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deter Birmane gefunden. Oberstlieutenant Kelly lehrte dann in das Lager bei Ranguhn zurück. —

Da die Armee vor dem Monat Jänner leine Vor» rückung unternehmen konnte, so beschloß Gen. Campbell, die Zwischenzeit zu Angriffen auf die benachbarten feindlichen Seeprovinzen zu verwenden. Taooy und und Mergui, in der Provinz Tennsserim, waren °die nächsten Seestädte, durch deren Einnahme die Verbindung mit dem Reiche Slam eröffnet, und dann mit dessen Regierung gemeinschaftliche Operazionen gegen die Birmanen verabredet werden konnten, um deren Aufmerksamkeit zu theilen. Der Oberstlieutenant Miles wurde mit dem königlichen 89. und dem 8. Ma« draser Seapoys-Regimentern zu dieser Unternehmung bestimmt. — Die Birmanen hatten zwar vor der englischen Stellung beiRanguhn bedeutende Streitkräfte versammelt; aber sie versuchten leinen Angriff. Nur wurden die Pikete häufig von birmanischen Abtheilungen beunruhigt, welche das Lager umschwärmten, um die Bewegungen der Engländer zu bewachen, und jeden einzelnen Soldaten, der sich aus dem Kreise der Posten wagte, und in ihre Hände fiel, aufs grausamste ermordeten. — In der zweiten Hälfte des Augusts erhielt der englische Anführer Nachricht, daß die Birmanen am 27. August einen Angriff auf die Linien ausführen wollten, da dieser Tag ihnen von ihren Wahrsagern als glücklich bezeichnet worden war. Campbell bereitete sich zur Vertheioigung, ließ die Gesträuche vor der Fronce der Stellung niederhauen, Kanonen bei der großen Pagode und auf andern beherrschenden Punkten aufführen, und zwei gute Stellungen zwischen der Linie und dem Dorf« Puzzenduhn besetzen. Bald

darauf wurde von den Patrullen ein Mann von dem feindlichen Korps der Unverwundbaren gefangen, die, dreihundert an der Zahl, geschworen hatten, die Pagode Schoe-Dagon aus den Händen der Engländer zu leißen. In der Nacht auf den 28. August zeigten die Schüsse der Außenposten an, daß die Unverwundbaren zum Angriff rückten. Auf diese Schüsse folgte ein fürchterliches Geschrei der Birmanen. Diese drangen zwischen der großen Pagode und den vorgeschobenen Pike» ten durch, und bis an die zur Pagode führende Stiege vor. Hier wurden die Birmanen durch ein Piket von 5o Mann aufgehalten, und die Kanonen der Pagode feuerten einigemal mit Kartatschen unter sie. Nun entflohen sie schnell und in größter Stille, nachdem sie bei zwanzig Mann verloren hatten. —

Seit dem 6. August hatten die Birmanen die Pfahl» werke am Dalla-Flusse wieder besetzt, wurden jedoch durch eine Abtheilung des 22. Madraser Seapoys» Regiments, unter Major Lacy, angegriffen, der die Schanze mit Kanonen beschießen ließ, und dann ohne Verlust einnahm. Der Posten war für die Birmanen wichtig; indem sie sich aus demselben unbemerkt herausschleichen, und die englischen Boote auffangen, auch die in der Stadt Mainduh in Dalla aufgestellte Ab« theilung necken konnten. Daher wurde eine kleine Partei Seapoys zurückgelassen, welche dort so lange bleiben sollte, bis das Werk ganz zerstört worden wäre, und zwei Kanonenboote wurden nächst demselben im Flusse aufgestellt. In der Nacht des 6. Septembers machten die Birmanen einen Angriff auf diese Boote, erstieaen wirklich Eines derselben, wurden aber durch deren Feuer zurückgeschlagen. Es wurde dem Posten, sobald der Kanonendonner erschallte, aus der Stazio" der Flottille auf dem Ranguhn-Flusse, die Brigg Larne zur Unterstützung geschickt; welche eben noch zurecht kam, um drei feindliche Schiffe zu zerstören und fünf zu nehmen. Auch auf die Seapoys in dem Pfahlwerk machten die Birmanen einen Scheinangriff, und wurden dort ebenfalls in die Flucht getrieben. —

Im September und Oktober verminderte sich die große Zahl der erkrankten Soldaten nicht, weil der Abgang an frischen Lebensmitteln noch fortdauerte. Höchstens konnte man so viele Büffel zusammenbringen, um die Spitäler mit frischem Fleische zu versehen. Am Bord der Schiffe waren wenige Lebensmittel, und diese nur um ungeheure Preise zu erkaufen, und manchmal gm» gen auch den Marketändern ihre geringen Vorräthe völlig aus. Auch das in den nächsten Gegenden um die Stellung der Englander in Menge wachsende Obst war schwer zu erhalten, weil fast jeder Soldat, der den Kreis der englischen Vorposten überschritt, von den auflauernden Feinden aufgefangen und ermordet wurde. Gedörrte Fische, eingesalzenes Schweinen» und Rindfleisch, schlechter Zwieback, und Reis waren vier bis fünf Monate hindurch die tagliche Nahrung der Englander. Das epidemische Fieber, welches sich über ganz Indien verbreitet hatte, vereinigte sich mir der Einwirkung der elenden Nahrung und schlechten Witterung, um die Zahl der Streitfllhigen mit jedem Tage zu vermindern. Die Rekonvaleszenten wurden durch die als Folge der Krank« heit eingetretene Entkräftung auch noch lange nachher dem Dienste entzogen. Viele derjenigen, welchen es dennoch gelang, sich etwas von den in der Gegend um Ranguhn hausig wachsenden Früchten: als Ananas, """ iHo ""»

Simonien, u. dgl., zu verschaffen, zogen sich durch übermäßigen Genuß derselben einen Rückfall zu, der sie dann meistens rettungslos zu Grabe fühlte. Auch die) welche bereits wieder in die Reihen der Dienstthuenden getreten waren, litten noch lange an einer Schwäche, die, bei der unerläßlichen, anstrengenden Verwendung im Sicherheitsdienste, nicht gehoben werden konnte. Die ganze Armee zählte daher in jener Zeit kaum 3ooo Mann unter den Waffen. —

Das englische Gouvernement von Indien hatte indeß ein neues Heer von ic>,nao Mann bei Dschit« tagong, unter Gen. Morrison, zusammengezogen. Dieses sollte Ära kau erobern, und dann über die Gebirge, welche dieses Land von dem Flußgebiet des Irawaddy scheiden, in Ava einrücken, und auf die Hauptstadt losgehen. Gleichzeitig sollte Gen. Schuld am mit 5ooo Mann nach Munipuhr, und ein« Abtheilung unter Oberstlieutenant Richards durch Assam vordringen. —>

Die Birmanen waren in der Gegend von R a nguhn während dieser Zeit nicht uuthätig geblieben'. Kii-Wunghi ließ durch die Truppen seiner Arme« eine Reihe von Pfahlwerken längs demLyne-Fluß anlegen, und rückte mit diesen Verschanzungen immer näher gegen Ranguhn. Auch die bei Kylluh und Coghih gestandenen Truppen waren vorgerückt. Da es schien, als ob die Birmanen den Plan hegten, die englische Linie gar nicht anzugreifen, so wäre es den Engländern nothwendig gewesen, selbst die Offensive zu ergreifen, und auf den Feind loszugehen. Aber das Land war noch zum Theile überschwemmt. Der General fand es nicht gerathen, die Soldaten der so nachtheilige» Nasse auszusetzen, außer, wenn dringende Noth es forderte. Daher wurden die offensiven Maßregeln für bessere Zeiten verschoben. — Gegen Ende September hofften die Engländer, daß die Regen aufhören, oder doch weniger häufig werden würden. Aber als der Zeit" räum ihrer gewöhnlichen Dauer bereits vorüber war, trat noch keine Wetterveränderung ein. Am Morgen bedeckten Nebel das Land, welche bis neun Uhr Vormittags anhielten. Trat einmal eine kurze Unterbr«« chung des Regens ein, so folgten aus dem morastigen Boden verpestete Ausdünstungen, welche durch die große Hitze dieser Jahreszeit erzeugt wurden, und ihr« verderblichen Wirkungen auf die Gesundheit der Truppen bereits durch die vermehrte Sterblichkeit und die große Zahl der Kranken erwiesen hatten. —

Am 4. Oktober wurde Major Thomas Evani mit 2oo Europäern vom 38. Regiment auf der Flottille «ingeschifft. Das Dampfschiff und eine Korvette von achtzehn Kanonen begleiteten denselben auf dem öyne.-Flusse. Dieses kleine Korps sollte den rechten Flügel von Kii-Wunghis Armee, der am Flußufer sich verschanzt hatte, von dort vertreiben. Die leichte Brigade, nämlich das 3. und 34» Regiment der Madraser Seapoys, rückte unter Oberstlieurenant S mith auf der Peguer Straße vor, und sollte, indem sie die Aufmerksamkeit der Birmanen auf sich lenkte, es verhindern, daß sie ihre Streitkräfte nicht auf einem ein» zigen Punkte zusammenzögen. Diese Kolonne war Loa Mann stark, und mit 2 Kanonen versehen. Sie brach vor Tage auf, und stieß bei dem Dorfe Kogien auf ein ungeheures, doch von Feinden nicht besetztes, Pfahlwert. Die Kolonne marschirte durch dasselbe weiter,

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