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Regierung durch eine Anstrengung von sechs Monaten aufgerichtet hatte, waren ganz aufgelößt, und die Krie^ gel derselben hatten sich/ jeder »ach seiner Heimath, zerstreut. Der Verlust der Birmanen in den Gefechten vom i. bis i5. Dezember wurde auf 6noc» Mann be» rechnet. Jener der Englander belief sich an Tobten und Verwundeten auf 40 Offiziere und 5oo Mann. —

Nachdem die Englander nun die Feinde, welche durch ihre Nähe die Stellung bei Ranguhn bedrohten, zerstreuet hatten, war der Oberanführer darauf bedacht, die Armee in einen solchen Stand zu setze», daß sie am 1. Jänner 162b den Vormarsch antreten konnte. Doch ungemeine Hindernisse standen noch diesem Vorhaben entgegen. Das Heer hatte, obwohl aus den englischen Besitzungen bereits mehrere Transportschiffe mit Zugvieh bei Ranguhn eingetroffen waren, in Allem nur 2ouo Zug» und Tragthiere, und diese waren durch die Seereise so erschöpft, daß kaum die Hälfte dienstbar war. Obwohl die Regierung 5oo Bootsleute aus Dschit» tagong nach Ranguhn abgeschickt hatte, welch« unab» lässig daran arbeiteten, Fahrzeuge für den Dienst auf dem Flusse auszurüsten, so reichten doch die Vorhände» nen Boote kaum hin, um die zur Wasserkolonne be« stimmten Truppen und ihre Bedürfnisse, — keineswegs aber, um auch den Proviant für die Landkolonne, fort» zubringen. Die frischen Vorräthe waren beinahe aufgezehrt, und man durfte keine sichere Rechnung darauf machen, im Lande Lebensmittel aufzutreiben. So schie» nen als« die Umstände, den Versuch, Ranguhn zu dieser Zeit zu verlassen, ganz unausführbar zu machen. Aber die Thätigkeit und Beharrlichkeit des Gen. Camp, bell ließ sich durch alle diese Hindernisse nicht zurückhal» ten. Er hielt sich überzeugt, daß mit jedem Tag»/ den das Heer langer in Ranguhn bliebe, auch die Schwierigkeiten wüchsen; indeß mit der Vorrückung doch die Aussicht gewonnen wurde, die Einwohner auf die Seite der Engländer zu ziehen, und dann von denselben Lebensmittel zu erhalten. — Gegen Ende des Jahres kamen Verstartungen bei der Armee an, deren sie um so mehr bedurft hatte, da die europäischewTruppen derselben so sehr geschmolzen waren. Sie bestanden in der ersten Kompagnie der bengalischen reitenden Artillerie, der Raketen-Kompagnie, zwei Eskadrons der Gouverneurs-Leibgarde mit vier Kavallerie-Geschützen, und dem königlichen 4?. Regimente. Bald darauf folgten das Regiment Royal George Infanterie, nebst mehreren Bataillons Madraser Seapoys. —

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II.

Betrachtungen über die Wirkungen des Feldgeschützes.

Betrachtungen über die Wirkungen des Feldgeschützes gehören unstreitig zu jenen nützlichen Untersuchungen, welche sowohl den Artilleristen, als auch den übrige» Waffengattungen gleich interessant seyn müssen. Aus der Kenniniß der Wirkung des Feldgeschützes gehen die Aufgaben hervor, welche man einer Feldartillerie aufzulösen geben kann. Sie lehrt die den Geschützgattungen inwohnenden Kräfte und Eigenthümlichteiten kennen, und bewahrt auf diese Art vor überspannten Federungen und Erwartungen. Aus dieser Kennmiß entspringen auch diejenigen einfachen taktischen Regeln, die man überhaupt beim Gebrauch des Feldgeschützes zu beachten hat, und welche keiner Waffengattung fremd seyn dürfen. Es ist noch gar nicht lange, daß die Artillerie eine Beleuchtung der Frage über ihre Wirkung auszuhallen im Stande ist. Der von Freund und Feind gleich geachtete Gen. Scharnhorst ist der erste Artillerist, der hier die Bahn brach, und sich mit der Untersuchung über die Wirkungen der Geschütze und Geschosse gründlich beschäftigte. Der 3. Band seines trefflichen Handbuches der Artillerie liefert hiervon den Beweis. Aber eben darum, weil man bis jetzt noch zu wenig Werch auf die Untersuchung der Wirkung des Geschützes gelegt hat, bleibt noch so manches Wichtige im Dunkeln, und ei finden sich Blößen vor, die ma» auf dem heutigen Standpunkte des artilleristisch-praktischen Wissens nicht mehr vermuthen sollte. Man kann sich von dem so eben Gesagten aus den neuesten artilleristischen Wer» ken überzeugen.

Die Untersuchungen über die Wirkungen des Geschützes lassen sich allerdings nicht auf der Lehrkanzel im mathematischen Kreidenstaube ausführen. Sie sind rein das Ergebniß zahlreicher, 'unter den mannigfaltigsten Umständen ausgeführter Versuche, mithin kostbar. Doch jede Artillerie besitzt im Bereiche ihrer jährlichen scharfen Schießübungen Mittel genug, um nach und nach Alles zu erschöpfen, was in das Gebiet des praktischen Wissens gehört. Man wiederhole nur nicht immer den einmal vor langer Zeit festgesetzten Kreislauf der jährlichen Übungen; man gebe alle Jahr einen neuen Fall zum erproben auf, erwecke auf diese Art den Eifer und das Nachdenken der Artilleristen, und man wird bald «ine umfassende Reihe von Versuchen besitzen, aus welchen sich alles Erforderliche ableiten läßt.

Wir werden in unfern Betrachtungen nur das östreichistye Feldgeschütz ins Auge fassen. Keine tief gelehrten Untersuchungen sollen das Auge des Lesers beleidigen. Man wird nur das kurz berühren, was jedem praktischen Soldaten zu wissen Noth thnt. —

, Die Wirkung des Feldgeschützes hängt von verschiedenen Bedingungen ab. Diese sind: ,) Beweglichkeit;^ Geschwindigkeit des Feuers; 2) Wahrscheinlichkeit des Treffens; 4) Zerstörungskraft der geschossenen Projektile.

Es ist einleuchtend, daß die hier aufgestellten nothwendigen Bedingungen unmöglich alle im gleichen Grade der Vollkommenheit bei den Feldgeschützen vorhanden seyn können. Die Beweglichkeit ist die erste Forderung, welcher ein Feldgeschütz schlechterdings entsprechen muß, und nicht mit Unrecht, sondern ganz im Geiste der je» tzigen Kriegführung, haben neuere Schriftsteller den Grundsatz aufgestellt: «Höchste Beweglichkeit bei gerade hinreichender Wirkung." Geschütze, denen es an Beweglichkeit fehlt, sind eine wahre Last für die Truppen, sind die irnpecklneiNa der Alten, wenn sie auch sonst allen Forderungen genügten. Die Beweglich« teil muß aber aus zwei Gesichtspunkten betrachtet werden. Der Eine begreift die Kraft, um das Geschütz auf jedem Boden fortzubringen; der Andere erstreckt sich auf die L e n k b a r t e i t, worunter man den Win» kel verstehet, welchen die Deichsel mit der Mittellinie des Fuhrwerkes in dem F>,lle bildet, wenn das Vorder« lad die Laffetenwand berührt.

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Um über den ersten Punkt bei einem Geschütze oder Fuhrwerke urtheilen zu tonnen, muß man nicht allein dieGesammtlast, und die Zahl der Bespannungspferde, sondern noch überdieß das Verhältnis; wissen, nach welchem die Zugkraft bei 2, 4 und 6 Pferden abnimmt; da es ein bekannter Erfahrungssatz ist, daß 4 Pferde keineswegs das Doppelte von 2 Pferden, sondern weniger als dieses ziehen. Eine lange Erfahrung scheint es zu bestätigen, daß für jedes zuwachsende Paar Pferde um '/,„ weniger Last für i Pferd gerechnet werden müsse, wenn die Fuhrwerke mü gleicher Geschwindigkeit fortgebracht werden sollen. Rechnet man z. B. bei zweispaltigen Fuhrwerken'10 Zentner für i Pferd, so kann man bei vierspännigen nur 9 Zentner annehmen.

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