aufzustellen. Aber wem wird nicht das Einseitige und Unrichtige dieser Methode sogleich ins Auge fallen? — In diese Kathegorie gehört auch die veraltete .Angabe: daß von 100 Kanonenschüssen selten mehr als einer treffe. So schlecht schießt leine Artillerie. Vor einer solchen Wahrscheinlichkeit des Treffens müßte sie erröthend eingestehen, daß sie der Kosten der Ausrüstung nicht werth sey. Übrigens dürfte auch der vor Zeilen gar beliebte Grundsatz: daß die Artillerie nur immer wieber gegen Geschütze feuern müsse, — dasSeinigezum geringen Erfolge des Geschützfeuers beigetragen haben.

Nach dem so eben Gesagten bleibt nichts anders zu thun übrig, als die aus Übungen gezogenen Schußresultate zum Grunde zu legen, und ihre Ergebnisse dergestalt zu modifiziren, daß sie jenen vor dem Feinde zu erwartenden so viel als möglich ähnlich werden. Zu diesem Ende legen wir in nachstehender Tafel die Wahrscheinlichkeit des Treffens der ösireichischen Feldkanonen vor. Ihre Ergebnisse sind aus den jährlichen Übungen des Scheibenschießens gezogen; wobei zu bemerken kommt, daß bei dieser Übung mit aller möglichen Aufmerksamkeit vorgegangen, und nur von geübten Leuten geschossen wird. Sämmtliche Resultate gründen sich auf eigene Beobachtungen, und sind keineswegs aus mangelhaften Protokollen entlehnt.

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Das Ziel ist eine Bretterwand, 6 Schuh hoch, und 45 Schritte lang.

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Man sieht aus dieser Tafel, daß die größer« Ka» liber auch ein« größere Wahrscheinlichkeit des Treffens haben; doch ist dieser Unterschied zwischen den Sechsund Zwölfpfündern so unbedeutend, daß derselbe in der Praxis gar leine Beachtung verdient. Kein Kommandant einer sechspfündigen Batterie wird daher ein Bedenken tragen, gegen Zwölfpfünder oder Achtpfün» der einen Geschützkampf einzugehen, wobei ihm noch die größere Beweglichkeit und die größere Schnelligkeit des Feuers zu Gute kommt. In diesem Falle darf die größere Perkussionskraft der zwölfpfündigen Kugeln in gar leine Betrachtung kommen, da eine sechsbändige mehr als hinreichend ist, um ein Rad, eine Achse, u. dgl. entzwei zu schlagen.

Die in der obenerwähnten Tafel angegebenen Resultate sind unter den allergünstigsten Umständen erhalten. Sie müssen daher als die höchste Leistung, als ein Idealber Wahrscheinlichkeit des Treffens angesehen wer» den. Keine Truppe würde einer solchen Wirkung widerstehe!! tonnen. Nicht so verhält es sich vor dem Feinde. Es würde eine große Unwissenheit yerrathen, eine solche Wirkung der Geschütze im Gefechte erwarten zu wollen. Schon bei solchen Artillerie-Übungen, wo meh: rere neben einander stehende Batterien mir Schnelligkeit gegen eine aufgestellie Bretterwand auf verschiedene Distanzen feuern, wird die Wirkung des Feuers ungemein herabgesetzt, wozu Rauch, Staub, und die manchmal sich ergebenden Irrungen in den Distanzen, reichlich beilragen. Nach den deßhalb gemachten Erfahrungen treffen beim Sechspfünder von iao Schüssen aufyao Schritte 40, auf tioo Schritte I7, und auf 1400 Schritte nur 55 Kugeln in die 90 Schritt lange und 6 Schuh hohe Bretterwand. Diese Wirkung ist der vor dem Feinde zu erwartenden schon um Vieles naher, indem sie unter Umstanden erhallen wurde, wie sie im Gefechte gewöhnlich vorzukommen pfiegen. Sie ist aber dennoch zu hoch, da die zu beschießenden Objekte kleiner und meistens in Bewegung sind, auch die Bretterwand nicht wiederschießt, und daher das Gemüth des richtenden Artilleristen nicht bewegt wird. Zieht man alles dieses gehörig in Erwägung, so wird man der Wahrheit sehr nahe kommen, wenn angenommen wird, daß beim Dreipfünder iooo, beim Sechspfünder i2ou, und beim Zwölfpfünder i3oo Schritt diejenigen Distanzen sind, wo die Bogenschüsse aufhöre» wirksam zu seyn; denn auf diese Entfernungen werden unter in Schüssen kaum 2 treffen. Über diese Entfernungen hinaus gehören die Bogenschüsse, sehr wenige Fälle ausgenommen, zur Munizionsverschwendung. Ist

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